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News Kategorie: Heimkino
Heimkino

LESERKINO (2): Große Leinwand und 23 unsichtbare Lautsprecher

25.12.2015 12:54 Uhr von Jochen Schmitt

Ein ganz besonderes Wohnraumkino hat die Redaktion dieses Mal zu einem Leser nach Hörstel gelockt. Im Wohnzimmer ist nur eine große Leinwand zu sehen – wo die weiteren Komponenten versteckt sind, erfahren Sie in unserem Bericht zum „Shabby Chic“.

Stefan nahm sich etwa ein Jahr Zeit, um seinen persönlichen Traum vom Heimkino ausführlich zu planen. Da er in Sachen Heimkino noch recht unbedarft war, suchte er Hilfe in verschiedenen Foren. Treu blieb er dann dem Forum „Poison Nuke“, auf dessen Seiten er viele nützliche Hinweise fand, wie ein Kinoaufbau in der Praxis am besten auszusehen hat. Vor allem bekam er hier konkrete Tipps und Anleitungen, wie er sein Wohnraumkino akustisch optimieren konnte, und machte sich so ausgerüstet an den Aufbau.

Erste Versuche

Zu Beginn hatte Stefan noch recht vage Vorstellungen von seinem Kino-Setup und experimentierte unter anderem mit selbst gebauten Hornlautsprechersystemen, die aber klanglich nicht zufriedenstellen konnten. Dank der Hinweise von Forenmitgliedern und letztlich der eigenen Unzufriedenheit mit dem erzielten Ergebnis entschloss sich Stefan, sein Projekt komplett umzukrempeln und mit neuem Konzept kompromisslos nach vorne zu treiben.

Da er einen bestimmten Etat einhalten wollte, baute Stefan alle Lautsprecher und die Leinwand selbst. Das Wohnzimmer gestaltete er ebenfalls in Eigenregie auf die akustischen Bedürfnisse eines Kinos um. Durch die große „Cheap-Trick-Leinwand“, die beinahe die gesamte Stirnseite des Wohnzimmerkinos bedeckt, war es ein Leichtes, alle Frontlautsprecher hinter dem akustisch transparenten Tuch zu verbergen. Stefan ließ es sich nicht nehmen, sogar einen Fernsehlift für den 42-Zoll-LCD zu bauen, der den TV bei Nichtbenutzung optisch verschwinden lässt.

Ausstattung

Etwa fünf Monate benötigte Stefan für den Aufbau seines Heimkinos, das wir spontan aufgrund des Stils, natürlich mit der Einwilligung des Besitzers, „Shabby Chic“ getauft haben. Als Fan des amerikanischen Einrichtungsstils, die Veranda ist ebenfalls im US-Stil aufgebaut, war es für Stefan nur logisch, dass er sein Wohnzimmer mit „Wainscoting“ ausstatten würde. Diese Wandvertäfelungen sind in den Vereinigten Staaten sehr beliebt und deshalb weit verbreitet.

Der Wandschrank und die Vertäfelungen sind mehrschichtig mit „Milk Paint“ gestrichen und danach auf alt getrimmt worden. Grundiert wurde alles im Farbton „Barn Red“, danach erfolgte der dreimalige Auftrag der Milk Paint „Buttermilk“. Nach Abtrocknung wurde vorsichtig geschliffen und mit Hartwachsöl versiegelt. So entstand der gewünschte „Used Look“, der eigens für die Lautsprecher gebauten Schränke und Vertäfelungen. Die Frontschränke unterhalb der Leinwand sind im Farbton Mahagoni gebeizt und bieten Platz für die gesamte AV-Technik. Die hinteren und seitlichen Effektkanäle werden von einem Breitbänder-Array übertragen.

