Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: DS Audio DS 003


Tonabnehmer- Götterdämmerung, der DS Audio DS 003

Tonabnehmer DS Audio DS 003 im Test, Bild 1
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Nachdem wir vor etwa einem Jahr die 55000 Euro teure Vision des japanischen Herstellers DS Audio für die Zukunft der Schallplattenabtastung haben erleben dürfen, wird’s jetzt ernst

Ja, das war ein Erlebnis. Und ich habe jede Minute genossen, die ich mit dieser vollkommen irrsinnigen Kombi aus elektrooptischem Abtaster und zweiteiligem Wahnwitz-Versorgungsteil verbringen durfte. Was in Anbetracht des Preisschildes aber ein Vergnügen war, mit dem ich mich auf einer relativ einsamen Insel befand.  

Die Chancen stehen allerdings gut, dass das nunmehr ein wenig anders wird. Weil: Mit dem DS 003 hat DS Audio ein Modell nachgelegt, das ganz viel von den Meriten des Topmodells geerbt haben will, allerdings genau eine Null weniger am Preisschild hat. Das heißt: 5500 Euro inklusive des speziellen Speiseteils und Phonoentzerrers, ohne das / den sich die Tonabnehmer dieses Herstellers nicht betreiben lassen. Gewiss, das ist immer noch ein Haufen Geld, rückt die Angelegenheit aber deutlich weiter ins Diesseitige.

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Hinzu kommt der Umstand, dass man die DS Audio-Tonabnehmer mittlerweile auch ganz offiziell einzeln kaufen und mit Entzerrern anderer Hersteller kombinieren kann. Davon gibt’s zwar noch nicht allzu viele, die Anzeichen mehren sich aber, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. Der DS 003-Tonabnehmer alleine kostet exakt die Hälfte des Komplettpaketes, nämlich 2750 Euro. Und damit spielt er in der Liga einer ganzen Reihe von MC-Abtastern, gegen die er sich gute Chancen ausrechnen darf – soviel schon mal vorweg.  

Wie alle DS Audio-Tonabnehmer, leuchtet auch das DS 003 im Betrieb, und zwar dringt tiefblaues Licht durch den Spalt an der Gehäusevorderseite. Das funktioniert deshalb, weil hier Gleichspannung zur Versorgung der Lightshow zur Verfügung steht – die ist nämlich technisch unabdingbar. Sie sehen mir nach, dass ich nochmal kurz auf das Funktionsprinzip der elektrooptischen Abtaster eingehe, es wird sich noch nicht bis zu jedem Leser herumgesprochen haben:  

Klassische Tonabnehmer arbeiten dem Prinzip der elektromagnetischen Induktion. Das heißt: In einem elektrischen Leiter fließt ein elektrischer Strom, wenn er einem sich ändernden Magnetfeld ausgesetzt wird. Beim klassischen Tonabnehmer ist besagter Leiter eine Spule. Entweder wird sie vom Nadelträger im Magnetfeld eines festen Magneten bewegt (MC-Tonabnehmer), oder der Magnet wird bewegt und die Spule steht still (MM). Beim schon in den Siebzigern von Toshiba realisierten Abtaster hängt am Nadelträger ein „Paddel“, das in den Strahl einer Lichtschranke eintaucht. Je nach Auslenkung des Nadelträgers fällt mehr oder weniger Licht auf den entsprechenden Empfänger, diese Helligkeitsänderungen entsprechen dem Signal auf der Platte. Toshiba musste noch ein Glühlämpchen als Lichtquelle nehmen (was nicht sehr zuverlässig war), DS Audio nimmt natürlich Leuchtdioden. In Verbindung mit modernen Photodioden hat sich die Technik als sehr zuverlässig erwiesen. Das eingangs erwähnte Modell „Grand Master“ war der erste Vertreter der dritten Generation von elektrooptischen DS Audio-Abtastern. Mit dem DS 003 steht jetzt das zweite Modell zur Verfügung, das von den jüngsten Entwicklungen profitiert. Erstmals werden hier für den linken und rechten Kanal unabhängige Lichtquellen und Empfängerdioden eingesetzt. Die neue Anordnung sorgt für eine deutlich gestiegene Ausgangsspannung (70 anstelle von 40 Millivolt), außerdem verbessert sich dadurch die Kanaltrennung deutlich. Der Hersteller spricht von einer Steigerung um zehn Dezibel bei hohen Frequenzen. 70 Millivolt Ausgangsspannung liegen in der Größenordnung von Hochpegelquellen, was die Entzerrung und Vorverstärkung deutlich erleichtert.  

Die neue Anordnung hatte außerdem zur Folge, dass das für die Abschattung der Lichtstrahlen zuständige Paddel deutlich kleiner und damit erheblich leichter ausfallen konnte. Während an dieser Stelle früher Aluminium zum Einsatz kam, wird nun mehr ein V-förmiges Berylliumblech am Nadelträger montiert. Der Lohn der Mühe: eine Gewichtsreduktion um mehr als die Hälfte, von 1,56 auf 0,74 Milligramm. Insgesamt liegt die bewegte Masse des DS 003 nunmehr im Bereich eines Zehntels dessen, was ein MC-Abtaster so durch die Gegend wuchten muss.  

