Kategorie: Endstufen

Einzeltest: Jeff Rowland Design Group Research Model 525


Vierhundertfünfundvierzig

Endstufen Jeff Rowland Design Group Research Model 525 im Test, Bild 1
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Kaum einer der in den höchsten Gefilden der High Fidelity tätigen Konstrukteure hat über die Jahre einen so bemerkenswerten Wandel beim Gedankengut hinter den traumhaft gestylten Frontplatten seiner Geräte durchgemacht wie Jeff Rowland. Die Endstufe „Model 525“ ist ein mustergültiges Beispiel dafür

Nein, das ist kein Druckfehler. Das meint der ernst. Das, was da klein und unscheinbar hinten an der Netzeingangsbuchse steht: „1000 Watts max“. Was soll das denn? Was soll das niedliche Quaderchen denn mit einem Kilowatt elektrischer Energie anfangen und wo um alles in der Welt soll es mit der einhergehenden Abwärme hin? Sie ahnen schon: Das hier, das ist keine ganz alltägliche Hochleistungsendstufe. Das ist ein Schaltverstärker. Rowland-Kenner quittieren diese Erkenntnis mit einem müden Schulterzucken, denn das macht der Mann aus Boulder, Colorado schon seit 15 Jahren so.

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Zumindest immer mal wieder, die richtig dicken Brummer im aktuellen Lineup sind dann wieder konventionelle A/B-Verstärker. Wobei man „konventionell“ auf gar keinen Fall mit „gewöhnlich“ verwechseln sollte, denn wohl niemand auf der Welt schafft es derzeit, eine so gelungene Mischung aus überragendem Klang und gebremstem Stromdurst zu realisieren wie Rowland mit seinen Monoendstufen 725, die auch schon bei uns zu Gast waren und einen äußerst nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Mit seinen Schaltverstärkern treibt Rowland ökonomische und ökologische Aspekte jedoch noch deutlich weiter voran. Die 525 ist ein gerade mal gut sechseinhalb Kilogramm schweres Aluminium- Schatzkästchen, das an vier Ohm gewaltige 500 Watt leistet. Vermutlich. Nachgemessen haben wir‘s nicht, weil unsere Lastwiderstände schon darunter mit wenig erfreulichem Geruch auf sich aufmerksam machten. Leistung ist, das steht auf alle Fälle fest, bei diesem Gerät kein Thema. Und außerdem kann man die beiden Kanäle im Mono-Brückenbetrieb ansteuern, dann hat man ein knappes Kilowatt für Acht-Ohm- Lasten im Zugriff. Allerdings sind wir nicht mehr in den Achtzigern, als Verstärkerleistung Selbstzweck und Verkaufsargument zugleich war. Jeff Rowlands Verstärker sind fürs gute Gewissen so kräftig, in erster Linie jedoch sollen sie exzellente klangliche Ergebnisse liefern. Genau das einem Schaltverstärker anzuerziehen, steht seit vielen Jahren ganz oben auf der Agenda dieses Herstellers. Dass die 525 zu großen Dingen fähig ist, das hat sie schon vor ein paar Monaten bewiesen, als sie die wunderbare Avalon Idea zu klanglichen Höchstleistungen trieb. Die Visitenkarte, die sie damals hinterlassen hatte, ist der Grund dafür, dass ihr an dieser Stelle eine intensivere Betrachtung zuteil wird. Mit 5.500 Euro Verkaufspreis ist sie nun auch nichts fürs Klimpergeld in der Hosentasche, aber leider sind wir in dieser Hinsicht ja mittlerweile weit Dramatischeres gewöhnt. Rückseite? Zwei Schraubstöcke für Kabelschuhe vom US-Hersteller Cardas. Daran werden die Lautsprecherkabel angeschlossen. Bananenstecker? Müssen leider draußen bleiben. Die Signaleingänge gibt‘s ausschließlich im XLR-Format. Wer nur über eine unsymmetrische Ansteuermöglichkeit verfügt, der muss entsprechend adaptieren. Klangeinbußen sind dadurch nicht zu befürchten. Der Grund dafür offenbart sich beim Blick ins Geräteinnere und ist auf einer ganz besonderen Platine angeordnet: Sie besteht aus einem speziellen Keramiksubstrat mit besonders vorteilhaften elektrischen Eigenschaften. Darauf ist eine vollsymmetrische Eingangsstufe angeordnet, bei der hochmoderne Verstärkerchips zum Einsatz kommen. Dazu gesellt sich das scheinbare Gegenteil davon: zwei Übertrager. Anerkannt gute Ware vom schwedischen Spezialisten Per Lundahl, die klanglich zu den neutralsten ihrer Art gehören. Und diesen Übertragern ist es ziemlich