Versteckt sind die zwölf 3-Zoll-Treiber hinter dem optisch wunderbar ins Shabby Chic passenden Gitarrenverstärker-Bespannstoff „Salt & Pepper“ von Marshall. Stefan hat es geschafft, insgesamt 23 Lautsprecher in seinem Wohnzimmer unsichtbar einzubauen, darunter acht 30-cm-Subwoofer – tolle Leistung!Die Wände wurden im Farbton Dust von Jette Joop gestrichen, ein „frisches Matschgrau“, wie Stefan sagt. Dadurch werden Überstrahlungen verringert, wodurch sich die Bildwiedergabeeigenschaften des Projektors erheblich verbessern ließen. Zudem wirkt das Grau absolut edel.Um Schallreflexionen zu minimieren, wurden vier Basotect Absorber (50 x 50 x 7 cm) installiert. Sie sind mit Stoff bezogen (bordeauxroter Taft mit schwarzer Beflockung) und mit LED-Schienen hinterleuchtet. Die Lichtfarbe kann nach Belieben angepasst werden. Das Hintergrundlicht wird von der Familie in erster Linie zum Fernsehen benutzt. Bei Besuchern kommen die hinterleuchteten Wandelemente immer gut an.

Technik

Hinter der 21:9-Leinwand mit Sheerweave-Tuch (3,24 x 1,44 m) hat Stefan drei identische Frontlautsprecher vertikal auf halber Höhe der Leinwand angeordnet und auf den Hörplatz angewinkelt. Die beiden äußeren Lautsprecher wurden so weit wie möglich an den Rand der Leinwand gerückt. Um Änderungen an der Technik vorzunehmen oder Wartungsarbeiten durchzuführen, kann Stefan die Rahmenleinwand nach oben klappen. Die Monitore SB6 Pro von H-Audio mit 160-mm-Kevlar-Chassis aus dem Profibereich und 30-mm-Hochtönern mit großen Waveguides haben einen erfreulich hohen Wirkungsgrad.

Neben den linken und rechten Frontspeakern sitzt je ein 30er-Subwoofer mit 60 Liter Gehäusevolumen. Zwei weitere baugleiche Subwoofer mit den Klassikern W300S von Visaton kommen im Schrank darunter zum Einsatz. Hinter der rechten Schranktür ist das Rack mit AV-Technik ausgefüllt, dominiert von dem Yamaha AV-Receiver RVX-1800 und der PA-Endstufe P3500S des gleichen Herstellers. Ein Prozessor von Behringer kümmert sich um das Bassmanagement. Für die Reproduktion der Effektkanäle sind insgesamt zwölf 3-Zoll-Breitbänder von Dynavox zuständig.

Zwei Surroundarrays mit je vier Breitbandchassis sind seitlich der Couch eingebaut, vier weitere Fullrange-Treiber verrichten im Rücken der Zuhörer/Zuschauer ihren Dienst. Allesamt sitzen hinter den mit dem Bezugsstoff „Salt & Pepper“ bespannten Wandvertäfelungen in eigenen, kleinen Gehäusen. Wohltuende Rückenmassagen versprechen die vier Visaton-Subwoofer, die spiegelsymmetrisch zu den vier Woofern der Frontseite in der Schrankwand verbaut sind.

Mit Equipment von Alesis und Behringer hat Stefan sein Shabby Chic eingemessen und akustisch optimiert. Gesteuert wird das Heimkino mit der Fernbedienung Harmony One von Logitech. Die beiden Töchter freuen sich über die Integration der Spielekonsolen Playstation 2 und Nintendo Wii in das Heimkinosystem, da mit dem riesigen Bild und genialen Sound das Spielen erst richtig Spaß macht.

Ausblick

Obwohl Stefan mit den Leistungen seines Kinos schon sehr zufrieden ist, wünscht er sich noch weitere Verbesserungen im Detail. So spielt er mit dem Gedanken, die Raumakustik-Software „Dirac Live“ einzusetzen, um die letzten Raummoden zu entschärfen und die Impulsantwort zu perfektionieren. Zudem möchte er seine Leinwand im Format 16:9 maskieren können und die Lichtsteuerung weiter ausbauen.

