Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: AVM Ovation PH 8.3


Keine halben Sachen

Phono Vorstufen AVM Ovation PH 8.3 im Test, Bild 1
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Klar muss eine Phonovorstufe in erster Line gut klingen und optimal an den Tonabnehmer anpassbar sein. Aber das ist nicht zwangsläufig alles

Manchmal muss es auch „nett“ sein. Was in diesem Falle bedeuten soll, dass alles nur erdenkliche an Komfort in so ein Gerät hineinkonstruiert wird, damit auch der Umgang damit so richtig Spaß macht, Dass die im badischen Malsch ansässige Audio-Video-Manufaktur – kurz: AVM – so etwas kann, das weiß der Interessierte nicht erst seit gestern. Gerade die Spitzenbaureihe „Ovation“ dieses Herstellers stellt ein weitgehend modulares Füllhorn an Möglichkeiten dar. Nachdem jüngst Vorund Endstufen auf eine neue Evolutionsstufe gehievt wurden, wundert es nicht im Geringsten, dass es nunmehr Zeit für eine „amtliche“ Phonovorstufe wurde, die sich der großen Verstärkern würdig erweist. Bitte sehr – hier ist sie.

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Sie heißt „Ovation PH 8.3“ und sucht in Sachen Ausstattung in der Tat ihresgleichen. Natürlich ist das modulare, mit bis zu vier Eingangsplatinen bestückbare Gerät nicht unbedingt ein Sonderangebot: Der Spaß geht bei 7.000 Euro los. Wenn man‘s ernst meint, dann wird die Geschichte auch gerne fünfstellig. Auch wenn die Ovation PH 8.3 im kühlnüchternen Aluminium-Outfit ihrer „Serienbrüder“ steckt – es gibt Raum für Wärme und ein bisschen Heimeligkeit. Eine zentrale Komponente des Gerätes ist nämlich die ebenfalls als Modul ausgeführte Röhrenausgangsstufe, die auch die Hochpegelvorstufe PA 8.2 ziert. Mit ihr alleine ist in Sachen Phonovorverstärkung aber noch kein Staat zu machen, dafür braucht‘s eine passende Eingangsbestückung. Vier solcher Eingangsmodule lassen sich stecken, es gibt sie in drei unterschiedlichen Ausführungen: MC mit symmetrischen Eingängen, MC mit unsymmetrischen Eingängen und MM mit unsymmetrischen Anschlüssen. Die MC-Module schlagen mit jeweils 990 Euro zu Buche, die für MMs kosten 690 Euro. Ergo: Unter rund 7.700 Euro geht‘s nicht beim PH 8.3 und kein klar denkender Mensch bestückt so ein Kaliber nur mit einem MM-Modul. Will sagen: MC-Tauglichkeit kostet 8.000 Euro Minimum, das volle Besteck 11.000 Euro. AVM hat lange daran gearbeitet, seine Modultechnik luxuriös ins Gerätekonzept einzubinden – das klappt auch hier. Will sagen: Das Gerät erkennt, was für ein Modul in welchem Steckplatz steckt, und konfiguriert das Menü zur Steuerung entsprechend. Und an dieser Stelle wird‘s spannend, hier eröffnet sich nämlich die ganze Palette der Möglichkeiten. Hangeln wir uns mal anhand eines MC-Eingangs mit Cinchanschlüssen durchs Gebotene, das zentrale blaue VF-Display gibt stets Auskunft über die eingestellten Parameter. Jene sind sowohl am Gerät selbst als auch per schmuckem Aluminium-Fernbedienungsgeber zu verändern. Die Eingangsimpedanz ist in sechs Stufen variabel: 30, 50, 100, 300, 500 und 1000 Ohm. Das sollte für so ziemlich alle Lebenslagen passen. Für die Verstärkung gibt‘s fünf Stufen in Fünf-Dezibel-Schritten, damit sollte sich ebenfalls so ziemlich jedes Anpassungsproblem lösen lassen. Als Nächstes ist die gewünschte Entzerrerkurve einstellbar, derer bietet der große AVM nämlich gleich sechs verschiedene. Vinyl-Insidern ist der Sinn der Sache klar: Die heutzutage standardmäßig beim Schneiden von Schallplatten verwendete RIAA-Kurve war nicht immer das Maß der Dinge, bis weit in die 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein hat sich so ziemlich jedes Label eine eigene diesbezügliche Wahrheit definiert. Gerade für Klassikliebhaber ist die einstellbare Entzerrung ein Segen, zumal dann, wenn sie wie hier bequem vom Sessel aus funktioniert. Ein kurzer Exkurs zur diesbezüglichen Wahrheit: Es gibt keine. Stellen Sie einfach die Kurve ein, mit der‘s Ihnen am besten gefällt. Zwei Knöpfe auf der Fernbedienung haben wir noch: Mono und Subsonic. Die dürften beide selbsterklärend sein. Und? Gibt‘s irgendwas in Sachen Ausstattung, das Sie vermissen? Dachte ich mir. Ich auch