Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: Aidas „Black Sound Red Heart MK II“


Schwarzer Klang, rotes Herz

Tonabnehmer Aidas „Black Sound Red Heart MK II“ im Test, Bild 1
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Wenn die klangliche Performance dieses edlen MC-Abtasters auch nur halb so episch sein sollte wie sein Name, dann dürfen wir uns auf Großes gefasst machen

Der Hersteller


Es kommt ja in der heutigen Zeit nicht mehr oft vor, dass ein neuer Tonabnehmerhersteller am Markt Fuß zu fassen versucht. Der Name „Aidas“ ist bei uns denn auch noch weitgehend unbekannt, international jedoch ist der Hersteller schon länger aktiv. Näheres zu den Wurzeln des Unternehmens zu sagen ist gar nicht so einfach, denn es handelt sich um ein Konglomerat aus einer ganzen Reihe von erfahrenen Leuten, die weit über den Globus verteilt agieren. Gefertigt werden die Preziosen aber auf dem Baltikum, genauer gesagt in Kaunas, Litauen. Wo übrigens, interessanter Fakt am Rande, auch Tonarm- und Plattenspielerhersteller Reed ansässig ist. Der Konstrukteur und Namensgeber der Preziosen heißt Aidas Savaz und hat seine Kenntnisse über das jahrzehntelange Reparieren und Modifizieren von Abtastern anderer Hersteller erlangt.

Tonabnehmer Aidas „Black Sound Red Heart MK II“ im Test, Bild 2Tonabnehmer Aidas „Black Sound Red Heart MK II“ im Test, Bild 3Tonabnehmer Aidas „Black Sound Red Heart MK II“ im Test, Bild 4Tonabnehmer Aidas „Black Sound Red Heart MK II“ im Test, Bild 5
Der Wunsch, das Gelernte irgendwann in eigenen Produkten umzusetzen kommt da fast unausweichlich.  

Produktpalette


Das Aidas-Programm ist ein ziemlich umfangreiches und gliedert sich derzeit in vier Baureihen. Den Einstieg bildet die „CU“- Serie mit Spulen aus Kupferdraht und endet natürlich bei der „AU“-Reihe mit Wicklungen aus Gold. Unser Proband gehört in die „AG-CU“-Serie, die sich – Sie ahnen es – durch den Einsatz von versilbertem Kuperdraht auszeichnet. Die Generatorkonstruktion ist bei allen Modellen identisch, die Unterschiede liegen im Material für den Spulendraht und bei den Gehäusen. Und da gibt’s durchaus Exotisches wie zum Beispiel – Sie lesen richtig: Mammutstoßzahn. Was in geringen Mengen und unter strengen Auflagen eine übrigens durchaus legale Handelsware ist. Alle Abtaster werden von Aidas Savaz höchst selbst in Handarbeit gefertigt. Dass dabei kein gewaltiger „Output“ entsteht versteht sich von selbst, zudem ist bei Interessenten ein gewisses Maß an Geduld gefragt.  

Das Testmuster


Unseren Probanden gibt’s eigentlich schon fast nicht mehr, weil es sich bei ihm um eine Sondervariante des Modells „Malachite Silver“ handelt, die sich nur beim Gehäusematerial von jenem unterscheidet.

Tonabnehmer Aidas „Black Sound Red Heart MK II“ im Test, Bild 3
Unser Testexemplar ist eine Sonderausgabe des „Malachite Silver“
Hier ist es Ebenholz aus dem westafrikanischen Gabun (ebenfalls völlig legal), beim Malachite Silver das Mineral Malachit, bei dem Kupfer für die grüne Färbung sorgt. Das „ Black Sound Red Heart MK II“ können Sie für geschmeidige 5000 Euro erstehen und dürfen sicher sein, dass Sie damit ein richtig seltenes Stück besitzen. Die Bauform des weitgehend nackten Abtasters erinnert ein wenig an den berühmtem EMT-Generator, er steckt ebenfalls in einem langgestreckten Zylinder. Der Nadelträger ragt prominent aus dem vorderen Polstück heraus, die Optik erinnert an dieser Stelle ein wenig an ein gehäuseloses Denon DL-103. Beim Aidas kommt ein Bornadelträger mit ziemlich kleinem nackten Micro-Ridge Diamanten zum Einsatz, der Hersteller nennt freimütig den japanischen Spezialisten Namiki als Lieferanten. Die schön freie Sicht auf den Nadelträger hilft bei der Justage, bringt allerdings auch Gefahren mit sich, zumal es zu dem Abtaster keinerlei Nadelschutz gibt. Die Spulen aus versilbertem Kupferdraht sind auf ein quadratisches Metallplättchen gewickelt, die Anordnung kennen wir von diversen bei Excel gefertigten MCs. Beim Magnetmaterial setzt Aidas auf Alnico, das hier mit einem dämpfenden roten Pigment beschichtet wurde, daher das „rote Herz“ in der Typenbezeichnung. Die Anordnung sorgt für eine Ausgangsspannung von nominell 0,3 Millivolt bei einer Schnelle von fünf Zentimetern pro Sekunde, was heutzutage keine Phonovorstufe mehr vor Probleme stellen sollte. Bei Halbleiterlösungen dürfte eine Verstärkung ab 60 Dezibel das Mittel der Wahl sein. Bei Röhrenlösungen empfiehlt sich das Vorschalten eines 1:10- oder 1:15-Übertragers, mit dem sich Abschlussimpedanzen von 470 respektive 208 Ohm einstellen. Was besser passt, muss man individuell entscheiden. Der Hersteller empfiehlt den Abschluss mit 100 bis 1000 Ohm. Der Generatorwiderstand ist mit fünf Ohm recht niedrig, was für eine geringe bewegte Masse spricht.  

