Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Holborne Analog 2


Caliber 2

Plattenspieler Holborne Analog 2 im Test, Bild 1
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Ein Caliber ist ein Begriff aus dem Schweizer Uhrmacherhandwerk und bezeichnet das Herz einer mechanischen Uhr, das Laufwerk sozusagen, das aus der Summe seiner unzähligen Einzelteile eines garantiert: perfekten Gleichlauf

Mitspieler


Phonovorverstärker:

 Quad Twentyfour P
 PS Audio GCPH
 Malvalve Preamp Three Phono

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Verstärker:

 Accustic Arts Power I MK3
 Linn Akurate Kontrol und 2200
 MalValve Preamp Four Line

Lautsprecher:

 Xavian XN250
 Klang + Ton Nada

Zubehör:

 Stromversorgung: PS-Audio
 Phonokabel Musical Wire, Horn Audiophiles
 NF-Kabel: Van den Hul, Musical Wire
 Lautsprecherkabel: Silent Wire
 Racks und Basen: SSC, Tabula Rasa


Gegenspieler


Tonabnehmer:

 Benz Ace SL
 Phase Tech P-3G

Plattenspieler:

 EAT E-Flat
 Transrotor Fat Bob mit SME 3500


Im übertragenen Sinne ist der Analog 2 des Schweizer Herstellers Holborne ein Caliber: Zentrum und schlagendes Herz einer analogen HiFi-Anlage, der unbestechliche Zeitgeber, der für Genauigkeit und Zuverlässigkeit sorgt. Da es bis auf Weiteres keinen Deutschlandvertrieb geben wird, sind die Verkaufspreise in Schweizer Franken angegeben, die dann zum Tageskurs umgerechnet werden. Momentan liegen wir da beim Komplettplattenspieler inklusive Tonarm und System bei knapp 4.900 Euro – wahrlich nicht zu viel, wenn ich mal vorab das Gebotene zusammenfasse. Augenfälligstes Merkmal des Holborne ist sicherlich sein Antriebs-„Riemen“: Eine geklebte Tonbandschlaufe. Ich muss zugeben, dass ich mich mit dieser Thematik bisher nicht allzu sehr auseinandergesetzt habe, wohl aber zumindest mit einem Auge das Engagement einiger Analog- Enthusiasten vor ein paar Jahren verfolgt habe, die ihre Laufwerke auf Bandantrieb umgerüstet haben.

