Kategorie: Lautsprecherbausätze

Klassische Zweiwege-Standbox mit historischen Wurzeln


Rückkehr der Legende

Lautsprecherbausätze Harwood Acoustics Monitor 1 40th Anniversary im Test, Bild 1
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Vor gut 40 Jahren erblickte der Bausatz „Monitor 1“ der Firma Hifi Sound unter dem Markennamen Harwood das Licht der Welt. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Klang+Ton haben wir es uns nicht nehmen lassen, den Bausatz wieder aufleben zu lassen.

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H.D.Harwood, der 30 Jahre lang die Entwicklungsabteilung der BBC leitete und später Harbeth Acoustics gründete, prägte mit seinen Forschungen zu Membranmaterialien eine ganze Ära von Abhörlautsprechern. Mit modernisierten Neuauflagen der Original-Chassis – dem Harwood LF8 MK5.9 und dem zeitlosen Audax TW025A0 9x12 – holen wir diesen Meilenstein der Lautsprechergeschichte in die Gegenwart und zeigen, dass das klassische Konzept heute noch genauso fasziniert wie damals.

Technik


Im Zentrum dieses Projekts steht der Harwood LF8 MK5.9, der eine absolute Legende aus der glorreichen Ära der britischen Studio-Monitore wieder aufleben lässt. Während der Ur-LF8 in den 80er Jahren noch mit einem massiven Sandgusskorb ausgestattet war, verfügt die moderne Version über einen stabilen Alu-Druckgusskorb.

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Die akustische Seele des Treibers blieb jedoch unangetastet: Er nutzt eine ungefüllte Polypropylen-Membran in der charakteristischen NAVI-Form sowie eine leicht durchscheinende inverse PVC-Sicke. Diese Materialkombination ist das direkte Resultat von Harwoods Untersuchungen bei der BBC, bei denen sich Polypropylen als akustisch überlegen herausstellte. Mit einer Resonanzfrequenz von tiefen 35,2 Hertz und einem Äquivalentvolumen von 66,6 Litern ist das Chassis prädestiniert für große Bassreflex-Gehäuse. Der ideale Spielpartner für dieses historische Schwergewicht ist der Audax TW025A0 in der speziellen 9x12-Ausführung mit rechteckiger Frontplatte. Dieser Hochtöner wird in seinen Grundzügen seit über 40 Jahren gebaut und hat in unzähligen Studio-Monitoren seinen Dienst verrichtet. Das technische Highlight ist die 25-Millimeter-Gewebekalotte mit dem speziellen „Catenary“-Profil. Diese eiförmige Geometrie verleiht der Membran eine überragende Eigenstabilität und verhindert abrupte Membranaufbrüche effektiv. Ein weiteres Detail für Puristen: Der Treiber kommt völlig ohne klangbeeinflussendes Ferrofluid aus.

Gehäuse


Wir orientieren uns beim Gehäuse streng am historischen Bauplan des „Monitor I“. Die Konstruktion ist als klassische Bassreflex-Box ausgelegt und bietet ein Bruttovolumen von 74 Litern. Die Abmessungen fallen mit 280 x 879 x 300 Millimetern (Breite x Höhe x Tiefe) für heutige Verhältnisse recht stattlich und gedrungen aus, entsprechen aber den idealen Arbeitsbedingungen des Tiefmitteltöners. Aus den Originalplänen geht hervor, dass durchgehend 22 Millimeter starkes MDF für den Korpus verwendet wird – für eine hübschere Optik haben wir hier etwas dünneres Multiplex verwendet – entsprechend muss beim Nachbau das eine oder andere Innenmaß umgerechnet werden. Die Bedämpfung des großzügigen Innenraums erfolgt so, dass „unter dem Dach“ und im Boden relativ stark bedämpft wird; der Bereich um das Bassreflexrohr bleibt dabei großzügig ausgespart, um die Abstimmung nicht zu verändern. Hier sorgt Noppenschaumstoff an den Wänden für die nötige Bedämpfung des Mitteltonanteils, der eventuell aus dem Reflexrohr entweichen könnte.