Optisches


Der Aidas-Abtaster ist zweifellos ein äußerst hübsches Exemplar seiner Gattung. Der Kontrast des schwarzen Gehäuses, der gleichfalls dunklen Generatorteile mit den dicken goldenen bis zum Generator verlängerten Anschlusspins sieht toll aus, der umlaufende goldene Draht an der breiten Basisplatte tut ein Übriges. Die Montage ist dank der eingeschnittenen Gewinde kein Problem, der Nadelträger erweist sich als erfreulich gerade eingebaut. Mit einer Nadelnachgiebigkeit von 12µn/mN freut sich das 9,8 Gramm schwere System über mittelschwere bis schwere Arme, mit dem zwölfzölligen Reed 1-X hätte ich da etwas hervorragend Passendes vom Nachbarn in Kaunas.  

Klang


Es hat etwas gedauert, bis das „Black Sound Red Heart MK II“ seine ganzen akustischen Qualitäten ausspielen konnte. Die ersten paar Stunden war von seiner herausragenden Natürlichkeit noch nicht viel zu merken, irgendwann aber bröckelten die Dämme. Ella Fitzgeralds feines Vibrato trat in der Vordergrund, die Stimme bekam Drive und Nachdruck. In Sachen Abschluss bin ich bei 470 Ohm gelandet, was für perfekte Differenzierung sorgte und die Gesangsstimme schön plastisch in den Vordergrund stellte. Überhaupt Stimme: Hier leistet das Aidas Herausragendes: Extrem natürlich und ausdrucksstark serviert der Abtaster das Organ der Sängerin auf „Ella Swings Lightly“. Es klingt betont geschmeidig und glatt, hier ist Gänsehaut garantiert. Solcherlei Ausdrucksstärke kommt auch Thelonious Monk und seinen Mannen zugute, auf dessen 1964er Live-Großtat er die Bläser wunderbar strahlen lässt und den einzelnen Protagonisten auffällig viel Luft lässt. Auch hier ist es der besonders geschmeidige und cremige Ton, der für eine betont authentische Wiedergabe sorgt. Tonal ist das Aidas perfekt ausbalanciert. Im Bass tönt es diszipliniert, stramm und im besten Sinne unauffällig. Am oberen Ende natürlich, bestens integriert und mit dem richtigen Maß an Luft. Alles in Allem nicht ganz so ekstatisch wie ein Lyra Etna, aber mit ganz viel Disziplin.

Fazit

Ein überaus starkes Debüt eines neuen Tonabnehmerherstellers, das mit fein abgezirkelter Tonalität, einem betont glatten und sahnigen Ausdruck und fein aufgefächerter Räumlichkeit glänzt. Nicht billig, aber sehr gelungen!

Kategorie: Tonabnehmer

Produkt: Aidas „Black Sound Red Heart MK II“

Preis: um 5000 Euro


1/2023

Ein überaus starkes Debütt. Nicht billig, aber sehr gelungen!

Aidas „Black Sound Red Heart MK II“

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb LEN HiFi, Duisburg 
Telefon 02065 544139 
Internet www.lenhifi.de 
Gewicht: ca. 9,8 g 
Nadelnachgiebigkeit: 2 μm/mN 
Empfohlene Auflagekraft: 19 mN 
Unterm Strich... » Ein überaus starkes Debüt eines neuen Tonabnehmerherstellers, das mit fein abgezirkelter Tonalität, einem betont glatten und sahnigen Ausdruck und fein aufgefächerter Räumlichkeit glänzt. Nicht billig, aber sehr gelungen! 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 21.01.2023, 09:59 Uhr
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Interessante Links:
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