Kategorie: Verstärker Röhrenverstärker

Röhrenvollverstärker Cayin Jazz 80


Allroundtalent

Verstärker Röhrenverstärker Cayin Jazz 80 im Test, Bild 1
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Vielleicht liebäugeln Sie schon lange mit einem Röhrenverstärker, trauen sich aber nicht so recht. Ich hätte da was für Sie.

Vorgedanken


Warum sollte man sich einen Röhrenverstärker kaufen? Ist das am Ende nur etwas für Romantiker? Nun erstmal muss man gar nichts und kann mit unterschiedlichsten Verstärkern glücklich und gut Musik hören. Die Wahl der verstärkenden Elemente ist dabei tatsächlich Nebensache, es gibt gute Geräte mit jedweder Technologie. Röhren erfüllen allerdings bestimmte Erwartungen. Neben ihrem potentiell hervorragendem Klang ist es der Mythos, ihre Optik und der Bezug auf die Anfänge der Musikreproduktion. In diesem Sinn ist ein Gerät wie der Cayin Jazz 80 ein historisches verankertes und gleichzeitig hochmodernes Design, das zum heutigen Musikgenuss mehr als einlädt.  


Backup


Wenn man sich mit Stefan Noll unterhält, der neben seiner eigenen Lyric-Produktlinie für den technischen Support von Cayin verantwortlich ist, stellt sich schnell ein Wohlgefühl ein. Sollten Sie also unsicher sein, ob ein Röhrenverstärker das Richtige für Sie ist, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich mit den Produkten von Cayin zu beschäftigen und mit ihm zu sprechen.

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Noll kann auch profunde Ratschläge geben, welche Endröhre bei einem bestimmten Lautsprecher empfehlenswert ist. Er versicherte mir auch, dass sie bei den Cayin- Geräten praktisch nie Ausfälle haben und das seit gut 25 Jahren. Der Mann muss es wissen. Und für den Fall der Fälle gibt es ein entsprechend volles Ersatzteillager, um auch alte Geräte reparieren zu können, falls das wirklich einmal nötig sein sollte.  


Firmengeschichte


 Cayin ist eine spannende Firma, über die ich schon häufiger geschrieben habe. Also fasse ich nur das Wesentliche noch einmal zusammen. Hinter Cayin steht die 1993 gegründete Zhuhai Spark Electronic Equipment Co. Ltd, ein Unternehmen, dass sich auf die Herstellung von Audio- und Netztransformatoren und von Röhrenverstärkern spezialisiert hat. Seit 1996 arbeitet Thomas Deyerling mit Zhuhai Spark zusammen und man generiert gemeinsam eine Linie, die er dann unter dem Namen Cayin in Europa vermarktet. Selbstverständlich gibt es dann von Zhuhai Park keine direkt austauschbaren Konkurrenzprodukte, wodurch die Kooperation schon lange so gut und erfolgreich funktioniert. Wir haben es hier also nicht mit einem Kleinserienhersteller oder einer Manufaktur zu tun. Pro Modellreihe im Preisbereich des Jazz 80 liegen die Absatzzahlen laut Deyerling weltweit zwischen 3000 und 5000 Stück. Die individualisierten Cayin-Geräte machen etwa 10% davon aus. Inzwischen ist das Programm etwas unübersichtlich geworden, was aber mit dem neuen Jazz 80 ein Ende haben wird, denn einige ähnliche Verstärker werden auslaufen.   


