Kategorie: Röhrenverstärker

Einzeltest: Unison Simply Italy


Italienische Momente

Röhrenverstärker Unison Simply Italy im Test, Bild 1
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Klingt gut? Von mir aus. Bezahlbar? Auch schön. Aber mal ehrlich: So ein Gerät stellt man sich vor allem in die Anlage, weil‘s einfach scharf aussieht

Mitspieler


Plattenspieler:

 Transrotor Fat Bob / Reed 3p / Lyra Atlas
 Clearaudio Master Innovation / Universal / Goldfinger

Phonovorstufen:

 MalValve preamp three phono
 Vincent PHO-700
 Audio Research Preference Phono 10

Lautsprecher:

 Audio Physic Classic 20
 Klang + Ton Phi

Zubehör:

 Netzsynthesizer PS Audio P10
 NF-Kabel von van den Hul und Transparent
 Phonokabel van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudio


Gegenspieler


Vollverstärker:

 Accuphase E-260
 Silbatone Reference 300B
 Pioneer A-70 


Als ich im Frühjahr die Gelegenheit hatte, Unison Research vor den Toren Venedigs zu besuchen (wir berichteten) war schnell klar: Der hier, der muss nach Duisburg. Ganz schnell.

Röhrenverstärker Unison Simply Italy im Test, Bild 2Röhrenverstärker Unison Simply Italy im Test, Bild 3Röhrenverstärker Unison Simply Italy im Test, Bild 4Röhrenverstärker Unison Simply Italy im Test, Bild 5Röhrenverstärker Unison Simply Italy im Test, Bild 6Röhrenverstärker Unison Simply Italy im Test, Bild 7Röhrenverstärker Unison Simply Italy im Test, Bild 8
Gefallen war die Entscheidung in dem Moment, als ich die ersten Komponenten dieses schnuckeligen Röhrenverstärkers mit dem Namen „Simply Italy“ in der Fertigung gesehen hatte und ich den dazugehörigen Verkaufspreis erfuhr: Für 2.000 Euro gibt‘s hier richtig was in die Hand. Und zwar nicht „Assembled in Italy“, sondern so richtig „Made in Italy“. Von vorne bis hinten. Keine Trafos aus dem Reich der Mitte, keine Röhren, keine Platinen. Alles wird, wenn nicht im Hause, dann zumindest in der näheren Umgebung gefertigt. Und das sieht und merkt man: Der Simply Italy ist ein ausgezeichnet verarbeitetes, aufregend gestyltes Gerät, bei dem sich die Liebe zum Detail an jeder Ecke aufdrängt. Das beginnt bei den hübschen Echtholzapplikationen rund um Lautstärkesteller, Eingangswahl- und Netzschalter, zieht sich über die hochwertigen massiven Metalldrehknöpfe bis zu einer vorbildlich sauberen Platinenbestückung. Genau so baut man bedingungslos seriöse Geräte. Natürlich hat der „Simply Italy“ eine Mission zu erfüllen, die in seinem Namen steckt: Er soll italienisches Flair vermitteln, Temperament, Farbe, Glut, Lebensfreude. Und deshalb schneiderte Konstrukteur und Firmengründer Gianni Sachetti dem Einstiegsmodell ein Konzept auf den Leib, das diese Maxime klanglich auch umzusetzen in der Lage ist: den Single-Ended-Class-A-Betrieb. Man nehme also eine mehr oder weniger potente Leistungsröhre und bürde ihr die gesamte Schwerarbeit bei der Lautsprecheransteuerung auf. Sie muss die Auslenkungen der Lautsprechermembran sowohl in die eine als auch in die andere Richtung wuppen, was mit einigen ziemlich dramatischen Konsequenzen verbunden ist: Die Endröhre wird stets von einem hohen Strom durchflossen, tatsächlich bedeutet der ohne Aussteuerung fließende Ruhestrom sogar maximalen Stress. Der nachfolgende Ausgangsübertrager muss nicht nur die hohen Spannungen und niedrigen Ströme der Röhre