Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: sonoro audio Platinum SE


Der „passt immer“- Plattenspieler

Plattenspieler sonoro audio Platinum SE im Test, Bild 1
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Ein Charakteristikum des HiFi-Metiers ist, dass Geräte immer spezieller und reduzierter werden, je höher die angestrebten qualitativen Regionen sind. Fällt da der ganz normale Anwender nicht aus der Zielgruppe?

Aber sicher tut er das. Welcher mit klarem Verstand ausgestattete Zeitgenosse, der einfach in ordentlicher Qualität Schallplatten hören will lässt sich schon dazu überreden, erst einmal ein Laufwerk, einen Tonarm, einen Tonabnehmer und eine Phonovorstufe anzuschaffen, die alle technisch zueinander passen und dann auch klanglich miteinander harmonieren sollen? Das mag für den langjährigen Vinyl-Insider eine Selbstverständlichkeit sein, für Leute, die keine ausgewiesenen Nerds sind jedoch nicht. Die brauchen eine feine, bestens funktionierende Lösung, die ohne Physikstudium in Betrieb zu nehmen ist und die einfach liefert. Klang, Haptik, Optik und Funktionalität.

Plattenspieler sonoro audio Platinum SE im Test, Bild 2Plattenspieler sonoro audio Platinum SE im Test, Bild 3Plattenspieler sonoro audio Platinum SE im Test, Bild 4Plattenspieler sonoro audio Platinum SE im Test, Bild 5Plattenspieler sonoro audio Platinum SE im Test, Bild 6Plattenspieler sonoro audio Platinum SE im Test, Bild 7Plattenspieler sonoro audio Platinum SE im Test, Bild 8Plattenspieler sonoro audio Platinum SE im Test, Bild 9


Das ist die Klientel, der sich das Neusser Unternehmen Sonoro verschrieben hat. Das beschränkt sich übrigens nicht auf akustische Wohl im Wohnzimmer, sondern auch auf andere Belange des täglichen Lebens: Sonoro versteht sich als Lifestyle- Hersteller, der auch in der Küche, im Bad und im Schlafzimmer für den optimalen Ton sorgen kann. Der Plattenspieler gehört dabei zweifellos in die gute Stube, ein Schätzchen wie das Modell Platinum SE für 800 Euro sowieso. Dabei handelt es sich um eine merklich aufgewertete Version des Modells „Platinum“, dass wir vor einem Jahr an dieser Stelle schon gezeigt haben. Den gibt‘s derzeit für 600 Euro zu erstehen, er klingt nachweislich ausgezeichnet und die entscheidende Frage hier ist, ob es sich lohnt, die 200 Euro mehr für den „SE“ auszugeben.  

Äußerlich präsentiert sich das neue Modell in unaufgeregtem Mattschwarz, alternativ ist die Zarge auch in mattem Weiß zu haben. Den „normalen“ Platinum hingegen gibt‘s in drei Farben, schwarz und weiß sind dort in Hochglanzoptik ausgeführt. Der Plattenspieler selbst ist hüben wie drüben eine klassisch per Riemen angetriebene Konstruktion. Die Drehzahlumschaltung zwischen 33 und 45 Umdrehungen erfolgt per Drehschalter. Eine Möglichkeit zur Drehzahlfeineinstellung ist nicht vorgesehen, der angeblich mit optischer Unterstützung geregelte Motor ließ aber den Testzeitraum jedoch auch keinerlei Bedürfnisse in dieser Hinsicht aufkommen. Jener Motor ist unterhalb des Plattentellers angebracht,über Gummielemente vom der Laufwerksgrundplatte entkoppelt und verrichtet seinen Dienst unauffällig und geräuscham. Seine Kraft überträgt er über einen Flachriemen aus Gummi auf einen Plattenteller aus Leichtmetallguss. Dazu wurde an der Unterseite eine nach innen versetzt ein Steg mit angegossen, so dass der gesamte Antrieb unter dem Teller verschwindet. Das Installieren des Antriebsriemens geht über eines der beiden Löcher in der Telleroberfläche problemlos. Der Plattenteller unterscheidet sich in zwei Punkten von dem des kleineren Modells: Beim „SE“ wurden zwei Gummiformteile an der Unterseite aufgeklebt, die den Teller wirksam bedämpfen. Dafür gibt‘s obendrauf keine Gummiauflage mehr, den Kontakt zur Platte stellt vielmehr eine Korkmatte her.  

Wem die eine oder andere Komponente hier bekannt vorkommt, der irrt nicht: Es ist selbstverständlich nicht so, dass Platinum und Platinum SE Geräte sind, die im Rheinland vom Band laufen. Natürlich lässt man die Maschinen nach eigenen Vorgaben im fernen Osten fertigen, was andere Hersteller auch tun. Und gewisse Übereinstimmungen mit Modellen eines nunmehr in Bergisch Gladbach angesiedelten Traditionsunternehmens sind von daher kein Zufall. So würde sich der unten gummierte und oben „verkorkte“ Teller des Platinum SE bestimmt auch auf dem Thorens TD 1500 gut machen, den es an anderer Stelle in diesem Heft zu bestaunen gibt – passen tut er definitiv, ich hab‘s probiert. Mangels Praxisrelevanz habe ich mir entsprechende Hörvergleiche aber verkniffen.  