Frequenzweiche


Die Beschaltung greift die klassische BBC-Philosophie auf und passt sie an die modernen Messmöglichkeiten an. Wie in modernen Hörgewohnheiten an. Wie im Messdiagramm zu sehen ist, trennen wir die beiden Treiber im Bereich um 2.000 Hertz. Der LF8 MK5.9 wird nach Impedanzlinearisierung über ein RC-Glied mit einem Filter erster Ordnung sanft aus dem Rennen genommen, was seinen breitbandigen Mitteltonbereich optimal zur Geltung bringt, ohne dass seine unzweifelhaft vorhandenen Resonanzen allzu sehr stören. Der Audax-Hochtöner lässt sich dank seiner niedrigen Resonanzfrequenz problemlos ab diesem Bereich ankoppeln. Auch das Hochtonfilter orientiert sich dabei am klassischen Vorbild und koppelt den Hochtöner über einen Vorwiderstand und ein Filter zweiter Ordnung an. Als Besonderheit sei hier ein zusätzliches RC-Glied genannt, das den obersten Hochtonbereich noch ein bisschen glattzieht. Damit ist der Gesamtpegel im Bereich der Trennfrequenz etwas zurückgenommen – angesichts der leichten Aufweitung des Hochtöners um 3 Kilohertz keine schlechte Idee.

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Insgesamt schlägt der etwas unruhige Verlauf des Tieftöners auch im Gesamtverlauf etwas durch – das sind aber kleinteilige Schwankungen, die sich klanglich kaum bemerkbar machen. Die einzigen kleinen Kritikpunkte sind die schon angesprochene Energiespitze bei 3 Kilohertz und ein ganz leichtes Phasenproblem zwischen 6 und 7 Kilo hertz, das aber mehr kosmetischer Natur ist.
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Messwerte


Die aktuellen Messungen belegen auch nach 40 Jahren noch eindrucksvoll die Qualität dieses Konzepts. Das Diagramm zeigt einen für einen derart großen Tiefmitteltöner erstaunlich ausgewogenen und breitbandigen Verlauf auf Achse. Der Bass reicht mit leichter Betonung bis fast an die 35-Hertz-Marke hinab. Bei gehobener Zimmerlautstärke gibt es breitbandig sehr wenige bis keine Verzerrungen. Das Chassis-Duo arbeitet hier absolut unangestrengt - bemerkenswert bei der alten Hochtönerkonstruktion und der tiefen Trennfrequenz. Bei 95 Dezibel gibt es in Sachen K2 zwei Ausreißer, einmal ein Mitteltonartefakt vom Tieftöner und einmal von der Hochtonkalotte. Der Impedanzverlauf ist geprägt von recht deutlichen Spitzen – natürlich denen der Reflexabstimmung und des Filters. Die Störung des Tieftöners um 500 Hertz lässt sich auch im Impedanzverlauf ablesen. Das Wasserfalldiagramm zeigt ein paar kleine Artefakte, vor allem der Tieftönermembran, zeugt aber insgesamt doch von einer sauberen Bedämpfung und zügigem Ausschwingen.

Klang


Es ist immer wieder faszinierend, wie entspannt und selbstverständlich diese klassischen britischen Monitor-Konzepte aufspielen. Der „Monitor 1“ macht hier keine Ausnahme. Der Bassbereich profitiert massiv von dem großen Gehäusevolumen: Er federt tief, schwarz und mit jener unnachahmlichen Leichtigkeit, die kleinen Langhub-Treibern oft fehlt. Die Polypropylen-Membran verleiht Stimmen und akustischen Instrumenten eine warme, organische Klangfarbe, ohne dabei ins Dumpfe abzudriften. Der Übergang zum Audax-Hochtöner gelingt völlig nahtlos. Die Catenary-Kalotte löst fein und seidig auf, verkneift sich aber jede Form von künstlicher Brillanz oder Härte. Das Ergebnis ist ein Lautsprecher, der nicht auf den ersten, vordergründigen Wow-Effekt abzielt, sondern mit dem man stundenlang ermüdungsfrei Musik auf höchstem Niveau genießen kann – ein echtes Werkzeug für Langzeithörer.

Aufbauanleitung

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Der Aufbau beginnt auf einer der liegenden Seitenwände. Darauf werden nacheinander Deckel, Rückwand, Boden sowie die internen Verstrebungen aufgeleimt. Anschließend wird das Gehäuse mit der zweiten Seitenwand verschlossen. Die Frontplatte, in die zuvor die Chassisausschnitte und die Öffnung für das Bassreflexrohr gefräst wurden, bildet den Abschluss. Die Kanten der Schallwand können nach Belieben leicht abgerundet oder angefast werden. Die Bedämpfung wird gleichmäßig im Gehäuse verteilt, wobei der Bereich direkt hinter dem Tiefmitteltöner und der Weg zum Reflexrohr zwingend freizuhalten sind.