Typen


Das Grundmodell des JAZZ 80 nannte sich TA 35, wurde über viele Jahre evolutioniert und in diversen Ausführungen gebaut. Es gibt auch eine kleinere Serie mit den Modellen MT 50 und MT 35, die beide Varianten desselben Themas darstellen, aber ebenso wie die MA 80 aus dem Programm gehen. MA 80? Das ist der direkte Vorgänger des Jazz 80, der nun deutlich aufgewertet wurde. Falls Sie sich fragen, warum der Verstärker Jazz 80 heißt, kann ich Ihnen das auch erklären. „Jazz“ soll die emotionale Seite der Musikwiedergabe ansprechen und weil er mit der stärkeren KT88 zwei mal 40 Watt pro Kanal bietet, kam man auf 80. Ok, das ist ein wenig um die Ecke gedacht, aber was soll’s. Die Möglichkeit unterschiedliche Endröhren stecken zu können finde ich persönlich nicht so spannend, laut Stefan Noll suchen viele Kunden aber gerade diese Flexibilität. Er kann so die Kunden, wie oben angedeutet, bezüglich ihrer Lautsprecher und dem idealen Match mit dem Verstärker perfekt beraten. Der Netztrafo des Jazz 80 bietet genügend Leistung zur Versorgungen beider möglichen Endröhrentypen. Dabei hat die KT88 im Vergleich zur EL34 einen höheren Arbeitspunkt und einen niedrigeren Innenwiderstand und damit auch einen höheren Dämpfungsfaktor, der sie für impedanzkritischere Lautsprecher prädestiniert. Klanglich unterscheiden sich beide auch, hier kann man also feintunen. Allerdings ist Noll auch der Meinung, die unterschiedlichen Endröhren seien klanglich nicht so entscheidend wie die entsprechenden Eingangsröhren.   

Modernisierung


Zusätzlichen Kundenwünschen folgend wurden weitere Änderungen umgesetzt.

Verstärker Röhrenverstärker Cayin Jazz 80 im Test, Bild 3
Attraktives Neudesign eines technisch komplett durchentwickelten Geräts, das ganz großen Spaß macht
Zum einen wurde die Front verändert, modernisiert, aufgehübscht, und mit wirklich schicken Anzeigeinstrumenten versehen. Die fungieren sowohl als VU-Meter wie auch als Messinstrumente für den bequemen Biasabgleich auf der Oberseite des Verstärkers. Zudem bekam der Jazz 80 eine Fernbedienung, was tatsächlich für viele Kunden eine Kaufentscheidung pro oder contra darstellt. Und dann hat noch ein sinnvolles Feature in den Jazz 80 Einzug gehalten und zwar Bluetooth. Der Bluetooth CC5125 Chip arbeitet mit dem LDAC-Codec, was für „Low Delay Audio Codec“ steht und den kabellosen Transfer hochaufl ösender Audioinhalte bis zu einer maximalen Übertragungsrate von bis zu 990 kBit/s erlaubt. Die Nachricht dürfte vor allem Android-Nutzer ab Version 8.0 freuen. Der Wandlerchip ist ein guter ES- 9018K2M SABRE32.   

Technik


Der Aufbau ist typisch für Cayin. Sämtliches Eisen, also Netztrafo, Drossel und Ausgangsübertrager sind aus eigener Fertigung und werden zur Ruhigstellung in Quarzsand vergossen. Und dann ist da noch das im Vergleich zur Konkurrenz deutlich aufwendigere Netzteil mit einer hilfreichen, potenten Anodendrossel mit 1 Henry / 180mA Leistung.

Verstärker Röhrenverstärker Cayin Jazz 80 im Test, Bild 4
Kompakt und knuffig, ohne beengt zu sein. Dem Cayin gelingt der Spagat zwischen Funktionalität und schmalem Fuß perfekt
Stefan Noll meinte, es sei überflüssig bei einem solchen Verstärker eine aktive Vorstufe einzusetzen, die letzten Endes nur mehr rauschte und sonst keinen wirklichen klanglichen Gewinn brächte. Er schrieb mir:“Beim Jazz 80 kommt das Poti (das gute Alps RK27) direkt nach der Eingangsumschaltung. Dann wird das Signal auf die erste Stufe geleitet. Das ist dann die 12AX7, wobei hier beide Systeme parallel geschaltet sind. Die Lautstärkeregelung sitzt also direkt am Eingang und nicht in der Verstärkerschaltung. Da zeigt sich auch der gute Aufbau des Geräts in Bezug auf Rauschen / SNR.“ Das kann man so sehen und genau so machen. Und hier ist das auch optimal gelöst. Trotzdem können aus meiner Erfahrung aktive Vorstufen das gewissen Etwas ausmachen, da würde ich Stefan Noll vorsichtig widersprechen wollen. Er meint: “Manche Verstärker bieten dadurch eine Anpassung der einzelnen Quellen bzgl. der Lautstärke an. Ist aber eher historisch.“ Außerdem gibt es einen Kopfhörerabgriff am Ausgangsübertrager, keinen eigenen Kopfhörerverstärker also. Vorteile sind die Niederohmigkeit und der pure Röhrensound, auch hier auf Ultralinear- oder Triodenbe-trieb umschaltbar. Die Endröhren sind ordentliche Psvane KT88, im Fall der EL34 wird es wohl auch chinesische und keine russische Ware sein, aus meiner Sicht die bessere Wahl, denn es sind zu viele Electro Harmonix Röhren vor meinen Ohren gestorben.   

