Kategorie: Plattenspieler

Plattenspieler Perpetuum Ebner PE 6060


Einfach mal zuhören

Plattenspieler Perpetuum Ebner PE 6060 im Test, Bild 1
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Freunde, wie die Zeit vergeht. Vor ziemlich genau neun Jahren habe ich über die Wiedergeburt von Perpetuum Ebner, kurz PE, und ihrem ersten Produkt, dem 4040 Plattenspieler geschrieben. Und jetzt bin ich gespannt, wie sich der brandneue 6060 macht.

Historisches


Haben Sie sich schon einmal gefragt, was die Bezeichnungen 4040 oder 6060 bedeuten? Sie signalisieren in der PE-Welt, dass ein Subchassis am Start ist. Aber Moment mal, Sie kennen PE noch gar nicht? Das müssen wir auf jeden Fall ändern. Perpetuum Ebner oder eben PE gehörte einst zum analogen Schwarzwälder Hochadel. Gegründet wurde die Firma als Perpetuum Schwarzwälder Federmotoren und Automatenwerke 1911 in St. Georgen, nachdem die Zusammenarbeit zwischen den Brüdern Josef und Christian Steidinger im Streit auseinander ging. Die beiden hatten 1900 die Firma „Gebrüder Steidinger, Fabrik für Feinmechanik“ und 1907 Dual gegründet.

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Mitte der 1930er Jahre heiratete dann ein gewisser Albert Ebner die älteste Tochter von Josef Steidinger und zog mit seinem Grammophonwerk von Stuttgart nach St.Georgen. In den 1950er Jahren wurde PE der größte Hersteller von Plattenspielern und -wechslern in Europa, wenn man England mit Garrad und BSR einmal außen vor lässt. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wovon wir hier sprechen: Die PE-Tagesproduktion betrug zu dieser Zeit etwa 5000 Stück. Damit war PE größer als DUAL und ELAC in Kiel, zusammen nahmen die drei Firmen im Weltmarkt eine Spitzenposition ein. Doch innerhalb von kaum zwei Jahrzehnten war dann aufgrund falscher Weichenstellungen Schluss mit der analogen Herrlichkeit und nachdem Albert Ebner Jr. die Firma Anfang der 70er an DUAL verkauft hatte, ließ der große Konkurrent sie sterben: PE verschwand also um 1973 komplett vom Markt.   


Wiederbelebung


Ursprünglich wollte Wolfgang Epting, selbst Schwarzwälder Lokalpatriot, die Alfred Fehrenbacher GmbH übernehmen. Fehrenbacher war der wichtigste Zulieferer der großen Hersteller in St. Georgen. Doch seine Verhandlungen scheiterten an den unrealistischen Forderungen des alten Herrn Fehrenbacher. Da Epting aber mit Familienmitgliedern aus dem PE–Umfeld und sogar mit Herrn Ebner persönlich befreundet war, konnte er vor knapp zehn Jahren PE übernehmen, was ein echter Glücksfall war. Denn kein BWLer oder sonstiger Trittbrettfahrer des Vinylbooms hätte wie er verstanden, was den Kern der Marke PE ausmacht – oder sie hätten es ignoriert. Heute erkennt man einen PE an der deutlichen Unterscheidung der Zarge mit ihren Farb- und Furniervarianten und dem dunkel gehaltenen Tonarmbrett. Besonders schön ist das bei unserem Testgerät mit seiner Bicolor-Ausführung gelungen. Vorbild dafür ist der letzte eigenständige PE 2020 aus dem Jahr 1967. Epting ist es eine Herzensangelegenheit, dass so viele Teile und Dienstleistungen wie möglich aus St. Georgen oder der unmittelbaren Umgebung kommen. Natürlich gelingt das nicht zu 100%, aber das dürfte jedem klar sein. Durch den Manufakturgedanken kann man „seinen“ PE sehr weitgehend individualisieren lassen. Nach der Endmontage wird jeder Plattenspieler penibel durchgemessen und schließlich akustisch mit einer real existierenden Schallplatte geprüft, bevor er den Schwarzwald verlässt.   

