Standlautsprecher Radiant Acoustics Clarity 66
Aus zwei Wegen ins High End
Da ist sie, Box Nummer drei von Radiant Acoustics. Von der EISA frisch als „Premium Floorstanding Loudspeaker“ ausgezeichnet ud gefeiert allerorten. Ist die schwere Dänin wirklich so gut?
Mit dem Test der Standbox Clarity 66 haben wir dann schon das komplette Programm der noch jungen Marke abgegrast. Und ehrlich gesagt hätte der (vorläufige?) Abschluss kaum schöner ausfallen können. Dabei fing der Test eher unschön damit an, die 40 kg pro Box aus dem Karton in den Hörraum zu bekommen. 40 Kilo mag sich nicht nach so viel anhören, ist es aber. Zum Vergleich: Die Gauder Capello 80 hat sehr ähnliche Maße und wiegt 24 Kilo. Die trägt sich viel angenehmer. Aber darum geht es ja nicht und klar, ein hohes Gewicht sollte und wird niemanden vom Kauf abhalten, schließlich schleppt man seine Lautsprecher nicht ständig durch die Gegend.Ich sagte eben, Radiant sei eine junge Marke, und das stimmt.







Als ich die erste Box von Radiant, die kompakte Clarity 6.2, zum ersten mal gehört habe, konnte ich nicht glauben, was da rauskam. So ging es vielen Leuten, auch der Shopleiter der Essener HiFi-Klubben-Filiale rief mich seinerzeit an und sagte, ich müsse unbedingt vorbeikommen, er wolle mir einen Lautsprecher vorspielen. Und ja, wenn Sie noch nie eine Radiant-Box gehört haben: Es lohnt sich.
Die nächste Box war dann die kleinere Clarity 4.2, naturgemäß keine so große Überraschung mehr, aber andererseits dann doch wieder, weil sie zwar wesentlich kleiner ist, aber klanglich kaum kleiner ausfällt. Verrückt. Und eigentlich kann man sich kaum vorstellen, dass jemand mehr Lautsprecher benötigt als die 6.2, aber da ist er nun: Der große Wurf von Radiant Acoustics, diesmal als noch halbwegs kompakte Standbox.
Tiefton
Bei der 66 handelt es sich wider Erwarten um eine 2-Wege-Box. Die beiden Mittel-Tieftöner spielen komplett parallel. Das würde man so eigentlich nicht entwickeln, denn wenn man schon drei Treiber hat, warum nicht einen nur für den Mittelton nutzen und den damit möglichst klar und unverfälscht wiedergeben? Andererseits sind 3-Wege-Systeme im Nachteil, wenn es um Basstiefe geht (zumindest, wenn nur ein Basstreiber spielt) und erfordern komplexere Weichen, was Phasenprobleme begünstigen kann.
Zudem betonen die Entwickler, dass hier letztendlich alles aufeinander abgestimmt sei, also Treiber, Gehäuse, Dämpfung, Weiche und Reflexport. Letzter hört auf den Namen „Superflare“, ist auf 30 Hz abgestimmt und soll besonders strömungsoptimiert sein, für Bassgenuss ohne Nebengeräusche oder Druckverluste. Auffällig ist seine Größe. Die erklärt sich wie folgt: Wenn schnelle Luft aus einem Bassreflexport strömt, trifft sie im Hörraum/Wohnzimmer/Mancave auf „langsame“ Luft. Diese Begegnung führt zu Verwirbelungen, Turbulenzen. Der Port soll also der austretenden Luft so viel Platz bieten, dass sich deren Geschwindigkeit reduziert und die Turbulenzen, die bei hohen Abhörpegeln hörbar sein können, minimal ausfallen.
Hochton
Den Hochton ab 2,4 kHz übernimmt ein Air-Motion-Transformer.
Bei der Weiche legte Entwickler Lars Risbo Wert auf „Backlackspulen“, also Luftspulen aus Kupferlackdraht, der mit einem thermoplastischen Lack bestrichen wird. Luftspulen kommen ohne weichmagnetischen Kern aus. Auch bei den Kondensatoren war Qualität gefragt und so sitzen auf der Weiche Polypropylen-Folienkondensatoren. Da hier nur zwei Wege vereint werden müssen, ist die Anzahl der Bauteile überschaubar, was mehr Budget für Qualität lässt. Denn der Preis ist allen beteiligten wichtig. Und dass so ein Lautsprecher für 8000 Euro über die Theke wandert, liegt nur daran, dass dahinter wirklich eine große Company steckt, die über eine eigene HiFi-Laden-Kette verfügt.
Die Clarity 66 wird in Dänemark zusammengebaut, gründlich geprüft und getestet mit moderner Computer- und Audiotechnologie. Aber auch der Kunde muss was tun: Der Hersteller empfiehlt, einen Verstärker mit ordentlich Leistung zu nutzen (um 200 Watt an vier Ohm). Uns wurde zudem der Lyngdorf TDAI-2210 (3/26) ans Herz gelegt, den wir zufällig noch im Haus hatten. Darüber hinaus spielte die Clarity 66 auch mit dem Advance Paris A10 APEX (2/26) und dem Symphonic Line R14 Edition MK5 S (1/26). Und so ging es dann in den Hörraum.
