Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: Audio Exklusiv Charisma 103


Charakterkopf

Tonabnehmer Audio Exklusiv Charisma 103 im Test, Bild 1
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Natürlich träumt jeder dem Analogen verpflichtete Hersteller davon, einen eigenen Tonabnehmer im Sortiment zu haben. Für Audio Exklusiv ist der Traum nun schon zum dritten Mal in Erfüllung gegangen

Audio Exklusiv stellt ziemlich erfolgreich Lautsprecher und Verstärker her. Von da aus ist der Schritt zu einem Tonabnehmer allerdings denkbar weit und das dazugehörige „Skillset“ hat man in der Situation nicht unbedingt mit in die Wiege gelegt bekommen. Bis jetzt gab‘s drei Tonabnehmer unter dem Audio-Exklusiv-Label, die nicht in Eigenregie entstanden sind. Zwei davon (das MC-1 und das MC- 2) haben wir bereits in Händen gehabt und beide haben sich in ihrer Preisklasse mit Leichtigkeit an die Spitze gespielt. Wer die Preziosen letztlich baut, darüber herrscht bis zum heutigen Tag Ungewissheit, die Ranstädter machen aus gutem Grund auch keinerlei Anstalten, diese Information preiszugeben.

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Ab jetzt gibt’s ein viertes Audio-Exklusiv- Tonabnehmersystem, bei dem ist der Stammbaum einfacher nachzuverfolgen, denn bereits in der Typenbezeichnung steckt die Zahl „103“. Daraus folgern wir völlig korrekt, dass es sich dabei um einen Abtaster auf Basis des unverwüstlichen Denon DL-103 handelt. Jenes seit Jahrzehnten beliebte Rundfunk-MC, das mit seiner sphärischen Nadel die Rillen von mehr Schallplatten durchpflügt haben dürfte als jedes andere System mit bewegter Spule auf der Welt – mit Ausnahme des Ortofon SPU vielleicht, das gibt‘s noch ein paar Jährchen länger (vier, um genau zu sein). Der Erfolg des DL-103 geht sicherlich auch auf seinen Preis zurück: Mit rund 300 Euro kostet es heutzutage zwar schon doppelt so viel wie noch vor ein paar Jahren, aber es ist immer noch eines der günstigsten MCs am Markt. In der hier vorliegenden Version kostet es 1.000 Euro. Das mag reichlich erscheinen, allerdings ist vom ursprünglichen DL-103 auch nur wenig übriggeblieben, wie wir noch sehen werden. Für die Modifikationen verantwortlich zeichnet der kanadische Hersteller Charisma Audio, und so steht‘s auch auf dem Gehäuse. Mit der Vermarktung unter diesem Namen in Deutschland gibt‘s ein paar Probleme, trotzdem heißt der der Abtaster einfach „Charisma 103“. Das Denon in ein neues Gehäuse zu stecken ist Usus, das ist auch beim Charisma 103 passiert. Der serienmäßige schwarze Kunststoffkorpus wich einem gefrästen Gehäuse aus edlem massiven Vogelaugenhorn, wobei man von den Vogelaugen allerdings kaum etwas sieht. Auf alle Fälle ist das ein hartes, formstabiles und nicht allzu schweres Holz, sollte für die Anwendung also genau das Richtige sein. Das Gehäuse ist unten offen und gibt den Blick auf den Generator frei, ist also eigentlich nur ein Rahmen. Das Generatorinnere entspricht dem Serienstandard, wir haben es mit Spulen aus OFC-Kupfer zu tun, der Innenwiderstand beträgt 40 Ohm – für ein MC ist das relativ viel. Die Abtastgarnitur selbst hingegen ist komplett neu und zweifellos ein deutliches Upgrade im Vergleich zum Serien-Denon: Der Nadelträger ist ein massives Rubinstäbchen, die Nadel ein kleiner Diamant mit „Super-Fine-Line“- Schliff. An der Aufhängung des Nadelträgers scheint man ebenfalls Hand angelegt zu haben, die Nadelnachgiebigkeit ist nämlich mit 7 µm/Mn angegeben. Das ist deutlich härter als die aktuellen Denons, auch wenn sich die Mär bis zum heutigen Tage hält, das DL-103 wäre immer noch ein so stramm eingespannter Abtaster wie zu Beginn seiner Karriere. Interessanterweise begnügt sich das Charisma 103 trotzdem mit weniger Auflagekraft als das originale DL-103, es will mit 21 Millinewton bedient werden. Der Einbau des Charisma 103 gestaltet sich unproblematisch, das Gewicht von knapp neun Gramm lässt sich an so ziemlich jedem Tonarm ausbalancieren. Es fühlt sich an mittelschweren bis schweren Armen wohl, bei mir lief‘s ohne Probleme sowohl im SME 309 als auch im Einstein-Neuzöller. Klanglich sind die Unterschiede zum Denon schon fast als dramatisch zu bezeichnen. Das DL-103 ist zweifellos ein guter Abtaster, der ein realistisches Abbild der aufgezeichneten Musik liefert. An beiden Enden des Frequenzbereiches geht sein Elan etwas zurück, in sich ist‘s aber stimmig. Beim Charisma 103 sind diese Limitationen praktisch verschwunden. Es liefert oben wie unten eine gefühlte halbe Oktave mehr als das Original und macht auch dynamisch merklich mehr her. Lauschen wir ein wenig Robert Plants neuem Solowerk „Carry Fire“. Kein audiophiles Highlight, eine sehr anständige Produktion mit einer Menge unterschiedlichster Instrumente. Hier glänzt das Charisma 103 mit seiner tonalen Spannweite, zeichnet die vielfältigen Schlaginstrumente tief und präzise und verleiht der Stimme des Sängers Atem und Flair. Es klingt drahtig und lebendig, das SPU Royal E N zeichnet untenherum wuchtiger und etwas weniger präzise. Einer passionierten Gesangsstimme wie der von Ella Fitzgerald verleiht das Charisma Fülle und Inbrunst, auch hier fällt auf, dass es einfach mehr aus der Rille holt als das Original-Denon. Dabei bleibt es stets eine ehrliche Haut; wenn die zu spielende Platte miserabel klingt, dann bekommt man das mit diesem Abtaster garantiert nicht wegpoliert. Für mich die beste 103-Inkarnation aller Zeiten!

Fazit

Das Charisma 103 zeigt, wie weit man das DL-103-Konzept aufbohren kann. In diesem Trimm tönt der Klassiker über alle Maßen modern, frisch und dynamisch.

Kategorie: Tonabnehmer

Produkt: Audio Exklusiv Charisma 103

Preis: um 1000 Euro


3/2018
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio Exklusiv, Ranstadt 
Telefon 06041 9624217 
Internet www.audio-exklusiv.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Unterm Strich... Das Charisma 103 zeigt, wie weit man das DL-103-Konzept aufbohren kann. In diesem Trimm tönt der Klassiker über alle Maßen modern, frisch und dynamisch. 
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Autor Holger Barske
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