Kategorie: Röhrenverstärker

Einzeltest: Valvet L2


Immer mit der Ruhe

Röhrenverstärker Valvet L2 im Test, Bild 1
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Da oben im Norden, da sitzt einer, der macht etwas Beneidenswertes: nämlich sein Ding. Mit ein bisschen Glück ist das auch Ihr Ding

Tatsächlich haben wir eine ganze Weile daran „gebastelt“, unser erstes Valvet-Gerät ins Heft zu bekommen. Normalerweise sind Hersteller und Vertriebe durchaus freudig bemüht, wenn die Presse schon mal von sich aus auf sie zukommt und den Wunsch äußert, sich mit ihren Produkten auseinanderzusetzen. Im Falle von Knut Cornils war die Freude zwar auch da, hatte aber Grenzen. Der Mann hat die Ruhe weg, was er sich wohl auch erlauben kann: Seine Geräte genießen international einen exzellenten Ruf, der Laden läuft. Wobei man dazusagen muss, dass er mit seinem Tun kein mittelständisches Unternehmen ernähren muss, sondern sich selbst. Will sagen: Wenn Sie bei Valvet anrufen, dann geht mit Sicherheit der Mann ans Telefon, der Ihr Gerät entwickelt und baut – es gibt nämlich nur den einen. HiFi in der heutigen Zeit lebt auch von solchen Konzepten und die Nähe vom Hersteller zum Kunden ist ein Grund dafür, warum die Sache funktioniert.

