Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: Takumi Level 1.1


Verlockend

Plattenspieler Takumi Level 1.1 im Test, Bild 1
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In den vergangenen Jahrzehnten sind so einige Plattenspieler durch meine Hände gegangen, aber was die Takumi-Dreher aus den Niederlanden für ihr Geld können, ist außergewöhnlich. Kann der Kleine das Niveau des Takumi Level 2.1 halten?

Vergangenes Jahr bekam ich vom DreiHVertrieb aus Hamburg eine ominöse Ankündigung über ein neues Produkt. Es dauerte dann eine ganze Weile, bis es sich materialisierte und ich schließlich Rik Stoet und mit ihm seinen Takumi Level 2.1 Plattenspieler kennenlernte. Seither habe ich auch über seine ausgezeichneten Tonabnehmer geschrieben und freue mich nun auf sein Einstiegslaufwerk Takumi Level 1.1. Doch was bedeutet eigentlich Takumi, wenn die Plattenspieler doch aus den Niederlanden kommen und in China gefertigt werden? Nun das ist so eine typisch japanische Art, sich sehr profund in eine Sache zu vertiefen, um ein besonderes Verständnis ihrer Natur zu erlangen. Genau das ist die Arbeitsweise des Takumi Firmenchefs Rik Stoet: Sich wirklich sehr genau und lange mit etwas zu beschäftigen, weshalb er eben diesen Firmennamen gewählt hat.

Plattenspieler Takumi Level 1.1 im Test, Bild 2Plattenspieler Takumi Level 1.1 im Test, Bild 3Plattenspieler Takumi Level 1.1 im Test, Bild 4Plattenspieler Takumi Level 1.1 im Test, Bild 5
Die Takumi-Firmengeschichte habe ich in meinem Bericht über den Takumi Level 2.1 in der LP 2/26 ausführlich beleuchtet, vielleicht mögen Sie sie dort nachlesen. Nur so viel: Rik Stoet entwickelt alle Produkte mit einem kleinen Team in den Niederlanden. Gebaut werden sie dann von einem sehr guten chinesischen Betrieb, mit dem ihn eine lange Beziehung verbindet. Vieles am Takumi-System – ich nenne das so, weil sich alle drei Plattenspieler diese Features teilen – ist in Jahrzehnten – Takumi eben – entstanden. Rik Stoet ist kein Newcomer, er hat schon einmal einen Plattenspieler gefertigt, dazu Prototypen und Sonderanfertigungen und ist als Händler mit so ziemlich jeder Lösung vertraut und hat daraus sein Amalgam namens Takumi generiert.

Der Tonarm


Plattenspieler Takumi Level 1.1 im Test, Bild 5
Das sehr präzise gefertigte Pulley lässt nur eine Art Vorschaublick auf den Star des Ganzen zu: den Tonarm
Ganz entscheidend für die Qualität der Takumi Plattenspieler ist sein Tonarm. Die gute Nachricht ist, dass auf dem Takumi Level 1.1 derselbe Tonarm wie auf den größeren Modellen arbeitet, da kann schon einmal nichts mehr schief gehen. Der Takumi-Tonarm erinnert den Kenner nicht nur flüchtig an die Breuer- und späteren Brinkmann-Arme und baut konstruktiv darauf auf. Wie genau, habe ich nicht herausgefunden, Rik Stoet wollte sich dazu auch nicht äußern. Jedenfalls geht der Arm mit seinem dünnen Tonarmrohr aus Titan durchaus eigene Wege. Durch diese Materialwahl kann er unbedämpft bleiben, ohne dass die montierten Tonabnehmer ernste Resonanzprobleme bekämen. Das Headshell besteht aus Aluminium und ist fest mit dem Titanarmrohr verklebt. Das ist gut und schlau gemacht, denn ein cleverer Materialmix sowie unterschiedliche Verarbeitungstechniken helfen bei der Resonanzableitung. Die horizontalen und vertikalen kardanischen Lager sind nicht extrem spezifiziert, gute Standardware also wie mir Stoet verriet. Da er gesteigerten Wert auf ein geringes Losbrechmoment legt, sind ihm genau diese Lager nach langen Hörversuchen als ideal erschienen. Man sollte sie aber nicht zu fest einstellen bzw. diese Aufgabe am besten dem Vertrieb oder einem kundigen Händler überlassen, wenn das Lagerspiel nicht schon ab Werk stimmt. Und dann versteht man schnell, warum dieser Tonarm ein seltener Glücksfall ist. Als ich den Takumi Level 2.1 auf den Süddeutschen HiFi-Tagen am Stand von Thomas Fast zum ersten Mal gesehen habe, erzählte der mir begeistert, dass er ein Lyra Delos montiert habe und das unverschämt gut damit klänge. Ein Delos? Das hat meine Aufmerksamkeit erregt, denn ich habe auch eines und weiß, dass es einen Tonarm braucht, der in der Lage ist, die von ihm abgeleiteten Resonanzen effektiv zum Verschwinden zu bringen. Wenn also Thomas Fast, der Importeur von Lyra und Herr eines ganzen Arsenals von Spitzentonarmen das sagt, hört man besser hin. Der Arm hat eine effektive Masse von 15 Gramm, ist also mittelschwer und qualifiziert sich dadurch für sehr viele Tonabnehmer. Das feste Tonarmkabel ist für alle Modelle dasselbe.

