Kategorie: Endstufen

Einzeltest: Audio Research Reference 75


Zauberlehrlinge

Endstufen Audio Research Reference 75 im Test, Bild 1
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Auf eine gewisse Art und Weise muss man Audio Research dankbar dafür sein, dass es diese Endstufe gibt: So preiswert gab‘s die Meriten einer aktuellen „Reference“-Endstufe noch nie

Na klar. Alles ist relativ. Auch das mit dem „preiswert“: Die Audio Research Reference 75 will nämlich mit stolzen 9.900 Euro bezahlt werden. Wenn allerdings auch nur die geringste Chance besteht, dass sie auch nur eine Idee davon produziert, was die fantastischen Monos vom Typ Reference 250 klanglich zu leisten imstande waren, dann besteht die Chance auf ein Sonderangebot der besonderen Art: Der einmalige Sound der großen Monos verfolgt mich nämlich bis heute wie ein fiebriger Traum. Und endlich kann ich sie aus der Verpackung schälen: die „kleine“ Reference. Lange habe ich beim Vertrieb gebettelt, mich endlich mit dieser Preziose auseinandersetzen zu dürfen, gerne hätte ich sie bereits im letzten Heft zusammen mit der Vorstufe SP-17 vorgestellt.

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Geklappt hat‘s erst jetzt, dafür muss die Endstufe jetzt mit Steuersignalen aus einer Accuphase-Vorstufe vorlieb nehmen, was mir persönlich ob deren Qualität aber mal so richtig gar nichts ausmacht. Die Baby-Reference ist ein halbmetertiefer Trumm mit gut 21 Kilogramm Gewicht und, weitaus wichtiger, zwei Zeigerinstrumenten auf der Front. Weil das nämlich eine richtige Audio Research ist und da muss das zwingend so. Über Sinn und Unsinn der die momentane Ausgangsleistung irgendwie andeutenden Zeiger kann man streiten oder auch nicht: Man kann mit den Instrumenten nämlich auch ganz prima die Ruheströme der Endröhren einstellen. Davon gibt’s pro Kanal zwei Stück, klassisch in Gegentaktanordnung verschaltet, drauf steht KT120. Was bis zum Erscheinen der KT150 – die Audio Research bei der neuen GS150 verwendet – das dickste Kaliber war, das der Markt bereithielt. Alle basieren auf der Beam-Power-Architektur der Klassiker 6550 und KT88, heutzutage geht’s aber mit deutlich mehr Leistung. Und so reicht der Reference 75 auch ein Paar Ausgangsröhren zu konservativen 75 Watt, die Röhren könnten deutlich mehr. Macht man aber nicht, um die Lebensdauer nicht unnötig zu verkürzen. Abgesehen von den beiden Power-Duos stecken nur noch zwei andere Röhren in der Endstufe, nämlich Doppeltrioden vom Typ 6H30. Seit Jahren die Lieblings-Kleinsignalröhre der Konstrukteure aus Minnesota, und das mit Recht: Die russische „Wundertriode“ gilt nach wie vor als das Beste, was es an aktuellen Doppeltrioden gibt. Und das war‘s schon? Nicht ganz: Na klar recken auf der Platine auch ein paar „Three Legged Fuses“ – dreibeinige Sicherungen, wie der Röhrenfan Transistoren gerne zu nennen pflegt, ihre schwarz behelmten Köpfe in die Luft. Die sutzen ganz vorne und besorgen die Spannungsverstärkung. Das darf, ja muss man ganz leidenschaftslos sehen: Ohne ein wenig Hilfe von den kleinen Dreibeinern wäre kein aktuelles Audio-Research-Gerät in der Lage, eine so stör- und verzerrungsarme Vorstellung abzuliefern. Da macht die Reference 75 keine Ausnahme. Kleiner Schockmoment: Die Platine ist grün. Das darf sie eigentlich nicht. Audio- Research-Boards haben hässlich-braun mit dick verzinnten Leiterbahnen ohne Lötstoppmaske zu sein. War bei der Reference 75 auch bislang so, seit Neuestem herrscht aber auch hier das typische Grün moderner Allerweltsplatinen vor. Eigentlich schade, technisch und klanglich aber sicherlich kein Problem. Immerhin stapelt man noch Bauteile: Eine Vielzahl von Komponenten auf beiden Seiten der Platine übereinander anzuordnen hat Tradition in Plymouth. Einen überaus soliden Eindruck machen die drei Induktivitäten im hinteren Gehäuseabteil: Ausgangsübertrager und Netztrafo gehören sicher nicht zur sparsam dimensionierten Sorte. Nur mal so für Spaß: Was unterscheidet die Reference 75 eigentlich von den Monos Reference 250? Gar nicht so viel, wie man meinen könnte: Das Schaltungskonzept des Verstärkerzuges ist identisch, nur gibt’s bei den Monos nicht eines, sondern vier Paar Endröhren anzusteuern. Und im Netzteil steckt mehr Aufwand, was nicht zuletzt in einer mit zwei Röhren geregelten Versorgungsspannung