Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: Avid Reference Ruby


Wohlfühlen in Referenzqualität

Tonabnehmer Avid Reference Ruby im Test, Bild 1
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Angekündigt hatte er‘s lange, die Realisation hat aber Jahre mehr gebraucht als gedacht: Avid-Boss Conrad Mas hat seine eigene Tonabnehmerlinie fertig

Der erste Satz auf der Avid-HiFi-Webseite zum Thema „Reference Ruby“ lautet sinngemäß: „Unter den teuren esoterischen Tonabnehmern ist das Reference Ruby nicht billig, aber sicher nicht unerreichbar“. Heerscharen von Normalverdienern werden angesichts einer solchen Aussage bei einem Verkaufspreis von 7000 Euro einen Anfall trockenen Hustens bekommen, aber die Argumentation des Herstellers ist nicht mal falsch: In der HiFi- Welt sind noch weit jenseits dessen angesiedelte Forderungen für Tonabnehmer üblich. Und es gibt einen Markt für solche Preziosen, auch wenn MC-Tonabnehmer im Grunde genommen nichts anderes sind als Verschleißteile, die ihren Dienst auch ohne tragische Unfälle nach einer gewissen Anzahl von Betriebsstunden hinter sich gebracht haben.

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Die gute Nachricht lautet: Avid bietet für den Fall der Fälle an, den Tonabnehmer zu einem reduzierten Preis gegen einen neuen auszutauschen. Wie hoch dieser Preis ist, war bis jetzt jedoch noch nicht in Erfahrung zu bringen. Wir nehmen diesen Service als letzte Bastion der Vernunft in jedem Falle dankend zur Kenntnis.  

Conrad Mas hat lange Jahre ausschließlich Plattenspieler gebaut und mit nennenswertem Erfolg weltweit verkauft. Im Laufe der Jahre ist sein Produktportfolio immer größer geworden und umfasst heutzutage auch anspruchsvolle Verstärkerelektronik und Lautsprecher. Die Komplettierung des analogen Front Ends jedoch hat gedauert und ist immer noch nicht abgeschlossen: Die hauseigene Tonarmlinie lässt noch auf sich warten.

In Sachen Abtaster jedoch ist das Lineup nunmehr komplett: Drei MC-Tonabnehmer im Preisbereich zwischen 2400 und 7000 Euro haben sich als Ergebnis der entwicklerischen Mühen manifestiert. Und Sie vermuten zu Recht, dass es sich bei unserem Probanden um das Flaggschiff handelt. Rein optisch ist der „halbnackte“ Abtaster zweifellos eine Show: Rot eloxierte Aluminiumteile in Kombination mit vergoldeten Elementen des Magnetkreises, das fällt auf. Aus der vorderen Polplatte ragt ein unüblich langer Nadelträger aus dem namensgebenden Material heraus, es handelt sich nämlich um einen Rubinstab. Das nach Diamant zweithärteste Material auf der Welt hat sich im Laufe der Jahre bei diversen Top-Abtastern im Einsatz an dieser Stelle bewährt. Wem angesichts des ungeniert freistehenden Nadelträgers automatisch Schweißperlen auf die Stirn treten, der hat mein vollstes Verständnis: Die Konstruktion erfordert ein besonderes Maß an Vorsicht im Umgang. Löblich in diesem Zusammenhang ist die Konstruktion des Nadelschutzes ausgefallen: Das transparente Kunststoffteil ist mit einem großflächigen Griff ausgestattet und wird von vorne auf den Systemkörper geschoben, zwei Nuten sorgen für eine sichere Führung. Unten ist das Kunststoffteil geschlitzt, um der Nadel auf jeden Fall hinreichend Freiraum zu gewährleisten. Definitiv eine der besten Lösungen, die ich für dieses Problem seit langer Zeit gesehen habe.  

Den langen Nadelträger hat Conrad Mas natürlich mit Bedacht gewählt. Er kompensiert die relativ hohe Masse mit einer sehr reduzierten Spulenanordnung. Der Gefahr zu geringer Ausgangsspannung begegnet er mit einem äußerst potenten Magnetsystem. Auf diesem Wege generiert er eine Ausgangsspannung von 0,32 Millivolt (leider kann ich keine Angabe dazu finden, bei welcher Schnelle das gemessen wurde), was in jedem Falle in der Komfortzone jeder MC-tauglichen Phonovorstufe liegt. Der Generatorwiderstand ist mit 4,8 Ohm recht niedrig, das passt zu den konstruktiven Gegebenheiten. Am Ende des Rubin- Nadelträgers sitzt ein ziemlich kleiner Diamant mit Micro Ridge-Schliff.  

