Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Dual CS 505-4


Jurassic Park

Plattenspieler Dual CS 505-4 im Test, Bild 1
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Die Dinosaurier kommen. Obwohl das ein wenig auf die Spezies Plattenspieler als Ganzes zutrifft, gibt’s hier etwas ganz Besonderes: Einen „echten“ Dual, der seit 1980 gebaut wird

Mitspieler


Phonovorstufen:

 Audionet PAM G2/EPC

Vorstufen:

 MalValve preamp four line

Endverstärker:

 Accustic Arts Amp2 MK2

Lautsprecher:

 Audio Physic Avantera
 Klang + Ton „Nada“

Zubehör:

 Netzsynthesizer PS Audio P10
 NF-Kabel von van den Hul und Transparent
 Phonokabel van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudio


Gegenspieler


Plattenspieler:

 Thorens TD 160
 Sperling M-2 / Reed 3p
 Audio Technica AT-LP1240-USB

Als ich neulich zufällig auf der Internetseite von Sintron Audio stöberte, war ich wie vom Donner gerührt, als dort die Typenbezeichnung „Dual CS 505-4“ zu lesen stand. Den gibt’s noch? Unglaublich. Flugs beim Vertrieb angerufen, sichergestellt, dass ich keinem Scherz aufgesessen bin und bestellt, das Ding.

