Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Goldnote Pianosa


Goldene Zeiten

Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 1
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Kaum ein Hersteller ist in den letzten Jahren in Sachen Analogtechnik einen so konsequenten Weg gegangen wie Goldnote. Zeit also, endlich einmal eines, nein sogar zwei der Produkte angemessen zu würdigen

Das mit dem „endlich einmal“ ist nicht ganz richtig: Vor etlichen Jahren, ich kann mich noch erinnern, hatte ich einmal ein High-Output-MC-System namens „Boboli“ von einer italienischen Firma namens „Blue Note“ – man hat nämlich neben einer kompletten Umstellung des Produktsortiments meines Wissens nach auch mindestens zweimal den Firmennamen geändert, vermutlich wegen internationaler Namensrechte, was zumindest bei „Blue Note“ ja durchaus nachvollziehbar ist. Wie es auch sei: In den letzten Jahren hat man sich unter der Marke Goldnote einen guten Namen gemacht in der analogen Szene. Vor allem eine Phonostufe der italienischen Manufaktur genießt in gut informierten Kreisen einen exzellenten Ruf.
Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 2Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 3Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 4Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 5Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 6Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 7Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 8Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 9Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 10Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 11Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 12Plattenspieler Goldnote Pianosa im Test, Bild 13
Dennoch wollen wir unseren erneuten Kontakt zu Goldnote gerne mit einem Plattenspieler beginnen lassen – einem Plattenspieler und einem Tonabnehmer, um genau zu sein. Zur Verfügung gestellt hat uns die Probanden der neue Vertrieb für Deutschland, die Firma TAD Audiovertrieb aus dem schönen Aschau am Chiemsee. Und da man dort sehr interessiert daran ist, die neue Marke im Portfolio gut aufzustellen, können wir jetzt schon versprechen, dass es in den nächsten Ausgaben noch den einen oder anderen „italienischen Moment“ geben wird. Ein hoch interessanter Vollverstärker hat sich parallel zu diesem Test schon einmal warmgelaufen, aber wie gesagt – erst in der kommenden Ausgabe. In dieser LP bleiben wir weiter vorne in der analogen Wiedergabekette: Und was kommt dort gleich nach der Schallplatte? Richtig, der Abtaster: Dieser hört auf den schönen Namen Donatello und ist in zwei Versionen verfügbar. Zum einen gibt es, wie schon des Öfteren bei Goldnote gesehen, eine High-Output-Variante mit einer gesunden Ausgangsspannung von 1,8 Millivolt zum Anschluss an MM-Phonovorstufen. Diese Version ist in Rot gehalten. Unser goldenes System ist ein normales MC mit einer nominellen Ausgangsspannung von 0,5 Millivolt und einem Spulenwiderstand von 40 Ohm. Dementsprechend wird das Donatello Gold mit einem Widerstand ab etwa 400 Ohm an der Phonostufe abgeschlossen – der Hersteller empfiehlt den nächstgelegenen Wert in der E12-Reihe von 470 Ohm. Experimente mit etwas niedrigeren oder höheren Werten zur Anpassung der Klangbalance empfehlen sich, wenn sie denn möglich sind. Der Duraluminium-Korpus des Tonabnehmers ist äußerst stabil und doch so leicht ausgeführt, dass das gesamte System auf eine Masse von lediglich 7 Gramm kommt – das Ausbalancieren wird also an aktuellen Tonarmen kein Problem sein, eher schon bei älteren Armen, die für sehr schwere Headshell-Tonabnehmer-Kombinationen ausgelegt sind. Natürlich ist das Ganze am hauseigenen Tonarm kein Thema. Die Kupferspulen bewegen sich im Magnetfeld von Samarium-Kobalt-Magneten. Der Nadelträger ist zweiteilig ausgeführt: In einem Titanröhrchen steckt der eigentliche Nadelträger aus gehärtetem Aluminium, in dem der Abtastdiamant befestigt ist. Den Nadelschliff nennt Goldnote mikroelliptisch – er wurde in Zusammenarbeit mit einem japanischen Zulieferer entwickelt. Das Donatello ist sehr ordentlich verarbeitet, der Nadelträger sitzt absolut gerade. Der Endkundenpreis von 950 Euro erscheint für ein hochwertiges MC-System mehr als fair. Montiert ist das System in einem der beiden hauseigenen Tonarme, dem B-5.1. Diesen würde ich als einen „No-Nonsense“-Arm bezeichnen: So schlicht wie möglich, dafür aber mit hochwertigen Detaillösungen versehen. Da wäre der augenfällige Fingertip, der einer stabilsten auf dem gesamten Markt sein dürfte. Das gerade Armrohr mündet in einer soliden Lagerkonstruktion mit seitlichen Spitzenlagern für die Vertikalbewegung und Kugellagern im Schaft aus Edelstahl für die horizontale Drehbewegung. Balance und Auflagekraft werden mit Edelstahl-Gewichten eingestellt, die auf der Gegenachse verschoben werden müssen. Hier braucht es ein bisschen Fingerspitzengefühl, bis die exakte Auflagekraft getroffen ist – eine Tonarmwaage ist Pflicht. Das Antiskating wird traditionell über einen Reiter auf dem Arm mit einem kleinen Gewicht an einem umgelenkten Faden eingestellt. Der Arm sieht hübsch aus, ist gut verarbeitet und vor allem perfekt gelagert – leichtgängig und ohne Spiel. Montiert ist der Arm auf einem ausgesprochen attraktiven Laufwerk namens Pianosa, dessen Entwicklung noch jüngeren Datums ist. Es handelt sich dabei um eine etwas schlankere Version eines der Spitzenmodelle aus dem Hause Goldnote – technisch nicht anders, nur eben schmaler gebaut. Wir haben die rein schwarze Version zum Test erhalten, es gibt aber auch eine höchst attraktive Variante mit massivem Walnussholz als Unterteil der Zarge, höchst italienisch eben! Aber auch bei der rein schwarzen Zarge kommt man nicht umhin, die wunderbar organisch geschwungene Form des Unterteils zu bewundern, das so nicht nur gut aussieht, sondern auch das Resonanzverhalten der Zarge verbessert. Zwischen dem Unterteil und der eigentlichen Trägerplatte aus lackiertem MDF sitzt noch eine drei Millimeter starke Stahlplatte, die zur recht hohen Masse des flachen Plattenspielers beiträgt: Immerhin 15 Kilogramm schlagen für den Pianosa zu Buche. Hinten an der Zarge sitzen zwei stabile Scharniere, die eine ebenso stabile Haube führen – keine Selbstverständlichkeit und ein mehr als sinnvolles Ausstattungsdetail. Hinten links ist der Synchronmotor mit seinem recht großen Pulley montiert. Dieser wird für eine störungsfreie Kraftübertragung leicht gewölbt ausgeführt, sodass es kein Flattern des Riemens gibt. Angesteuert wird der Motor nicht etwas direkt über die transformierte Wechselspannung aus dem Stromnetz, nein, das Netzteil produziert erst einmal eine saubere Gleichspannung, mit der ein perfektes Sinussignal generiert wird, das dann über einen Verstärker den Motor ansteuert – so machen das auch die ganz großen Laufwerke dieses Planeten. Der Riemen treibt den Kunststoffteller am Außendurchmesser an. Dieser ist aus einer speziellen Kunststoffmischung, die gleichzeitig resonanzarm und steif ist. Die gehärtete Edelstahltellerachse dreht sich reibungsarm in einer Bronzebuchse – auch hier gibt es kein Spiel oder Reibung. Oben auf dem Teller kann man eine Filzmatte verwenden, oder man lässt sie ganz weg, das ist wie immer Geschmackssache. Wie macht sich das Ganze nun im täglichen Betrieb? Nun, der Pianosa profitiert mit seinen Spikefüßen von einem stabilen Untergrund, aber wir gehen einmal davon aus, dass so ein attraktiver Plattenspieler auch liebevoll in Szene gesetzt wird, optisch wie akustisch. Beim Aufsetzen der Nadel fällt als Erstes die hohe Laufruhe auf, die das Laufwerk aufweist: Vom Lager bis zum Antrieb scheint nichts, aber auch gar nichts Nebengeräusche zu produzieren – sehr gut. Dieser Eindruck setzt sich auch bei einsetzendem Musikmaterial fort: Die erreichte Dynamik ist immens hoch – kein Wunder vor so einem stillen Hintergrund. Der Nadelschliff des Donatello tut das Seine dazu: Seine Anfälligkeit für Störgeräusche scheint recht gering zu sein – wie immer mit der Voraussetzung einer sauberen Justage. Überhaupt ist das System eine vorzügliche Ergänzung zum ruhigen Laufwerk: Vor dem tiefschwarzen Hintergrund kann das MC sowohl seine immense Dynamik entfalten, wie auch im feineren Bereich mit Präzision und extrem hoher Auflösung punkten. Fein hingehauchte Pianissimo gelingen ebenso überzeugend wie gemeine dynamische Attacken aus vollem Orchester. Angesichts der erreichten Basstiefe und -wucht kann man schon mal einen nachdenklichen Blick auf den flachen Pianosa werfen und sich ernsthaft fragen, ob es denn wirklich immer die ganz dicken Schlachtschiffe in Sachen Laufwerk sein müssen: Klar bringt das eine oder andere Kilo mehr Masse noch ein Quäntchen mehr Bass, aber in Sachen Ausgewogenheit zwischen ganz tiefen und ganz hohen Tönen, in Sachen Eleganz und Charme und Spaß an der Musik macht der Goldnote- Kombination so schnell keiner was vor.

