Kategorie: Lautsprecher Stereo

Standlautsprecher · Spendor A4.2


Wolf im Schafspelz

Lautsprecher Stereo Spendor A4.2 im Test, Bild 1
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Kleine Standboxen sind selten geworden. Keinen Meter hoch, wirken sie irgendwie niedlich, aber auch ein wenig seltsam. So auch die Spendor A4.2. Allerdings nur, bis man sie hört.

Spendor zählt für mich zu den Marken, die es einfach nicht hinbekommen, einen unattraktiven Lautsprecher zu bauen. Dabei ist mir schon klar, dass manch einer die kantigen Gehäuse und die Holzfurniere etwas altbacken finden könnte. Ich liebe sie. Nicht nur für mich steht dieses Design stellvertretend für alle Schallwandler. SO sehen Lautsprecher aus. „So“ bedeutet im Falle der A-Serie von Spendor: Eiche, Eiche schwarz, Walnuss oder Weiß. Und das entweder als kompakter Lautsprecher (A1.2, Center AC1 und AC2 und On-Wall-Speaker AW1) oder als Standbox (A2.2, A4.2, A7.2). Die 4.2 ist also die mittlere von drei Standboxen und kostet als Paar 3750 Euro. Sie wird (bis auf den Hochtöner) komplett in UK gefertigt, inklusive Weichen. Die Gehäuse baut Spendor in der eigenen Holzverarbeitung.

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Früher belieferte man auch andere Hersteller, das schafft man heute nicht mehr. Auf der Homepage (spendoraudio.com) gibt es ein sehr hübsches Video, in dem man sieht, wie ein Lautsprecher gefertigt wird und wie immer bei solchen Videos denke ich: Will ich haben. Managing Director Philip Swift gibt übrigens eine interessante Empfehlung zur Auswahl der Lautsprechermodelle: Man soll schauen, welche Box einen optisch anspricht und zum Budget sowie zur Raumgröße passt. Fertig. Zwar beschreibt Swift klangliche Unterschiede der Baureihen A-Serie, D-Serie und Classic-Serie, geht sogar so weit zu sagen, dass die Boxen in etwa so klingen wie sie aussehen, aber letztendlich seien die technologischen Ähnlichkeiten relativ hoch und alle Boxen des Hauses gäben Musik natürlich und schön wieder.

Die Treiber


Die Spendor A4.2 basiert auf der A4, den entscheidenden Unterschied machen der neue Soft-Dome-Hochtöner, den der norwegische Spezialist SEAS nach Spendor-Vorgaben fertigt, und die verbesserte Frequenzweiche.

Lautsprecher Stereo Spendor A4.2 im Test, Bild 4
Der neue Hochtöner hat einen Durchmesser von 27 mm und spielt ab 2000 Hertz
Der Hochtöner ist größer als der alte. Statt 22mm Diagonale sind es nun 27. Das hat zur Folge, dass man den Hochtöner tiefere Töne wiedergeben lassen kann. Und das tut man auch: Statt des recht hohen Einsatzgebietes bei der A4 von 4000 Hertz, steigt der neue Soft-Dome bereits bei 2000 Hertz ins Geschehen ein. Lässt man einen Hochtöner tiefer spielen, verändert sich auch das Abstrahlverhalten, es wird etwas breiter. Geblieben ist der seit langem renommierte 17cm-Tiefmitteltöner. Warum? Nun, man sah hier keine Möglichkeit, ihn besser zu machen (ohne den Preis deutlich zu erhöhen). Das Zusammenspiel des Treibers mit seinem Gehäuse ist nahezu perfektioniert. Und die Weiche soll die Musik nun noch dynamischer und natürlicher machen, dabei, in Kombination mit der Abstrahlcharakteristik des tiefer spielenden Hochtöners, auch luftiger.

Dies und das


Damit möglichst viele Musikfans den Kauf einer Spendor-Box in Erwägung ziehen können, verpassen die Entwickler ihnen eine Impedanz-Linearisierung, die sie zum 6-Ohm-Lautsprecher macht. Der Hersteller verspricht reibungslose Zusammenarbeit mit kleinen Transistor-Verstärkern und auch Röhren-Amps. Schaut man in den Lautsprecher, sieht man einerseits das Übliche: Eine Mischung aus Querverstrebungen und Dämpfungsmaßnahmen.

Lautsprecher Stereo Spendor A4.2 im Test, Bild 5
Obwohl das Reflexrohr auf der Rückseite ist, kann die Box wandnah spielen.
Interessant ist dabei, dass verschiedene Dämmmaterialien zum Einsatz kommen, was auf Erfahrung schließen lässt, die man den Entwicklern wohl ohne Umschweife zugestehen muss. Bei der Aufstellung gibt sich die Box genügsam: Man darf sie durchaus nah an eine Wand stellen und sollte dies auch tun, auch wenn die rückseitige Bassreflex-Öffnung ja eigentlich davon abrät. Aber diese zierliche Kompakte ist sinnvoller Weise so konzipiert, dass ihre Aufstellung ihre Abmessungen nicht ad absurdum führt. Bleibt noch, ein Lautsprecherkabel an das hochwertige Single-Wiring-Terminal anzuschließen und los geht der wilde Ritt.