Im Grunde genommen handelt es sich beim Reference Ruby um ein relativ schlichtes Design, das von der Qualität und der sorgfältigen Kombination aller Schlüsselelemente lebt. Conrad Mas hat über Jahre hinweg verschiedenste Kombinationen von Abtastdiamanten, Nadelträgern, Magnetsystemen und Spulen quergehört und ist für seinen Top-Abtaster genau bei den Zutaten gelandet, die wir jetzt begutachten. Dazu gehört übrigens auch der bewusste Verzicht auf exotische Spulenmaterialien, die Wicklungen des Reference Ruby bestehen aus Kupfer.  

Die Fertigung der Preziose erfolgt übrigens zumindest zum Teil bei einem Zulieferer in Japan, der Tonabnehmer ist aber viel mehr als eine reine Auftragsarbeit: Die Metallteile und andere Schlüsselkomponenten fertigt Avid selbst, Teile der Generatortechnik entstehen in Japan, wo das System auch montiert wird. Besondere Beachtung verdient sicherlich auch die Verpackung, in der das gute Stück geliefert wird: Dabei handelt es sich nämlich um ein fein säuberlich aus dem vollen Alublock gefrästes, an das Firmenlogo erinnerndes „A“, fein oberflächenbehandelt und in edles Mattschwarz geschlagen. Jawohl, das ist vollkommen übertrieben für eine Verpackung, die unmittelbar nach Erwerb des Abtasters auf Nimmerwiedersehen im Schrank verschwindet. Richtig ist aber auch, dass Klappern in diesen Preisklassen zweifellos zum Handwerk gehört, und da muss man wohl auch an solcher Stelle Anspruch demonstrieren.  

Mit einer Nadelnachgiebigkeit von 8,5 μm/mN zählt das Reference Ruby zu den etwas härter aufgehängten Systemen, was die Kombination mit mittelschweren bis schweren Armen sinnvoll erscheinen lässt. Die von Conrad Mas lange Zeit eingesetzten modernen SME-Derivate sind diesbezüglich eher am unteren Limit der sinnvollen effektiven Massenskala angesiedelt, ich habe das Avid im Clearaudio Universal und im Reed 3P gehört, was bestens passte. Der Hersteller empfiehlt eine Abschlussimpedanz von 100 Ohm und höher, damit habe ich angefangen und bin letztlich auch wieder dort gelandet. Bei diesem Abschluss nämlich manifestiert sich die große Stärke des Reference Ruby am Eindrucksvollsten: sein überaus reichhaltiger, geschmeidiger und zum Sterben schöner Mitteltonbereich. Bläsersätze so geschmeidig, dass sie wie frisches Kiefernharz vom Weihnachtsbaum tropfen, mit ganz viel Gespür für feinste Nuancen, für Anblasgeräusche und perfekt ausschwingende Töne. Bestens zu hören auf dem wunderbaren Soul-Album „If Words Were Flowers“ von Curtis Harding.  

Liebe Freunde bezahlbarer Tonabnehmer, aber dieser hier, der klingt teuer. Und das meine ich als Kompliment. Das Reference Ruby hat diese königliche Finesse, dieses Selbstverständliche. Es ist dabei an keiner Stelle aufdringlich, es liefert einen festen, aber gefühlvollen Bass und fühlt sich auch mit den elektronischen Beats bei Curtis Harding pudelwohl. Gleiches gilt für den Hochtonbereich: fein abgezirkelt, aber keinesfalls in highendiger Poser- Manier vordergründig. Conrad Mas hat seinen Top-Abtaster ganz bewusst dahin getrimmt, dauerhaft angenehm und edel zu klingen. So, dass man viel lieber noch eine Platte auflegen will, als noch eine andere Abschlussimpedanz auszuprobieren. In Sachen Abbildungsleistung dürfte das Reference Ruby ohnehin schwer zu schlagen sein, es liefert Klanglandschaften von epischer Größe, bläht die Einzelereignisse aber nicht ungebührlich auf. Ich glaube, das baue ich ganz schnell wieder aus, bevor ich ich mich noch an dieses Klangbild gewöhne. 

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Fazit

Conrad Mas hat bei seinem Top-Abtaster eine perfekte Wohlfühlabstimmung gefunden. Bei aller Auflösung und Dreidimensionalität klingt das Reference Ruby vor allem komplett und stimmig – ein Klangbild zum Hineinfallen.

Preis: um 7000 Euro

Tonabnehmer

Avid Reference Ruby


01/2022 - Holger Barske

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb ICD Klaassen, Lünen 
Telefon 0231 9860285 
Internet idc-klaassen.com 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Gewicht (in g) ca. 9,1 g 
Unterm Strich... » Conrad Mas hat bei seinem Top-Abtaster eine perfekte Wohlfühlabstimmung gefunden. Bei aller Auflösung und Dreidimensionalität klingt das Reference Ruby vor allem komplett und stimmig – ein Klangbild zum Hineinfallen. 
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Autor Holger Barske
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Datum 07.01.2022, 09:59 Uhr
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