Kategorie: Lautsprecherbausätze

Einzeltest: Klang+Ton-Projekt Cheap Trick 342 „Little Red Devil“


Er nu´ wieder

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Eine Fullrange-Kompaktbox mit einem 8-Zoll-Breitbänder? Und das auch noch bezahlbar? Und die macht auch noch jede Menge Spaß??? Ja – schauen Sie sich diesen Cheap Trick einmal an, der den Arbeitstitel „Little Red Devil“ trägt.

Ja, ich weiß, das Thema Visaton BG 20 wurde nun schon oft genug von uns behandelt, aber die wirkliche Fullrange-Version sind wir immer schuldig geblieben, außer bei der „Sonnenschein“ in Ausgabe 5/2017, die aber wegen ihres Einsatzbereichs eine eher schlichte Lösung geblieben ist. Eine Kompaktbox mit dem BG 20 klingt zwar ein bisschen bescheuert, aber hey, warum nicht mal etwas Verrücktes probieren – kann ja nur gut werden!

Treiber


Visatons BG 20, unser liebstes Mittel der Wahl für alle möglichen und unmöglichen Lautsprecherkonstruktionen. Und da der BG 20 mit geringen Abstrichen auch fullrange laufen kann, darf er hier mal ganz alleine ran.

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Mit Schwirrkonus diesmal, den wir sonst ja gerne mal entfernen. Der BG 20 ist ein ausgesprochen cleveres Chassis und wird hoffentlich bis in alle Zeiten gebaut werden – ich habe ihm und unseren zahlreichen Modifikationen übrigens eine eigene Video-Reihe gewidmet, die auf unserer Facebook-Seite zu bestaunen ist. Ich zitiere mich mal selbst aus meinem Einzelchassistest der neuen Version des BG 20 aus dem Jahre 2017: „Die Meldung hat uns ja fast schon erschüttert: Nach etlichen Jahren Bauzeit (und noch mehr KLANG+TON-Projekten damit) hat Visaton den Breitband-Evergreen BG 20 sanft überarbeitet. Dabei ging es in erster Linie um die Sickenresonanz, die in den ansonsten recht linear verlaufenden Frequenzgang eine böse Kerbe gehauen hat. Laut Visaton ist dieser Effekt nun deutlich gemäßigter. Tatsächlich zeigt der direkte Vergleich einer Messung eines BG 20 vor zehn Jahren mit einem aus aktueller Produktion einen deutlich linearer verlaufenden Mitteltonbereich – allerdings auch einen etwas defensiveren Verlauf im Hochton. Dennoch: Für seinen Haupteinsatzzweck als günstiger Beschallungslautsprecher ist der BG 20 so für die nächsten Jahrzehnte gerüstet: Er spielt breitbandig bis über 10 Kilohertz, auf einer etwas breiteren Schallwand sogar recht linear. Das Wasserfalldiagramm ist sauber, ebenso die Klirrmessungen bis 95 Dezibel. Die Simulation verrät uns (wie beim alten BG 20 übrigens auch), dass der Treiber ab 60 Litern Reflexvolumen zu Hochform aufläuft – in der Praxis tuns aber 50 Liter durchaus auch schon.

Gehäuse


Das Gehäuse ist, wie gesagt, das von unserer tragbaren Festivalbox „Sonnenschein“ und besteht aus 18er-Seekiefer, was eigentlich Fichtensperrholz und ausgesprochen leicht ist. Wir haben den BG 20 von hinten montiert, was aber nicht Pflicht ist – wir fanden‘s hier optisch nur attraktiver.  Die Front ist rundherum verschraubt; das Gehäuse muss zu öffnen sein, sonst bekommt man den Treiber nicht montiert – respektive ausgebaut. Im Gegensatz zur obigen Empfehlung gibt es für den BG 20 hier nur 20 Liter zum Atmen, allerdings mit einer recht kräftigen Bedämpfung mit Polyesterwatte. Und – um mir selbst komplett zu widersprechen – habe ich ein Reflexrohr nachgerüstet, um die schiefe Abstimmung auf die Spitze zu treiben. Wenn man sich den Impedanzverlauf ansieht, kann man erkennen, dass der Resonator im kleinen Gehäuse deutlich außerhalb des eigentlich nutzbaren Bereichs wirkt – ein bisschen Stütze am unteren Ende des Übertragungsbereichs ist er aber dennoch. Das Beste daran: Man kann dieses Gehäuse, zum Beispiel als Standbox mit gleicher Schallwandbreite, bis auf 60 Liter hochskalieren und muss noch nicht einmal die Reflexrohrlänge ändern: Durch die sinkende Einbauresonanz des Treibers gibt es bei größerem Volumen eine stärkere Interaktion mit dem Reflexrohr und damit eine „richtige“ Reflexabstimmung. Ich habe hier ein 50er Rohr mit 4 Zentimetern Länge vorgesehen. Wer öfter mal höhere Pegel fährt, verwendet ein 70er Rohr, auf 8 Zentimeter abgelängt.

