Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Edwards Audio TT6


Auf den Punkt gebracht

Plattenspieler Edwards Audio TT6 im Test, Bild 1
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Edwards Audio, die HiFi-Marke von Talk Electronics, wird nicht müde, sich im Marktsegment für den anspruchsvollen Einsteiger festzusetzen. Mit dem neuen Plattenspieler TT6 hat man defi nitiv ein weiteres heißes Eisen im Feuer

Der TT6 ist das neueste Modell der inzwischen doch recht ansehnlichen Plattenspieler-Serie von Talk Electronics, nach ihrem Entwickler benannt Edwards Audio. Den deutschen Vertrieb hat vor einigen Jahren Stefan Becker vom BT-Hifi - Vertrieb übernommen, der sich mit den Produkten aus England mehr als zufrieden zeigt – zu Recht, wie wir auch schon in einigen Tests bestätigen konnten: Hier gibt es überzeugende Qualität zu einem mehr als fairen Preis. Wie unseren Lesern bekannt ist, stammen einige Baugruppen der Edwards-Audio- Plattenspieler aus dem Rega-Baukasten. Neu beim TT6 ist der Edwards-eigene Einpunkt- Tonarm, der nach einer doch recht langen Entwicklungszeit nun in seiner endgültigen Fassung dem Markt zur Verfügung steht.

