Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Edwards Audio TT5


Reduce to the Max

Plattenspieler Edwards Audio TT5 im Test, Bild 1
19495

Der Markt für neue Plattenspieler ist in den letzten 10 Jahren wirklich groß geworden, was aber nicht unbedingt für bezahlbare Modelle für den anspruchsvollen Einsteiger gilt. Eine der wenigen erfreulichen Ausnahmen ist Edwards Audio aus England.

Definieren wir doch erst einmal den anspruchsvollen Einsteiger: Darüber, dass die diversen Pseudo-Retro-Plattenspieler im Grammophon-Look aus dem Supermarkt Ihres Vertrauens absoluter Schrott sind, müssen wir uns nicht unterhalten, denke ich. Seriöse Angebote auf dem Neumarkt beginnen im Bereich zwischen 200 und 300 Euro – damit kann man den Grundbedarf decken und wird auch bei namhaften Herstellern durchaus fündig. In der Qualitätsstufe darüber wird es interessant: Hier gibt es für den Laien nicht unbedingt offensichtliche qualitative Abstufungen, bei denen es durchaus passieren kann, dass ein Plattenspieler für 1.000 Euro nicht unbedingt anders aussieht als einer für 300.

Plattenspieler Edwards Audio TT5 im Test, Bild 2Plattenspieler Edwards Audio TT5 im Test, Bild 3Plattenspieler Edwards Audio TT5 im Test, Bild 4Plattenspieler Edwards Audio TT5 im Test, Bild 5


Und hier kommt Edwards Audio ins Spiel, die HiFi-Marke von Talk Electronics, die uns seit einiger Zeit mit Geräten begeistert, die konsequent Maßstäbe in Sachen „Viel HiFi fürs Geld“ setzen. Man macht hier keinen Hehl daraus, dass man vor allem zu Beginn der Fertigung bei den Plattenspielern einige Bauteile aus dem Rega-Sortiment verwendet hat. Das wurde aber schnell weniger und weniger: Inzwischen kommen nahezu alle eingebauten Komponenten aus eigener Entwicklung und Fertigung.

Der letzte große Schritt auf dem Weg zur Eigenständigkeit war die Entwicklung eines eigenen Einpunkt-Tonarms, der nun die beiden „großen“ Laufwerke TT5 und TT6 ziert.

Ein Einpunkt-Tonarm – wie sein Name schon sagt – ist nur in einem Punkt gelagert: In der Regel liegt der zentrale Lagerblock auf einem Dorn – auf einer Lagerpfanne, die möglichst weit oben liegt, damit der weiter unten liegende Masseschwerpunkt den Arm stabilisieren kann. Denn das ist das Hauptproblem aller Einpunktarme: die Stabilisierung der lateralen Balance. Diese Sorge nimmt einem der Edwards A5 sofort: Sein Spiel in beide Richtungen beträgt nur ein paar Millimeter und das Ausbalancieren per dezentral gebohrtem Gegengewicht dauert nur ein paar Augenblicke: Mit einem kleinen Spiegel auf dem Plattenteller checkt man nach der Auflagekraftjustage kurz, ob die Nadel senkrecht steht, dann arretiert man das Gegengewicht – Antiskating einstellen, fertig. Zum Einstandspreis von 699 Euro gehört übrigens kein Tonabnehmer. Auf Wunsch kann aber eine Kombination mit einem der drei Talk-Zephyr-Tonabnehmer geordert werden. Die Systeme stammen von renommierten japanischen Herstellern und sind ihr Geld in jedem Fall wert. Unser Testgerät haben wir mit dem Zephyr C200 geordert, das für einen Aufpreis von knapp 200 Euro das Paket zu einer wirklich runden Sache macht. Bei einer Etat- Grenze von etwas über 1.000 Euro wäre jetzt bei Bedarf sogar noch eine der vorzüglichen Edwards-Phonovorstufen drin: Dann hat man ein analoges Setup, das auch gehobene Ansprüche zufrieden stellt.

Der TT5 hat eine 18 Millimeter starke Zarge aus MDF, die in den drei Farben Rot, Weiß und Schwarz geordert werden kann. Charakteristisch für Edwards Audio ist der ausgeschnittene Bogen in der Front der Zarge, der dem Plattenspieler zusammen mit den angefasten Kanten ein modernes und hochwertiges Aussehen verleiht – so einfach kann hübsches Design manchmal sein.

Nicht selbstverständlich in der noch deutlich dreistelligen Preisklasse ist der Subteller aus gedrehtem Aluminium, auf dem der 11 Millimeter starke Acryl-Teller aufliegt. Die Stahlachse dreht sich auf einer 5 Millimeter durchmessenden Keramikkugel in einer Buchse aus Messing. Der 24-Volt-Synchronmotor ist von der Zarge entkoppelt und treibt den Subteller über einen hauseigenen Gummiriemen an, der Vibrationen vom Teller fernhält. Als Upgrade für alle Laufwerke mit diesem Motor gibt es übrigens eine externe Motorsteuerung, mit der man die Laufruhe des Drehers noch einmal deutlich verbessern kann.

