Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Oracle Origine


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Plattenspieler Oracle Origine im Test, Bild 1
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Sich selbst neu zu erfinden, ist nicht so leicht, wenn das Wohl und Wehe eines Unternehmens seit Jahrzehnten nur von einem einzigen Produkt abhängig ist. Der kanadiche Hersteller Oracle Audio hat‘s trotzdem versucht.

Ja, klar, der Delphi. Was sonst. „Oracle“ und „Delphi“ sind zwei untrennbar miteinander verbundene Begriffe und trotz zahlreicher Versuche hat‘s nie so richtig geklappt, eine erfolgreiche Produktlinie abseits des einmalig gestylten Vorzeigeplattenspielers zu etablieren. Mit dem „Origine“ unternimmt Oracle erneut den Versuch, ein bezahlbares Gerät am Markt zu etablieren, und ging dabei durchaus kreativ und zielstrebig vor – ohne Anleihen beim Delphi völlig zu vermeiden. Oracle Audio ist ein in der kanadischen Provinz Quebec ansässiges Unternehmen, das seit 1979 mit viel Leidenschaft Geräte zu Musikreproduktiion fertigt. Der Bruder des Firmengründers Marcel Riendeau, Jacques Riendeau, zeichnet bis zum heutigen Tag für die Geräteentwicklung verantwortlich.

