Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: Lyric PS 10


Gleichung mit einer Unbekannten

Phono Vorstufen Lyric PS 10 im Test, Bild 1
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Gewiss. Auch uns geht schon mal ein Hersteller durch die Lappen.  Wie zum Beispiel die Firma Lyric, der diese hochinteressante  Röhren-Phonovorstufe produziert

Lyric? Kenne ich nicht. Da gibt’s diesen legendären HiFi-Händler in New York namens Lyric HiFi, aber das ist eine gänzlich andere Baustelle. Das Herz von Lyric Audio schlägt im Hessischen, so ungefähr zwischen Frankfurt und Fulda. Und dabei handelt es sich um einen ambitionierten Hersteller röhrenbestückter Verstärker. Das Programm besteht zurzeit aus drei Vollverstärkern (zwei „Gegentakter“, ein Single-Ended-Modell) und einer Phonovorstufe namens PS 10, die gerade bei uns zu Gast ist. Die treibenden Kräfte hinter Lyric Audio sind bekannte Leute: Thomas Deyerling und Thomas Noll stecken auch hinter Cayin. Dort gibt’s ebenfalls feine Röhrenelektronik, die aber zumindest zum Teil im fernen Osten gefertigt wird.

Phono Vorstufen Lyric PS 10 im Test, Bild 2Phono Vorstufen Lyric PS 10 im Test, Bild 3Phono Vorstufen Lyric PS 10 im Test, Bild 4Phono Vorstufen Lyric PS 10 im Test, Bild 5Phono Vorstufen Lyric PS 10 im Test, Bild 6Phono Vorstufen Lyric PS 10 im Test, Bild 7Phono Vorstufen Lyric PS 10 im Test, Bild 8Phono Vorstufen Lyric PS 10 im Test, Bild 9Phono Vorstufen Lyric PS 10 im Test, Bild 10
Lyric jedoch ist „Made in Germany“. So richtig. Stefan Noll konzipiert, Thomas Deyerling vertreibt. Gefertigt wird mit kleinem Team vor Ort. Mit Fernostpreisen kann eine solche Manufaktur nicht aufwarten, deshalb muss man für den PS 10 auch rund 3.400 Euro anlegen. Dafür allerdings gibt’s auch ein „richtig lecker Maschinchen“. Das Gerät ist zweiteilig konzipiert; im Stromversorgungsabteil steckt ein ordenlicher Netztransformator, der per einem Meter langem Kabel weit genug vom Ort des Kleinsignalgeschehens weg positioniert werden kann. Der Anschluss ans Verstärkerteil erfolgt per siebenpoligem Spezialverbinder, und das ergibt absolut Sinn: Der Netzeingang sitzt nämlich am Verstärker und dort wird das Ganze auch an- und ausgeschaltet. Will sagen: Am Netzteil gibt’s nichts zu bedienen, so dass es zur Gänze hinter dem Schrank verschwinden darf. Der Verstärker selbst steckt ebenfalls in einem Aluminiumgehäuse, das allerdings deutlich komfortabler ausfällt als das für den Trafo. Im Inneren bestimmt eine fast formatfüllende Platine das Bild, hinzu gesellen sich zwei an der linken Seitenwand aufgehängte Drosseln. Die dienen als Siebdrosseln für die Hochvoltversorgung, wie dem Thema Stromversorgung beim PS 10 sowieso viel Bedeutung beigemessen wurde. Der vordere Teil der Platine beherbergt eine Vielzahl von Gleichrichtern und Siebelkos, hinzu gesellen sich diverse Spannungsregler. Sämtliche Röhren werden mit stabilisierter Gleichspannung geheizt. Die Hochvoltversorgung ist nicht nur drosselgesiebt, sondern ebenfalls stabilisiert. Kanalgetrennt, versteht sich. Das nenne ich luxuriöse Verhältnisse. Der PS 10 verfügt über zwei Tonabnehmereingänge, zwischen beiden wird per Schalter auf der Front umgeschaltet. Eingang „A“ dient dem Anschluss von MC-Tonabnehmern, Eingang „B“ dem von MMs. Beide können gleichzeitig belegt werden. De facto bestimmt die Schalterstellung, ob vor die eigentliche Verstärkerschaltung Eingangsübertrager eingeschleift werden oder nicht. Die beiden rechteckigen Metallkästchen schirmen die Preziosen gegen Störfelder ab. Die Umschaltung übernimmt ein Relais vor Ort, damit die armen kleinen Signale nicht zweimal durchs ganze Gerät geführt werden müssen. Die Eingangsimpedanz für den MC-Betrieb ist sechsfach umschaltbar, dafür sind zwei Drehschalter auf der Rückseite verantwortlich. Sie können zwischen 50, 100, 250, 500, 800 und 1200 Ohm wählen. Für MMs gibt’s solcherlei Luxus nicht, da gibt’s nur fixe 47 Kiloohm. Die allerdings stecken in Sockeln und können bei Bedarf gegen andere Werte ausgetauscht werden. Danach folgt die Verstärkerschaltung. Es gibt insgesamt fünf Röhren; pro Kanal sind zwei ECC83 und eine halbe ECC82 am Werk. Erstere entstammen chinesischer Fabrikation, Letztere kommt von Electro Harmonix aus Russland. Zwischen den beiden ersten Verstärkerstufen steckt die passive