Gemeinsam und doch anders


Rik Stoet meinte auf Nachfrage, dass bis auf den Tonarm, das Kabel und die Haube alles zumindest ein wenig anders sei: „Am Ende kommt der 1.1 dem 2.1 sehr nahe, aber bis auf den Tonarm und die Haube ist alles etwas einfacher ausgeführt. Wir hätten ihn noch weiter vereinfachen und damit günstiger machen können, aber nicht ohne deutliche Abstriche beim Klangcharakter zu machen.“

Plattenspieler Takumi Level 1.1 im Test, Bild 3
So sieht der Takumi Level 1.1 schon ziemlich cool aus, finden Sie nicht? Transparentes Acryl und dann der grüne Tonabnehmer machen auch optisch Freude
Schauen wir uns das an. Das Lager ist wie beim 2.1 alles andere als Standard: Eine Keramikspindel dreht sich gut geölt in einer Messingbuchse auf einer Edelstahlkugel. Das ist clever, denn Keramik ist härter als Edelstahl und kann somit nicht von der Kugel verformt werden. Neu beim 1.1 ist ein Gimmick, der den schlauen Resonanzkniff bei Teller und Subteller sozusagen auf die Spitze treibt. Zuvor darf ich noch einmal Rik Stoet von seiner Website zitieren. Ein Kommentar, der mich schon bei der Recherche zum größeren Level 2.1 begeistert hat: „Vinyl auf einem Plattenspieler abzuspielen gleich einem physikalischen Wunder. Dabei dreht sich alles um Vibrationen.“ Das entspricht genau dem, was ich über die analoge Erfahrung denke. Haben Sie schon einmal ein Makrovideo einer Abtastnadel in der Rille gesehen? Das sieht aus, als pflügte man durch eine Ackerfurche. Wie absurd es doch ist, dass wir mit so einer Technologie berührend Musik genießen können. Um das möglich zu machen, braucht es eben eine Form von Vibrationskontrolle. Wie man die hinbekommt, ist Ansichtssache. Fakt ist, dass die Vibrationen aus dem System Schallplattenabtastung hinaus müssen.
Plattenspieler Takumi Level 1.1 im Test, Bild 2
Der Antrieb mit Subteller. Die roten Transportschrauben müssen natürlich im Betrieb weg und die schwarzen Nupsis entkoppeln den Haupt- vom Subteller
Riks Lösung entspringt, wie erwähnt, seiner takumiartigen Beschäftigung damit. Der Alusubteller mit seiner Keramikspindel unten hat oben drei kleine Gummipuffer, auf denen der leichte Acrylplattenteller aufsitzt. Der wird gedreht, was eher aufwendiger ist, aber für einen besseren Rundlauf und eine gleichmäßige Auflagefläche sorgt. Matten empfiehlt Stoet nicht, sie verschöben das Resonanzspektrum, also rauf mit dem Vinyl aufs Acryl und mit der leichten „Klemme“ beschwert, gut ist’s. Nun kommt der Gimmick. Der Acrylteller wird wie gehabt mithilfe eines O-Rings unter dem Mittelloch vom Lager entkoppelt. Stoet hat sich für den 1.1 einen herausnehmbaren Mitteldorn für die deutlich dünnere, obere Edelstahlspindel einfallen lassen. Ist die Platte zentriert, kann man den Dorn davon abziehen wodurch die Platte keinerlei Kontakt mehr mit dem Lager hat. Ist das mehr als ein Gimmick? Nun, die Idee mag verführerisch klingen, aber ich habe klanglich keinen Unterschied ausmachen können.