Edwards hat dem TT5 recht massive und weiche Stellfüße spendiert, in denen sich Vibrationen totlaufen. Störungen über Luftschall sind ebenfalls kein Thema: Eine Haube gehört zum Lieferumfang, wenn auch die Scharniere etwas schlicht aussehen. Ich habe den Hörtest nicht auf das eingebaute System beschränkt, sondern mich aus meiner Schublade bedient – vom Einsteiger-MM für schlanke 50 Euro bis hin zum High-End-Tonabnehmer, der deutlich mehr kostet als der ganze Plattenspieler, war letztlich alles dabei. Die gute Nachricht dabei: Der Edwards TT5 ist in der Lage, die Klangunterschiede zwischen allen dieser Tonabnehmer deutlich herauszuarbeiten. Das ist ein gutes Zeichen und zeigt die hohe Grundqualität der Laufwerk-Tonarm-Kombination.

Tendenziell ist ein so leichter „Brettspieler“ in Sachen Basstiefe und -wucht gegenüber schweren Laufwerken im Nachteil. Aber der TT5 schlägt sich mehr als respektabel: Knackige und durchaus tiefe Bässe sorgen für das nötige Fundament, um auch einfach mal Spaß an Popmusik und sogar elektronisch erzeugten Klängen zu haben, die ja in der Regel noch weit tiefer in den Basskeller reichen als Naturinstrumente. Die präzise und detailfreudige Hochtonwiedergabe, kombiniert mit dem ausdrucksstarken Mitteltonbereich sorgt für Freude beim Hören: Das ist einfach eine gute Mischung aus Neutralität und Genauigkeit bei der Wiedergabe, gepaart mit einer gewissen Freude am Musizieren, die der Edwards zu jeder Zeit ausstrahlt.

Dazu kommt, auch schon mit dem Zephyr C200, eine faszinierend lebensechte räumliche Abbildung, die die virtuelle Bühne zwischen, neben, vor und hinter den Lautsprechern im eigenen Hörraum in Weite und Tiefe voll ausnützt und einzelne Musiker zudem klar und deutlich an ihre Positionen setzt. Der TT5 kennt darüber hinaus keine bevorzugte Musikrichtung oder besser gesagt: Er bevorzugt alle Musikrichtungen gleichermaßen, sodass wir eine dicke Kaufempfehlung aussprechen dürfen.

Fazit

Exzellenter und im wahrsten Sinne des Wortes preis-werter Plattenspieler, der für gerade einmal 699 Euro das Tor zur hochwertigen Musikwiedergabe weit aufstößt.

Kategorie: Plattenspieler

Produkt: Edwards Audio TT5

Preis: um 699 Euro


4/2020
4.5 von 5 Sternen

Spitzenklasse
Edwards Audio TT5

Bewertung 
Klang 70%

Labor 15%

Praxis 15%

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb BT Vertrieb, Erkrath 
Telefon 02104 175660 
Internet www.bt-vertrieb.de 
Ausstattung
Abmessungen (B x H x T in mm) 450/105/350 
Gewicht (in Kg) 4,5 kg 
Ausführung Riemenantrieb, Acrylhaube 
Geschwindigkeiten 33 U/min, 45 U/min 
Anschlüsse Cinch 
Kurz und knapp
+ vorzüglicher Klang 
+ kombinierbar mit zahlreichen Tonabnehmern 
Klasse Spitzenklasse 
Preis/Leistung hervorragend 
Neu im Shop

ePaper Jahres-Archive, z.B. LP

>>als Download hier
Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
Kontakt E-Mail
Datum 25.04.2020, 09:57 Uhr
379_21926_2
Topthema: Die ewige Legende
Die_ewige_Legende_1667396535.jpg
Harwood Acoustics LS3/5A

Es gibt Lautsprecher und dann gibt es noch die LS3/5A. Sie spaltet sowohl ihre Hörer, als auch die, die sie gar nicht kennen. Warum das so ist? Nun, dafür muss man sich vor allem anschauen und natürlich hören, was sie kann und nicht, was sie nicht kann.

>> Mehr erfahren
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (deutsch, PDF, 15.77 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 17.12 MB)
kostenloses Probeexemplar Cover Probeexemplar
Jetzt laden (englisch, PDF, 7.96 MB)
Interessante Links:
  • www.hausgeraete-test.de
  • www.heimwerker-test.de
  • hifitest.de/shop/
Allgemeine Händlersuche
Landkarte PLZ0 PLZ1 PLZ2 PLZ3 PLZ4 PLZ5 PLZ6 PLZ7 PLZ8 PLZ9

Klicken Sie auf Ihre PLZ oder wählen Sie ein Land

Händler des Tages