Der Nadelträger des DS 003 ist ein Aluminiummodell, an seinem Ende sitzt ein Diamant mit Line Contact-Schliff. Das ist einer der wenigen Unterschiede zum Grand Master, das mit einem Diamantnadelträger arbeitet. Das Gehäuse des Abtasters besteht aus einer harten Aluminiumlegierung, die Formgebung soll für maximale Steifigkeit sorgen. Der 7,7 Gramm schwere Abtaster will mit 2 bis 2,2 Gramm Auflagekraft gefahren werden. Seine Nadelnachgiebigkeit liegt im mittleren Bereich, was den Einsatz an mittelschweren Tonarmen nahelegt. Den blau leuchtenden Keil finden wir auf der Front des dazugehörigen Entzerrers wieder, der wie eine verkleinerte Version eines der Grand Master-Speiseteile aussieht. Generell gilt bei DS Audio das alle Tonabnehmer an allen hauseigenen Entzerrern funktionieren.  

Der DS 003 hat auf dem Papier nun einen besonders einfachen Job, weil er noch weniger verstärken muss als die Geräte für die älteren Abtaster. An dieser Stelle ist der Grund für die beeindruckende Störgeräuscharmut zu suchen, die beim Betrieb des DS 003 auffällt. Im Inneren des Entzerrers findet sich ein unter abschirmendem Blech verborgener R-Core-Transformator, der über reichlich Siebung die Versorgung für eine mit Einzeltransistoren aufgebaute Entzerrerschaltung liefert. Auf der Geräterückseite findet sich ein Kippschalter, mit dem man die Grenzfrequenz eines Hochpasses zwischen 30 und 50 Hertz umschalten kann. Ebenso gibt es zwei Paar Ausgangsbuchsen, von denen eines ein zusätzlich subsonicgefiltertes Signal liefert. DS-Audio- Abtaster sollte man keinesfalls ungefiltert im Bass betreiben, weil sie, bedingt durch das Wandlerprinzip, problemlos Frequenzen bis hin zum Gleichstrom wiedergeben können, was Lautsprecher gar nicht mögen. Bei mir erwies sich der Subsonic-Ausgang in Verbindung mit dem 30-Hz-Filter als das Mittel der Wahl.  

Bei mir läuft das DS 003 mit exakt horizontal ausgerichtetem Tonarm. Es reagiert merklich auf VTA-Veränderungen. Wenn man den Arm zu hochstellt, verliert es im Hochtonbereich, nach unten erweist sich die Justage als weniger kritisch. Es gibt Dinge auf einer Schallplatte, von denen ich behaupte, dass sie sich mit keinem anderen Abtaster reproduzieren lassen als mit einem DS Audio dieses Kalibers. Das hängt zum einen damit zusammen, dass sich damit eine so gespenstisch stille Atmosphäre einstellt,wie ich das auf analogem Wege noch nie erlebt habe. Gewiss, Rillenrauschen bekommt das DS 003 auch nicht weg, aber so nahe an digitaler Stille war noch kein Tonabnehmer. Das in Verbindung mit seinem ungeheuerlichen Antritt ermöglicht das Zutagefördern von Dingen, deren Existenz auf einer Platte vorher einfach nicht wahrnehmbar war. John Coltranes Meisterwerk „A Love Supreme“ ist so ein Fall, bei dem das DS 003 eine nahezu perfekte Illusion des Dabeiseins erzeugt. Ich bin immer wieder versucht, den Klang dieses Abtasters als „digital“ zu bezeichnen, was aber natürlich nicht stimmt. Lediglich das auffällige Fehlen von Störgeräuschen erinnert mehr an Kost von moderneren Medien als der Schallplatte.  

Dass Tools „Fear Innoculum“ sich ganz schnell zu einem meiner persönlichen Dynamikprüfsteine entwickeln würde, war schon vor dem Erscheinen der Vinylausgabe klar. Was die vier Herren da auf „Invincible“ für höchst präzise getimte Attacken auf Bauch und Trommelfell loslassen, das kenne ich nur von der Hires-Digitalversion des Titels, mit anderen Mitteln ist das so nicht reproduzierbar. Wenn es eines Beweises dafür bedurft hätte, dass eine geringe bewegte Masse bei Tonabnehmern wichtig ist, dann ist es das abartige Beschleunigungs- und Bremsvermögen des DS 003. Ich kenne keinen keinen anderen Tonabnehmer (außer vielleicht dem Grand Master), der einen Ton so abrupt aufhören lassen kann wie dieser hier. Was Live-Aufnahmen eine erschreckende Transparenz und Präsenz verleiht, wie zum Beispiel das großartige Album „Recorded Live“ von Ten Years After aus dem Jahre 1973 beweist. Egal, was ich im Vergleich zum DS 003 spiele, hier zieht einfach jemand den sprichwörtlichen Vorhang weg.  

Für mich ist das das Maß der Dinge. Und ich traue mich ja kaum zu erwähnen, dass ich mittlerweile vier markenfremde Entzerrer mit dem DS 003 gehört habe und behaupte, dass da hier und da sogar noch mehr geht als mit dem hauseigenen Speiseteil. Schöne neue Analogwelt! 

Fazit

Die störungsärmste, dynamischste und transparenteste Art und Weise Schallplatten wiederzugeben ist, sie mit einem DS 003 abzuspielen. So einfach ist das.

Preis: um 5500 Euro

Tonabnehmer

DS Audio DS 003


05/2022 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb High Fidelity Studio, Augsburg 
Telefon 0821 37250 
Internet www.high-fidelity-studio.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T Entzerrer / Netzteil Entzerrer: 330 x 92 x 295 mm (BxHxT) 
Gewicht (in g) ca. 7,7 g / 5 kg 
Unterm Strich... Die störungsärmste, dynamischste und transparenteste Art und Weise Schallplatten wiederzugeben ist, sie mit einem DS 003 abzuspielen. So einfach ist das. 
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Autor Holger Barske
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Datum 17.05.2022, 09:57 Uhr
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