Der Tonarm des Platinum SE ist ein s-förmig gebogenes Modell aus Aluminium. Am vorderen Ende sitzt ein erfreulicherweise per klassischem SME-Bajonett angeflanschtes Headshell. Beim SE ist an eben jenem ein Abtaster vom Typ Nagaoka MP-110 vormontiert, während man sich beim Platinum mit dem schlichteren Ortofon 2M Red begnügen muss. Die Montage des Abtasters ist hüben wie drüben denkbar einfach, weil man sich mit geometrischen Aspekten nicht auseinandersetzen muss. Die Einstellarbeiten beschränken sich auf das Einstellen der Auflagekraft und des Antiskatings. Das geht werkzeuglos: Nach alter Väter Sitte verdreht man das Gegengewicht, bis der Arm in der Waage schwebt, dreht die Skala auf dem Gegengewicht in die Nullposition und verdreht dann Gewicht inklusive Skala auf die gewünschte Auflagekraft – in diesem Falle 1,8 Gramm. Das Antiskating-Einstellrad wird auf den gleichen Wert gedreht – fertig. Der Tonarm ähnelt dem des kleinen Modells zwar stark, jedoch hat man hier für die horizontale Ebene ein feines Kugellager mehr spendiert, was für eine noch bessere Führung sorgen soll.  

Das SE-Moedell hat auch an Stellen zugelegt, die nicht gleich ins Auge fallen – so ist das Gesamtgewicht von knappen vier auf fast secheinhalb Kilogramm gewachsen. Gleich geblieben ist die zeitgemäße Konnektivität des Gerätes: So verfügt es über eine eingebaute Phonovorstufe, mit der sich das Gerät via Cinch-Leitung an jeden Verstärker anschließen lässt. Wer an der Stelle lieber einer externen Lösung vertrauen möchte kann das tun – der eingebaute Entzerrer ist per Schalter aus dem Rennen zu nehmen. Wer‘s noch moderner mag, der kann das Gerät per drahtloser Bluetooth-Verbindung nach dem APT-XStandard mit entsprechenden Endgeräten verbinden. Das Pairing funktioniert problemlos und ich habe zu allerersten Mal Töne aus einem Plattenspieler über mein Smartphone gehört. Das allerdings wird die große Anlage bei mir nicht arbeitslos machen – keine Sorge.  

Damit ist dem Zugang zur Digitalwelt nicht Genüge getan: Per USB-Anschluss ist das Gerät außerdem an dem Computer andockbar, um damit Platten digitalisieren zu können. Man sollte das keinesfalls als Spielzeug abtun, tatsächlich nämlich funktioniert das ziemlich gut. Letztlich hängt die Qualität des Ergebnisses vom Aufwand ab, den Sie bereit sind in die Nachbearbeitung zu stecken. Sonoro liefert keine Spftware mit, empfiehlt aber das seit vielen Jahren bewährte kostenlose Audacity – dem Tipp würde ich mich anschließen wollen.  

Uns interessiert natürlich in erster Linie, was der Dreher klanglich zu leisten imstande ist. Und das selbstredend mit der eingebauten Phonovorstufe, denn das dürfte die in aller Regel die bevorzugte Betriebsart dieses Gerätes sein. Und natürlich war ich auf einen veritablen Zusammenbruch aller klanglichen Aspekte gefasst, als Neil Youngs legendärer Massey-Hall-Auftritt vom Air Force III mit sündteurer Peripherie auf den Teller des Sonoro wanderte. Denkste. Das passiert definitiv nicht. Jawohl, es klingt zurückhaltender als mit dem „großen Besteck“, es transportiert jedoch überzeugend die dichte Atmosphäre, mit der der blutjunge Singer-/Songwriter sein Publikum in Atem hält. Es zeigt die Zerbrechlichkeit und die Inbrunst, die der Aufnahme zu eigen sind. Das Nagaoka hat diesen warmen und kräftigen MM-Sound, der einfach schön analog und stimmig wirkt. Der Bass hat Kontur, der Raum geht auf, die Akustikgitarre hat Schmelz und Kraft. Der Luxus-Spieler kann am oberen Ende selbstredend noch etwas mehr Luft und Natürlichkeit, auch wirkt das Geschehen noch transparenter und aufgeräumter. Wichtig ist jedoch, dass der Sonoro die Botschaft des Mediums Schallplatte überzeugend transportiert. Das tut er auch bei den vier Jazz-Größen von LA4: Das Saxophon perlt leichtfüßig und eindringlich, der Kontrabass tönt sonor und rund. Sehr schön. In Sachen Bedienung ist das Ganze völlig unproblematisch – es ist halt ein ein manueller Plattenspieler und stellt auch weniger Geübte vor keinerlei Probleme. Auch gröberes Material serviert der Sonoro-Dreher absolut überzeugend: Das selbstbetitelte Album der norwegischen Brachialo-Rocker von Slomosa drückt mit breiter Brust, die Gesangsstimme separiert das Gerät sehr gut, nichts wackelt, die Abbildung ist stabil. Alles richtig hier!

Fazit

Sonoros Platinum SE verdient sich eine dicke Empfehlung für moderne Vinylfans, die auf Konnektivität Wert legen. Mit seinem satten, farbigen und betont analogen Klang vermag er auch anspruchsvolle Hörer zu überzeugen.

Preis: um 800 Euro

Plattenspieler

sonoro audio Platinum SE


03/2022 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Sonoro, Neuss 
Telefon 02131 8834181 
Internet www.sonoro.com 
Garantie (in Jahre) 3 Jahre 
Abmessungen 420 x 356 x 125 mm 
Gewicht (in Kg) ca. 6,3 
Unterm Strich ... » Sonoros Platinum SE verdient sich eine dicke Empfehlung für moderne Vinylfans, die auf Konnektivität Wert legen. Mit seinem satten, farbigen und betont analogen Klang vermag er auch anspruchsvolle Hörer zu überzeugen. 
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Datum 17.03.2022, 09:44 Uhr
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