Kategorie: Plattenspieler

Einzeltest: VPI Player


Familiensache

Plattenspieler VPI Player im Test, Bild 1
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Stillstand gibt es nicht im Unternehmen der Familie Weisfeld. Doch wo platziert sich ihr neuer VPI-(Komplett)-Player innerhalb des großen Analoguniversums?

VPI ist eine der traditionsreichsten Firmen unserer Analogwelt und deshalb passt es gut, dass ihre Produkte seit kurzem im Vertrieb von Audio Reference in Hamburg sind. Denn in diesem traditionsreichen Vertrieb hat Lorenzo, der Sohn von Firmengründer Mansour Mamaghani, die Betreuung von VPI übernommen. Und auch die 1978 von Harry und Sheila Weisfeld gegründeten VPI Industries sind nach wie vor ein Familienunternehmen. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass es in den USA Generationen von Analoghörern innerhalb einer Familie gibt, die mit einem kleinen VPI Plattenspieler ihre musikalische Lebensreise begonnen haben, um sich dann über die Jahre den größeren Drehern aus dem VPI-Portfolio zuzuwenden. Die „Kleinen“ wurden dann dem Sohn oder der Tochter überlassen, ähnlich wie das bei uns mit Dual oder Thorens der Fall gewesen ist.

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Und das führt mich zum Einstieg in die VPI-Welt, passend „Player“ genannt, denn der will nur eins: spielen. Doch damit ist er natürlich nicht alleine auf dem inzwischen wieder richtig großen Plattenspielermarkt. Dann schauen wir mal, was er so bietet und wie er sich da positioniert. Seit einigen Jahren führt Mat Weisfeld als Präsident zusammen mit seinem Vater Harry VPI. Er bewahrt die Tradition, bringt aber natürlich auch eigene Ideen ins Angebot und dazu gehört auch der Player, der mindestens an einer Stelle mit der Tradition bricht. Denn der Player verfügt als erste VPI-Komplettlösung überhaupt sowohl über einen Phonovorverstärker, als auch einen regelbaren Kopfhörerverstärker sowie einen vormontierten Tonabnehmer. Insofern ist er doch ein Gerät für Aussteiger, die einfach nur Schallplatten hören wollen und den Upgradegott einen guten Mann sein lassen wollen. 2000 Euro sind schon eine Ansage. 

Schaut man sich aber die direkte US-Konkurrenz zum Beispiel von MoFi an, passt die Kalkulation. Denn für das MoFi StudioDeck mit vergleichbaren System und seiner externen, aber auch kompakten MoFi UltraPhono-Vorstufe mit Kopfhörerverstärker wird ein ähnlicher Preis aufgerufen. Ich hatte den „Traditionsbruch“ erwähnt und auch wenn ich kein intimer VPI-Kenner bin, gehörte nach meinem Verständnis auf einen VPI ein Einpunktarm. Der Player hingegen bekam einen klassisch anmutenden Stahlarm mit kardanischer Lagerung spendiert, der allerdings einen guten, stabilen und gleichzeitig leichtgängigen Eindruck macht. Vielleicht dachte man sich in New Jersey, wo die VPI-Geräte entstehen, es sei für einen Einsteigerplattenspieler wie den Player angebrachter, keinen Einpunkter zu verbauen, der dann doch etwas mehr Feingefühl verlangt. Schaut man aber auf die VPI-Seite finden sich dort Upgrade-Optionen und darunter tatsächlich auch der bewährte JMW-9-Einpunkt-Tonarm. Aber schauen wir uns den Player-Tonarm einmal genauer an. Mit seinen knapp 241mm effektiver Länge ist er länger als die meist verbauten 9 Zoll Arme. Das verringert Spurfehlwinkel und Verzerrungen und was in diesem Zusammenhang von Bedeutung ist: durch die geringere Kröpfung wird das Skating geringer, was VPI in die Karten spielt, denn man steht Antiskating reserviert gegenüber und hat es beim Player weg gelassen. Das geschlossene, invertierte Lager mit seiner starken, gehärteten Stahlachse macht einen ausgezeichneten Eindruck. Es dreht stabil, geschmeidig und ruhig. Auf seiner Spitze dreht eine Stahlkugel, gehalten von einer Messinglagerbuchse, die fest mit dem Teller verpresst ist.  

