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Kategorie: Schallplatte

Musikrezension: Joan Sutherland – Francesco Molinari-Pradelli Royal Opera House Covent Garden Orchestra – Royal Opera House Covent Garden Choir – The Art of the Prima Donna 1&2 (Decca)


Klassik

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Die 2010 verstorbene Joan Sutherland war eine der bedeutendsten Sängerinnen des 20. Jahrhunderts. Und anders als ihre Fast-Altergenossin Maria Callas baut ihre Popularität ausschließlich auf ihren musikalischen Leistungen auf – ihr Privatleben blieb privat, auch wenn sie in der glücklichen Situation war, mit ihrem ebenfalls als Musiker erfolgreichen Ehemann beides konstruktiv zu verbinden. Die wohl wichtigste musikalische Entscheidung Sutherlands war die Abwendung vom hochdramatischen Fach à la Richard Wagner und die Hinwendung zu mehr lyrischen Rollen, wo sie ihre beeindruckenden Fähigkeiten in den oberen Lagen perfekt einsetzen konnte – wohl keine der mir bekannte Sängerinnen klingt in den Tönen am Rande ihres stimmlichen Spektrums noch so klar und unverfälscht wie Joan Sutherland – ich erinnere mich da mit Schaudern an ein Album einer anderen weltberühmten Primadonna, die das falsche Repertoire zu einem falschen Zeitpunkt ihrer Karriere aufgenommen hat. Es gibt nichts Tragischeres als einen Künstler, der sich falsch einschätzt. Einer Joan Sutherland wäre so etwas nie passiert: Sie hat ihr Karriere stetig aufgebaut und war immerhin schon jenseits der 30, als ihre internationale Starkarriere durch ihren Auftritt in Donizettis „Lucia di Lammermoor“ begann.

Leider ist gerade aus dieser Oper kein Stück auf „The Art of the Prima Donna“ vertreten, dafür alles andere, das Rang und Namen hat: Norma, La Traviata, Faust oder Rigoletto, um nur die prominentesten zu nennen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei – wen würde es bei der stimmlichen Auslegung wundern – auf dem italienischen Repertoire, das Sutherland technisch perfekt und absolut hinreißend interpretiert. Kongenial begleitet wird sie dabei von Chor und Orchester des Royal Opera House Covent Garden unter Francesco Molinari-Pradelli – aber im Zentrum des Geschehens steht stets die Primadonna Assoluta, die mit ihrer Kraft und Tiefe auch heute noch auf dieser vorzüglichen Decca-Aufnahme alle in ihren Bann zieht. Einziger Wermutstropfen ist wieder einmal die Ausstattung: Die einzelnen Arien sind als Widmung an große Sängerinnen der Vergangenheit konzipiert – da wären ausführlichere Informationen natürlich willkommen, um die Personen und ihr Schaffen auch beim Anhören für sich einzuordnen. Aber es ist vielleicht so besser – man konzentriert sich ganz auf die wundervolle Musik.

Fazit

Eine der besten und reifsten Belcanto-Sängerinnen auf dem Zenit ihrer Kunst – besser kann man diese Arien nicht singen.
Joan Sutherland – Francesco Molinari-Pradelli Royal Opera House Covent Garden Orchestra – Royal Opera House Covent Garden Choir – The Art of the Prima Donna 1&2 (Decca)


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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 12.07.2013, 09:27 Uhr
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