auf ein lautsprechertaugliches Maß übersetzen, sondern auch die gesamte Vorbelastung in Form des Ruhestroms loswerden. Das macht den Ausgangsübetrager groß, schwer und teuer. Und warum das Ganze? Weil nur diese Betriebsart einen stets ununterbrochenen Signalfluss durch nur ein Leistungselement ermöglicht, es gibt keinerlei Übernahmeverzerrrungen wie bei den üblichen Gegentaktverstärkern. Das ist eine tolle Sache, hat aber Konsequenzen: Wenn der Aufwand irgendwie überschaubar bleiben soll, ist in Sachen Leistung kaum ein Blumentopf zu gewinnen: Der Simply Italy schafft mit Wohlwollen acht, neun Watt und das auch nur an eher hochohmigen Lasten. An Vier-Ohm-Boxen bleibt von der Leistung noch weniger übrig. Wenn Sie den Schönling an einen klassischen Minimonitor mit 78 Dezibel Wirkungsgrad klemmen, dürfen Sie sich über ein ungemein wohliges, warmes und komplett dynamikfreies Klangbild freuen, bei dem es allerdings auch kaum Detailwiedergabe und eher schlecht differenzierbare Klangfarben gibt. Was wir brauchen, sind „richtige“ Lautsprecher. (Mindestens) acht Ohm, eine Wirkungsgradangabe mit einer Neun vorne, gerne auch mit Impedanzkorrektur. Meist zehren solche Gebilde den Größenvorteil des angenehm kompakten Verstärkers wieder auf, und hätten mich die Italiener nicht gleich vor Ort davon überzeugt, dass auch durchaus normalgroße Standboxen (in dem Falle von Opera) bestens mit dem Simply Italy harmonieren können, würde ich hier ausschließlich von kühlschrankgroßen Boxenmonstern erzählen. Ich kann nur raten: Versuchen Sie‘s mit Ihrer Lieblingsbox. Aber sein Sie darauf gefasst, dass der kleine Italiener Folgeinvestitionen nach sich zieht. Unter dem eigentlich gelungen gestylen Gitter – das aber, machen wir uns nichts vor, praktisch nur da ist, um EU-Richtlinien Genüge zu tun – gibt‘s vier Röhren. Zwei für jeden Kanal. Sie ragen durch eine geschwungene „Rutschbahn“ aus Edelstahlblech, das für ein wenig Reflexion der abgegebenen Wärme sorgen soll. Als Lasttier fungiert eine Pentode vom Typ EL34 – gemeinhin als Standardröhre in Gegentaktverstärkern anzutreffen und eher selten als Eintakter eingesetzt. Das klappt aber durchaus und man kann die Dame mit geeigneter Beschaltung problemlos zum gewünschten Triodenbetrieb bewegen.. Davor sitzt jeweils eine ECC82, sie stammt wie die Endröhre auch aus Russland von TungSol. Die beiden Elemente der Doppeltriode sind trickreich verschaltet und besorgen die Spannungsverstärkung und die Ansteuerung der Endröhre. Dafür kommen nur gründlich ausgesuchte Exemplare infrage, und Unison sortiert Unmengen von Röhren aus, wovon ich mich überzeugen konnte. Um die Ruhestromeinstellung muss man sich übrigens nicht kümmern, das regelt die Schaltung von allein. Eine Besonderheit betrifft den zwischen den Röhren angeordneten Kippschalter: Mit ihm kann man zwischen „moderater Gegenkopplung“ und „fast keiner Gegenkopplung“ umschalten. Klar – je weniger Gegenkopplung, desto näher ist man an der reinen Lehre, die Praxis allerdings zeigt oftmals, dass ein bisschen dieser „Medizin mit Nebenwirkungen“ durchaus hilfreich sein kann. Unter dem Gehäuseboden gibt‘s eine gehaltvoll bestückte Hauptplatine mit Bauteilen guter Qualität und insgesamt vier Induktivitäten: Zum Ringkern-Netztrafo gesellen sich eine Drossel für die Anodenversorgung und die beiden