Weichenbestückung

L1: 2,7mH Luftspule, 1,4 mm Draht
L2: 0,27 mH Luftspule 0,7 mm Draht
C1: 15 µF MKT
C2: 5,6 µF MKP
C3: 2,2 µF MKP
R1: 8,2 Ohm MOX 20 Watt
R2: 2,2 Ohm MOX 10 Watt
R3: 5,6 Ohm MOX 10 Watt


 

Holzliste


Material 22 mm MDF, nach Originalplan

2 x 87,9 x 30,0 cm Seitenwände
4 x 23,6 x 25,6 cm Boden/Deckel/Versteifungen
1 x 83,5 x 23,6 cm Rückwand
1 x 83,5 x 23,6 cm Schallwand

Zubehör pro Box

Bassreflexrohr (HP BR70)
Dämmmaterial (Sonofil)
Noppenschaumstoff
1 Paar Polklemmen
Kabel
Schrauben
Dichtband

Lieferant: Hifi Sound, Münster


Den Test finden Sie in der Klang+Ton 5/2026. Das Heft ist in unserem Shop als e-paper oder als Print-Ausgabe erhältlich
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Kategorie: Lautsprecherbausätze

Produkt: Harwood Acoustics Monitor 1 40th Anniversary

7/2026
 
Ausstattung & technische Daten 
Technische Daten
Chassishersteller : Harwood / Audax 
Vertrieb: Hifi Sound, Münster 
Konstruktion: Thomas Schmidt / Hifi Sound 
Funktionsprinzip: Bassreflex 
Bestückung: 1 x Harwood LF8 MK5.9
1 x Audax TW025A0 9x12 
Nennimpedanz: 8 Ohm 
Trennfrequenzen: ca. 2500 Hz 
B x H x T (in cm) 28,0 x 87,9 x 28,0 x 30,0 cm 
Technische Daten:
Hersteller: Harwood Acoustics 
Bezugsquelle Hifi Sound, Münster 
Unverb. Stückpreis ca. 229 Euro 
Chassisparameter K+T-Messung
Z:
Fs (in Hz) 35,2 Hz 
Re (in Ohm) 5.68 
Qms 4,95 
Qes 0,40 
Qts 0,37 
Mms (in gr) 17,3 g 
BxL (in Tm) 7,36 
VAS (in Liter) 66,6 l 
LE (in mH) 0,49 mH 
SD (in cm²) 201 cm2 
Ausstattung
Korb: Alu-Druckguss 
Membran: Polypropylen (ungefüllt) 
Dustcap: Gewebe 
Sicke: Weich-PVC 
Schwingspule (in mm): 25 mm 
Schwingspulenträger: Aluminium 
Xmax absolut: 4,8 mm 
Magnetsystem: Ferrit 
Polkernbohrung: Nein 
Sonstiges: Original BBC-Spezifikation 
Abmessungen:
Außenabmessungen: 220 
Einbaudurchmesser: 185 
Einbautiefe:
Korbrandtiefe:
Technische Daten
Hersteller: Audax 
Bezugsquelle: Hifi-Sound, Münster 
Unverb. Stückpreis ca. 45 Euro 
Chassisparameter K+T-Messung
Z: 8 Ohm 
Fs (in Hz) 1186.4 
Re (in Ohm) 5,84 
Qms 5.75 
Qes 1,66 
Qts 1,29 
Mms (in gr) 0.29 
BxL (in Tm) 2,90 Tm 
VAS (in Liter)
LE (in mH) 0,03 mH 
SD (in cm²)
Ausstattung
Frontplatte: Aluminium (rechteckig) 
Membran: Gewebe 
Dustcap: Nein 
Sicke: Gewebe 
Schwingspule (in mm): 25 mm 
Xmax absolut: Ja /- 0,3 mm 
Magnetsystem: Ferrit 
Polkernbohrung: Nein 
Sonstiges: Kein Ferrofluid 
Aussenabmessungen: 120 x 90 mm 
Einbaudurchmesser: ca. 73,5 mm 
Einbautiefe:
Frontplattendicke: 2 mm (je nach Ausführung) 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 24.07.2026, 13:19 Uhr
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