Plattenspieler Dual CS 505-4 im Test, Bild 2Plattenspieler Dual CS 505-4 im Test, Bild 3Plattenspieler Dual CS 505-4 im Test, Bild 4Plattenspieler Dual CS 505-4 im Test, Bild 5
Den wollte ich unbedingt, irgendwas muss doch noch gehen bei bezahlbaren Plattenspielern der alten Schule. In diesem Zusammenhang musste ich noch ein paar interessante Dinge lernen. In St. Georgen im Schwarzwald gibt’s nämlich tatsächlich noch eine echte Plattenspielerfertigung, wo 15 Leute jeden Tag Geräte wie eh und je bauen. Dort arbeiten immerhin 15 Mitarbeiter unter der Leitung des ehemaligen, mittlerweile über 70 Jahre alten Dual-Fertigungsleiters. Nix China. Nix Tschechien. Schwarzwald, mit echten Profis. Allein das lohnt meiner Meinung nach schon, dem Gerät eine Chance zu geben. Der CS 505 ist also ein echtes Schätzchen, wurde aber über die Jahre immer weiter entwickelt; die aktuelle Version vier hat nun auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und wechselt mit Tonabnehmer (unter dem Headshell steckt eins der unverwüstlichen Ortofons – ein OM10) für 550 Euro den Besitzer – auch dieser Preis ist schon seit Jahren konstant. Dafür gibt’s so richtig Dual. Mit Subchassis, folierter Holzzarge, einem relativ leichten kardanisch gelagerten Arm und einem Feeling, das Menschen ab einem gewissen Alter sofort einen krassen Rücksturz in die Zeit vor der CD erleben lässt. Und: Er hat eine Haube. Eine, die die Bezeichnung auch verdient. Sie ist hinten an der Zarge angeschlagen und lässt sich mit einem Finger souverän öffnen und schließen. Wenn man mal zu früh loslässt dämpfen Gummipuffer den Fall und es passiert nichts, außer dass es ein wenig „bumm“ aus den Lautsprechern macht. Das funktioniert perfekt, seit ich zurückdenken kann, und das tut’s bis heute. Außerdem: Der Dual ist ein Halbautomat. Das heißt: Wenn man den Tonarm von der Halterung zur Platte führt, dann startet der Antrieb. Und wenn die Platte zuende ist, dann wird der Arm angehoben und der Antrieb gestoppt. Das funktioniert so unglaublich perfekt, dass Platte hören vor dem Nickerchen überhaupt kein Problem darstellt. Das Ding schaltet ab. Egal, was für eine Platte ich auflege und wo die Auslaufrille anfängt. Die Mechanik ist so genau eingestellt, dass es praktisch keine „Fehlschüsse“ gibt. All das ist ein relativ aufwendiges Konstrukt unter dem Plattenteller. Den darf man übrigens durchaus etwas argwöhnisch beäugen, denn das dünne Blechdings mit einem unter den Rand geklebten Stück Stromkabel zur Erhöhung des Trägheitsmomentes ist nun kein technisches Highlight. Auch das machen die schon seit Langem so, und sie tun’s noch – es scheint also ohne größere Katastrophen zu funktionieren. Einen ganz feinen Trick gibt’s bei der Drehzahlfeineinstellung: Das geschlitzte Pulley wird von einem Konus mehr oder weniger weit auseinandergetrieben, was zu einer Änderung seines Durchmessers führt. Hört sich seltsam am, tut prima. Ach ja: Der Dual ist ein riemengetriebenes Laufwerk, den Antrieb besorgt ein relativ kurzer Flachriemen, der auf einen Kunststoff-Subteller wirkt. Die Kraft kommt von einem sechzehnpoligen Synchronmotor, der so modernen Kram wie eine Versorgung per Steckernetzteil nicht nötig hat: Hinten aus dem Dual kommt ordnungsgemäß ein Netzkabel. Vorne links kann man zwischen 33 und 45 Umdrehungen umschalten und die Drehzahl fein einstellen – passt. Der Tonarm ist ebenfalls ein sehr klassisches Dual-Design und hat sich solche Unnötigkeiten wie den schon immer schwergängigen Halbzollanschluss mit Überwurfmutter bewahrt. Merke: Wenn’s kein SME-Bajonett ist, dann isses über. Das Armrohr selbst ist ein relativ dünnes Alurohr, das hinten kardanisch geführt wird. Hallo, liebe Audio Technicas, ruft doch mal in St. Georgen an und lasst euch erklären, wie man solche Lager einstellt … aber das nur am Rande. Wir freuen uns über die Möglichkeit, per Federkraft die Skatingkraft zu kompensieren und über die unproblematische Auflagekrafteinstellung per verdrehbarem Gegengewicht. Das Ortofon saß bei unserem Testgerät perfekt justiert im Headshell (übrigens angeblich aus fürchterlich neumodischer und leichter Kohlefaser gefertigt), so dass sich auch Anfänger an eine problemlose Inbetriebnahme machen können. Das Subchassis des 505-4 ist nach wie vor ein solides Blech, auf dem Plattenteller liegt eine dicke und ziemlich steife Filzmatte. Die ist sogar antistatisch vorbehandelt, und in der Tat gibt’s beim Dual erfreulich wenige Probleme mit Knistern beim Musikhören. Und klanglich? Da gibt es sowohl gute als auch weniger gute Nachrichten. Die schlechteste zuerst: Das Ortofon OM10 klingt hier einfach zu dumpf. Das ist bedauerlich, denn ansonsten kann man mit dem Dual durchaus anständig Musik hören. Er hat nicht so viel Dampf wie der Audio Technica AT-LP1240-USP, klingt jedoch eindeutig mehr nach Platte als der DJ-Dreher. Konkret: Die große Trommel auf Tom Jones‘ „What Good Am I“ macht er ganz anständig tief und rund, die Gesangsstimme hat ungefähr die richtige Größe und steht auch ganz prima freigestellt in der Mitte. Nicht, dass ich dafür die diversen Boliden aus diesem Heft in Rente schicken würde, aber der Dual spielt das, was drauf ist auf der Platte. Oder zumindest das Allermeiste davon. Sogar Klavieranschläge kommen mit ganz ordentlich Druck und „zittern“ nicht – damit lässt sich immer ganz schnell feststellen, ob ein Plattenspieler Probleme mit der Geschwindigkeitskonstanz hat. Gerade will ich die Platte wechseln, aber „Did Trouble Me“ lässt mich innehalten. Hey, das geht ganz ordentlich und hat durchaus Emotion. Das Banjo spielt ganz weit rechts draußen, der Fuß wippt. Ich mach mal noch was lauter. Okay, es wird doch noch die ganz Plattenseite, bevor das Esbjörn Svensson Trio dran ist. Und auch hier: Das ist okay. Das Klavier tut nicht weh (okay, fast nicht), die Abbildung ist anständig weit aufgefächert, es klingt durchaus saftig und druckvoll. Viel mehr darf man von einem solchen Gerät sicherlich nicht erwarten. Und wieso sollte man sich dann so einen neu kaufen und nicht vielleicht einen „richtigen“ Dual- oder Thorens-Klassiker gebraucht erstehen? Ganz einfach: Auf den hier gibt’s zwei Jahre Garantie, er ist garantiert nicht verbastelt, die Nadel nicht verschlissen und ich verspreche Ihnen in die Hand, dass das genau so viel Plattenspieler ist, wie man zum Ein- oder Wiedereinstieg braucht. Und beim Tonabnehmer muss man sich ja nicht dauerhaft mit dem Ortofon bescheiden, unter das Headshell passen auch andere Standard-Abtaster. Mir zum Beispiel hat das erschütternd günstige Audio Technica AT-95e deutlich besser gefallen. Abgesehen davon gibt’s noch einen Trick, der nach wie vor Gültigkeit hat: Ohne Haube klingt’s ein bisschen besser. Dank simpler Steckverbindung ist auch das mit einem Handgriff auszuprobieren. Ich will nicht leugnen: Ich mag ihn, diesen Dual. Nicht, weil er großartig klingt, sondern weil er ein so durchdachtes Gesamtkonzept ist und trotz seiner leicht billigen Anmutung in letzter Konsequenz doch ganz ausgezeichnet funktioniert – ein echter Dinosaurier mit unter sechs Kilogramm Gewicht.

Fazit

Auch 33 Jahre nach seinem Erscheinen geht der Dual CS 505-4 noch absolut in Ordnung und verströmt das Flair des goldenen Plattenspieler-Zeitalters. Mit einem besser passenden Tonabnehmer klingt er sogar richtig gut.

Preis: um 550 Euro

Plattenspieler

Dual CS 505-4


09/2012 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Sintron Vertriebs, Iffezheim 
Telefon 07229 182998 
Internet www.sintron-audio.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 440/150/375 
Gewicht (in Kg) 5,7 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 12.09.2012, 15:49 Uhr
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