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„Stange“ kann man natürlich kaufen, aber man kann beim Hersteller auch den einen oder anderen Extrawunsch in Auftrag geben, dessen Realisation hier sicherlich deutlich einfacher ist als beim Fernost-Konzern. Sie möchten Ihre Vorstufe in erdbeerrotem Eloxal? Sollte kein Problem sein. Drei Kopfhörerausgänge? Geht vermutlich auch. Knut Cornils baut ausschließlich Verstärker. In seinen Vorstufen stecken grundsätzlich Röhren, seine Endstufen sind kleine, aber feine Transistorkonzepte, die durchgängig mit reichlich Ruhestrom arbeiten, sprich: im Class-A-Betrieb. Zum Einstand haben wir die Vorstufe mit der denkbar simplen Typenbezeichnung „L2“ bekommen und zwar in einer Spezialversion mit besonders hochwertiger Lautstärkeregelung. Das Gerät kostet – natürlich inklusive der externen Stromversorgung – 4.000 Euro. Das ist zwar eine Menge Geld, in Anbetracht der hohen Individualisierung und der konsequenten Handfertigung in Deutschland so viel nun auch wieder nicht. Die L2 steckt in einem schlichten, flachen Metallgehäuse. Nichts von der Stange, fein säuberlich mit minimalen Spaltmaßen aus gelaserten pulverbeschichteten Stahlblechen aufgebaut. Seitenteile und Front sind aus dickem Aluminium. Gleiches gilt fürs Netzabteil, da durfte lediglich die Front etwas dünner ausfallen. Zu bedienen gibt‘s an dem Gerät nicht viel: Ein Drehknopf zur Auswahl eines von fünf Eingängen, einer für die Lautstärke. Jene wird in einem hübschen grünen Punktmatrix-Display rechts auf der Front angezeigt, die Farbe findet sich bei der Hinterleuchtung des mittig auf beiden Gerätefronten angeordneten Firmenlogos wieder. Sie suchen den Netzschalter? Der sitzt gut versteckt an der Unterseite des Netzteils, ist aber von vorne gut zu erreichen. Die Rückseite des Gerätes erstrahlt in hellem Silber, was einem Dutzend nobler WBT-Cinch-Buchsen aus ebenjenem Material geschuldet ist. Hinzu gesellen sich zwei Paar XLR-Anschlüsse. Eines fungiert als Eingang, das andere bildet einen von drei Ausgängen. Die XLR-Verbinder sind aber kein Zeichen für symmetrische Signalführung, sie sind intern unsymmetrisch belegt und damit elektrisch den Cinchverbindern gleichwertig. Ausgänge gibt es drei, zu den XLR-Anschlüssen gesellen sich zwei weitere im Cinchformat. Bleibt letztlich die vierpolige XLR-Buchse, über die die im Netzteil generierten Hoch- und Heizspannungen Zutritt zum Gerät finden. Deren „Entstehungsort“ schrauben wir zuerst auf. Im Inneren des Netzteils sorgt ein mehr als ausreichend dimensionierter Netztrafo für die erforderlichen Wechselspannungen, die auf der Netzteilplatine gleichgerichtet und gesiebt werden. Für die Hochspannung gibt‘s eine Siebkette mit drei dicken Pötten von Elkos, einer Drossel und einem Widerstand. Was da hinten herauskommt, ist garantiert frei von Restbrumm. Für die Heizung geht‘s etwas weniger luxuriös, aber immer noch satt dimensioniert zu. Unter dem Deckel des Verstärkers selbst kommt eine absolut konsequent ausgeführte Freiverdrahtung zum Vorschein. Die Signalverarbeitung obliegt zwei in europäischen Gefilden nicht so häufig eingesetzten US-Doppeltrioden vom Typ 6SN7GT. Die kräftigen Glaskolben sind horizontal angeordnet und bekamen Gummiringe zur Mikrofoniedämpfung verordnet. Die Schaltungstechnik neu erfunden hat auch Knut Cornils nicht, er verschaltet die beiden Triodensystem eines Kanals nach dem SRPP-Prinzip. Das Kürzel steht für „Shunt Regulated Push Pull“, ist eine relativ moderne Topologie, die ohne Gegenkopplung auskommt und die beiden Röhrenhälften in einen sehr linearen Verstärkerbetrieb zwingt. Die Kehrseite der Medaille ist ein relativ hoher Ausgangswiderstand von 2,5 Kiloohm. Das ist aber immer noch um den Faktor 20 unterhalb der üblichen Endstufeneingangsimpedanzen und sollte kein Problem darstellen, wenn man nicht hunderte Meter hochkapazitiven Kabels anschließen will. Die passiven Bauteile sind auf der Rückseite der feinen Keramikröhrenfassungen montiert, kürzere Signalwege sind schlicht nicht machbar. Die Eingangswahl übernimmt ein hochwertiger Keramikdrehschalter, die Signalverkabelung ist konsequent mit teflonisoliertem Reinsilberdraht ausgeführt. Wie Sie sehen: Das ist zwar ein strukturell schlichtes Konzept, aber bis ins Detail äußerst hochwertig umgesetzt. Was gibt‘s sonst noch? Zwei Spannungsregler, die ihr Mütchen am Gehäuseboden kühlen. Einer versorgt die beiden Röhren mit fein säuberlich geregelter Heizspannung, der andere stellt die Betriebsspannung für den Lautstärkesteller und den Fernbedienungsempfänger bereit. Um den Pegel kümmert sich der dicke rote Aluminiumklotz, der nur auf den ersten Blick wie ein Potenziometer aussieht. Im Inneren verbirgt sich eine ganze Armada von Relais, die mit passenden Festwiderständen das Einstellen des gewünschten Pegels besorgen. Das funktioniert in 64 Stufen, das Verstellen wird vom vertrauenerweckend satten Klicken der Relais akustisch eindrucksvoll untermalt. In unserer L2 stecken definitiv gute S4A-Röhren, was sich schon an der messtechnisch makellosen Performance des Gerätes erkennen lässt. Ich persönlich hätte keinerlei Ambitionen, die Glaskolben gegen irgendwelche meist sündteuren und uralten seltenen Stücke zu tauschen, aber natürlich ruft das Gerät nach „Tube Rolling“ – bei nur zwei Röhren hält sich der Aufwand ja auch in überschaubaren Grenzen. Das liegt ganz bei Ihnen. Ich jedenfalls bin mit der Serienbestückung der L2 hochzufrieden und freue mich darüber, dass wir es wieder einmal mit einem Gerät zu tun haben, das einen erkennbaren Klangcharakter besitzt. Die L2 ist nämlich ein ausgesprochen leichtfüßiger Geselle, der fast jeder Art von Musik ein gewisses Maß an zusätzlicher Spannung verleiht. Sie flitzt wieselflink um sämtliche Ecken, tönt geschmeidig, vielleicht auch ein kleines bisschen versöhnlich, so richtig fies kann sie eigentlich nicht. So lauschen wir völlig ergriffen dem wunderschönen „Misguided Angel“ auf den „Trinity Sessions“ der Cowboy Junkies, einmalig intensiv live in einer Kirche eingefangen. Die L2 macht das, was sie am besten kann, nämlich Gänsehaut. Zweifellos, der L2 ist ein Verstärker mit betontem Livecharakter. Das hervorragende Album „Pandrenalin“ der Fusion-Kombo „Pimpy Panda“ aus dem letzten Heft knackt, drückt und schiebt über den L2, dass es eine wahre Freude ist. Ja, gewiss, es gibt Vorstufen die an der einen oder anderen Stelle noch ein oder zwei Details mehr aus der Rille holen. Das geht völlig in Ordnung, diese Spaßmaschine allererster Güte kompensiert das mit all ihrer Spielfreude locker. Das ist ganz sicher nicht das letzte Valvet-Gerät, mit dem wir uns auseinandersetzen werden, versprochen.

Messtechnik-Kommentar

Messtechnisch gibt‘s bei der L2 nur Grund zur Freude. Ein Fremdspannungsabstand von 101 Dezibel(A) bei einem Volt am Ausgang ist für ein so einfaches Röhrenkonzept herausragend, die Kanaltrennung von 82,9 Dezibel ebenfalls. Der Klirr bei einem Volt am Ausgang beträgt moderate 0,22 Dezibel, die Stromaufnahme aus dem Netz 21 Watt.

Fazit

Sie wollten immer schon mal wissen, wie sich „Livecharakter“ anhört? Dann empfehle ich eine Begegnung mit diesem großartigen Vorverstärker!

Preis: um 3500 Euro

Röhrenverstärker

Valvet L2


05/2018 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Valvet, Bargteheide 
Telefon 04532 267651 
Internet www.valvet.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 445/45/300 
Gewicht (in Kg)
Untern Strich ... Sie wollten immer schon mal wissen, wie sich „Livecharakter“ anhört? Dann empfehle ich eine Begegnung mit diesem großartigen Vorverstärker! 
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Autor Holger Barske
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Datum 30.05.2018, 14:57 Uhr
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