Frequenzweiche


Jetzt wird es etwas tricky: Bei der „Sonnenschein“ habe ich mit einer einfachen Spule und einem parallel geschalteten Widerstand eine einfache Anpassung „über alles“ realisiert. Für eine portable Box in Ordnung, aber zuhause hat man ja dann doch höhere Ansprüche. Im Tiefton hilft wie gesagt das Reflexrohr, das die untere Grenzfrequenz etwas nach unten schiebt – nach oben hinaus muss man mit Filtern ran. Zunächst muss der ansteigende Pegelverlauf etwas begradigt werden, idealerweise mit der Hauptwirkung auf der etwas lästigen „Doppelspitze“ zwischen 2 und 3 Kilohertz, deren untere Höcker auch unter Winkeln recht hartnäckig sind. Dies erledigt der erste, breitbandige Sperrkreis:

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Der unruhige Verlauf in dem Bereich ist zwar geblieben, aber die Maxima liegen nun nicht mehr über dem Durchschnitt des Pegels. Diese Maßnahme hat den oberen Mitteltonbereich beruhigt, arbeitet aber gleichzeitig das Hochtonproblem der Box weiter heraus: Ein gewaltiger Peak bei 9 Kilohertz und darüber nur – wenig. Der folgende Sperrkreis hat bei der Entwicklung mit Abstand am meisten Zeit gekostet, denn er musste genau austariert werden. Zum einen musste die wirklich fiese Überhöhung weg, zum anderen sollte die Wirkung des Sperrkreises so sitzen, dass der Bereich oberhalb von 10 Kilohertz noch etwas gestützt wird. Eine wirklich von 5 bis fast 20 Kilohertz linear aussehende Lösung habe ich wieder verworfen, weil sich dann noch ein drittes Problem auftat: Unter Winkeln war es dann an einigen Stellen wieder zu wenig, um im Raum einen linearen Klang zu erzeugen. Letztlich bin ich bei folgendem zweiten Sperrkreis gelandet:
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Wir sehen hier tatsächlich einen zwar zappeligen, aber im Mittel ausgewogenen Hochtonverlauf. Hier nun die beiden Sperrkreise gemeinsam:
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Wir sehen hier einen weitgehend linearen Verlauf – mit diversen Senken und Peaks, versteht sich. Die leichte Betonung zwischen 7 und 10 Kilohertz habe ich ja schon erläutert. Um die teilweise kräftigen Impedanzspitzen durch die Sperrkreise und die Treiber-Induktivität auszugleichen, gibt es noch eine einfache Impedanzlinearisierung mit einem RC-Glied parallel zu den Eingängen, die den Verlauf auf 10 Ohm glattzieht – der Little Red Devil darf definitiv an eine Röhre!
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Messwerte


Damit ergibt sich ein auf Achse bis etwa 17 Kilohertz reichender Frequenzgang, der bei 15 Grad Messwinkel ebenfalls noch die 10 Kilohertz-Marke erreicht. Bei 30 und 45 Grad ist es dann schnell vorbei mit Hochton – aber immerhin sehen wir hier einen zwar etwas unruhigen, im Mittel aber stetig fallenden Frequenzgangverlauf, was für einen sehr ausgewogenen Indirektschall sorgt. Das Wasserfalldiagramm ist treibertypisch unruhig, zeigt aber eben auch keine Aussetzer: Die Box schwingt durchgehend zügig aus. Als fast schon sensationell gut müssen die Klirrmessungen bei beiden Pegeln durchgehen: Sieht der Zugewinn in Sachen Bass-Pegel gegenüber der „Sonnenschein“ gar nicht so gewaltig aus, sprechen die Verzerrungsmessungen eine ganz andere Sprache: Durch die Hubentlastung im Bass bleiben die Klirrwerte bis nach ganz unten hin rekordverdächtig niedrig! Der Impedanzverlauf ist, wie gesagt, nun sehr gerade.

