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Kategorie: Schallplatte

Musikrezension: Komponist: Igor Strawinsky · Interpret: Silver-Garburg Piano Duo - Petrouchka, Le Sacre du Printemps (Berlin Classics)


Komponist: Igor Strawinsky · Interpret: Silver-Garburg Piano Duo - Petrouchka, Le Sacre du Printemps

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Und mal wieder ein „Sacre du Printemps“ – ich möchte eine Aussage, die ich an anderer Stelle in diesem Heft gemacht habe, ergänzen: Gefühlte 80  Prozent aller Klassik-Neuveröffentlichungen bestehen aus den vier Jahreszeiten und dem Sacre ... Okay, genug der Polemik, zurück zur Musik. Klavier zu vier Händen steht groß über dem Album. Das Ehepaar Sivan Silver und Gil Garburg musiziert  seit Jahren schon auf einem außergewöhnlich hohen Niveau – vielleicht kann man so auch nur zusammenspielen, wenn man auch zusammen lebt. Nun ist der sperrige und anspruchsvolle Strawinsky kein Komponist, auf den man unbedingt als Erstes kommt, wenn man an vierhändige oder  irgendeine Klaviermusik denkt. Tatsächlich stand Strawinsky dem Instrument Klavier Zeit seines Lebens eher reserviert gegenüber, war es für ihn  doch das Symbol des egomanischen Solovirtuosen der Romantik – ein Gräuel für den Komponisten, der stets das Zusammenspiel des Orchesters als  optimale Form gesehen hat. Und doch gibt es sowohl für den „Sacre du Printemps“ als auch für den „Petruschka“ eine vom Meister selbst erstellte  Notation für Klavier zu vier Händen – aufgeschrieben für Probenarbeiten mit Ballet, bei denen ja selten ein ganzes Orchester zur Verfügung stand.

Nun, diese Versionen sind im Lauf der Jahrzehnte etwas in Vergessenheit geraten – die ursprünglichen Balletmusiken haben sich längst als reine  Orchesterwerke in den Konzertsälen der Welt etabliert. Und doch hat die vorliegende Aufnahme ihre ganz eigene Berechtigung: Sie macht sich nämlich frei von oftmals zu verbrämenden und verklärenden Interpretationen einzelner Dirigenten, die das Archaische, das Perkussive gerade im Sacre gerne mal etwas „zukleistern“ – im Spiel auf dem  Klavier kommt die anfängliche musikalische Intention Strawinskys wieder zum Vorschein: Ein heidnisches Opfer-Ritual, das in all seiner naturverbundenen Ursprünglichkeit und Grausamkeit bis zum Tod zelebriert wird. Bei dieser atemberaubend dynamischen Interpretation des Duos Silver- Garburg kann man sogar ein bisschen den Kulturschock nachvollziehen, den das Pariser Publikum 1913 bei der Uraufführung des Balletts hatte.  Dem gegenüber tritt der Petruschka ein bisschen in die zweite Reihe – aber auch der tragischen  Geschichte über die zum Leben erwachten Holzpuppen auf dem Jahrmarkt entlocken die Pia- nisten atemberaubende Klänge und aberwitzige Dynamik, bis es zur Katastrophe und zum Tod  des Protagonisten kommt, der schließlich als Geist wieder erscheint. Keine Pinocchio-Story also.

Die beiden Künstler spielen nichts weniger als perfekt miteinander – und doch sind sie weit  entfernt von Routine, sondern teilen mit dem Zuhörer den immensen Spaß, den sie an den  schwierigen Partien haben. Auch klanglich ist die Platte ganz weit vorne – exzellent mikrofoniert und ausbalanciert, auch wenn zum analogen Glück das analoge Bandmaterial fehlt. 

Fazit

Dynamisch und spielerisch ganz weit vorne – so darf sogar ein Sacre du Printemps  noch einmal veröffentlicht werden.
Komponist: Igor Strawinsky · Interpret: Silver-Garburg Piano Duo - Petrouchka, Le Sacre du Printemps (Berlin Classics)


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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 24.03.2016, 12:01 Uhr
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