nicht. Der Blick ins Geräteinnere offenbart einen ziemlichen Aufwand, was beim Anspruch des Gerätes nicht weiter verwundert. Die Stromversorgung der Elektronik übernehmen insgesamt vier kleine Schaltnetzteile, die laut Entwickler Günter Mania viel weniger Probleme machen als eine entsprechende Transformatorlösung. Ein fünfter kleiner schwarzer Quader bleibt der Versorgung eines der hauseigenen Plattenspieler vorbehalten. Rechts im ziemlich üppig gefüllten Gehäuse residiert das Ausgangsmodul mit den beiden Doppeltrioden vom Typ ECC803S – eine ziemlich exklusive Wahl. Die Hochspannung für die Röhren stellt abermals ein kleiner Schaltregler bereit. Die Komponenten für die unterschiedlichen Entzerrerkennlinien werden mit insgesamt vierzehn Relais umgeschaltet, die Entzerrung erfolgt passiv zwischen zwei Verstärkerstufen. Die erste davon ist auf den jeweiligen Steckmodulen untergebracht. Die Verstärkung übernehmen für den Job jeweils optimal geeignete Chips: bipolare Operationsverstärker für niederohmige MC-Abtaster, solche mit FET-Eingang für hochohmige MMs. Alles ist sehr schön aufgeräumt auf einer großen schwarzen Platine angeordnet, Kabel gibt‘s nur in Form von zwei Flachband-Steuerleitungen. Sehr gelungen das Ganze. Ich hab da gerade ein Benz ACE-SL in einem Pre-Audio-Tangentialtonarm in Benutzung, das geradezu danach schreit, von dem Ovation optimal verstärkt zu werden. Als „Einstellplatte“ kommt mir Joe Jacksons 1982er-Klassiker „Night and Day“ gerade recht, ich starte mit 0 Dezibel Zusatzverstärkung und 100 Ohm Abschlussimpedanz. Das ist alles schon ganz gut, aber noch ein bisschen zu leise. Fünf Dezibel mehr rücken die Pegelverhältnisse in Regionen, in die sie gehören. Beim Abschlusswiderstand dauert‘s etwas länger: zu Beginn ist mir das Benz noch zu nüchtern und schaumgebremst. Ab 300 Ohm taut es merklich auf, das Klangbild gewinnt an Größe, alles wirkt lockerer. Tatsächlich lande ich letztlich „am Anschlag“, sprich: bei einem Abschluss von 1000 Ohm. Ich bin mir sicher, bei der klassischen Vorgehensweise mit fummeligen Schaltern zur Impedanzanpassung wäre ich bei deutlich konservativeren Werten gelandet. Und jetzt swingt sie, die große AVM: „Real Men“ hat Feuer und Drive. Mr. Jackson schmettert den Refrain mit Wucht und Inbrunst. Einen klar der Phonovorstufe zuzuschreibenden Klangcharakter kann ich bis jetzt nicht erkennen, fest steht aber, dass ich gerade großen Spaß habe. Ein nochmaliger Quercheck mit geringeren Abschlussimpedanzen zeigt: Die 1000 Ohm sind mein Favorit. Darunter passt das Verhältnis von Präsenzlagen und Hochton nicht mehr, außerdem rollt der Bass nicht mehr so schön. „A Slow Song“ übrigens – großartige Nummer. Es folgt Terry Calliers 1979er- Werk „Turrn You to Love“. Das ist Soul pur. Es groovt, es swingt, es hat Punch und Attacke, das passt so. Und mich beschleicht der Verdacht, dass dieser AVM eine sehr locker und lässig spielende Phonovorstufe ist, die richtig hinlangen kann und die so langsam anfängt, sich in diesem Setup richtig wohlzufühlen. Klar habe ich auch mal ein MM probiert. Muss man ja, wenn das Modul schon mal da ist. In den Höhen, das muss man ganz klar sagen, hat‘s an einem so hoch auflösenden Lautsprecher wie der JBL K2 keine Chance gegen ein gutes MC. Aber dieser Kick, dieses ganzheitliche „Schallplattengefühl“, das transportiert das olle Audio-Technica auch hier extrem glaubhaft. Und die AVM? Die dürfte gerne bleiben. Schon deshalb, weil das Setup damit so superkonfortabel ist und ich alles an Plattenspielern anklemmen könnte, was im Redaktionshörraum verfügbar ist.

Fazit

AVMs große Phonovorstufe ist ein veritables Ausstattungswunder, dass die Parametrierung von Tonabnehmern vom Sessel aus zum Vergnügen macht. Aber das ist nicht alles: Hinzu gesellt sich ein überaus lebendiges und flüssiges Klangbild mit genau dem richtigen Maß an Röhrensound. Große Klasse!

Preis: um 7000 Euro

Phono Vorstufen

AVM Ovation PH 8.3


03/2020 - Holger Barske

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Autor Holger Barske
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Datum 13.03.2020, 14:54 Uhr
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