Klang


Und – wie spielt der Little Red Devil? Nun, es geht im direkten Vergleich zum CT230 nicht ganz so tief runter, aber diese federnde Eleganz und Geschmeidigkeit im Bass ist auch im kleinen Gehäuse vorhanden – und das eben auch, wenn die kompakte Box pegelmäßig gefordert wird, denn dynamisch geht dem CT342 nicht so schnell die Puste aus. Die Box sollte auf jeden Fall (fast) vollständig auf den Hörplatz eingewinkelt sein – sanfte Anpassungen sind möglich, erfordern aber wegen der Richtwirkung etwas Geduld beim Justieren. Das wird aber dann beim Hören – gerne auch mit Röhre! – belohnt: Der Little Red Devil macht seinem Namen alle Ehre! Elektronische Bässe sind nicht ganz sein Metier – aber gut abgehangene Rockmusik geht richtig gut, auch Jazz wird überraschend akkurat wiedergegeben – wie übrigens alles Genres, die mit guter Mikrofonierung aufgenommen wurden. Dann greift auch die überragende räumliche Abbildung, zu der der Solo-BG 20 fähig ist. Ja, sogar Klassik geht mit dem Breitband-Monitor absolut überzeugend, aber ehrlich gesagt, greife ich dann doch gerne immer wieder ins Sortiment zwischen AC/DC und ZZ Top – denn da ist die Box definitiv zuhause!

Holzliste


Material: 18-mm-Kistensperrholz/Seekiefer
2 x 400 x 300 mm Front/Rückwand
2 x 364 x 214 mm Seiten
2 x 300 x 214 mm Boden / Deckel

Zubehör pro Box


Kabel
Schrauben
Reflexrohr HP/BR 50 oder 70, siehe Text
Polklemmen
4 Matten Sonofil

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Aufbauanleitung


Der Lautsprecher selbst ist ein schlichter Quader ohne große Besonderheiten. Front und Rückwand liegen auf, es bleibt Ihnen überlassen, was davon Sie schraubbar gestalten wollen. Unter Umständen kann man den BG 20, so man ihn denn von innen montieren möchte, vier Millimeter tief einfräsen. Das ist eine Art „Zentrierhilfe“ für den passenden Einbau des Treibers. Das hier nicht eingezeichnete Reflexrohr wird etwas 10 bis 15 Zentimeter unter der Oberkante des Gehäuses mittig eingesetzt.
Die Bohrung für das gezeigte HP/BR 50 beträgt 69 Millimeter, die für das optionale HP/BR 70 beträgt 97 Millimeter. Die Rohre sind dann 4, beziehungsweise 8 Zentimeter lang – Experimente mit der Länge dürfen gerne gemacht werden!
Das Gehäuse wird großzügig bedämpft, so dass nur ein schmaler Luftdurchlass zwischen Treiber und Rohr bleibt.

Weichenbestückung


L1: 1,5 mH Luftspule 1 mm
L2: 0,22 mH Luftspule 0,6 mm
C1: 1,8 µF MKP
C2: 1 µF MKP
C3: 33 µF MKT oder Elko
R1: 22 Ohm MOX 10
R2: 100 Ohm MOX 10
R2: 15 Ohm MOX 20

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Fazit

Dynamische und dabei sehr kompakte Breitband-Box, die das Genre greifbar macht, ohne räumliche oder finanzielle Grenzen zu sprengen.

Den Test finden Sie in der Klang&Ton 4/2026. Das Heft ist in unserem Shop als e-paper oder als Print-Ausgabe erhältlich
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Kategorie: Lautsprecherbausätze

Produkt: Klang+Ton-Projekt Cheap Trick 342 „Little Red Devil“

Preis: um 100 Europlus Gehäuse

7/2026

Dynamische und dabei sehr kompakte Breitband-Box, die das Genre greifbar macht, ohne räumliche oder finanzielle Grenzen zu sprengen.

Klang+Ton-Projekt Cheap Trick 342 „Little Red Devil“

7/2026

Klang+Ton-Projekt Cheap Trick 342 „Little Red Devil“
PREIS-TIPP
Ausstattung & technische Daten 
- Cheap Trick 342 „Little Red Devil“ 
Technische Daten
Chassishersteller : Visaton 
Vertrieb: Visaton, Haan 
Konstruktion: Thomas Schmidt 
Funktionsprinzip: Fullrange, bassreflex 
Bestückung: 1 x Visaton BG 20 
Nennimpedanz: 8 Ohm 
Kennschalldruckpegel 2,83V/1m: 90 Dezibel 
B x H x T (in mm) 300/400/250 mm 
Kosten pro Stück: ca. 100 Euro plus Gehäuse 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
Kontakt E-Mail
Datum 08.07.2026, 17:06 Uhr
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