Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: EAT Yosegi


Bauklötzchen staunen

Tonabnehmer EAT Yosegi im Test, Bild 1
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Wer behauptet, auf diesen Abtaster nicht zuerst einmal wegen der Optik „anzuspringen“, um dessen Glaubwürdigkeit ist es schlecht bestellt

Mitspieler


Plattenspieler:

 Transrotor Fat Bob / Reed 3p
 Acoustic Solid 111 Metall / WTB-211

Phonovorstufen:

 MalValve preamp three phono

Vorstufen:

 Rowland Capri S2

Endstufen:

 Rowland Model 525

Lautsprecher:

 Avalon Idea

Zubehör:

 Netzsynthesizer Accuphase PS1210
 NF-Kabel von Transparent
 Phonokabel van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudi


Gegenspieler


Tonabnehmer:

 Charisma MC-1
 Benz ACE-SL

Die Geschichte beginnt in Prag, am Firmensitz des „Euro Audio Teams“. Das ist ein Unternehmen, das seinerzeit aus den Überresten des tschechischen Staatskonzerns „Tesla“ hervorging und zunächst mit einer hochwertigen Röhrenfertigung auf sich aufmerksam machte.

Tonabnehmer EAT Yosegi im Test, Bild 2Tonabnehmer EAT Yosegi im Test, Bild 3Tonabnehmer EAT Yosegi im Test, Bild 4Tonabnehmer EAT Yosegi im Test, Bild 5
Das bot sich an, die hoch spezialisierten Maschinen waren vorhanden und der Markt für Röhre begann sich gerade in interessante Dimensionen zu entwickeln. Röhren gibt’s immer noch von EAT, allerdings hat sich der Fokus des Unternehmens merklich verlagert. Firmenchefin Jozefina Krahulcova ist eine ernsthaft Analogbegeisterte und lernte darüber Heinz Lichtenegger kennen, den österreichischen Chef des ebenfalls in Tschechien produzierenden Unternehmens „ProJect“, der vermutlich größte Plattenspielerproduzent dieser Tage. Das Resultat dieser Begegnung: Frau Krahulcova heißt jetzt Lichtenegger und baut Plattenspieler. Auch wenn es eine gewisse Verwandtschaft zu ProJect-Modellen gibt, ist das Unternehmen eigenständig und weit mehr als eine Abteilung unter der heimlichen Leitung des Gatten. Neben den drei sehr anspruchsvollen Laufwerken von EAT – über alle drei Modelle gab’s an dieser Stelle schon zu lesen – strebt EAT die Komplettierung des Zubehörprogramms an. Es gibt Kooperationen mit diversen Tonarmherstellern und vor einiger Zeit hat man sich auch dem Thema Tonabnehmer gewidmet. Das Resultat der Bemühungen heißt „EAT Yosegi“, kostet 1.500 Euro und ist ein Moving-Coil für gehobene Ansprüche. Das Yosegi liefert eine Ausgangsspannung von 0,4 Millivolt bei 5 cm/s Schnelle, damit liegt es im Bereich des bei MCs Üblichen. Es passt zu Vorstufen jeglicher Couleur und lässt sich natürlich vortrefflich mit der hauseigenen Röhrenlösung „E-Glo“ kombinieren, die wir Ihnen im letzten Heft vorgestellt haben. Bevor wir uns den Generator genauer ansehen, verdient jedoch das einmalige Gehäuse Beachtung. „Yosegi Zaiku“ heißt die traditionelle japanische Kunst des „Parkettierens“. Wie in vielen anderen Disziplinen auch, haben es die Japaner zu erstaunlicher Perfektion beim Zusammenfügen von Hölzern zu einem Mosaik gebracht. Dabei gibt es strenge Vorschriften für Muster, Farben und die einzusetzenden Hölzer. Die Größe des Ergebnisses kann dabei in weiten Grenzen variieren, was man für ein Tonabnehmergehäuse braucht, orientiert sich einsichtigerweise am unteren Ende des Möglichen. Was hier zum Einsatz kommt ist also eine ziemlich unglaubliche Handwerksarbeit aus etwa 300 miteinander verleimten Stäbchen mit quadratischem Querschnitt und rund einem Millimeter Kantenlänge. Allein das Aussägen der Stäbchen macht dem Holzwurm in mir erheblich Kopfschmerzen, mir fällt keine (nicht computergesteuerte) Methode ein, mit der das mit der erforderlichen Präzision klappen könnte. Von den Mühen des Zusammenklebens des Rasters aus fünf Holzsorten mal ganz abgesehen. Jedenfalls