Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: DS Audio Grand Master


Die vermutlich beste Tonabnehmerlösung am Markt

Tonabnehmer DS Audio Grand Master im Test, Bild 1
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Die elektrooptischen Tonabnehmer von DS Audio brauchen eine spezielle Art der Signalaufbereitung. Sowohl beim Abtaster als auch beim Entzerrer hat der japanischer Hersteller jetzt ein unüberhörbares Zeichen gesetzt

Falls Sie meine Aktivitäten in Sachen HiFi in den Weiten des Internets verfolgen, sollten oder auch nur hier und da mal einen Blick auf die „Mitspieler“-Liste werfen, dann wissen Sie, dass das DS Audio-Einsteigermodell DS-E1 bei mir eine vielbeschäftigte Komponente ist. Abtaster und hauseigener Entzerrer sind fast immer im Spiel, wenn ich nicht gerade Tonabnehmer oder Phonovorstufen vergleiche. Die kernig-kräftige Gangart und die überbordende Raumdarstellung der Kombi sind Aspekte, an die ich mehr sehr gewöhnt habe du die mit anderen Mitteln nur schwer zu erreichen sind. Zu einem Gesamtpreis von derzeit 2750 Euro dürfte das sowieso reichlich schwierig sein.

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Als ich von der Existenz eines Fabelwesens namens „Grand Master“ von DS Audio Wind bekam, warf ich trotz aller Vorbehalte ob des exorbitanten Preisgefüges meinen Hut in den Ring für eine Besprechung und wurde vom Deutschlandvertrieb erfreulicherweise mit einer Zusage bedacht. Was sich dann allerdings in unserem Wareneingang manifestierte, hatte ich dann doch nicht erwartet. Dass der eigentliche Tonabnehmer den kleinsten Teil der Lieferung ausmachen würde war schon klar, dass sich aber aber zwei zusammen deutlich über einen Zentner schwere Wahnwitz-Elektronikkomponenten hinzugesellen würden, sprengte die erwarteten Dimensionen dann doch etwas. Das Triumvirat will hierzulande mit 55000 Euro bezahlt werden – das ist eine Hausnummer. In diesen Dimensionen gibt es sehr wenig Vergleichbares, wenn man einen „normalen“ Tonabnehmer mit einer Phonovorstufe kombinieren würde.

Übrigens ist es mittlerweile so, dass man Abtaster und Entzerrer nicht mehr zwingend im Doppel kaufen muss. Wer den Grand Master-Abtaster alleine erwerben will, der kann das für 13000 Euro tun und ihn mit einem anderen Entzerrer kombinieren. Alle Tonabnehmer und Entzerrer von DS Audio sind untereinander kompatibel. Mittlerweile hat der Hersteller gar die Spezifikationen für die Signalverarbeitung offengelegt, die ersten Fremdfabrikate in Sachen Entzerrer sind bereits am Markt. Und ja, natürlich habe ich Einsteiger- und Topmodell jeweils mit dem anderen Entzerrer kombiniert – mit interessanten Ergebnissen.

Kommen wir zuerst zu dem mit 7,7 Gramm unüblich leichten Grand Master-Abtaster. Das geschwungene Gehäuse besteht aus einer „Ultra Duraluminium“ getauften Legierung und verfügt über eine ganz normale Halbzoll-Befestigung. Der aus dem 3D-Drucker stammende Nadelschutz und ich wurden leider keine besonders engen Freunde, das gute Stück zerbrach nämlich bereits kurz nach dem Auspacken in zwei Teile. Das ist leider keine Seltenheit bei diesen „per motorisierter Heißklebepistole“ hergestellten Teilen.

Beim Abtaster selbst wurde kaum ein Stein auf dem anderen gelassen. Währen bei den kleineren Modellen Nadelträger aus Bor und Saphir zum Einsatz kommen, führt hier ein Diamantstäbchen einen Abtastdiamanten mit Micro Ridge-Schliff. Der größte Fortschritt steckt jedoch im Inneren des Gehäuses: Erstmals setzt DS Audio nämlich zwei Lichtquellen ein, die die beiden Lichtempfänger getrennt voneinander bestrahlen. Das hat ein paar entscheidende Vorteile. So ließ sich nämlich das „Paddel“, das mit dem Nadelträger verbunden ist und die Lichtstrecken abschattet, deutlich reduzierter konstruieren und wiegt jetzt nur noch winzige 0,74 Milligramm - das ist eine Reduktion um die Hälfte gegenüber den bisherigen Modellen. Außerdem besteht das Werkstück jetzt aus steifem und leichten Beryllium, das tut ein Übriges. Das Resultat ist eine extrem geringe bewegte Masse, mit der die Nadel den Rillenflanken perfekt folgen können sollte.

