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Kategorie: Schallplatte

Musikrezension: Berliner Philharmoniker, Wilhelm Furtwängler – Beethoven, Bruckner, Schubert, Brahms, Wagner (Audite)


Von Raum und Zeit

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Ich liebe LP-Boxen – mein armes Plattenregal biegt sich unter den dicken Schätzen, die ich im Laufe der letzten 20 Jahre teilweise ziemlich wahllos zusammengetragen habe. Leider ist die Produktion solcher Groß-Veröffentlichungen inzwischen recht überschaubar geworden. Und so bin ich aus unterschiedlichen Gründen hoch erfreut über die neue 14-LP-Box von Audite, einem Label, das sich der Hebung verschollen geglaubter musikalischer Schätze verschrieben hat.

Live-Aufnahmen aus den Jahren 1947 bis 1954 sind in dieser Box, die für RIAS Berlin aufgenommen wurden und bereits seit einiger Zeit in einer CD-Box vorliegen. Im Vergleich zu dieser digitalen Variante ist die 14-LP-Box um einige Aufnahmen ärmer – allen voran fehlt das Beethoven-Violinkonzert mit Yehudi Menuhin. Zudem sind keine modernen Komponisten vertreten, die auf der CD-Edition zumindest mit kleineren Werken zu ihrem Recht kommen. Der interessante Einblick in die Interpretation progressiver Musik durch den Traditionalisten Furtwängler bleibt dem Analoghörer also verwehrt. Dennoch: Hörenswert ist die Kompilation allemal – vor allem wegen der superben Klangqualität der alten Monotonbänder. Dass auf dem Weg zum fertigen Produkt einige Hürden zu nehmen sind, ist klar: Zunächst einmal müssen die alten Masterbänder überspielt werden – dies setzt ihre technische Unversehrtheit oder einigen Restaurationsaufwand voraus. Dann muss man eine Bandmaschine haben oder aufbauen, die das Material überhaupt adäquat wiedergeben kann und schließlich – wohl die heikelste Stelle – kommt die Entscheidung, inwieweit man die Originalaufnahmen einfach belässt, von Nebengeräuschen befreit oder gar an moderne Hörgewohnheiten anpasst. Hier sehe ich die größte Leistung des Remastering-Ingenieurs, der gar nicht erst versucht hat, die Aufnahmen zu „frisieren“.

Das macht sich natürlich vor allem bei den ganz alten Aufnahmen aus dem Jahr 1947 bemerkbar, die dynamisch wie vom Frequenzumfang her deutlich reduziert sind. Die späteren Bänder sind dagegen verblüffend offen, brillant und dynamisch. Dass es sich durchweg um Mono-Aufnahmen handelt, stört mich nicht im Geringsten: Über die normale Stereoanlage abgespielt, kommt das Signal natürlich nur aus der Mitte, hat aber durch den authentischen Nachhall des Titania-Palastes genügend Rauminformation, um einen großen Klangkörper zu generieren. Interessant ist die Gegenüberstellung der 5. und 6. Symphonie Beethovens, beide im Abstand von sieben Jahren in jeweils einem Konzert gegeben. Sieht man einmal von der Aufnahmetechnik ab, dann vermitteln die frühen Konzerte, aufgenommen kurz nach Furtwänglers Wiederzulassung als Dirigent durch die Entnazifizierungskommission die Aufgewühltheit des Dirigenten, dem sein Wunsch, auch zwischen 1933 und 1945 einfach weiterarbeiten zu können, beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Die kontrollierteren, auch technisch sicher besseren Versionen von 1954 wirken dagegen fast ein wenig zu abgeklärt und introvertiert. Äußerst gelungen dagegen die Achte von Bruckner, in der Furtwängler den gewaltigen Spannungsbogen über vier Plattenseiten aufrecht erhält.

Berliner Philharmoniker, Wilhelm Furtwängler – Beethoven, Bruckner, Schubert, Brahms, Wagner (Audite)


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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 23.04.2012, 11:02 Uhr
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