Plattenspieler Holborne Analog 2 im Test, Bild 2Plattenspieler Holborne Analog 2 im Test, Bild 3Plattenspieler Holborne Analog 2 im Test, Bild 4Plattenspieler Holborne Analog 2 im Test, Bild 5Plattenspieler Holborne Analog 2 im Test, Bild 6
Die Sache scheint mit einem bestimmten Motor der Firma Maxon besonders gut zu funktionieren – einem bürstenlosen Gleichstrommotor, der intern mehrphasig arbeitet und sich so sehr präzise ansteuern lässt. Dies ist die unabdingbare Voraussetzung für einen Antriebsriemen, der deutlich weniger Elastizität aufweist als die üblichen Gummi- oder Silikonstränge. Bedenken wegen mangelnder Zugfestigkeit oder Stehvermögen des Bandes muss man nicht haben: Holborne-Chef Meinrad Müller berichtet von Laufwerken, die seit über einem Jahrzehnt konstant mit dem ersten Band arbeiten. Lediglich die Nahtstelle mag direkte Sonneneinstrahlung nicht so gerne – hier kann nach einiger Zeit der Klebestreifen weich werden und sich lösen. Das Band treibt einen 30 Millimeter dicken und drei Kilo schweren klaren Acrylteller an, der lediglich an der Oberseite satiniert wurde und so einen wunderbaren seitlichen Einblick aufs Tellerlager ermöglicht. Dieses ist invertiert ausgeführt: Das Unterteil besteht aus einem Edelstahldorn mit eingelassener Rubinkugel – das Gegenstück ist eine Sinterbronze-Lagerbuchse mit einem Saphirspiegel – ganz in guter Schweizer Uhrmachertradition Das alleine sollte normalerweise schon locker für ein paar Jahrzehnte Dauerbetrieb reichen. Trotzdem: Man hat die Belastung des Lagers durch zwei sich abstoßende Neodymringe noch einmal weiter reduziert, so dass nur noch etwa zehn Prozent des Tellergewichts auf das Lager einwirken. Geschmiert wird mit ein bisschen Fett – ansonsten ist das Lager auf Jahre hinaus wartungsfrei. Motor und Lager sind in einer 50 Millimeter starken MDF-Zarge untergebracht – der Motor leicht gedämpft in einer kombinierten Wippe-Schlitten-Vorrichtung, mit der sich der Bandzug und waagerechte Ausrichtung des Pulleys einstellen lassen. Die dezent und hochwertig lackierte Zarge steht auf höhenverstellbaren Spikes – der Holborne kommt übrigens trotz sparsamer Dämpfungsmaßnahmen schon erstaunlich gut klar, auch wenn er nicht auf speziell vorbereiteten Unterbauten steht, kann aber bei sorgfältiger Aufstellung immer noch etwas zulegen. Kommen wir zum Tonarm: Auch wenn es sich beim Arbeiten mit dem „Dualpivot“ nicht so anfühlt: Zunächst einmal ist der Arm vom Grundprinzip her ein Einpunkter mit einem ebenfalls invertierten Lager mit Wolframspitze. Die Pfanne sitzt etwas tiefer als bei den anderen Vertretern dieser Zunft. Den zu befürchtenden Taumelbewegungen um die Längsachse wirkt das Dual-Pivot-Prinzip entgegen: Um die Lagerspitze herum ist ein hochpräzises Kugellager angebracht, an das sich seitlich eine Walze anlehnt, die mit dem Oberteil des Arms verbunden ist. Durch die asymmetrische seitliche Gewichtsverteilung am Drehpunkt wird die Ruheposition fest definiert – mit der Hand kann man den Dualpivot aber in die andere Richtung kippen. Das Antiskating wird über ein Gewicht mit Hebel realisiert, das den Arm nach außen drückt. Zur Anpassung an Tonabnehmer unterschiedlicher Masse wird dem Tonarm ein ganzes Set verschiedener Antiskating- , Gegengewichte und Headshells beigelegt. Diese Headshells sind im Prinzip Fingerbügel mit Montageplatten unterschiedlicher Masse, die mit einem festen Kröpfungswinkel vorne am Tonarm eingeschraubt werden – lediglich der Überhang ist einstellbar. Der Azimut lässt sich durch Verdrehen der Gesamtkonstruktion einstellen – das mag dem einen oder anderen vor allem angesichts der fehlenden Arretierungsmöglichkeit zu leichtgängig erscheinen, sollte aber im Normalgebrauch kein Problem darstellen. Das Kohlefaser- Armrohr ist von innen bedämpft. Der Tonabnehmer ist ein Benz ACE, dem bei Holborne ein neuer Anzug aus einem hoch dämpfenden Kompositmaterial maßgeschneidert wurde. Das bedeutet noch weniger Resonanzen und eine höhere Masse des Systems – zwei Dinge, die einem Tonabnehmer durchaus guttun. Das Holborne MC I – so der Name des Systems – ist schon ein Klotz geworden, macht sich aber durch den schwarzen Lack und das gelungene Firmenlogo ziemlich gut an jedem Tonarm. Abgesehen von der Summe cleverer Analogtechnik, die im Analog 2 steckt, möchte ich in Richtung der Schweizer noch ein Riesenkompliment aussprechen: Der Holborne ist gerade als Gesamtkonzept ein ausgesprochen hübscher Plattenspieler geworden, der sich auch in musikfreien Stunden extrem gut in jedem Rack oder Wohnzimmer macht. Bei uns ist er quasi direkt aus der Schachtel heraus zum Arbeitsgerät mutiert – das passiert manchmal in der Not, wenn Platten zu rezensieren sind und man einfach einen Plattenspieler braucht. Nun, da er gerade aufgebaut im Fotostudio stand, haben wir den Schweizer gleich einmal in den Hörraum verfrachtet und für unsere Zwecke eingespannt. Was soll ich sagen: Er ist da stehengeblieben, vor, während und nach seinem eigentlichen Hörtest. Weil er einfach funktioniert, wenn man auf den Knopf drückt – und das sogar ganz hervorragend. Die Schweizer Kombination musiziert in sich so geschlossen, dass ich mich manchmal gefragt habe, warum nicht noch mehr Hersteller ein komplettes Setup aus Laufwerk/Tonarm/Tonabnehmer auf diese mehr als gelungene Art und Weise bauen und zusammenstellen. Wir haben natürlich auch andere Systeme an den Dualpivot geschraubt, die in Einzeldisziplinen hie und da noch etwas mehr herausholen konnten – in der Summe hat es tatsächlich am besten mit dem hauseigenen Abtaster funktioniert, der alle Qualitäten eines Benz ACE mitbringt, diese sogar noch etwas besser herausarbeitet und dem Ganzen ein ganzes Stück größere Ruhe und Souveränität einhaucht. Das klingt unten nach deutlich mehr „Hubraum“ als tatsächlich vorhanden: Klar konturierter Bass mit ordentlich Schub und Spaßfaktor. Saubere Mitten, die minimal dunkel timbriert sind und darüber saubere, von Zischen und Klirren komplett befreiten Höhen, die einen unverstellten Blick auf die Musik als solche ermöglichen. Rockmusik geht hervorragend mit dem unscheinbaren Schweizer Setup: Groove, Timing und Grobdynamik sind ebenso vorhanden wie die stoische Ruhe, die erst den stoischen Durchzug heftiger Passagen ermöglicht. Solche Dynamiksprünge gibt es in der klassischen Musik natürlich noch viel mehr und viel extremer, Auch hier behält der Holborne seine Übersicht, ein breit gestaffeltes Orchester behält seine exakte Größe bei Tutti wie in Pianissimo-Passagen, in denen man erst merkt, welche gewaltige Ruhe dem Analog 2 innewohnt. Dass sich vor einem so schwarzen Hintergrund mit dieser disziplinierten, unverfälschten Spielweise auch eine famose Räumlichkeit entfalten kann, versteht sich von selbst – ein der stärksten Disziplinen des Holborne, der sich insgesamt als universell einsetzbarer Plattenspieler mit einem starken Charakter präsentiert. Genug Charakter, um nicht im Mindesten zwischen dem Hörer und der Musik zu stehen.

Fazit

Der Holborne Analog 2 ist etwas Seltenes: Ein durch und durch gelungenes Gesamtkonzept mit für sich genommen schon sehr hochwertigen Komponenten, die in der Summe ein noch viel größeres Ganzes ergeben.

Preis: um 4900 Euro

Holborne Analog 2

03/2012 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Holborne, Buus, Schweiz 
Telefon 0041 618410010 
Internet www.holborne.ch 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 445/350/140 
Gewicht (in Kg) 12 
Varianten/Ausführungen: k.A. 
Unterm Strich... » Der Holborne Analog 2 ist etwas Seltenes: Ein durch und durch gelungenes Gesamtkonzept mit für sich genommen schon sehr hochwertigen Komponenten, die in der Summe ein noch viel größeres Ganzes ergeben. 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 27.03.2012, 12:40 Uhr
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