gipfelt. Meine Hoffnung, dass beide Geräte Ähnliches zu leisten imstande sind, steigt. Einstweilen werfen wir einen Blick auf die Rückseite der Reference 75. Einen Lüfter zur Kühlung braucht sie im Gegensatz zu den Monos nicht. Cinch-Eingangsbuchse? Hüben wie drüben Fehlanzeige. Auch die Stereoendstufe will per XLR beschickt werden. An den Lautsprecherklemmen – es gibt einen Vier- und einen Acht-Ohm-Anschluss – bin ich wieder einmal leicht verzweifelt: Die Amerikaner geben sich nämlich schrecklich viel Mühe, die Terminals so zu verbolzen, dass garantiert kein Bananenstecker dort hinein passt. Weder quer noch längs noch sonst irgendwie. Beim letzten Mal habe ich das Problem noch mit reichlich Werkzeugeinsatz gelöst, diesmal habe ich mich in mein Schicksal ergeben. Danke, Brüssel. Keine Ahnung, wie die das machen. Jedenfalls braucht es nur die ersten drei Takte des neuen Decemberists-Albums „What a Terrible World, What a Beautiful World“ und die Magie ist wieder da. Dieses gewisse Etwas, das ich nur bei Audio-Research- Verstärkern finde. Dieses ach so verpönte Spektakuläre, das direkt aufs Empfindungszentrum zielt. Das, was eine Wiedergabe jenseits von „richtig“ ausmacht. Die Reference 75 ist so ein Verstärker, der mehr macht, als tatsächlich da ist. Er ist undisziplinerter als die Accuphase A-46, wilder als die Bryston 4BSST². Er ist der Verstärker für die große Geste, für die Gänsehaut und die Adrenalinschübe. Übrigens ist das hier eine der seltenen Gelegenheiten, in denen sich der Vier-Ohm-Abgriff der Übertrager mal als sinnvoll erweist: Die Audio Physic Avantera plus+ gewinnt hier angeschlossen tatsächlich an Kontur und Ausdruck. Fragen wir Lyn Stanley, die uns ihre Meinung zum Thema abermals in erschütternder Qualität um die Ohren haut. Bei „I‘m Walking“ brilliert die Reference 75 mit ungeheurem Feuer bei der Wiedergabe des hart angeschlagenen Flügels, der Bass brummt und swingt, man hört jede einzelne Schwingung. Klar, das ist nicht nur die Endstufe, sondern auch ganz einfach eine ausgezeichnete Einspielung, aber mit diesem Gerät „hintrendran“ macht‘s schon ungeheuer Laune. Die Accuphase macht‘s feiner, gediegener, eleganter, nicht so euphorisch wie die Amerikanerin. Die hingegen feiert jeden Ton, als ob‘s der letzte wäre – eine absolut wunderbare Form der Übertreibung. In Sachen Leistung herrscht wahrlich kein Mangel. An in Sachen Strombedarf halbwegs normalen Schallwandlern werden Sie die Reference 75 dynamisch nicht von ihrem Spaß-Trip herunterbekommen. Der immens weit ausgeleuchtete Raum bleibt erhalten, was übrigens auch kurz nach Linksanschlag des Pegelstellers funktioniert: Die beeindruckende Bühne, die messerscharfe Positionierung – das macht die kleine Reference völlig mühelos in jeder Lebenslage. Und wieder einmal sieht und hört man, dass das Ganze doch weit mehr ist als die Summe seiner Teile: So ein Ergebnis aus einer moderat dimensionierten Gegentakt-Röhrenendstufe – das grenzt an Zauberei. Gerüchten zurfolge ist das und genau das der Sound, der Audio Research groß gemacht hat. Früher war‘s nur problematischer, weil weniger zuverlässig, mit mehr Nebengeräuschen versehen und nicht langzeitstabil. Das, was Audio Research heute baut, ist aufs Angenehmste allürenfrei und verdient sich in jeder Hinsicht eine dicke Empfehlung.

Fazit

Transfer geglückt: Auch 16.000 Euro unterhalb der Monos Reference 250 gibt’s Klang wie von einem anderen Stern. Groß, ausdrucksstark, farbig und rundum faszinierend.

Kategorie: Endstufen

Produkt: Audio Research Reference 75

Preis: um 9900 Euro


5/2015

Klang wie von einem anderen Stern. Groß, ausdrucksstark, farbig und rundum faszinierend.

Audio Research Reference 75

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio Reference, Hamburg 
Telefon 040 53320359 
Internet www.audio-reference.de 
Garantie
Ausführungen Alu silber, schwarz 
Abmessungen (B x H x T in mm) 483/222/495 
Gewicht (in Kg) 21.3 
Unterm Strich... » Transfer geglückt: Auch 16.000 Euro unterhalb der Monos Reference 250 gibt’s Klang wie von einem anderen Stern. Groß, ausdrucksstark, farbig und rundum faszinierend. 
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Autor Holger Barske
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Datum 22.05.2015, 09:57 Uhr
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