Schneidkennlinienentzerrung. Das dafür erforderliche Netzwerk ist kanalgetrennt auf Modulplatinen untergebracht. Ich bin mir fast sicher, dass man bei Bedarf auch Platinchen für besondere Entzerrerkurven bekommt. Die ECC82 werkelt am Ausgang, je ein System bedient den (Cinch-) Ausgang jedes Kanals, Gleichspannung wird mittels eines Mundorf- MKP-Kondensators ausgekoppelt. Platine und Bauteile machen einen hochwertigen Eindruck, das Layout wirkt durchdacht und fein säuberlich kanalgetrennt. Messtechnisch sieht ebenfalls alles unproblematisch aus, so ist es an der Zeit, den Alupanzer wieder zu verschließen und das Gerät an die Anlage zu stöpseln. Zuerst galt es, den passenden Abschluss fürs Lyra Atlas zu finden. An der zum Vergleich herangezogenen Accuphase C-37 will es ganz eindeutig mit 300 Ohm betrieben werden; die PS 10 bietet derer 250, das sollte nahe genug dran sein. Eigentlich. Es klingt auch schön detailliert, aber vielleicht ein bisschen zu brav. 500 Ohm lösen die Handbremse. Wir lauschen Neil Youngs Abrechnung mit der konzerngesteuerten Welt („The Monsanto Years“), konkret dem wirklich zornigen „Big Box“. Die Lyric-Vorstufe macht das wunderbar aufgeräumt und stimmig, mit exzellenter Sprachverständlichkeit: „Too Big to Fail, too Rich for Jail“ – der Refrain fasst das Drama mit seinem aktuellen Feindbild treffend zusammen. Die PS 10 liefert eine deutlich andere Räumlichkeit als die C-37: Sie hält sich in der Breite zurück, staffelt aber sehr überzeugend in die Tiefe. Sehr gut gefällt mir das Blech beim Schlagzeug: Der Energiegehalt stimmt ziemlich genau, es nervt nicht und klingt so richtig nach Becken. Röhre? Ja, doch. Es gibt ein „integrierendes“ Element im Klang des Gerätes. So richtig böse ist sein Ding nicht. Es spielt leicht, frei und ein ganz kleines bisschen friedlich. Ich bin versucht, die Abschlussimpedanz noch etwas zu erhöhen, aber das klappt nicht: Das Klangbild verliert merklich an Kontur und Disziplin; das Timing wird schlechter, alles wirkt ein wenig aufgebläht. Wir legen das hoch interessante Pop-Experiment „Death Magic“ von Health auf und erfreuen uns, wie souverän die PS 10 mit den tieftonal teilweise ziemlich heftigen Attacken umgeht. Den elektronisch erzeugten Schüben Nachdruck verleihen – aber ja doch! Erfreulicherweise wird das kaum weniger, wenn das Lyra Atlas seinem zwei Nummern kleineren Schwestermodell Kleos weicht – preislich sicherlich eine deutlich realistischere Kombination als das Spitzenmodell der Japaner. Das Kleos bietet nicht ganz die Farbe und Faszination des Atlas, es hat aber fast die Breitbandigkeit und Spielfreude. Ich mag‘s hier mit 250 Ohm abgeschlossen am liebsten, dann klingt es vollkommen stimmig. Das mit der Raumabbildung, da muss ich noch mal nachfassen und lege Ryan Adams‘ wunderschönes Carnegie-Hall- Konzert auf (Rezension in LP 5/15). Raum? Erst mal egal. Viel wichtiger ist, dass die Kombi das Organ genau trifft, die Tonalität passt perfekt. Bei aller Detailliertheit wirkt das Klangbild geschlossen, in sich ruhend, gesetzt. Wenn‘s passt, dann geht wie hier die Sonne aus. Die Mundharmonika reißt rabiate Löcher in den Verdacht, dass es hier ein wenig zu ruhig zugeht. Und auch die Carnegie Hall macht ihre Aufwartung: Immer noch nicht riesig groß, aber deutlich in ihren Dimensionen nachvollziehbar. Ganz ehrlich? Das ist eine wunderbare Phonovorstufe, und je länger ich damit Musik höre, desto mehr gefällt mir ihre unaufgeregte, präzise Art. Dicke Empfehlung!

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Fazit

Was fehlt? Eine gescheite Erdungsklemme.  Wer darauf verzichten kann, der  bekommt ein wunderbar samtiges,  präzises Klangbild mit immens  tiefer Bühne

Preis: um 3400 Euro

Phono Vorstufen

Lyric PS 10


01/2016 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb lyric Audio, Schlüchtern 
Telefon 06661 1538413 
Internet www.lyric-audio.de 
Garantie (in Jahren)
B x H x T (in mm) 215/103/365 
Gewicht (in Kg)
Unterm Strich... Was fehlt? Eine gescheite Erdungsklemme. Wer darauf verzichten kann, der bekommt ein wunderbar samtiges, präzises Klangbild mit immens tiefer Bühne. 
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Autor Holger Barske
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Datum 29.01.2016, 15:01 Uhr
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