Kategorie: Wireless Music System

Einzeltest: Naim Mu-so


Lichtgestalt

Wireless Music System Naim Mu-so im Test, Bild 1
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All-in-one bedeutet im HiFi-Bereich normalerweise nur, dass vom Quellgerät bis zum Verstärker bereits alles in einem Gehäuse ist. Für Naims Mu-so reicht das nicht, denn hier gibt es selbst die Lautsprecher dazu.

Es ist Dienstagmorgen und ich sitze, wie so oft, auf dem Sofa im Hörraum unseres Duisburger Verlagsgebäudes. Früher oder später finden alle HiFi-Geräte, die zum Testen zu uns kommen, ihren Weg in genau diesen Raum. Dementsprechend ist dieser auch immer gut gefüllt mit den interessantesten, teuersten und besten Systemen, egal ob Lautsprecher, Plattenspieler, D/A-Wandler oder Verstärker. Auf den in der Mitte des Raumes platzierten Racks stehen heute eine große Accuphase Endstufe, ein mehrstöckiger Plattenteller und dazwischen ein im Vergleich recht unscheinbares Gerät, das auf meinen Befehl hin auch bereits fleißig dabei ist, den etwas chaotischen Raum neben Testgeräten auch noch mit Musik zu füllen.

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Trotz der Vielzahl an spannenden Angelegenheiten um mich herum und der laufenden Musik ist mein Blick fest auf das iPad in meiner Hand gerichtet. Hier läuft gerade die passende App zu Naims Mu-so, die sich zwischen Endstufe und Plattenteller eingefunden hat. Es läuft ein Song von Danko Jones‘ „B-Sides“-Album – welcher genau kann ich nicht mehr sagen, denn ich bin dabei, jedes Stück Text aufzusaugen, das mir die App über ebendieses Album präsentiert. Dabei handelt es sich aber nicht um die bloße Darstellung von Metadaten, die mittlerweile eigentlich zum Standardrepertoire eines Streamers gehören sollte. Stattdessen eröffnet ein Fingerzeig im „Now Playing Menü“ mir eine ganze Reihe interessanter und wissenswerter Informationen des Anbieters Rovi. Zugegeben, auch das ist nicht wirklich neu, denn Informationen zu Album und Interpret bieten auch andere Hersteller in ihren Apps an. Anders sind aber Umfang und Präsentation der Informationen. Titelbild, Trackliste mit jeweiligen Credits und passenden Links, wirklich gut geschriebene Rezensionen zum Album, liebevoll verfasste Hintergründe zur Band und schließlich noch Alben und Künstler, die musikalisch in die gleiche Richtung gehen wie das gerade gehörte. Außerdem wird hier nicht lieblos durch die Texte gescrollt, sondern man hat durch das simulierte Weiterblättern auf dem Tablet das Gefühl, einen adäquaten Ersatz für die nicht mehr vorhandenen Booklets zu haben. Für echte Musikliebhaber ist die Datenbank ein wahres Fest, auch um vielleicht noch auf das eine oder andere unbekannte Album zu stoßen. Dazu muss allerdings auch gesagt werden, dass man nur mit ausreichenden Englischkenntnissen in den vollen Genuss dieses Features kommt. Mich hat das Stöbern durch die eigene und auch unbekannte Musik auf jeden Fall so gefesselt, dass die Muso an sich zeitweise vergessen wurde. Die Betonung liegt hier aber ausdrücklich auf zeitweise, denn Naims Wireless- Wunder blieb mir bereits seit der High End 2014 im Gedächtnis, denn als Brückenschlag zwischen HiFi- und Lifestyleobjekt sollte es an ausgefallenen Designideen nicht mangeln. Der erste Blick fällt demnach bei den meisten Betrachtern auf den an der linken Oberseite angebrachten Drehregler, in dessen Mitte sich ein berührungssensitives Touchdisplay befindet. Schwarzes Glas lässt nicht beleuchtete Bedientasten und Anzeigen unsichtbar bleiben, bis sie von innen her erhellt werden. Dann zeigt die Mu-so hier die angeschlossene Quelle oder die Übertragungsart an. Mit einem Drehen am silbernen Ring, der das Bedienfeld umschließt und ebenfalls durch clever eingesetzte Beleuchtung in Szene gesetzt wird, lässt sich außerdem die Lautstärke direkt am Gerät einstellen. Hat man sich von diesem Anblick losgerissen, wandert das Auge des Betrachters auf die Frontabdeckung, die, wie bei den meisten Lautsprechern, aus einem Stoffgewebe besteht. Anstelle eines bespannten Rahmens wird das Netz aber auf einen recht rigiden Plastikunterbau gezogen, der nicht komplett plan über den verbauten Chassis liegt, sondern noch eine neckische Welle aufweist. Diese Abdeckung kann in verschiedenen Farben geordert und so auf die eigene Einrichtung abgestimmt werden. Hier haben sich die Designer ein wenig ausgetobt und sich anscheinend auch gegen den zuständigen Toningenieur durchgesetzt. Aufgrund des vergleichsweise soliden Plastikunterbaus der Abdeckung beeinträchtigt diese nämlich ein wenig die Lautstärke der Mu-so, deren Treiber ohne schützenden Vorbau merklich mehr Schalldruck erzeugen. Da der verbaute Verstärker mit knapp 75 Watt pro Chassis aufwartet, ist das aber durch ein kurzes Drehen am leuchtenden Ring schnell behoben. Ebenfalls beleuchtet ist