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Der Delphi war das erste Gerät der Firma und wird bis zum heutigen Tag weiterentwickelt, kostet aber mittlerweile einen fünfstelligen Eurobetrag. Der Origine sieht zwar nicht ganz so schnieke aus wie der große Bruder, kostet dafür aber auch „nur“ zweifünf. Mit Tonarm. Die Grundform des Delphi ist durchaus wiedezuerkennen, wenn man genauer hinsieht: Die drei charakteristischen „Federtürme“ sind beim Origine ebenfalls vorhanden, sie sind nur deutlich flacher ausgefallen, das gesamt Gerät ragt nicht so hoch auf wie der Delphi. Unser Origine ist in schlichtem Schwarz gehalten, aber das muss nicht so sein: Standardmäßig gibt es auch noch eine weiße Ausführung. Doch damit nicht genug des Farbenspiels: Zwischen den zwei Kunststofflagen, die die Basis des Laufwerks bilden, ist eine Lage farbig-transparentes Acryl eingefügt – bei unserem Gerät sind‘s sogar drei Lagen. Bei unserem Testmuster gibt‘s zwei dünne Lagen in dezentem Blau mit einer schwarzen „Sperrschicht“, andere Varianten sind lieferbar. Das hat natürlich nicht nur optische, sondern hauptsächlich akustische Gründe: Der Kunststoff-Sandwich ist eine hoch dämpfende Angelegenheit, was der Hersteller an dieser Stelle ausdrücklich wünscht. Die „Inlays“ kann der Anwender übrigens selbst wechseln, wenn ihm mal der Sinn nach einer anderen Farbgebung stehen sollte. Eine eingebaute Beleuchtung gibt‘s nicht wer den farbigen Streifen in der Laufwerksbasis leuchten sehen will, der muss zu externen Lichtquellen greifen. Ich bin mir fast sicher, dass man im links ganz dicht an der Zarge stehenden Motorblock eine passend abstrahlende Leuchtdiode integrieren könnte, wenn man das wollte. Da wäre nämlich Spannung vorhanden, im Rest des Plattenspielers nicht. Nur mal so als Anregung in Richtung Kanada. Die drei Füße entkoppeln das Chassis vom Untergrund. Zwar nicht so komfortabel wie beim Delphi, aber sicherlich ausreichend. Eine Höhenverstellung gibt‘s auch, so dass man den Origine problemlos „ins Wasser“ bringen kann. Mittig ist das Tellerlager eingelassen; Genaueres zur Lagerhülse kann ich nicht sagen. Unten aus dem Teller ragt eine Stahlachse mit angeschlieffenem Radius – das macht man heute so. Der Teller besteht aus dem allgegenwärtigen Delrin (POM) mit all seinen an dieser Stelle wünschenswerten Eigenschaften. Das Lager ist leichtgängig, extrem geräuscharm und scheint über alle Zweifel erhaben. Angetrieben wird der Plattenteller über einen recht harten Flachriemen an seiner Außenseite, der Motor steht, wie erwähnt, links. Es handelt sich um einen klassischen Synchronmotor, der aus einem schweren Steckernetzteil mit Trafo versorgt wird. Klar – moderne Schaltnetzteile liefern eine Gleichspannung, damit funktioniert ein Synchronmotor nicht. Der Antrieb ist mucksmäuschenstill, man hört ihn auch nachts beim ganz leisen Musikhören nicht. Eine Drehzahlsteuerung gibt es nicht, wer 45er-Platten hören will, der muss den Riemen von Hand auf die größere Riemenscheibe bemühen. Kunststoff ist das dominierende „Baumaterial“ beim Origine, vielerorts fällt eine fein verrippte Oberfläche der Teile auf. Der Grund dafür ist einfach: Die Teile werden per 3D-Druck produziert, mit dem mit vernünftigen Aufwand keine perfekt glatte Oberfläche zu machen ist. Dafür gibt‘s die Möglichkeit, ohne allzu großen maschinellen Aufwand Teile in fast beliebiger Form zu generieren. Bei Tonarmen kennen wir das schon länger, bei Laufwerken sehe ich so etwas zum ersten Mal. Eigentlich unverständlich, die Technik ist heutzutage weit verbreitet. Der Origine trägt einen eigenen Tonarm, der sinnigerweise „Origine Tonearm“ heißt. Dabei handelt es sich um eine Einpunktkonstruktion mit neun Zoll langem Armrohr, dessen Material ich nicht entschlüsseln kann – jedenfalls ist‘s eine akustisch ziemlich tote Angelegenheit. Hinten sorgt ein tief hängendes Gewicht für die notwendige Stabilität, eine Dämpfungsvorrichtung scheint mir nicht vorgesehen zu sein. Das eigentlich Gegengewicht ist auf einen genau auf Höhe der Nadelspitze eingelassenen Gewindebolzen geschraubt, was dem Arm zumindest in einer Ebene kräfteneutral macht. Vorne ist ein recht zierliches Headshell montiert. Eine Besonderheit des Arms ist das verschiebbare, „Olive“ getaufte Gewicht auf dem Armrohr. Es ermöglicht die Änderung der effektiven Masse des Tonarms. Wer damit spielen will, dem sei eine Messplatte empfohlen, mit dem sich die Arm-/ Systemresonanz ermitteln lässt. Für gängige Tonabnehmer hat sich gezeigt, dass eine Position der Olive kurz vor der Mitte des Rohres (also näher zum Headshell hin) gut passt, damit sind übliche Abtaster auch noch gut ausbalancierbar. Mitgeliefert wurde ein Ortofon 2M Blue, das farblich ausgezeichnet zur blauen Acryleinlage passt. Ausgerechnet dafür empfiehlt es sich, den Arm etwas leichter einzustellen. Das MM spielt schön leicht und flüssig, der Origine hat aber mehr verdient: Mit einem Denon DL-13R unter dem Headshell mutiert das Gerät zum Muskelmann, der mit reichlich Substanz und Schubkraft glänzt. Paul Wellers neues Album „A Kind Revolution“ differenziert der Oracle wunderbar aus und stellt die diversen tieftonalen Spielereien völlig ansatzlos und unagestrengt in den Raum. Anschließend durfte mal wieder die 45er-MFSL-Ausgabe von Rickie Lee Jones‘ unsterblichem Erstlingswerk aus dem Regal, auch das war deutlich hörbar etwas für den Oracle: Bestens kontrolliert und ohne Anflüge von Schärfe ging der Kanadier mit der schwierigen Stimme um, auch hier fiel die zwar nicht riesige, aber fein ziselierte Raumdarstellung auf. Sie suchen einen etwas anderen Plattenspieler für alle Lebenslagen? Das hier könnte er sein!

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Fazit

Oracles neue Einstiegsofferte ist eine Wucht, konstruktiv wie klanglich: Das Gerät verbindet Substanz und Kontrolle meisterlich und empfiehlt sich auch für anspruchsvollere Tonabnehmer.

Preis: um 2500 Euro

Plattenspieler

Oracle Origine


10/2017 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Ibex Audio, Heidenheim 
Telefon 07321 25490 
Internet www.ibex-audio.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 483/127/356 
Gewicht (in Kg) ca. 8 kg 
Unterm Strich... Oracles neue Einstiegsofferte ist eine Wucht, konstruktiv wie klanglich: Das Gerät verbindet Substanz und Kontrolle meisterlich und empfiehlt sich auch für anspruchsvollere Tonabnehmer. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 28.10.2017, 10:02 Uhr
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