Kategorie: Musikserver

Einzeltest: Entotem Plato


Platte mal anders

Musikserver Entotem Plato im Test, Bild 1
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Sie müssen jetzt ganz stark sein: Wir proben nämlich den Aufbruch  in ein neues Universum und nähern uns einer äußerst modernen  Form der Musikwiedergabe. Zumindest ein bisschen

Jawohl, ein schwarzer Kasten mit Netzwerkanschluss, Touchscreen und App- Steuerung. Sowas brauchen Sie nicht? Gemach. Der Entotem Plato ist nämlich die erste Musikserverlösung, die für sich in Anspruch nimmt, Platten vom angeschlossenen Plattenspieler aufnehmen, digital abspeichern und die Aufnahmen mit allen relevanten Informationen versehen zu können – das, was man heutzutage „Tagging“ nennt. Sprich: Platte auflegen, Knopf drücken, warten – Schallplatte fertig archiviert. Ob das klappt? Wir werden sehen. Stellt sich die Frage, ob man so etwas als dem Vinyl nahestehender Mensch überhaupt braucht – schließlich hören viele von uns Schallplatte, um Schallplatte zu hören und nicht digitale Aufnahmen einer Schallplatte.

Musikserver Entotem Plato im Test, Bild 2Musikserver Entotem Plato im Test, Bild 3Musikserver Entotem Plato im Test, Bild 4Musikserver Entotem Plato im Test, Bild 5Musikserver Entotem Plato im Test, Bild 6Musikserver Entotem Plato im Test, Bild 7
Das muss ein jeder für sich selbst entscheiden und ohne jeden Zweifel ist es praktisch, seine Musiksammlung auch in digitaler Form zur Verfügung zu haben. Und wenn‘s nur für zwischendurch auf dem Smartphone ist. Tatsächlich aber ist der Entotem Plato noch viel mehr als das; Lautsprecher und Plattenspieler dran, fertig ist die hochmoderne HiFi-Anlage. Der Spaß hat seinen Preis: 6.000 Euro mit eingebauten Endstufen, 4.800 ohne. Den Kern der Sache bildet natürlich – ein Computer. Ein kleiner spezialisierter Rechner, auf dem als Betriebssystem Googles Android läuft. Was den Vorteil hat, dass Leute, die ohnehin mit einem Android-Smartphone unterwegs sind, sich unmittelbar bei der Bedienung zurechtfinden werden. Auch für Neulinge ist das Ganze kein Buch mit sieben Siegeln, ein bisschen Bereitschaft zum Erlernen der elementaren Mechanismen ist aber unabdingbar. Außerdem stecken in dem Gerät ein paar erfreulich analoge 80-Watt-Endstufen für die Ansteuerung der Lautsprecher. Und wo kommt die Musik her? Entweder von der eingebauten 3-Terabyte-Festplatte (eine „konventionelle“, keine SSD), aus dem Internet über einen Streaming-Dienst Ihrer Wahl (es lassen sich diverse davon als App installieren) oder über die rückwärtigen Buchsen. Es gibt vier analoge Stereoeingänge und diverse Digitalschnittstellen. Das Einzige, was ich diesbezüglich vermisse, ist die Möglichkeit, per Bluetooth drahtlos ins Gerät zu „streamen“. Hinter einem der Analogeingänge sitzt eine ausgewachsene MM- und MC-taugliche Phonovorstufe. Ihre Verstärkung ist jeweils sechsstufig zwischen 33 und 46 Dezibel (MM) respektive 53 und 68 Dezibel (MC) anpassbar. Als Eingangsimpedanzen stehen 100 und 200 Ohm zur Verfügung. Da haben externe Geräte meist mehr Auswahl in petto, in der Regel kommen MCs aber damit klar. MMs werden standardmäßig mit 48 Kiloohm abgeschlossen, man kann noch zwischen 100 und 200 Picofarad Abschlusskapazität wählen. Also Plattenspieler dran und gut? Jawohl, das funktioniert. Rausch-, brumm- und störungsfrei. Und wenn ich mal CD hören will? Das geht ohne Weiteres nicht, die müsste man vorher am Rechner rippen und auf die Festplatte des Plato übertragen; das Gerät hat kein eingebautes Laufwerk. Für die Übertragung braucht‘s einen USB-Stick, man kann nicht direkt übers Netzwerk auf die Festplatte des Gerätes zugreifen. In der Praxis gibt’s einen recht gewichtigen, schwarz glänzenden Klotz. Bedient wird er entweder über den eingebauten Touchscreen oder via App übers Telefon oder Tablet. Android ist hierbei Pflicht, es gibt keine entsprechende iOS-App. Das macht Sinn, weil eben jene Android-App das ist, was auch auf dem Gerät selbst zur Steuerung läuft – man muss sich bei der mobilen Bedienung also nicht umgewöhnen. Lautsprecher werden per Speakon-Buchsen angeschlossen. Das verdirbt dem geneigten Audiophilen zwar den Spaß an seinem Lieblingslautsprecherkabel, ist in der Praxis aber natürlich eine feine Sache. Die Endstufen haben definitiv genug „Saft“, um jedewede Form von Lautsprechern mit Nachdruck auf Trab zu bringen. Zurück zum für uns interessanten Kern der Sache: Wie war das mit dem Rippen von LPs? Das geht so: Wenn man die Phonovorstufe konfiguriert hat – das geht natürlich ebenfalls per App entweder am Gerät oder extern – dann kann man einfach den entsprechenden