das Firmenlogo, das auf dem massiven Acrylblock eingefräst wurde, der bei der Mu-so als Fuß dient. Wem all das illuminierte Spektakel zu viel des Guten ist, kann die Beleuchtung in mehreren Stufen dimmen. Der Lifestyle-Part mit ausgefallener und anpassbarer Optik ist den Entwicklern auf jeden Fall schon einmal gut gelungen. Das Gerät wirkt elegant und modern, auch wegen des eigentlich recht minimalistischen Gehäuses. Doch was bietet die Mu-so auf der technischen Seite? Ebenfalls eine ganze Menge, denn wer die Firma Naim kennt, weiß, dass es sich hier nicht um ein schnödes Küchenradio handelt. Ganz zentral ist hier natürlich die Streamingeinheit des Systems. Mit der kostenlosen App, deren Hintergrund sich übrigens auf die Stoffabdeckung abstimmen lässt, werden ans Netzwerk angeschlossene Speicher nach Musik durchsucht. Da es sich bei der Mu-so aber laut Hersteller um ein Wireless Music System handelt, sollte man, ebenfalls mithilfe der App, erst einmal eine kabellose Verbindung zum Router herstellen. Das geht natürlich auch über ein Ethernetkabel, doch die Muso wirkt eigentlich am besten, wenn so wenig Kabel wie möglich angeschlossen sind. Wirklich nötig ist eigentlich nur ein Stromkabel. Allzu viele Anschlussmöglichkeiten gibt es ohnehin nicht, denn in dem versteckten Schacht an der Unterseite findet neben Strom und Netzwerk lediglich noch ein optischer Anschluss Platz. Der Schacht auf der anderen Geräteseite dient hingegen für den Ausgang des Bassreflexrohrs. Leichter zu erreichen ist noch der USB-A-Eingang an der rechten Gehäusewand, der dort von einem analogen 3,5-mm-Klinkeneingang ergänzt wird. So können Smartphones, iPods oder andere Player unkompliziert angeschlossen werden. Als echter Wireless-Player besteht natürlich auch die Möglichkeit, Daten von Apple-Geräten über AirPlay an die Mu-so zu übertragen. Geräte anderer Hersteller bedienen sich stattdessen der Übertragung per Bluetooth. Diese Übertragungsarten sind gerade für die Verwendung von Streamingdiensten zu empfehlen, denn in die App implementiert ist zum Zeitpunkt unseres Test nur die Bibliothek des Anbieters Spotify. Über die App wählt man dann die passende Quelle beziehungsweise das richtige Album, über die schön präsentierte Oberfläche aus. Spätestens hier bleiben alle Küchenradio-Vergleiche auf der Strecke, denn neben verlustbehafteten Formaten spielt die Mu-so auch problemlos FLAC, WAV und AIFF mit Samplingraten bis zu 192 kHz bei 24 Bit ab. Für den Anspruch als kabelloses Musiksystem ist hier natürlich wichtig, dass die Übertragung per WLAN der über Ethernet qualitativ in nichts nachsteht. Also wird zum Test die maximale Abtastrate ausgereizt und nach zugegeben etwas längerem Buffern spielt das System auch 192 kHz vollkommen frei von Aussetzern ab. Das beeindruckt schon, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass wesentlich teurere Geräte sich dabei auch heute oft noch schwertun. Allerdings ist ja gerade hier der Fokus auf die Wireless-Fähigkeiten gelegt worden, der das System dadurch wunderbar flexibel macht. Klanglich profitiert die Mu-so natürlich auch von ihrer hochwertigen Lautsprecher- Bestückung. Anstatt wie zu erwarten auf zwei Breitbänder zu setzen, ließ sich Naim bei seinem kleinen Prachtstück nicht lumpen. Stattdessen findet man eine komplette 3-Wege Bestückung in Stereo. Hoch-, Mittel- und Tieftöner sind, wie gesagt, mit je 75 Watt Leistung versorgt, wodurch die Mu-so durchaus ernst zu nehmende Geräuschpegel entwickeln kann. Da aber die beiden Kanäle bauartbedingt recht dicht beieinander liegen, darf man natürlich keine Wunder erwarten, was die räumliche Darstellung angeht. Um hier eine richtige Bühne zu simulieren, riechen die knapp 63 Zentimeter Gehäusebreite eben einfach nicht aus. Dafür ist das solide Aluminiumgewand des Systems erfreulich resonanzarm, was zu einer guten, trockenen Basswiedergabe führt. Im Tieftonbereich schlägt sich die Mu-so, trotz des geringen Raums, sehr gut und belohnt das Abspielen von Rock mit einer schönen Portion tiefem Grollen. Durch die Genres hinweg macht sich außerdem die hervorragende Stimmenwiedergabe bemerkbar. Auch die Detailwiedergabe ist wirklich gelungen, besonders natürlich bei Stücken mit höheren Abtastraten. Insgesamt ist das Klangerlebnis durchaus amtlich für ein Gerät dieser Größe und Preisklasse, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hier bei unter 1.300 Euro wirklich toll. Ein Ersatz für eine komplett ausgestattete Anlage ist die Mu-so vielleicht nicht, aber auf jeden Fall ist sie eine trendige Alternative, die durchaus auch in der Lage ist, gehobene Ansprüche zu erfüllen. Verarbeitungsqualität und Optik lassen designaffine Naturen schwärmen, technikbegeisterte Hörer erfreuen sich an der vielseitigen Einsetzbarkeit, gepaart mit einem ernst zu nehmend runden Klangerlebnis.