Der Neue


Auf Basis des 4040, dem Verkaufsschlager bei PE, ist mit dem 6060 ein klassisch riemengetriebenes Laufwerk mit dem PE TO 2018 Tonarm entstanden, der sonst auf dem Top-PE-Direktläufer PE 7070 arbeitet. Hier kommt das Baukastenprinzip von PE zum Tragen, das ermöglicht, unkompliziert neue Kombinationen von Zargen, Tellern und Tonarmen zu realisieren, was für einen kleinen Hersteller existentiell notwendig ist.

Plattenspieler Perpetuum Ebner PE 6060 im Test, Bild 7
XLR-Eingänge sind grundsätzlich bei einem Plattenspieler eine gute Idee. Mini-XLR wäre eine noch bessere
Alle PE-Dreher wurden inzwischen auf die MK II-Version umgestellt, die in erster Linie einen neuen Motor beinhaltet. Der Premotec Synchronmotor läuft ruhiger und stabiler als sein Vorgänger von Papst. Dazu kommt die Steuerelektronik mit externem Netzteil, die schon 2017 mit der Unterstützung von Walter Fuchs und Helmut Thiele entstanden ist. Und ja, es gibt da eine versteckte Drehzahleinstellung, aber die Dreher sind perfekt justiert und Epting möchte vermeiden, dass die Nutzer an dieser Einstellung ohne Not und vielleicht ohne die Möglichkeit einer wirklich exakten Überprüfung drehen. Der Mann sorgt sich einfach um die optimale Performance seiner Babys. Das klassische Subchassiskonzept hat Epting modifiziert, es ist härter als das eines Thorens oder Linn LP 12. Epting verwendet konische Spiralfedern mit 1,7 mm Durchmesser, die über einen Suspensionsbolzen geführt werden und so Horizontal- und Vertikalauslenkungen begrenzen. Man merkt es durch das geringere „Schwabbeln“ und das unkritischere Handling des PE 6060. Bei der Umstellung auf die MK II Version bekamen alle PE Dreher eigenentwickelte, höhenverstellbare Füße spendiert, die als Sandwich aus Aluminium mit einem Squashball mit 60er Shore-Härte dazwischen aufgebaut sind. Der 37mm starke Plattenteller wird aus dem vollen Aluminium vor Ort gedreht und wie die Stahl- Bodenwanne mit Sorbothane bedämpft.   

Der Tonarm


Der PE TO 2018 Tonarm wurde wie auch der bekannte TP-92, der auf vielen Thorens Modellen seinen Job macht, von WE AUDIO SYSTEMS wie Eptings Firma heißt, zusammen mit einem ehemaligen Dual-Ingenieur in St. Georgen entwickelt, wo er auch gebaut wird. Seine Geometrie folgt der von Helmut Thiele, er ist also etwas länger als die üblichen 9inch. Das Rohr besteht aus Carbon, er ist klassisch kardanisch gelagert und war ursprünglich für den Betrieb mit Wechselheadshells nach SME-Standard geplant. Doch nachdem Jelco als Zulieferer während der Corona- Pandemie die Pforten schloss, macht den Job nun ein stabiles, fixes Headshell. Das ist alles keine Raketenwissenschaft, aber gut abgehangenes Analogwissen, 1a gefertigt und perfekt abgestimmt. Man kann den schicken TO 2018 auch solo für 1695 Euro kaufen.  