Eingang anwählen, eine Platte auflegen und schon ertönt Musik. Ein paar Sekunden später – und jetzt kommt das große Wunder – erscheinen auf dem Display das Plattencover, der Name des Künstlers, des Albums und der aktuelle Titel. Zauberei? Nicht direkt. Die App „hört zu“, was Sie da spielen, erstellt einen so genannten digitalen Footprint der Musik und fragt per Internet bei einem Datenbankdienst namens „Gracenote“ nach, was das denn ist. Die Trefferquote des Systems ist erstaunlich hoch, es fi ndet praktisch alle halbwegs gängigen Titel zuverlässig. Das letzte Kadavar-Album „Berlin“ war kein Problem, ein 1974er-Original von Supertramps „Crime of the Century“ auch nicht, Diana Kralls „The Look of Love“ ebenfalls nicht. Bei „John the Conqueror“ war Schluss, ein paar andere Bands aus der etwas weniger gängigen Rockmusik gingen auch nicht. Und bei Klassik? Da wechselt die Trefferquote. In vielen Fällen ist das Gerät in der Lage, das Werk zu erkennen, aber die entsprechende Interpretation nicht – das ist verständlich. Ausnahmen bestätigen die Regel: Ravels „L‘Enfant Et Les Sortilèges“ mit Ansermet – sicherlich kein Gassenhauer – erkannte das Gerät völlig korrekt. Ein bisschen hängt‘s vom eingestellten Pegel ab, den muss man, bevor man die Aufnahme startet, ohnehin anpassen: Die Aufnahme sollte natürlich weder über- noch untersteuert werden. Wenn man die Platte einfach nur hört, ist keinerlei digitale Signalverarbeitung im Spiel; es geht von der Phonovorstufe direkt zum Verstärkerteil, der zwischengeschaltete Pegelsteller ist ebenfalls analog. Dann muss man, so man denn will, nur noch den kleinen, roten Aufnahme-Button drücken, und los geht’s. Erst die eine, dann die andere Plattenseite. Nach Beendigung der Aufnahme will das Gerät eine Weile in Ruhe gelassen werden, es fügt die Titelpausen ein (übrigens mit erfreulicher Präzision), gleicht die Metadaten ab und schreibt das Ergebnis auf die Festplatte. In vielen Fällen läuft das tatsächlich unproblematisch und vollautomatisch. Nicht schlecht. Aufnahmeformate? Von CD-Qualität bis 24 Bit/192 Kilohertz. Was uns Analogleuten natürlich am Liebsten ist. Dabei dauert die Aufbereitung der Daten im Anschluss naturgemäß länger. Wenn das Gerät mal nicht korrekt „getagged“ hat, ist das kein Grund zur Beunruhigung, man kann ohne Probleme manuell nacharbeiten und auch Cover einpflegen, die noch nicht in der Datenbank sind. Erwähnte ich schon, dass man mit dem Entotem Plato natürlich nicht aufs Musikhören beschränkt ist? Video kann er auch: An die rückwärtige HDMI-Buchse kann man einen Fernseher anschließen und alles, was Festplatte und Internet hergeben, in HD-Qualität ansehen. In Sachen Funktionalität ist der Entotem Plato ein topmodernes Gerät und wir können hier tatsächlich nur die Basis-Features vorstellen; in der Praxis geht noch viel mehr. Und da hier Software eine entscheidende Rolle spielt, ist noch nicht abzusehen, was noch alles dazukommen wird. Bleibt die nicht ganz unwichtige Frage: Wie klingt‘s denn? Erstaunlich gut. Besonders überrascht hat mich der minimale Unterschied zwischen direkt abgespielter und korrekt aufgenommener Schallplatte. In vielen Fällen ist praktisch gar kein Unterschied zu hören, bei kritischen Dingen wie kräftigen Klavieranschlägen gewinnt das Original dann doch mit mehr Geschmeidigkeit. Viel ist das aber nicht. Direkt betrieben, klingt der Plattenspieler über den Plato ordentlich dynamisch, mit Punch im Bass, Luft in den Höhen und Schmelz in der Stimme; für eine so komplette Ein-Geräte-Lösung ist das mehr als respektabel.

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Fazit

Schöne neue Medienwelt? Mit dem Entotem  Plato ist das in erstaunlich hohem Maße wahr:  Das Gerät kann tatsächlich vollautomatisch  sehr gut klingende Aufnahmen von  Schallplatten erstellen und macht  trotz der gewaltigen Menge von  Features eine sehr gute klangliche Figur.

Preis: um 4800 Euro

Entotem Plato

02/2016 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Robert Ross, Denkendorf 
Telefon 08466 905030 
Internet www.entotem.de 
Garantie:
Abmessungen (B x H x T in mm) 370/130/300 
Gewicht: 14 
Unterm Strich... Schöne neue Medienwelt? Mit dem Entotem Plato ist das in erstaunlich hohem Maße wahr: Das Gerät kann tatsächlich vollautomatisch sehr gut klingende Aufnahmen von Schallplatten erstellen und macht trotz der gewaltigen Menge von Features eine sehr gute klangliche Figur. 
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Autor Holger Barske
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Datum 08.02.2016, 10:00 Uhr
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