Hörtest


Es ist schon irre: Bereits bei den ersten Sekunden von Olivia Rodrigos „you seem pretty sad for a girl so in love“, dem Opener „drop dead“, zeigt die kleine Standbox ihren ganzen Charakter. Sie spielt präzise und detailreich und könnte spontan für einen Studiomonitor gehalten werden. Wird sie aber nicht, denn sie addiert einen gewissen Charme zu ihrem Vortrag, der auf Anhieb für sie einnimmt, und vermittelt so trotz ihrer ehrlich wirkenden Art eine leichte Wohligkeit. Was auch sofort auffällt, ist der Bass. Denn der scheint so gar nicht zu dieser zierlichen Standbox zu passen, knackig und punchy wie er ist. Doch erst noch mehr Wohlklang, bitte. „begged“, ebenfalls von Frau Rodrigo, begeistert mit fein aufgelöster und verblüffend räumlicher Gitarre, dazu eine bewegende Stimmwiedergabe, die richtig Freude macht. Bei Roy Ayers Ubiquitys „He’ A Superstar“ gibt es luftige Instrumente, stoisch-genaues Timing und eine exzellente Abbildung der Instrumente verteilt auf links und rechts, dazu Ayers Stimme in der Mitte. Ein großer Genuss. Man hört dann auch schnell, dass die Spendor A4.2 untenrum schön schieben kann und vor anspruchsvollen Bässen nicht zurückweicht. Beim zweiten Stück der LP, „He Ain’t Heavy He’s My Brother“, zeigt sich, dass die Abbildung in der Höhe deutlich über die 86 cm hinausragt. Dieses unscheinbare Stück kommt über die Spendor so wunderbar gelassen und doch punktgenau des Weges, so harmonisch und doch voller Details und Nuancen, dass man sich ein bisschen die Ohren reibt. Ein echt toller Lautsprecher. Aber Dramatik muss auch mal sein: Tori Amos’ zweites Album „Under The Pink“ bietet gleich mehrere Titel, die ihre Ruhe mit dramatischen Bridges aufbrechen und durchaus schockieren können, so etwa im Opener „Pretty Good Year“. Ich liebe dieses Album seit seinem Erscheinen 1994 und habe es unzählige Male gehört. Aber ich muss sagen, so gepackt wie über die Spendor A4.2 hat mich die Bridge („What’s it gonna take ...?“) schon sehr lange nicht mehr. Hier steckt so viel Emotion, Wut und Verzweiflung, drin, das kann einem die Schuhe ausziehen. Analytischer betrachtet verblüfft mich auch, wie die Box unseren großen Hörraum mit so viel Klangfülle bedient! Mit geschlossenen Augen würde man einen viel größeren Lautsprecher mit eher zwei Tiefmitteltönern vermuten. Subwoofer? Braucht man nicht. Bei hohen Pegeln zeigt sich trotz des Charmes, dass dieser Lautsprecher nicht schönt. Es kann dann, wenn die Quelle es hergibt, streng werden. Aber das fiel mir erst mit Lautstärken auf, die ich im Hörraum immer nur kurz teste und die ich zuhause sowieso nie hören würde. Und 80er-Pop und -Rock geht auch so: Sowohl „The Heat Is On“ von Glenn Frey (Beverly Hill Cop O.S.T.) als auch Falcos „Zuviel Hitze“ klangen neutral-präzise, räumlich spannend und im Bass, sofern vorhanden, farbig und informativ. Und auch wenn es journalistisch billig ist, es trifft doch zu: Die Kleine ist eine große Überraschung.

Lautsprecher Stereo Spendor A4.2 im Test, Bild 8
Frequenzgang + Impedanz: Die zierliche Spendor zeigt einen im wesentlichen ausgeglichenen Amplitudengang, der allerding einige Buckel und Senken aufweist. Sehr gut gelingt der Box das Rundstrahlen, hier messen wir unter 15 und 30 Grad kaum Schalldruckabfall. Der Impedanzgang zeigt ein Minimum bei 42 Hz, das die Abstimmfrequenz des Helmhotz-Resonators des Bassreflexsystems anzeigt. Eine sinnvolle und gesunde Abstimmung für einen Lautsprecher dieser Größe. Die viel kleineren Buckel bei 160 und gut 300 Hz gehören dort nicht hin, hier fällt der Verdacht auf Resonanzen bzw. stehende Wellen im Gehäuse. Der unscheinbare Buckel unterhalb von 2 kHz zeigt sich auch im Wasserfall als Nachwingen, dieses ist jedoch nicht übermäßig besorgniserregend.
Lautsprecher Stereo Spendor A4.2 im Test, Bild 9

Fazit

Ein richtig, richtig guter Lautsprecher, nicht nur für kleine Hörräume. Selten gelingt die Verbindung von Genauigkeit und Charme so gut, und selten kommt aus so einem zierlichen Lautsprecher so ein grandios-sauberer, dabei tiefer Bass. Chapeau!

Den Test finden Sie in der HiFi Test 5/2026.
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Kategorie: Lautsprecher Stereo

Produkt: Spendor A4.2

Preis: um 3750 Euro

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8/2026
5.0 von 5 Sternen

Referenzklasse
Spendor A4.2

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Bewertung 
Klang 70%

5 von 5 Sternen

Labor 15%

3.5 von 5 Sternen

Praxis 15%

5 von 5 Sternen

Ausstattung & technische Daten 
Kategorie Standlautsprecher 
Preis (in Euro) 3750 Euro 
Vertrieb: Drei H, Hamburg 
Telefon: 040 / 37507515 
Internet: 3-h.de 
Ausstattung
Ausführung Eiche, Eiche schwarz, Walnuss oder Weiß 
Abmessungen (B x H x T in mm) 165 x 861 x 284 
Gewicht (in Kg) 14,5 kg 
Prinzip 2-Wege-Bassreflexlautsprecher 
Garantie 2 Jahre 
+ verbindet Neutralität und Präzision mit Charme und Emotion 
+ kompakt und hübsch 
+ spielt wie ein deutlich größere Box 
+
Klasse Referenzklasse 
Preis/Leistung hervorragend 
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