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Kategorie: Röhrenverstärker

Einzeltest: Egg-Shell Prestige 15WS MK2 - Seite 2 / 3


Aus dem Ei gepellt

Wohl aber den Grund für das knackige Gesamtgewicht der Maschine in Gestalt dreier Induktivitäten: Unter Edelstahl verborgen verdingen sich ein fetter Netztrafo und zwei Ausgangsübertrager aus polnischer Fertigung. Das Gerät verfügt über drei Eingänge, die mit dem mittig auf der Front angeordneten Drehschalter angewählt werden. Eingeschaltet wird mit zwei Wippschaltern seitlich unter dem Gerät, der Star der Angelegenheit ist aber eindeutig die Lautstärkeregelung. Der große Ring, von dem nur ein kleines Segment unter dem Gerät hervorragt, ist für die Bedienung am Gerät zuständig. Schon nicht schlecht, aber noch nichts gegen die kugelförmige Fernbedienung. Darin befindet sich ein elektronischer Beschleunigungssensor, der Drehungen der Kugel registrieren, in Steuerbefehle fürs Lautstärkepoti umwandlen und zum Gerät schicken kann. Sprich: Ein Dreh an der Kugel hat einen Dreh des Lautstärkerrings am Gerät zur Folge. Klasse gemacht und erstaunlich funktional. Das Ganze verbraucht Strom. Deshalb kann man den Geber an der Kugelunterseite ausschalten und den eingebauten Akku per USB-Kabel laden. Im Geräteinneren geht’s etwas rustikal zu.

Der Verstärker ist frei verdrahtet und man merkt an vielen Stellen, dass die Wurzeln des Ganzen im Bau von Gitarrenverstärkern stecken – ein bisschen davon steckt auch schaltungstechnisch in der dreistufigen Eingangsstufe mit hoch verstärkender Pentode. Die beiden EL34 sollten im Parallelbetrieb eigentlich durchaus zu den angegebenen knapp zehn Watt Ausgangsleistung fähig sein; das Unterfangen scheitert, das lässt sich nicht beschönigen, an der überschaubaren Qualität der Ausgangsübertrager. Die verzerren bereits sehr früh, außerdem ist Linearität ihre Sache auch nicht: Ein 3 bis 4 Dezibel hoher Überschwinger bei 15 Kilohertz ist nicht die feine englische Art. Im Bass gibt’s dafür erfreulich wenig Porbleme. Also alles Murks, zurück zum Vertrieb mit dem Ding? Moment. Man kann ja vielleicht mal reinhören. Einfach mal so. Mit den Lautsprechern, die gerade da sind. Das waren in diesem Falle unser Zweiwege-Monitor „Nada“, mit einem Wirkungsgrad um 87 Dezibel nun nicht gerade der Traumpartner für einen Zweiwatter. Das neue Norah-Jones-Album „Day Breaks“ lag gerade in Griffweite und wollte sowieso mal probegehört werden – was soll schlimmstenfalls passieren? Tja. Dumm gucken ist das Gebot der Stunde. Von irgendwelchern Angestrengtheiten ist hier nämlich rein gar nichts zu hören.

Preis: um 3900 Euro

Egg-Shell Prestige 15WS MK2


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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 13.05.2017, 09:57 Uhr