bin ich geneigt zu glauben, dass das Resultat ein überaus resonanzarmes Gebilde ist; bei so vielen verschiedenen Hölzern und der Menge von Materialübergängen hat Schallausbreitung in diesem ultimativen Sandwich eigentlich keine Chance mehr. Konsequenterweise steckt EAT nicht nur seinen Tonabnehmer in ein solches Gehäuse, sondern bietet auch ein Headshell an, was nach dem Prinzip aufgebaut ist. Dem Abtasterkenner wird der im Holzblock steckende Generator bekannt vorkommen: In der Tat erfindet EAT hier nicht das Rad komplett neu, sondern lässt sich vom japanischen Spezialisten Audio Technica einen nach eigenen Wünschen modifizierten Abnehmer fertigen: Als Basismodell dürfte ein AT-OC9 gedient haben. Mit sechs Gramm ist das Yosegi zwei Gramm leichter als das Audio Technica, von dessen Gehäuse nur Teile erhalten geblieben sind. Mit zwölf Ohm gehören die Spulen zu den niederohmigeren ihrer Zunft, das spricht für wenig Draht und entsprechend geringe bewegte Massen – schön für die dynamischen Fähigkeiten. Mit einer Nadelnachgiebigkeit von 18 μm/mN gehört es zu den mittelharten, fast schon etwas weicheren Systemen – eine ziemlich rare Spezies dieser Tage, weil auch mit eher leichten Tonarmen kompatibel. Am Ende des massiven Bornadelträgers sitzt ein Diamant mit einem Line-Contact-Schliff, die Verrundungsradien betragen 40 x 7 μm. Das ist kein sehr scharfer Schliff, was den Einbau weniger kritisch macht. Der Hersteller empfiehlt eine Auflagekraft zwischen 18 und 22 Millinewton. Ausnahmsweise schien das Optimum in der Mitte zwischen beiden Extremen erreicht, üblicherweise machen wir am oberen Ende der Herstellerangaben die besseren Erfahrungen. Die Justage geht dank der geraden Vorderkante des Holgehäuses ziemlich einfach, die Befestigung muss über durchgesteckte Schrauben und Muttern erfolgen: Das Holzgehäuse hat keine Gewinde. Lassen Sie beim Anzugsdrehmoment Vorsicht walten, die Belastbarkeit des Mosaikverbundes hat Grenzen. Unter dem Headshell des Reed 3p macht sich das Yosegi ausgezeichnet, optisch wie akustisch. In Sachen Abschlussimpedanz bin ich wieder einmal bei 100 Ohm gelandet, hier passt die Kombination aus Drive und Disziplin am besten. Das Yosegi ist diesen Dingen gegenüber allerdings ziemlich tolerant, bei 300 Ohm nervt‘s noch lange nicht. Auch scheint die Sensibilität gegenüber Dingen wie Antiskating und VTA-Einstellung Grenzen zu haben, womit es sich auch für Zeitgenossen empfiehlt, die nicht tagelang an ihrem Plattenspieler schrauben wollen, um den schmalen Grad des Optimums zu treffen. Der Klang des Yosegi erinnert im besten Sinne an andere japanische Tonabnehmer: lebendig, emotionsgeladen, mit einem spielerischen, farbigen Bass. Im Hochton spielt es seidig und gehaltvoll, mit einer ganz leicht geschönten Note. Das gilt auch für den Stimmbereich, bei dem Ausdruck vor tonaler Neutralität rangiert. Das ist im besten Sinne musikalisch, in sich schlüssig und äußerst angenehm.

Fazit

Das Yosegi besticht mit einer einmaligen Optik und einem vollmundigen Genießerklangbild. Sie wollen einen völlig problemlosen Abtaster mit betont analogem Sound? Hier ist er.

Preis: um 1500 Euro

Tonabnehmer

EAT Yosegi


08/2014 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio Reference, Hamburg 
Telefon 040 53320359 
Internet www.audio-reference.de 
Garantie (in Jahre)
Gewicht (in g)
Unterm Strich... » Das Yosegi besticht mit einer einmaligen Optik und einem vollmundigen Genießerklangbild. Sie wollen einen völlig problemlosen Abtaster mit betont analogem Sound? Hier ist er. 
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Autor Holger Barske
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Datum 03.08.2014, 10:20 Uhr
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