Echte Unterschiede


Bleiben wir beim Teller, der wie erwähnt genau so gedreht wird wie beim 2.1, aber deutlich dünner ist und zwar um 10mm. Ebenfalls dünner und leichter sind Subteller und Zarge. Die drei entkoppelten Standfüße sind nicht wie beim 2.1 höhenverstellbar, der 1.1 muss also aufmerksam ins Wasser gestellt werden. Der größte Unterschied zum 2.1 ist der Antrieb. Im 1.1 werkelt ein 12 Volt AC- statt eines DC-Motors, ohne Speed Pod und Hall Sensoren. Die Steuerung ist dieselbe wie beim 2.1 und dazu noch einmal Rik Stoet: „Wir verwenden jedoch ein Gleichstromnetzteil und erzeugen daraus eine neue Wechselstromwelle, um den Motor anzutreiben. Das System ist somit unabhängig von Netzspannung und Netzfrequenz.“ Der Motor wird für Takumi in China gebaut. Die Drehzahlumschaltung erfolgt elektronisch und der sauber gefertigte Motorpulley läuft präzise und leise. Der Antrieb hat vielleicht nicht dieselbe Kraft wie der des 2.1, ist dafür aber etwas ruhiger und kaum schlechter.

Klang


Der Vertrieb hatte mit dem Kuro den zweitkleinsten Takumi-MC-Tonabnehmer vormontiert. Die Kombination kam mir, anders als bei meinem Tonabnehmervergleich, wo mir das größere Shiro deutlich besser gefiel, nahezu ideal vor. Das ist der Vorteil, wenn man nicht direkt vergleicht und die Grundqualität einfach stimmt. Und auch dieser Dreher klingt so lässig, wie ich es von seinem größeren Bruder gewohnt bin. Die Montgomery Brothers swingen ganz unaufgeregt, sehr geschlossen, extrem stimmig. Der 1.1 mag nicht ganz den Drive des 2.1 haben, aber absolut gesehen klingt er hervorragend. Selten habe ich Robert Wyatt auf „Dondestan“ so realistisch vor mir gesehen. Der Mann sitzt ja fast sein ganzes Erwachsenenleben über im Rollstuhl und genau so erscheint er hier vor mir. Dazu packt mich eine Art hyperrealistisches Klavierspiel und die wie aus dem Nichts ertönende Mundharmonika – herrlich. Und als Wyatt überraschenderweise auch noch pfeift, dachte, es stünde jemand an der Tür: ja, das kann so ein Plattenspieler. Besonders gut gefällt mir auch die fantastisch aufgenommene Pablo-Einspielung „The Alternate Blues“ von den Trompetern Clark Terry, Freddie Hubbard und Dizzy Gillespie mit dem Oscar Peterson Trio und Joe Pass. Gleich im Opener erscheint Clark Terrys gestopfte Trompete vor einem, wie man so schön sagt, tiefschwarzen Hintergrund mitten im Raum und zeigt sofort, wo der Trompetenhammer hängt. Gleich danach strahlt Freddie Hubbards breiter wunderschöner Ton, bevor die Rhythmusgruppe einsteigt. Das klingt einfach nur authentisch und saftig und zaubert mir ein fettes Grinsen ins Gesicht. Als ich Beethovens Violinkonzert von Jascha Heifetz im 45-er Edelumschnitt höre, kann ich schließlich nur darüber staunen, wie seidig und gerade in den höchsten Tönen unangestrengt und toll aufgelöst der 1.1 mit dem Kuro klingt. So etwas gelingt wahrlich nicht jeder Tonarm-Tonabnehmer-Kombination ganz unabhängig vom Preis. Der Takumi Level 1.1 kann es einfach.

Fazit

Takumi ist es gelungen, das bereits puristische Konzept des Level 2.1 weiter herunter zu skalieren und dabei klanglich praktisch keine Kompromisse einzugehen. So kann der Takumi Level 1.1 ein voller Erfolg werden.

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Kategorie: Plattenspieler

Produkt: Takumi Level 1.1

Preis: um 1300 Euro(MC-Tonabnehmer Takumi Kuro: 849 Euro)

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7/2026
5.0 von 5 Sternen

Spitzenklasse
Takumi Level 1.1

7/2026

Takumi Level 1.1
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Bewertung 
Klang 70%

5 von 5 Sternen

Labor 15%

5 von 5 Sternen

Praxis 15%

5 von 5 Sternen

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb 3H, Hamburg 
Telefon 040 37507515 
Internet www.3-h.de 
Ausstattung
Prinzip Riemenantrieb 
Abmessungen (B x H x T in mm) 430/145/330 
Gewicht (in Kg) 6,5 kg 
Garantie (in Jahre): 2 Jahre 
+ cooles Design 
+ extrem guter Tonarm 
+/- +sehr attraktives Gesamtpaket 
Klasse Spitzenklasse 
Preis/Leistung hervorragend 
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Autor Christian Bayer
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Datum 15.07.2026, 14:14 Uhr
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