Weltneuheit


Wie sich das so gehört, hat Wolfgang Epting exklusiv fürs LP Magazin eine Weltneuheit in Form des ersten eigenen PEMC- Tonabnehmers mitgeliefert, das getreu seiner Nomenklatur PE-MC1 heißt. Eigentlich dachte ich, dass das System nicht im Schwarzwald gebaut würde, weil dort das Know-How dafür fehlt. Aber das stimmt gar nicht, denn es wurde von Epting zusammen mit Klaus-Peter Grasse von TechneAudio entwickelt. Die Basis ist deren Abtaster „The Beat“, den beide noch verfeinert haben. Und raten Sie mal, wo TechneAudio residiert? Na im Schwarzwald! Die Nadel für das MC 1 kommt von Namiki aus Japan und der Generator aus China. Montage und Einstellung des System erfolgt dann bei TechneAudio. Das Rezept dafür ist klassisch: Micro Ridge Nadelschliff, Bornadelträger, halboffenes Aluminiumgehäuse. Kein Standard sind die quadratischen Spulen, Square Coil Generator nennt sich das. Den Abtaster kann man solo für 1749 Euro kaufen. Damit ist er zwar kein Schnäppchen aber ein attraktives und konkurrenzfähiges Produkt. Wer nicht ganz so viel ausgeben möchte oder kann, dem empfiehlt Epting ein Ortofon Quintet Black S, das man im Paket mit dem PE 6060 deutlich günstiger als einzeln gekauft bekommt.   

Klingt


Erst einmal macht das „Arbeiten“ und vor allem das Hören mit dem PE 6060, seinem angenehm zu bedienenden Tonarm und dem neuen Tonabnehmer richtig Spaß. Da brummt nichts, da eiert nichts, alles läuft geschmeidig und geräuschfrei und wenn sich die Nadel exemplarisch still in der Rille versenkt, entsteht in meinem Gesicht ein Dauergrinsen, das gar nicht mehr weichen will. Denn die Kombination aus PE 6060 und MC1 klingt schlicht hervorragend, räumlich realistisch, klangfarbentreu und dynamisch wunderschön ausgeprägt. Wie lange habe ich „Paradise & Lunch“ von Ry Cooder nicht mehr gehört? Und jetzt frage ich mich ernsthaft warum. Die Scheibe ist einfach ein Hochgenuss und mit dem PE erst recht: die vertrackten Grooves von Jim Keltner, Cooders unvergleichliche Stimme und seine noch unvergleichlichere Slidegitarre, diese dezente Bajoumucke bekommt hier das bisschen audiophilen Extraglanz, der aus Musik erst ein Erlebnis macht. Cooders so authentisch wirkendes Spiel, das nie auf Effekte setzt, dürfte mit so einem Setup jedem Hörer verständlich werden, der zuvor vielleicht dachte, es sei banal. Und wenn Bobby King mit seiner göttlichen Gospelstimme „Jesus on the Mainline“ singt, wird eins klar: ich mache heute Überstunden. Und höre unter anderem Tony Scott „Germany 1957 / Asia 1962 Lost Tapes“. Wen Sie ihn nicht kennen, der Mann war einer der größten Jazz Klarinettisten mit einem sehr eigenwilligen Stil. Für diese Musik braucht es Finesse und Auflösung und die hat der PE im Überfluss. Ich höre einfach immer weiter und staune nicht schlecht, wie die Klavierakkorde von Horst Jankowski in den Raum knallen. Das ist ganz große Analogschule.

Fazit

Wissen Sie, was ich an PE und den Produkten von Wolfgang Epting so mag? Dass es so wunderbare No Nonsense Produkte sind, frei nach dem Motto „Es muss nicht immer Schottland sein.“ Der PE 6060 könnte ihr nächster, vielleicht sogar Ihr letzter Dreher sein.

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Kategorie: Plattenspieler

Produkt: Perpetuum Ebner PE 6060

Preis: um 4925 Euro mit PE-MC1 Tonabnehmer: etwa 6.675 Euro

6/2024

Der PE 6060 könnte ihr nächster, vielleicht sogar Ihr letzter Dreher sein.

Perpetuum Ebner PE 6060

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Telefon 06324- 98977-16 
Internet www.flux-hifi.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre (bei Registrierung 3 Jahre) 
Abmessungen 175 x 470 x 340 mm 
Gewicht (in Kg) etwa 15 kg 
Unterm Strich ... Wissen Sie, was ich an PE und den Produkten von Wolfgang Epting so mag? Dass es so wunderbare No Nonsense Produkte sind, frei nach dem Motto „Es muss nicht immer Schottland sein.“ Der PE 6060 könnte ihr nächster, vielleicht sogar Ihr letzter Dreher sein. 
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