Hörtest
Also das war so: Ich habe die eingespielten Boxen zunächst an den Advance Paris A10 Apex angeschlossen und erstmal laufen lassen, so zum Akklimatisieren. Nach einer Stunde etwa bin ich in den Hörraum und habe mich auf die Couch gesetzt, in Hörposition. Und unmittelbar war da eine Sympathie, eine Begeisterung, unmittelbar dachte ich, ja, die Clarity 66 und ich werden gute Freunde. Klingt etwas doof, ich weiß, aber manchmal muss man sich Lautsprecher erschließen, muss verstehen, was sie machen und wie. Und manchmal hat man eine Box vor sich, mit der man sofort einrastet. Mein erster Eindruck wurde später ergänzt, aber er hat sich eigentlich nicht mehr verändert. Anfangs dachte ich etwa, sie sei sehr gutmütig. Das war aber, bevor ich Metal aufgelegt hatte. Anfangs dachte ich auch, ihre Stimmabbildung wäre sehr direkt, aber das kommt am Ende doch auf den Mix an. Nun aber der Reihe nach.
Zunächst war da der Raum, den dieser Lautsprecher macht, der mir noch vor den kräftigen, tiefen Bässen auffiel. Das ist kein meterweit über die Boxen hinausragender Raum, er ist eher kompakt. Aber er ist so schön schlüssig und hat eine ansprechende Tiefe, das ist schonmal sehr beeindruckend. Und dann der Bass. Ich habe die neue Fontanes D.C. gehört und das hatte so ein schönes, sattes Fundament. Also mal Rage Against The Machine, „Take The Power Back“. Der Bass ist kraftvoll und präzise, dabei wirkt er tiefer als sonst, als würde ein Subwoofer mitspielen. Der Hersteller wirbt aber eigentlich mit der Klarheit der Wiedergabe als Unique Selling Point. Und ja, man merkt, was sie meinen. Die Separation der Instrumente, das Nebeneinander und Miteinander ist wunderbar. Die Musik bleibt immer exzellent nachvollziehbar, auch wenn es wilder zugeht. Und wild geht es zum Beispiel bei Tools „Chocolate Chip Cookie“ zu. Das Stück, das im Verlauf im Grunde eine Art Schlagzeugsolo wird, ist einfach krass produziert und die Clarity 66 schafft es, den Sound um den Kopf wandern zu lassen und spielt mit so viel Energie und so dynamisch, so gut habe ich das Stück wohl noch nie gehört. Aber bei Tool gibt es an anderer Stelle auch scharfe Gitarren, und die können ganz schön wehtun, insbesondere auf den früheren Alben. Die Box spült eben nicht weich und liefert sehr viele Details. Und damit meine ich nicht nur Hochton oder so. Nein, hören Sie sich mal die ersten zwei Minuten von Tools „Eulogy“ an, erst über Kopfhörer und dann über Lautsprecher. Das ist ein echter Prüfstein. Und was hier über die Radiant-Box am Ohr ankommt, ist allerhand. Irgendwann kommt die Snare ins Spiel, und das ist echt cool, weil man den Eindruck hat, dass jeder Schlag auf die Snare kurz den Raum ausleuchtet. Materialwechsel: Bei Tori Amos’ „Marianne“ wird die Stimme schonmal etwas vorlaut (egal, über welchen Lautsprecher). Aber sie klingt hier mit der Radiant auch sehr natürlich, ist nah und direkt, dabei ohne zu viel Analytik, super.
Bei „Mr. Jones“ (Counting Crows) sorgt der Bassbereich für einen herrlichen Groove und Drive, obwohl der E-Bass im Mix gar nicht so prominent ist. Und auch hier: So gut habe ich das selten gehört.Die größte Überraschung kam aber zum Schluss. Beim Stöbern in Qobuz dachte ich, ich spiele mal was für den mithörenden Kollegen Barske und wählte „Numb“ von Linkin Park aus, in der Live-Version vom Soundtrack zum Dokumentar-/Konzertfilm „Unshatter“. Ich kenne zwar einige Songs der Band, aber im Grunde war sie mir immer egal. Doch was ist das? Dieser Song entfaltet live dank der Power und Versiertheit der Band und insbesondere aufgrund des frenetischen Publikums über die Radiant Acoustics Clarity 66 eine Magie, die mir eine Gänsehaut auf dem Kopf macht! Was ist das denn? Emotionen übertragen? Überhaupt kein Problem für die Clarity 66! Beim folgenden Stück, „In The End“, werden meine Augen feucht. Das ist mir schon fast zu viel. Was für ein Erlebnis.
Fazit
Kategorie: Lautsprecher Stereo
Produkt: Radiant Acoustics Clarity 66
Preis: um 7998 Euro

Referenzklasse
Radiant Acoustics Clarity 66
Radiant Acoustics Clarity 66
| Klang | 70% | |
| Labor | 15% | |
| Praxis | 15% |
| Kategorie | 2-Wege-Standlautsprecher |
| Preis (in Euro) | 7998 Euro |
| Vertrieb: | Radiant Acoustics |
| Telefon: | |
| Internet: | hifiklubben.de |
| Ausstattung | |
| Ausführung | Mattschwarz, Wallnuss- und Eiche-Furnier |
| Abmessungen (B x H x T in mm) | 222 x 1025 x 355 |
| Gewicht (in Kg) | 40 |
| Prinzip | 2-Wege-Bassreflex-Standlautsprecher |
| Garantie | 3 Jahre für HiFi-Klubben-Mitglieder 10 Jahre |
| + | breitbandiger, sauberer, mitreißender Klang |
| + | exzellente Verarbeitung |
| + | sehr fairer Preis |
| + | |
| Klasse | Referenzklasse 1+ |
| Preis/Leistung | hervorragend |