Fazit

Die Kombination Goldnote Pianosa und Donatello ist eine glückliche: Zu einem mehr als fairen Preis gibt es hier italienische Eleganz, technische Perfektion und einen klanglich durchweg überzeugenden Auftritt – ein gelungener Testeinstieg!

Preis: um 2450 Euro

Plattenspieler

Goldnote Pianosa


03/2019 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb TAD, Aschau 
Telefon 08052 9573273 
Internet www.tad-audiovertrieb.de 
Garantie 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 425/200/360 
Gewicht 15 
Abtaster Donatello Gold 
Garantie 2 Jahre 
Gewicht 7 Gramm 
Ausgangsspannung 0,5 mV 
Innenwiderstand 40 Ohm 
Abschlussimpedanz 470 Ohm 
Compliance 12 μm/mN (Herstellerangabe) 
Auflagekraft 2,0 Gramm (1,8-2,1 Gramm) 
Nadelträger Aluminium-Titan 
Nadelschliff mikroelliptisch 
Korpus Duraluminium 
Unterm Strich... Die Kombination Goldnote Pianosa und Donatello ist eine glückliche: Zu einem mehr als fairen Preis gibt es hier italienische Eleganz, technische Perfektion und einen klanglich durchweg überzeugenden Auftritt – ein gelungener Testeinstieg! 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 04.03.2019, 09:56 Uhr
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