Kategorie: Tonabnehmer

Serientest: Skyanalog P-1, Skyanalog P-2


Einsteiger-MCs vom Feinsten

Tonabnehmer Skyanalog P-1, Skyanalog P-2 im Test , Bild 1
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Es ist bereits das zweite Mal, dass der chinesische Hersteller Skyanalog mit einer Tonabnehmerbaureihe an dieser Stelle auftaucht. Und dafür gibt’s gute Gründe

Und diese Gründe sind nicht unbedingt in der transparenten und freizügigen Informationspolitik von Skyanalog begründet. Tatsächlich nämlich erweist es sich als ziemlich schwierig, Details über die Konstruktion der derzeit fünf Abtaster herauszubekommen, die der Hersteller unter eigenem Namen anbietet.  

Wir erinnern und: Im Frühjahr des vergangenen Jahres tauchte Eckhard Derks, Inhaber der Vertriebsfirma TCG GmbH, wissend lächelnd mit drei in weißen Karton geschlagenen Holzkistchen bei mir auf und stellte sie als sein neues Vertriebsprodukt vor. Wie man spannende Dinge in Asien ausfindig macht weiß der Mann, wie er schon seit Jahren mit den hochinteressanten Verstärkern und Lautsprechern des vietnamesischen Herstellers Thivan Labs unter Beweis stellt.

Tonabnehmer Skyanalog P-1, Skyanalog P-2 im Test , Bild 2Tonabnehmer Skyanalog P-1, Skyanalog P-2 im Test , Bild 3Tonabnehmer Skyanalog P-1, Skyanalog P-2 im Test , Bild 4Tonabnehmer Skyanalog P-1, Skyanalog P-2 im Test , Bild 5Tonabnehmer Skyanalog P-1, Skyanalog P-2 im Test , Bild 6Tonabnehmer Skyanalog P-1, Skyanalog P-2 im Test , Bild 7
Mit Skyanalog nun hat er einen Tonabnehmerhersteller aufgetan, der schon seit vielen Jahren als OEM-Fertigungsbetrieb für eine ganz Reihe renommierter Abtastermarken agiert. Dass die Auftraggeber keinen gesteigerten Wert darauf legen, in diesem Zusammenhang namentlich genannt zu werden ist nachvollziehbar, vielleicht aber übervorsichtig: Skyanalog nämlich hat mit den drei zwischen 1000 und 2000 Euro angesiedelten Modellen G-1, G-2 und G-3 eindrucksvoll beweisen, dass hier alles andere am Werk ist als ein chinesischer Billigheimer. Vielmehr hat Inhaber Jack Leung sein Unternehmen schon 1999 ins Leben gerufen. In der Provinz Guangdong, unweit von Macau und Hongkog, entstanden zunächst Röhrenverstärker, der Fokus verschob sich aber im Lauf der Zeit. Jetzt, mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in Sachen Tonabnehmerfertigung auf dem Zähler, war das Selbstbewusstsein groß genug, um sich mit MC-Tonabnehmer Skyanalog P-1, P-2 Test 53 Abtastern unter eigenem Namen auf den Markt zu trauen. Absolut zurecht, wie wir nach den Erfahrungen mit der „G“-Baureihe bestätigen können. Das G-1 boxt bei mir dauerhaft in einer deutlich höheren Liga als der eigentlich angedachten. Sprich: Es macht als Standardbestückung eines Clearaudio Universal eine ausgezeichnete Figur, der auf dem Luxuslaufwerk Master Innovation residiert.  

Und jetzt das: Nach gerade mal einem halben Jahr zaubert Skyanalog den nächsten Trumpf aus dem Ärmel und beglückt das analoge Lager mit den brandneuen Modellen P-1 und P-2 zu Preis von 500 respektive 780 Euro. Und ich tue mich schwer, von der Papierform her nennenswerte Unterschiede zu den Modellen der G-Serie auszumachen.Also haben wir hier möglicherweise ein richtig ernstzunehmendes 500-Euro-MC? Und das in Zeiten, in denen selbst das unverwüstliche Denon DL- 103 schon 300 Euro Straßenpreis kostet? Das wär‘s doch, oder?  

