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Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: Benz Micro ACE SL - Seite 3 / 3


Evolution in Rot

Damit ist es optimal für Leute, denen stundenlanges „Schrauben lösen und noch ein winziges Stückchen weiter drehen“ ein Gräuel ist und die einfach schnell gute Ergebnisse erzielen wollen. Zu dieser Zielgruppe gehören unbedingt Tester, die „mal eben“ etwas ausprobieren wollen. Beim SL liegen die Dinge etwas anders. Bei seinem Erscheinen wurde es mit einem Gyger-S-Diamanten bestückt. Das hat Benz- Micro-Chef Albert Lukaschek seit Neuestem aufgegeben und kauft bei Namiki eine fertig montierte Einheit aus Nadelträger und kleinem Micro-Ridge-Diamanten. Das ist zwar merklich teurer, zeichnet sich dem Vernehmen nach aber durch minimale geometrische Toleranzen aus. Der Schliff des stark asymmetrischen Diamanten erlaubt geringere bewegte Massen und einen intensiveren Kontakt zur Abtastzone, will aber auch deutlich exakter justiert werden. Das haben wir hinbekommen und wunderten uns beim Hörtest über die recht deutlichen klanglichen Unterschiede der beiden Abtaster. Kaum ein anderer Tonabnehmer rumst so schön wie das ACE L, und deshalb musste auch das neue ACE SL erst einmal zeigen, was es „rumsmäßig“ so zu bieten hat. Dazu legen wir nach langer Zeit mal wieder Chuck Mangiones berühmten Soundtrack zu „Children of Sanchez“ auf und lassen uns die Bläsersätze nur so um die Ohren hauen.

Das ACE L tut das in bekannt spektakulärer Manier: Überaus zackig, energiegeladen und wuchtig serviert es das Spektakel. Das ACE SL wirkt minimal weniger spektakulär, tut bei genauerem Hinhören aber einfach mehr: Ausschwingvorgänge bekommen mehr Bedeutung, Raumdimensionen werden nachvollziehbarer dargestellt. Tatsächlich macht’s auch nicht weniger Dynamik, sondern eher mehr: Impulse werden einfach präziser und weniger lang gezogen gezeichnet, das nimmt dem Klangbild etwas die Vordergründigkeit. Keine Frage – hier zahlt sich der innigere Kontakt des Diamanten zur Rille aus. Per Frauenstimme suchen wir nach weiteren Unterschieden: „Coolsville“ auf Rickie Lee Jones‘ unsterblichem Erstling ist ein brüchiger, schwierig abzutastender Stolperstein allererster Güte. Das ACE L nimmt die Hürde mit Bravour, Frau Jones knarzt und knödelt, dass es eine wahre Freude ist. Wiederum muss man beim ACE SL zweimal hinhören, um seine Überlegenheit zu entdecken: Es quengelt nicht ganz so energisch, produziert aber mehr Atemgeräusche und zeigt mehr Hall. Auch das Klavier profitiert von der Micro-Ridge-Nadel: der hart an der Grenze zur Unerträglichkeit aufgezeichnete Anschlag bekommt mehr Farbe, mehr Drive von unten heraus, verliert aber an Bedrohlichkeit. Je komplexer und dichter das abzutastende Geschehen ist, desto mehr spielt das ACE L seine Stärken aus.

Kennen Sie das Phänomen, dass ein Raum hörbar wird, bevor die Musik überhaupt eingesetzt hat? Das kann das SL hervorragend. In dem Moment, in dem der Mann am Mischpult die Regler aufzieht, noch niemand einen Ton gespielt hat, diesen Moment macht das neue Benz zum Fest – merklich eher als der kleinere Bruder. Selbstverständlich kann man darüber diskutieren, warum der Einsatz eines noch viel winzigeren Diamanten das ACE SL gegenüber dem Klassiker deutlich verteuern muss, aber das ist müßig: Die Ohren geben da eine recht eindeutige Antwort.

Fazit

Ist das ACE SL das bessere ACE L? Definitiv. Es spielt weniger vordergründig, etwas gesitteter und reproduziert mehr Details als das Urmodell. Dafür nimmt man etwas mehr Sorgfalt bei der Justage gerne in Kauf.

Preis: um 700 Euro

Benz Micro ACE SL


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Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb High Fidelity Studio, Augsburg 
Telefon 0821 / 37250 
Internet www.benz-micro.de 
Garantie (in Jahre)
Unterm Strich... » Ist das ACE SL das bessere ACE L? Definitiv. Es spielt weniger vordergründig, etwas gesitteter und reproduziert mehr Details als das Urmodell. Dafür nimmt man etwas mehr Sorgfalt bei der Justage gerne in Kauf. 
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Autor Holger Barske
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Datum 10.06.2011, 12:10 Uhr