Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Acoustic Solid Machine Transparent


Kompromiss ohne Kompromisse

Plattenspieler Acoustic Solid Machine Transparent im Test, Bild 1
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Der normale Mann steht oft vor einem Dilemma: Komponenten, die ihm technisch zusagen, gefallen der Frau nicht. Geräte, die der Frau gefallen, sind nichts für richtige Männer. Acoustic Solid hat mit einer Abwandlung seiner Machine jetzt eine bezahlbare und für beide gangbare Lösung gefunden

Mitspieler


Tonabnehmer:

 Denon DL103, DL103R, DL103S
 Benz ACE L, L2 Wood
 Clearaudio Concept

Phonoverstärker:

 Quad Twentyfour-P
 PS Audio GCPH
 Clearaudio Balance+

Verstärker:

 Accustic Arts Kombination
 Magnat RV-1
 Symphonic Line Preamp Three und Poweramp Three

Lautsprecher:

 Spendor S3e
 Sonics Allegria


Gegenspieler


Plattenspieler:

 Acoustic Solid Machine mit SME M2 12 und Acoustic Solid WTB211
 Transrotor Dark Star Reference
 ProJect Xperience

Für unter 2.500 Euro gibt es bei dem schwäbischen Laufwerksspezialisten einen technisch mächtig beeindruckenden (oder beeindruckend mächtigen) Plattenspieler mit gut 20 Kilogramm Masse, bei Bedarf Platz für zwei Tonarmbasen und der fast einmaligen Möglichkeit, den Wohnraum einmal nicht durch handelsübliches HiFi-Design zu dominieren. Denn wenn man sich das Gros der Plattenspieler heutzutage einmal ansieht, dann gibt es ab einer gewissen Gewichtsklasse nur die Auswahl zwischen einer Metall-Ansammlung jeglicher Couleur oder eben Schwarz – etwas anderes kommt in der HiFi-(Männer)- Welt fast nicht vor. Da ist das in Transparent und Weiß gehaltene Laufwerk von Karl Wirth ein mutiger Schritt, der die in den Einsteigerklassen schon öfter gesehene optische Leichtigkeit in eine deutlich höhere Laufwerksklasse transportiert.