Die beiden neuen Skyanalog-Abtaster sind äußerlich fast nicht voneinander zu unterscheiden. Schon bei den Gehäusen darf man sich ob der Preisgestaltung erstaunt die Augen reiben: Hier gibt‘s nämlich massives CNC-bearbeitetes Aluminium. Nichts gegen die modernen Kunststoff-Spritzgusstechnik, die an dieser Stelle heutzutage fast überall eingesetzt wird, aber massives Metall suggeriert einfach eine andere Wertigkeit. Die Formgebung der beiden mattschwarzen Skyanalogs unterscheidet sich etwas von der der G-Modelle: Während der „Unterboden“ der Systemkörper bei jenen glatt und gerade ausgeführt wurde, ist das Gehäuse bei den P-Modellen an der Unterseite offen, die Seitenteile springen vorne und hinten ein Stück zurück. Der seitlich gerundete Montageflansch bei den G-Typen ist deutlich dicker ausgeführt als bei den Einsteigermodellen, für Montagegewinde im üblichen M2,5-Format hat‘s jedoch auch hier locker gereicht. Die großzügiger geöffneten Gehäuse von P-1 und P-2 haben Folgen fürs Gesamtgewicht der Abtaster: Mit 8,9 Gramm wiegen sie gut ein Gramm weniger als die größeren Modelle. Die unten offenen Systemkorpusse erlauben denn auch erstmals eine etwas genauere Inaugenscheinnahme des Generatoraufbaus. Skyanalog hält sich hier an bewährte Prinzipien. Die verhältnismäßig langen Nadelträger ragen aus dem vorderen Polstück des Magnetsystems heraus, dahinter kommt der kreuzförmige Spulenträger mit den hauchfeinen Kupferwicklungen zum Vorschein. Die Nadelträgeraufhängung zieht diesen gegen das ringförmige Dämpfungsgummi. Der Lagerpunkt dürfte innerhalb des dahinter angeordneten zylindrischen Gehäuses liegen, für den nötigen Zug sorgt mit Sicherheit ein Spannfaden. Konstruktive Wunderdinge springen hier definitiv nicht ins Auge, wohl aber feines, sauber ausgeführtes Handwerk. Unterschiede zwischen P-1 und P-2 sind nicht einfach auszumachen.  

Beide Modelle sind mit einem Borstäbchen als Nadelträger bestückt – zeigen Sie mit mal, wo es das an anderer Stelle für 500 Euro Listenpreis gibt. An deren Spitze sitzt hüben wie drüben ein Diamant mit Fine-Line-Schliff, der für innigen Kontakt zur Rille sorgt. Mit Verrundungsradien von fünf und 150 Mikrometern gehört er noch zu den gemäßigt scharfen Vertretern seiner Zunft. Ein paar Unterscheide zwischen beiden Abtastern sind dann doch auszumachen: Das P-2 ist mit einer Nadelnachgiebigkeit von 10 μm/mN etwas härter als das P-1 (12 μm/mN), etwas niederohmiger (fünf gegenüber sechs Ohm Generatorwiderstand) und mit weniger Ausgangsspannung gesegnet (0,35 gegenüber 0,4 mV bei 3,54 cm Schnelle). Alle drei Aspekte lassen den Schluss zu, dass beim P-2 schlicht mit weniger Windungen auf den Spulen gearbeitet wird, was die bewegte Masse senkt und das „Beschleunigungsvermögen“ erhöht. Der Hersteller empfiehlt fürs P-2 etwas höhere Abschlusswiderstände – das deckt sich nicht recht mit meinen Erfahrungen.  

Die Montage beider Abtaster erweist sich als erfreulich unkritisch. Die gerade Gehäusevorderkante hilft, zumal die Nadelträger erfreulich gerade eingebaut sind. In Sachen Auflagekraft bin ich bei beiden Systemen eher am oberen Ende des Empfohlenen gelandet, sprich: 19 mN beim P1 und derer 20 beim P2.  