Fazit

Naims Mu-so beeindruckt nicht nur optisch, sondern auch auf technischer Seite. 192 kHz über WLAN, ordentlich Leistung und eine wunderbare App, die Musikinteressierten noch einiges beibringen kann. Einfach ein tolles, modernes Musiksystem.

Preis: um 1250 Euro

Wireless Music System

Naim Mu-so


11/2015 - Philipp Schneckenburger

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Music Line, Rosengarten 
Telefon 04105 77050 
Internet: www.music-line.biz 
Abmessungen (B x H x T in mm) 628/122/256 
Eingänge: 1 x Ethernet 1 x S/PDIF optisch 1 x USB-A (1 x seitlich) 1 x 3,5 mm Klinkenanschluss, Bluetooth 
Unterstützte Formate: WAV, FLAC, WMA, MP3, OGG, AAC, ALAC, AIFF 
Unterstützte Abtastraten: WAV, FLAC, AIFF: bis 192kHz, 24 Bit ALAC: bis 96 kHz, 24 Bit OGG, MP3, AAC, AAC, WMA: bis 48 kHz, 16 Bit 
Bestückung: 2 x Hochtöner 2 x Mitteltöner 2 x Tieftöner (Bassreflex) 
Leistung: 6 x 75 Watt an 8 Ohm 
Kommentar „Naims Mu-so beeindruckt nicht nur optisch, sondern auch auf technischer Seite. 192 kHz über WLAN, ordentlich Leistung und eine wunderbare App, die Musikinteressierten noch einiges beibringen kann. Einfach ein tolles, modernes Musiksystem.“ 
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Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 14.11.2015, 10:03 Uhr
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