Der Plattenteller des VPI Player wird aus massivem Aluminium gedreht, ist gut drei Kilo schwer und verfügt über elegant wirkende, praktische Laufrillen in denen der Riemen arbeitet. Innen bekam er in der ausgedrehten Mitte eine Peek-Scheibe spendiert, die Resonanzen bedämpfen soll. Und dort auf der Oberseite findet sich die obligatorische Vertiefung, wo das Plattenlabel aufliegt. Der kleine 24 Volt-Synchronmotor tut, was er tun muss, er bringt den Teller sauber auf Touren, das Pulley arbeitet nicht ganz geräuscharm, was man aber nur in der Nähe des Player wirklich hört, die Abtastung selbst ist leise. Die Zarge wird aus MDF gefertigt, das mit Vinyl überzogen wird; man kann sie auch in Holzoptik bekommen. Einfache, höhenverstellbare Füße bringen den Dreher schnell ins Wasser und auch sonst ist bis auf den Riemen alles so vormontiert, dass man das Gerät frisch aus dem Karton in wenigen Minuten aufgebaut und spielbereit71 hat. Einzustellen gibt es also erst einmal nichts, es sei denn man möchte seinen eigenen Phonovorverstärker nutzen oder den Tonarmazimuth bzw. seine Höhe verstellen. Dazu müsste man das Gerät dann auf den Kopf drehen und von unten Zugang zu den Mechanismen suchen. Das ist aber erst einmal nicht erforderlich, denn das eingebaute Audio Technica AT VM 95E ist ein gutes System und kann mit Einschüben bis hin zur scharfen Shibata-Nadel sehr weit aufgewertet werden. Den VPI Player nimmt man also am besten, so wie er ist.  

Auf der Hauptplatine haben die Motorsteuerung und die Phonostufe Platz gefunden, der Kopfhörerverstärker bekam eine eigene. Alles ist technisch sauber ausgeführt, nur wirkungsgradschwächere Kopfhörer sollte man nicht verwenden, sonst wird´s einfach zu leise. Ansonsten ist die Lösung mit dem integrierten, regelbaren Kopfhörerverstärker auf der Vorderseite praktisch, geradezu ideal für Plattenrezensenten oder späte Hörsessions in einem geräuschempfindlichen Umfeld. Das eingebaute Audio Technica AT-VM 95E ist fürs Geld genial und spielt ausgesprochen gut mit dem Player- Tonarm und der Phonoplatine zusammen. Aus meiner Sicht besteht da erst einmal wirklich keine Notwendigkeit aufzurüsten, auch wenn man natürlich mit dem ML- oder SH- Nadeleinschub einen deutlichen Klangsprung machen kann. In der so ausgelieferten Kombination tönt der elliptische Basiseinschub stimmig und erstaunlich geschmeidig, sicher ein Verdienst des Tonarms, der seinen Einpunktkollegen schnell vergessen macht.  

Dexter Gordons legendäre Album „Go“ ist einer der größten Klassiker des Blue Note Katalogs und des Hard Bop Jazz überhaupt. Den Opener „Cheese Cake“ wird man, einmal gehört, nicht mehr vergessen. Wie groß, wie melodisch, wie wunderbar ausgeformt Gordon mit seinem Tenorsaxofon hier eine Geschichte erzählt, weiß der Player 1a wieder zu geben. Aber auch mit Abbas „Voyage“ macht er eine gute Figur und das ist alles andere als selbstverständlich, denn die Scheibe ist wahrlich kein audiophiles Vergnügen. Doch das macht Spaß, auch mit den nicht gerade einfach abzubildenden Arrangements von Abbas Mastermind Benny Andersson. Hier erstaunt mich der VPI Player wirklich, denn wie sein Tonarm da so ungerührt mit dem ohrenfällig besonders gut passenden Übereinstiegstonabnehmer von Audio Technica alle Hürden meistert, darunter üppige Bassimpulse und fette Tutti, wenn ich das so sagen darf, hätte ich nicht erwartet. Und dann verleiht er den berühmten Stimmen von Agnetha und Anni-Frid auch noch ein wenig mehr Wärme und Schmelz, als das diese volldigitalisierte Produktion je vorgesehen hatte: sehr schön. Mit „Trialogue“, dem zweiten Album der Schweizer rosset meyer geiger entwickelt der Player mit diesem wunderbar modernen Klaviertrio einen süffigen Spielfluss mit erstaunlicher räumlicher Abbildung in allen Dimensionen.

Fazit

VPI bringt mit dem Player einen Plattenspieler an den Start, der alles hat, was man zum gepflegten Schallplattenhören braucht. Fürs unkomplizierte Plattenhören eine sichere Bank.

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Kategorie: Plattenspieler

Produkt: VPI Player

Preis: um 2000 Euro

Ganze Bewertung anzeigen


3/2022
4.5 von 5 Sternen

Referenzklasse
VPI Player

Bewertung 
Klang 70%

4 von 5 Sternen

Labor 15%

5 von 5 Sternen

Praxis 15%

4 von 5 Sternen

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio Reference, Hamburg 
Telefon 040-53320359 
Internet www.audio-reference.de 
Ausstattung
Abmessungen (B x H x T in mm) 470/109/343 
Gewicht (in Kg) 5,9 Kg 
Garantie (in Jahre): 2 Jahre 
Chassis 3,175 cm mit Vinyl überzogenes MDF, antiresonanzbehandelt 
Motor: 24 Volt Synchronmotor 
Tonarm Stahlrohr, bedämpft; 240,7 mm effektive Länge 
Besonderheiten eingebaute MM-Phonovorstufe; eingebauter, regelbarer Kopfhörerverstärker 
Kurz und knapp
+ guter Klang 
+ Phonovorstufe 
+/- + Kopfhöreranschluss 
Klasse Referenzklasse 
Preis/Leistung gut - sehr gut 
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Christian Bayer
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