Möchten Sie zur Seite für Mobilgeräte wechseln ? JaNein
Kategorie: Schallplatte

Musikrezension: Paavo Järvi: ludwig van beethoven symphonies 1-9 (DDKB)


Neun Richtige

3963

Heutzutage einen Beethoven-Zyklus zu veröffentlichen, ist entweder ein Zeichen von Wahnsinn oder von sehr großem Mut zum Risiko – sollte man meinen.

Es kann aber auch – selten in der heutigen Zeit – ein Zeichen von nachhaltiger Arbeit sein. So geschehen bei Paavo Järvi und der Bremer Kammerphilharmonie, die im Laufe einiger Jahre alle Sinfonien eingespielt haben. Dabei handelt es sich aber durchaus nicht um Schnellschüsse nur für die Albumproduktion – an Beethoven-Aufnahmen mangelt es nun wirklich nicht. Nein, der gebürtige Este Järvi und das Bremer Orchester haben sich ihren Beethoven intensiv erarbeitet – auf einigen Festivals haben sie tatsächlich den Kraftakt vollbracht, alle neune zu spielen, verteilt auf mehrere Tage, versteht sich.  Nun gibt es eine ganze Reihe berühmter Vorgänger, die sich teilweise mehrfach an der titanischen Aufgabe versucht haben, allen voran Herbert von Karajan, der den Zyklus insgesamt viermal eingespielt hat, davon dreimal mit den Berliner Philharmonikern. Die Aufnahmen von 1961/62 gelten vielen noch heute als Meisterstück schlechthin. Und genau genommen kann das sogar so bleiben, trotz der unerhörten Neueinspielung Järvis. Während Karajans Jahrhundert-Beethoven den Höhepunkt der traditionellen Orchestermusik mit einem starken Dirigenten und einem bedingungslos folgenden Klangkörper markiert, so gehen die Bremer Kammerphilharmoniker komplett anders an die Angelegenheit heran.

Es kann natürlich kein Zweifel daran bestehen, dass Paavo Järvi sein Orchester mindestens so gut im Griff hat, wie Karajan seine Philharmoniker, und doch gebührt ihm der Verdienst, die Musiker als Gleichberechtigte in sein Musizieren zu integrieren. Dieser entstaubte, „demokratische“ Beethoven klingt gleichzeitig so messerscharf und präzise wie leidenschaftlich. Alle spät- und postromantischen Deutungsversuche werden über Bord geworfen, was bei den ersten beiden Sinfonien noch einfach erscheint, stehen sie doch noch recht deutlich in der Tradition Haydns und Mozarts. Spätestens bei der Eroica dämmert es dem Hörer jedoch, welch bahnbrechend neue Sicht Järvi auf die Komposition hat: Er zwingt der Musik kein äußeres Theoriegebilde auf, sondern entwickelt sie aus sich selbst heraus. Natürlich gibt es keine Möglichkeit, eine Komposition völlig neutral zu interpretieren – aber man hat bei diesen Aufnahmen das Gefühl, noch nie so nahe an Beethoven dran gewesen zu sein. Sogar die alten Schlachtrösser, die Fünfte und die Neunte erstrahlen in ganz neuem Glanz, einfach dadurch, dass niemand versucht, ihnen welchen zu verleihen.

Paavo Järvi: ludwig van beethoven symphonies 1-9 (DDKB)


-

Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
Kontakt E-Mail
Datum 24.05.2011, 11:17 Uhr
Folgen Sie uns:
  • facebook - follow us
  • twitter - follow us
  • google - follow us
Interessante Testportale:
  • www.heimwerker-test.de
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.spielwaren-check.de
Allgemeine Händlersuche
Landkarte PLZ0 PLZ1 PLZ2 PLZ3 PLZ4 PLZ5 PLZ6 PLZ7 PLZ8 PLZ9

Klicken Sie auf Ihre PLZ oder wählen Sie ein Land

Händler des Tages

allegro HiFi-Systeme Inh. Wolfgang Pflug