Verdammt - ich hatte es geahnt: Bei den beiden kleinen Skyanalogs ist soviel richtig gemacht worden, das konnte klanglich überhaupt nicht schief gehen. Das P-1 fühlte sich im zwölfzölligen Reed 3P sofort pudelwohl, brauchte aber ein bisschen Zeit, um eine gewisse Dickbäuchigkeit abzulegen. Die vom Hersteller angegebenen 30 Stunden Einspielzeit sind nicht unrealistisch. In Sachen Abschlussimpedanz bin ich bei 300 Ohm gelandet, hier ergab sich die beste Balance zwischen einem seidigen Hochtonbereich und substanzieller Tieftonwiedergabe. So betrieben, machte das 500-Euro-Kleinod einen wahrlich umwerfenden Eindruck. Wir starten mit dem brandneuen, dem Thorens-Plattenspieler TD 124 DD gewidmeten Sampler „Tribute To A Legend“. Der Einstieg „Jazzrausch“ macht sofort klar, dass das P-1 auf gar keinen Fall eines dieser anämischen Schöngeist- MCs ist, sondern ein vor Elan sprudelnder Zupacker. Die Bugwelle, die der Titel am unteren Ende des Spektrums hier schiebt, lässt die Kinnlade zielstrebig nach unten wandern. Zweifellos übt das P-1 am oberen Ende des Übertragungsbereiches ein gewisses Maß an Zurückhaltung, was ich überhaupt nicht als Nachteil empfinde. Es spielt wunderbar flüssig, komplett und elegant. Wer mehr Askese, aber auch mehr Transparenz in den tiefen Lagen will, der möge sich mit dem P-2 beschäftigen. Es spielt definitiv genauer, agiler und audiophiler, positioniert Dinge besser im Raum. Aber: Es rockt halt nicht so wie der kleine Bruder. Bei der extrem transparenten Zwei-Personen-Großtat von Aglaja Camphausen und Thomas Falke entscheide ich mich sofort für das präzisere P-2, hier will ich kein noch so winziges Detail missen. Sie wollen aber den Schub des P-1 und die Präzision des P-2? Kein Problem: Die Lösung des Problems ist das G-1, dass die Tugenden beider Einsteigermodelle ziemlich perfekt miteinander kombiniert. Was meinem dicken Lob für die beiden Neuen keinerlei Abbruch tut.

Fazit

Skyanalog schüttelt den Tonabnehmermarkt gründlich durch: Das P-1 brilliert mit Spielfreude und angenehmem Ausdruck, das P-2 mit Präzision und Schnelligkeit. Zu diesem Preis kaum zu schlagen!

Preis: um 500 Euro

Tonabnehmer

Skyanalog P-1


01/2022 - Holger Barske

Preis: um 780 Euro

Tonabnehmer

Skyanalog P-2


01/2022 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten: Skyanalog P-1
Vertrieb TCG, Nordhorn 
Telefon 05921 7884927 
Internet www.skyanalog.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Gewicht (in g) ca. 8,9 g 
Unterm Strich... » Skyanalog schüttelt den Tonabnehmermarkt gründlich durch: Das P-1 brilliert mit Spielfreude und angenehmem Ausdruck, das P-2 mit Präzision und Schnelligkeit. Zu diesem Preis kaum zu schlagen! 
Ausstattung & technische Daten: Skyanalog P-2
Vertrieb TCG, Nordhorn 
Telefon 05921 7884927 
Internet www.skyanalog.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Gewicht (in g) ca. 8,9 g 
Unterm Strich... » Skyanalog schüttelt den Tonabnehmermarkt gründlich durch: Das P-1 brilliert mit Spielfreude und angenehmem Ausdruck, das P-2 mit Präzision und Schnelligkeit. Zu diesem Preis kaum zu schlagen! 
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Autor Holger Barske
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Datum 11.01.2022, 10:00 Uhr
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