Ausgangsübertrager. Eingangssignale werden per nach hintem verlängerten Schalter gleich hinter der Buchsendoppelreihe umgeschaltet (es gibt fünf Hochpegeleingänge und einen Tape-Ausgang), die Lautstärke bestimmt ein bewährtes Alps-Motorpoti. Jenes ist auch das einzige Bedienelement, welches von der beiliegenden üppigen Fernbedienung mit Holzbody befehligt werden kann, die zahlreichen anderen Taster sind anderen Geräten aus dem Hause Unison vorbehalten. So, jetzt aber. Deckel drauf, anheizen das Ding. Und jegliche Vernunft über Bord werfen und einen Lautsprecher anstöpseln, der für solche Kandidaten gemacht ist: Bei uns ist das derzeit ein Selbstbaulautsprecher mit Fünfzehnzollbass und sechs winzigen Breitbändern für den Mittelhochtonbereich. Das schafft knapp 96 Dezibel Wirkungsgrad, ist impedanzlinearisiert und ist der erwähnte Kühlschrank: 280 Liter pro Seite. Aber: Das tut – und wie. Das ist eine dieser Situationen, wo man nach drei Takten sagt: „Ja, danke. Funktioniert. Kein Zweifel.“ An einem Lautsprecher wie diesem geht die geringe Ausgangsleistung mit keinerlei Einschränkungen einher. Die Fuhre geht lauter, als es irgendwie sinnvoll ist, und das ohne Kompression. Youn Sun Nahs wunderschöne Interpretation des Nine-Inch-Nails-Klassikers „Hurt“ offenbart ein Füllhorn voller Qualitäten: Die Saiten der akustischen Gitarre wollen gar nicht aufhören auszuschwingen, die Stimme der Koreanerin ist eine großartige Kombination aus Intonationsvermögen und Zerbrechlichkeit. Ganz und gar nicht zerbrechlich wirkt „Missing“ von „The XX“, der Unison drückt die durchaus nennenswerten Tieftonanteile des Titels klasse konturiert in die großen Bässe. Eigenklang? Ein klein wenig. Der Simply leistet sich den Charme, ganz oben und ganz unten ein wenig oberhalb der geraden Line zu spielen, gewissermaßen ein bisschen „Loudness“ ins Geschehen einzuarbeiten. Das ist absolut okay und funktioniert auch an anderen Lautsprechern. Nicht gerechnet hätte ich damit, dass der Kleine auch die Audio Physic Classic 20 ganz gut im Griff hat, auch hier schafft er es, das Geschehen problemlos vom Lautsprecher zu lösen und schön frei in den Raum zu stellen. Mit ein bisschen Wirkungsgrad beim Lautsprecher allerdings muss ich ausdrücklich vor diesem Kleinod warnen: Es besteht akut die Gefahr, dass Sie dem Rest der Familie „richtige“ Boxen schmackhaft machen müssen. Ach ja: der Gegenkopplungsschalter. Position eins wirkt etwas strenger, fokussierter und disziplinierter. Was ich bevorzugen würde? Natürlich Position zwei: Für nichts würde ich einen Hauch dieser lockeren Losgelöstheit eintauschen wollen – so was ist das Salz in der Single-Ended-Suppe.

Fazit

Wertig aufgebaut, klasse gestylt, fair kalkuliert – was will man eigentlich noch mehr? Außer den optimalerweise etwas größeren „richtigen“ Lautsprechern – gar nichts.

Preis: um 2000 Euro

Unison Simply Italy

11/2013 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb TAD-Audiovertrieb GmbH, Aschau Im Chiemgau 
Telefon 08052 9573273 
Internet www.unison-research.de 
B x H x T (in mm) 260/150/350 
Gewicht (in Kg) 15 
Garantie (in Jahre)
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Holger Barske
Autor Holger Barske
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Datum 27.11.2013, 15:36 Uhr
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