Klang? Klingt.


Natürlich habe ich mit der Ultralinear- versus Triodeneinstellung experimentiert. Im Pseudotriodenbetrieb der KT88 halbiert sich die Leistung, der Klang wird intimer und etwas feiner. Die minimal größere Rauigkeit im Ultralinearbetrieb fällt indes kaum auf, dafür ist das Klangbild deutlich strukturierter, deshalb habe ich so die meiste Zeit gehört. Und natürlich habe ich mit dem Jazz 80 auch jede Menge Jazz gehört, aber das tue ich ohnehin. Klassik- oder Rockhörer sollten sich aber bitte von der Bezeichnung des Verstärkers nicht abschrecken lassen, denn er ist ein wunderbarer Allrounder im Rahmen seiner Leistung, die zwar für meine Schallwandler reichlich ist, extrem leistungshungrigen Lautsprechern aber nicht ausreichen könnte. Da wenden Sie sich vertrauensvoll an Stefan Noll, der Ihnen 1a Praxistipps geben wird. Ich hatte Lust auf Blues, mithin die Basis für Jazz und mir Gary Moores „Back To The Blues“ gegeben. Schon wie die Gitarre auf „Stormy Monday“ einsetzt, sollte auch den größten Blues-Rock-Agnostiker zum Fan werden lassen. Wie sie zerrt und treibt, wie Moore die Saiten dehnt und sein ganzes Musikerherz in jede Note legt, zeigt der Jazz 80 exemplarisch gut auf. Aber da sind auch die zarten Momente, die man mit ihm genießen kann. Stellvertretend dafür möchte ich Bill Evans´ erstes Album mit seinem legendären Trio bestehend aus Scott LaFaro und Paul Motian nennen. Ein Lieblingsstück heraus zu picken, ist praktisch unmöglich. Aber „Witchcraft“ ist schon exemplarisch darin, wie Evans dem abgedroschenen Gassenhauer neues lyrisches Leben einhaucht. Hier geht es ebenso darum, sein tonal einzigartiges Klavierspiel richtig einzufangen, wie auch diese unwiderstehlichen Basslinien LaFaros und die Besenarbeit Paul Motians. Als erstes Pianotrio überhaupt verschmolzen die Drei zu einer Einheit und das zeigt der Cayin Jazz 80 wunderschön: integrativ, treibend, farbig und rhythmisch überzeugend. Der Bass in LaFaros Solo klingt nach Holz und Evans polychrome Blockakkorde am Ende sind noch einmal eine Herausforderung an die Auflösungsfähigkeiten der Kette. Der Cayin kann das locker steuern.

Fazit

Man kann Cayin nur dafür danken, dass sie Geräte wie den Jazz 80 anbieten, die Röhrenklang erschwinglich und sinnlich erlebbar machen. Meine wärmste Empfehlung dafür

Kategorie: Verstärker Röhrenverstärker

Produkt: Cayin Jazz 80

Preis: um 1999 Euro (EL34), 2.198 Euro (KT88)

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Röhrenklang erschwinglich und sinnlich erlebbar gemachen. Meine wärmste Empfehlung dafür

Cayin Jazz 80

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Cayin Audio Distribution GmbH 
Telefon k.A. 
Internet www.cayin.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre (Röhren 6 Monate) 
B x H x T (in mm) 300/190/385 
Gewicht (in Kg) 16.8 
Untern Strich ... Man kann Cayin nur dafür danken, dass sie Geräte wie den Jazz 80 anbieten, die Röhrenklang erschwinglich und sinnlich erlebbar machen. Meine wärmste Empfehlung dafür 
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