Plattenspieler Edwards Audio TT6 im Test, Bild 2Plattenspieler Edwards Audio TT6 im Test, Bild 3Plattenspieler Edwards Audio TT6 im Test, Bild 4Plattenspieler Edwards Audio TT6 im Test, Bild 5Plattenspieler Edwards Audio TT6 im Test, Bild 6Plattenspieler Edwards Audio TT6 im Test, Bild 7Plattenspieler Edwards Audio TT6 im Test, Bild 8Plattenspieler Edwards Audio TT6 im Test, Bild 9
Ein interessantes Detail zur Preisgestaltung: Der Tonarm wird auch als Einzelprodukt verkauft werden, mit einem Verkaufspreis von 800 Euro. Der TT6 mit diesem Arm (allerdings ohne fest montiertes Tonarmkabel) kostet 850 Euro – eine ziemlich knallharte Kalkulation, wenn man mich fragt. Wie bei den etwas höher angesiedelten Edwards-Plattenspielern üblich, gibt es eine hübsch geformte Zarge – die eingefräste Rundung verleiht dem flach bauenden Laufwerk eine ausgesprochen elegante Linie, die durch die matte Beschichtung noch einmal unterstrichen wird. Zur Auswahl stehen drei Farbtöne: Rot, Schwarz und Weiß. Entgegen der ursprünglichen Planung mit einer Zarge aus Multiplex ist man für das fertige Produkt doch wieder auf MDF umgeschwenkt – zum angepeilten Endpreis konnte man mit MPX als Basismaterial keine zufriedenstellende Lack-Qualität anbieten. Die Zarge ist immerhin 25 Millimeter stark, was zum „gewaltigen“ Gesamtgewicht von fünfeinhalb Kilo maßgeblich beiträgt, ebenso wie der ebenfalls von Edwards selbst gefertigte Acrylteller mit einer Stärke von 18 Millimetern. Durch die geringe Masse ist so ein Laufwerk grundsätzlich natürlich empfindlicher gegenüber Vibrationen aller Art, also hat man dem TT6 recht massive und weiche Stellfüße spendiert, in denen sich Vibrationen totlaufen. Störungen über Luftschall sind ebenfalls kein Thema: Eine Haube gehört zum Lieferumfang, allerdings nur mit den Spar-Scharnieren von Rega, die nur in zwei Positionen halten und immer nach einer etwas begrenzten Lebensdauer aussehen. Der TT6 ist ein waschechter „Brettspieler“, das heißt Motor, Tellerlager und Tonarm sind alle auf einer Ebene montiert, was die Gefahr einer Übertragung von Motorvibrationen auf Teile der Signalkette erhöht. Um das zu vermeiden, hat man den Antrieb in einer dämpfenden Halterung eingebaut. Der Antrieb ist inzwischen ein 24-Volt- Gleichstrommotor, der in den kommenden Monaten noch zwei Upgrade-Optionen in Form eines Netzfilters und einer externen Motorsteuerung mit elektronisch wählbaren Geschwindigkeiten erhält. Die Übertragung der Antriebskraft auf den Subteller erfolgt über den „Big Belter“, einen etwas kräftigeren Riemen, der natürlich trotzdem deutlich unspektakulärer aussieht als der schon legendäre „Blue Belter“ von Edwards, der seinen Weg auch auf zahlreiche Rega-Plattenspieler gefunden hat. Die Lagerbuchse inmitten der Zarge besteht aus Messing. Am Lagerboden findet sich eine Keramikkugel, auf der sich die Stahlachse des Subtellers dreht, der hoch präzise aus Aluminium gefertigt wird. Oben auf dem Subteller liegt der eigentliche Acrylteller. Der Tonarm selbst sieht recht harmlos aus, was uns ganz gut gefällt. Der A6 genannte Arm ist das, was der Brite als „No nonsense“ bezeichnen würde, also eine durch und durch pragmatische Konstruktion, die einfach funktioniert. Tatsächlich kann man nach der einmaligen Montage eines Tonabnehmers und Einstellen der Lateralbalance eigentlich auch vergessen, dass man es hier mit einem Einpunkter zu tun hat, so völlig einfach und unkompliziert ist die Bedienung in der Praxis des analogen Alltags. Mit einem der Audio-Technica-VM95-Derivate, die wir kürzlich getestet haben, ging dann der Hörtest los. Je nach verwendeter Nadel spielt der TT 6 von sanft und verhalten bis hin zu hochpräzise und analytisch. Das ist schon einmal gut, verdeckt die Tonarm-Laufwerks-Kombination damit doch nicht die Eigenschaften des verwendeten Tonabnehmers. Timing und Rhythmus passen aber im auf den Punkt – das Laufwerks-Antriebs-Konzept geht also auf, obwohl ja gar nicht so viel bewegte Masse im Spiel ist wie bei einem dicken Masselaufwerk. Ich habe einmal meine neue Lieblingsplatte mit dem Edwards getestet – keine Musik im eigentlichen Sinne, sondern Spoken Word von Kate Tempest, einer britischen Poetin, die, untermalt von minimalen Beats, ihre Texte vorträgt. Diese fast schon hypnotischen Momente bringt der TT6 so charismatisch und überzeugend herüber, dass ich im Hörraum immer wieder Gänsehaut bekommen habe, denn gerade hier kommt es bei aller Stabilität des Metrums auch auf die feinen Nuancen der Stimme an, die bei aller Fragilität auch jede Menge Kraft ausstrahlt. Kleine Anekdote am Rande: Diese Beschreibung einer Stimme habe ich schon einmal zu Papier gebracht, damals ging es um die American Recordings von Johnny Cash mit Rick Rubin auf dem Stuhl des Produzenten – der auch für die neueste Platte von Kate Tempest verantwortlich zeichnet: Der Mann weiß wohl, was er tut. Mit „normaler“ Popmusik tut sich der Edwards Audio leicht: Profunde Bässe und eine gut durchzeichnende Hochtonwiedergabe ergänzen den faszinierenden Mitteltonbereich und lassen das schmächtige Laufwerk deutlich „größer klingen“. Und dann muss auch die natürliche Preisordnung, dem Spieltrieb geschuldet, verlassen und Tonabnehmer montiert werden, die deutlich mehr kosten als der gesamte Plattenspieler, einfach, um zu sehen, wie viel Potenzial in dem günstigen Gerät steckt. Eine Menge, um es kurz zusammenzufassen: Schon mit dem van den Hul The Frog zeigt der Edwards, zu welch hoher Präzision und Größe er in der räumlichen Abbildung fähig ist, während er gleichzeitig gegenüber den ja ungleich günstigeren Audio-Technicas auch in Sachen Fein- und sogar Grobdynamik noch merklich zulegt. Das ist jetzt schon richtig hohe Wiedergabequalität, die auch mit einem dicken Masselaufwerk nicht mehr in allen Teildisziplinen übertroffen werden kann. Klar, im Bass und in der absoluten Stabilität geht da noch mehr, aber der Charme und der musikalische Fluss sind beim TT6 auf einem extrem hohen Niveau – der hübsche kleine Plattenspieler macht einfach eine Menge Spaß!

Fazit

Mit dem neuen Tonarm schnürt Edwards Audio für den fast schon unglaublichen Preis von 850 Euro ein sehr ernst zu nehmendes Plattenspielerpaket!

Preis: um 850 Euro

Plattenspieler

Edwards Audio TT6


09/2019 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb BT Vertrieb, Erkrath 
Telefon 02104 175660 
Internet www.bt-vertrieb.de 
Garantie (in Jahre) k.A. 
Abmessungen 45 x 10,5 x 35 cm (mit Haube) 
Gewicht (in Kg) 5,5 kg 
Unterm Strich ... » Mit dem neuen Tonarm schnürt Edwards Audio für den fast schon unglaublichen Preis von 850 Euro ein sehr ernst zu nehmendes Plattenspielerpaket! 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 27.09.2019, 15:02 Uhr
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