Plattenspieler Acoustic Solid Machine Transparent im Test, Bild 2Plattenspieler Acoustic Solid Machine Transparent im Test, Bild 3Plattenspieler Acoustic Solid Machine Transparent im Test, Bild 4Plattenspieler Acoustic Solid Machine Transparent im Test, Bild 5
Interessanter Weise hatten die männlichen Wesen, die mit der Machine Transparent konfrontiert wurden, mehr Probleme, sich an das Design zu gewöhnen, als meine drei Mädels zu Hause, die den Acoustic Solid sofort als attraktiv akzeptiert und für sich adoptiert haben – gut, dass ich das Laufwerk schon ausgiebig gehört hatte, bevor es in meinem (gut, sagen wir ihrem) Wohnzimmer landete. Wer keine Rücksicht auf weibliche Mitglieder des Haushalts nehmen muss, weil keine solchen vorhanden sind oder eine letzte Männerbastion in Form eines eigenen Hörzimmers vorhanden ist, kann die „neuen“ Machine übrigens auch mit schwarzen Kunststoff-Komponenten ordern – die klassische Machine (ohne Namens-Zusatz), die nicht ganz identisch, aber konstruktiv verwandt ist, wird nach wie vor aus Metall gefertigt. Aber zurück zu unserer Machine Transparent – wobei das „durchsichtig“ eigentlich nur für die zentrale Zargenplatte wörtlich zu nehmen ist. Diese besteht aus 25 Millimeter starkem, klarem Acryl und ist keinen Deut größer als unbedingt nötig. Das heißt, sie schmiegt sich mit einem Überstand von etwa drei Zentimetern an den Durchmesser des Plattentellers an und besitzt Auswölbungen für die Montage der drei Füße und der Tonarme. In der Grundversion besitzt die Machine Transparent nur eine Tonarmbasis, weswegen der Motor in seiner separaten Dose in die Aussparung für die zweite Basis wandern darf. Das spart Stellfläche, sieht gut aus und komplett getrennt vom Laufwerk ist der Antrieb damit immer noch. Versorgt wird der Synchronmotor über ein Steckernetzteil und eine zwischengeschaltete Steuerung, die ein sauberes Sinussignal generiert und mit der sich die Geschwindigkeit umschalten und fein regulieren lässt. Über das von Acoustic Solid bekannte, recht große Pulley und einen gegossenen Silikonriemen (der ist neu) wird die Antriebskraft an den Teller gebracht. Der 60 Millimeter starke Plattenteller besteht aus POM, der neuen Allzweckwaffe der Laufwerksbauer – kein Wunder, verfügt dieser Kunststoff über mit die besten Dämpfungseigenschaften aller infrage kommenden Werkstoffe. Der Teller wird bei Acoustic Solid in einer Aufspannung gefertigt. Das Tellerlager ist die bekannte Konstruktion aus einem gehärteten Edelstahldorn mit Keramikkugel, der in einer Bronzebuchse mit einem Lagerspiegel aus Teflon eintaucht. Auch die Konstruktion der Armbasis haben wir so schon gesehen: Die drehbare Montageplatte für den Tonarm wird in einer Hülse fixiert – so lassen sich alle gängigen 9- und 10-Zoll-Modelle verwenden – Acoustic Solid ist durch die hauseigene Fertigung in der Lage, auch Exoten eine spielbereite Basis bereitzustellen. Im Set kommt die Machine Transparent mit dem WTB 211, einem Drehtonarm klassischer Machart, in beiden Achsen kardanisch gelagert – und nicht von ungefähr den aktuellen Ortofon-Tonarmen sehr ähnlich. Einen ausführlichen Test dieses sehr guten Arms finden Sie in LP-Ausgabe 2/2008. Die gesamte Konstruktion ruht auf drei Füßen, die recht einfach aufgebaut sind: Durch drei Gewinde in der Basisplatte werden von oben drei kräftige Maschinenschrauben gedreht, die auch für den Höhenausgleich zuständig sind. Die Spitzen der Schrauben ruhen in drei passenden weißen POM-Zylindern mit breiten Metallkegeln als Standfüße – eine solide und resonanzarme Geschichte. Die Inbusköpfe der Schrauben werden mit Hauben aus POM abgedeckt, die resonanzfrei auf der Basis aufliegen. Insgesamt eine recht simple, aber wohldurchdachte Konstruktion, die, wo möglich, auf bewährte Komponenten zurückgreift, in Material, Aussehen und Technik aber durchaus eigene Wege geht, und das zu einem fast unschlagbaren „Preis pro Kilo“. Einen individuellen Pfad beschreitet das Laufwerk auch in Sachen Wiedergabe. Bonuspunkte möchte ich hier einmal für den Antrieb vergeben, der seinen Job völlig lautlos verrichtet. Im direkten Vergleich zu einem Wood Black mit dickem Metallteller und massiver Basis macht sich der Transparent schon einmal gar nicht so schlecht: Nach langen, mühevollen Querchecks möchte ich dem Metallteller noch ein bisschen mehr Biss obenherum und ein Quäntchen mehr Trockenheit im tiefsten Bass zubilligen – das Rennen ist aber mehr als knapp. Im Mittel musiziert der neue Dreher mit dem POM-Teller aber ein bisschen gefälliger und leichtfüßiger – hier mag es tatsächlich eine Spur weniger Resonanzen gaben. Einen ganz ähnlich aufgebauten Plattenspieler mit einem zumindest verwandten Tonarm haben wir mit dem Transrotor Dark Star Reference in unseren Testräumen. Optisch wirkt dieses Duell wie der klassische Hollywood-Kampf weißer gegen schwarzer Ritter – klanglich verschwinden die Unterschiede fast völlig. Wo ich dem Transrotor etwas mehr Tieftonschub zubillige, kontert der Acoustic Solid mit einem extrem ausgeglichenen Mitteltonbereich, wo der Transparent behände feindynamischen Nuancen folgt, glänzt der Dark Star durch eine sehr breite Räumlichkeit. Allerdings – und hier musste ich an einigen Stellen aufgeben – konnte sich dieser Eindruck je nach abgespielter Platte auch wieder ändern – letztlich haben wir es mit zwei sehr ausgeschlafenen und gut abgestimmten Spielern zu tun, die aus dem verwendeten Material das absolute Optimum herausholen. Erst der Quervergleich mit den „Dickschiffen“ – Fat Bob und Machine zeigt dann doch noch einen Abstand in Sachen Grobdynamik: Die Durchschlagskraft der ganz schweren Laufwerke erreichen weder der Transparent noch der Dark Star – obwohl ich mal behaupten möchte, dass sich diese eh schon kleine Lücke mit einem erweiterten Antriebskonzept noch weiter schließen ließe. Viel interessanter ist ein Vergleich in einer anderen Richtung: Mit seinem Verkaufspreis nähert sich der Acoustic Solid dem Revier, das bisher fast ausschließlich den „Brettspielern“ der Mittelklasse vorbehalten war. Und die haben dem massiven Acoustic Solid (der Name ist eben Programm) wenig entgegenzusetzen in Sachen Tieftondynamik und –präzision. Denn wenn er schon in der gleichen Preisklasse kämpft – in der Gewichtsklasse rangiert er ungleich höher.

Fazit

Weder der günstige Preis noch das leichte Aussehen können darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei der Acoustic Solid Machine Transparent um einen richtig schweren und guten Plattenspieler handelt. Mein Tipp: Erzählen Sie Ihrer Frau, dass Sie ihn wegen des Aussehens gekauft haben – den hervorragenden Klang haben Sie immer noch für sich.

Preis: um 2300 Euro

Plattenspieler

Acoustic Solid Machine Transparent


11/2010 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Acoustic Solid, Altdorf 
Telefon 07127 32718 
Internet www.acoustic-solid.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 380/200/380 
Gewicht (in Kg) 25 
Varianten/Ausführungen: Nein 
Unterm Strich... » ... Weder der günstige Preis noch das leichte Aussehen können darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei der Acoustic Solid Machine Transparent um einen richtig schweren und guten Plattenspieler handelt. Mein Tipp: Erzählen Sie Ihrer Frau, dass Sie ihn wegen des Aussehens gekauft haben – den hervorragenden Klang haben Sie immer noch für sich. 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 23.11.2010, 14:17 Uhr
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