egal, ob sie mit einem korrekt symmetrischen oder einem massebezogenen Signal gefüttert werden, ausgangsseitig herrscht grundsätzlich reine Symmetrie. Dass so etwas ausgezeichnet funktionieren kann, beweisen diverse Line- und Phonovorstufen von Malvalve jeden Tag im Testbetrieb: Es ist so richtig schön egal, wie man hier ansteuert. Die Eingangsplatine ist für die klanglichen Meriten der Endstufe übrigens von zentraler Bedeutung: gezielte passive Bandbreitenbegrenzung ist laut Rowland einer der Faktoren, der exzellenten Klang mit Schaltverstärkern erst möglich macht, und genau das ist eine Aufgabe der beiden Übertrager. Die Funktionsweise des sonstigen elektronischen Aufbaus der 525 ist weit weniger einfach zu entschlüsseln: Auf einer im Gehäusedeckel eingelassenen Metallplatte residiert eine Platine von einem dänischen Spezialisten für professionelle Verstärkertechnik. Und nein, ein solches Modul ist bis dato in HiFi-Anwendungen noch nicht in Erscheinung getreten, es handelt sich um keinen der bekannten „ICEpower“- Verstärker. Auf der Platine sind ein Schaltnetzteil mit einer Belastbarkeit von 1,5 Kilowatt und zwei Verstärkerzüge vereint, die von dieser Leistung reichlich Gebrauch machen. So ganz nebenbei verfügt die Versorgung über einen „Power Factor Corrector“, also eine Anordnung, die dafür sorgt, dass die Leistung immer schön ohne Phasenverschiebung zwischen Spannung und Strom aus dem Netz entnommen wird; klassische Transformatoren können das nicht, weshalb sie auf der Abschussliste mehr oder weniger weltfremder Brüsseler Bürokraten ziemlich weit oben stehen. Wie genau die „UMAC“ getaufte Variante des Pulsweitenmodulationsverfahrens funktioniert, mit dessen Hilfe das Ausgangssignal erzeugt wird, erspare ich Ihnen an dieser Stelle. Messtechnisch konnten wir jedenfalls gerade noch erkennen, dass der Verstärker mit einer Frequenz von knapp 450 Kilohertz schaltet, daher der Titel dieses Artikels. Rowlands Model 525 macht Vorbehalte gegen das Konzept „Schaltverstärker“ obsolet. Nichts und niemand in der klanglichen Signatur deutet darauf hin, dass hier nicht „kontinuierlich“ verstärkt wird, sondern mit einer Vielzahl unterschiedlich breiter Impulse. Und – man kann’s nicht oft genug sagen – ein solcher Verstärker ist nicht im Geringsten „digital“, der Modulationsprozess ist eine zutiefst analoge Angelegenheit. Und so ist Eric Claptons Tributalbum für JJ Cale namens „The Breeze“ denn auch ein betont analog wirkender Genuss über diese Endstufe: Der Sound hat genau die geschliffenen Rundungen, die hier beabsichtigt waren. Das Ganze klingt so kuschelig, man möchte die Platte förmlich als Bettdecke benutzen. Der Gitarrensound der anwesenden Größen ist bestens unterscheidbar, jede Saite hat Kraft und Luft nach oben heraus, so ganz intuitiv befürchtete Härten gibt’s schlicht nicht. Im Bass merkt man nichts von den immensen Leistungsreserven des Verstärkers. Die tiefen Register halten sich angenehm zurück, sind zackig bei der Sache und genauso schnell wieder verschwunden – genau das ist nämlich ein Zeichen für leistungsbedingte Souveränität. Gut zu hören auf „Surya Namaskar“ des indonesischen Ausnahmejazzers Dewa Budjana, bei dem die Rhythmusarbeit in den höchst qualifizierten Händen von Jimmy Johnson und Colaiuta liegt. Das Dickicht, das die beiden per Fretless Bass und Schlagzeug mitunter erzeugen, ist nicht einfach zu durchpflügen; die Rowland differenziert besonders den facettenreichen Bass von Johnson ganz ausgezeichnet. Welche Lautsprecher Sie an die 525 anschließen, ist nicht weiter von Bedeutung, sie behält ihren behänden und fein auflösenden Charakter zu jeder Zeit. Zweifellos wächst sie mit ihren Aufgaben: Je komplexer das wiederzugebende Material und je potenter der angeschlossene Lautsprecher, desto faszinierender wirkt ihre akribische und überaus stabile Art. Wenn die Zukunft des Verstärkers an sich solche Meriten mitbringt, dann muss man da nicht bange sein.

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Autor Holger Barske
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