Film-Vorführung

„Hoffentlich geht es bald rund“, dachten wir uns, als wir die Lautsprecher-Bestückung in diesem Kino gesehen haben. Denn acht großeSubwoofer in einem doch recht kleinen Wohnzimmer sieht man als Redakteur nicht alle Tage. So nahmen wir auf dem bequemen Sofa Platz, um uns ausgewählte Sequenzen von Blu-ray für den Bild- und Hörtest von Stefan vorführen zu lassen. Den Anfang machte „Unsere Erde“ mit der grandiosen Eröffnungssequenz und einigen Szenen aus dem Dschungel. Beeindruckend transportierten die Surroundarrays die Effekte in den Hörraum und schafften eine tolle Mittendrin-Atmosphäre mit wunderbar plastischen Details.

Mit dem Klassiker „Master & Commander“ wurde dann der Pegel auf Maximallautstärke gefahren, was ein breites Grinsen auf die Gesichter aller Anwesenden zauberte. Die Schlacht zwischen den Kriegsschiffen haben wir selten zuvor so eindrucksvoll erlebt, jeder Einschlag der Kanonen war wie eine kleine Explosion – da zitterten unsere Hosenbeine und die große Couch im Takt mit. „Batman – The Dark Knight“ konnte in Sachen Wucht und Präzision gleichziehen, auch die wunderbar herausgearbeiteten Details ringsum kamen gut bei uns Hörern an. Vollends zum Erlebnis wurde die Vorführung dann, als Stefan „Tron – Legacy“ in den Player legte.

Der Filmscore von Daft Punk bescherte uns eine prächtige Gänsehaut. Im Tieftonbereich sind die acht Subwoofer wirklich eine Macht und schaffen mit Nachdruck, bei großer Präzision, ein enormes Bassfundament. Das Rennen der Racer war dann der Höhepunkt unserer Vorführung. Hier stimmt einfach alles: Die Bässe schieben gnadenlos, Mitten und Höhen sind ausgewogen und der Raumeindruck ist brillant. Am liebsten hätten wir den Film in voller Länge angesehen. Doch auf zu den nächsten Sequenzen aus „Iron Man 2“, die eindrucksvoll zeigen, wie man Rennautos mit der „Elektropeitsche“ zerlegt und zu den Klängen von AC/DC als fliegender Eisenmann einen spektakulären PR-Auftritt hinlegt.

Zum Abschluss folgte der Absprung der Soldaten am D-Day aus „Band of Brothers“, bei dem das Kino abermals zeigte, wie enorm wichtig gut arbeitende Effektkanäle für eine realistische Raumdarstellung sind.

Wenn wir bei diesem Kino etwas kritisieren wollten, dann wären das die ab und an zu Moiré neigende Leinwand und die bei Extrempegeln anschlagenden Breitbänder der Surroundarrays. Aber glauben Sie uns, das machen die kleinen 3-Zöller erst bei wirklich sehr hohen Pegeln. An dieser Stelle möchte ich Stefans Sicht zur Vorführung zitieren: „Ich fuhr Maximalpegel. Das bedeutet, knapp bevor der Wandschrank das Bestreben entwickelt, die Leinwand vorne besuchen zu wollen. Und so druckvoll, dass jeder versteht, dass ich keine Buttkicker brauche.“ Dem haben wir nichts hinzuzufügen!

Fazit

Dieses Wohnzimmerkino macht wirklich großen Spaß und bietet enorm viel für Auge und Ohr. Stefan hat alle Arbeiten von der Planung bis zum Auf- und Ausbau in Eigenregie geleistet, was uns den Hut ziehen lässt. Klanglich ist das Shabby Chic allererste Sahne – wohl dem, der zu Filmvorführungen von Stefan eingeladen wird oder hier spielen darf.

Jochen Schmitt
Autor Jochen Schmitt
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Datum 25.12.2015, 12:54 Uhr
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