Angenehmer Nebeneffekt der Änderung: Der Signalpegel am Ausgang stieg von 40 auf 70 Millivolt, so dass im Anschluss noch weniger Verstärkung erforderlich ist. Jene liegt beim Grand Master in den Händen von zwei optisch höchst beeindruckenden halbmetertiefen Quadern, die gerade eben aus dem Raumdock im Erdorbit gestartet zu sein scheinen. Den Eindruck unterstützen die weiß hinterleuchteten Pfeile, die die Betriebsbereitschaft anzeigen. Exakt dieses Merkmal findet auch auch auf der Stirnseite des Abtasters wieder.

Einer der beiden interstellaren Flugkörper beinhalten die Stromversorgung, einer den Entzerrer selbst. Drei Kabel mit imposanten Industriesteckverbindern besorgen die Verbindung zwischen beiden Komponenten, es liegen sogar Leitungen in zwei Längen bei – je nach Aufstellung. Ich habe mich mit den kurzen Leitungen begnügt und traute mich, die beiden Geräte direkt aufeinander zu betreiben. Im Versorgungsteil stecken drei Netztrafos. Einer bedient die Lichtquellen im Abtaster, die beiden anderen kanalgetrennt die Entzerrer. Im Wesentlichen jedoch wird das Bild geprägt von einer gewaltigen Elko-Armada. Womit sich das Gerät nur unwesentlich von Gehäuse Nummer zwei unterscheidet, auch da bildet üppige Siebung den Hauptbestandteil. Genauer gesagt stecken im Netzteil knapp drei Farad Kapazität (oder drei Millionen Mikrofarad, das klingt beeindruckender) und im Entzerrerabteil 2,34 Farad. Irre.

Die eigentliche Verstärker- und Entzerrerelektronik wirkt dagegen unspektakulär und drückt sich fast verschämt hinter der Frontplatte in die Ecke. Doch auch hier wir geklotzt und nicht gekleckert: DS Audio bestückt den Grand Master-Entzerrer mit sonderangefertigten passiven Bauteilen und garniert das vollsymmetrische Kunstwerk gleich mit drei Ausgängen, die alle unterschiedlich hochpassgefiltert sind. Das ergibt absolut Sinn, weil der der Abtaster prinzipbedingt gnadenlos alles ab Gleichspannung verstärkt und man an der Stelle ein wenig vorsichtig sein muss. Hinzu gesellt sich noch ein weiterer schaltbarer Tiefpass mit einer Grenzfrequenz von 30 oder 50 Hertz.

Anschluss und Einbau des Grand Master- Abtasters gestalten sich unproblematisch, es kommt im Reed 1X bestens zurecht und lässt sich ohne Probleme ausbalancieren. Beim Einschalten der Elektronik muss man sich einen Moment gedulden, die gewaltigen Energiespeicher wollen erst einmal gefüllt werden. Natürlich habe ich zunächst auf den basspotentesten Ausgang 1 geklemmt und den Hochpass auf 30 Hertz gestellt. Das Ergebnis hat mich ein wenig erschrocken, denn die hier losgetretenen Tieftonenergien sind des Guten eindeutig zuviel. Damit kann man Bassmembranen aus ihrer Einspannung reißen, und das bei Zimmerlautstärke. Letztlich habe ich den Hochpass bei 30 Hertz belassen, mich aber für Ausgang 3 mit dem zivilisiertesten Bassfrequenzgang entschieden. Das passt. Okay. Es nützt ja nichts. Wozu drumherum reden: Diese Wahnwitz-Kombi holt Dinge aus einer Schallplattenrille, die ich bis dato nicht für möglich gehalten habe. Sie liefert eine Transparenz, eine Klarheit, eine Dynamik, die ich hier und da schon mal von einem Masterband gehört habe, aber nicht von einer Schallplatte. Die schiere Wucht der Präsentation, das extreme Vermögen zum Freistellen einer Gesangsstimme – schlicht atemberaubend. Tatsächlich trägt der Tonabnehmer den größeren Teil der Verantwortung für dieses Ergebnis, er lässt seine Klasse nämlich auch noch am Entzerrer des DS-E1 erkennen. Der muss sich nun gar nichts vorwerfen lassen, das Experiment beantwortet aber eine offene Frage deutlich: Das bei der kleinen Kombi deutlich vernehmbare Rauschen geht definitiv auf die Kappe des Entzerrers, wenn es mit dem Grand Master ob des höheren Signalpegels auch nicht mehr ganz so ins Gewicht fällt. Das DS-E1 am zweiteiligen Entzerrer wiederum macht Hoffnung: Es verliert hier nämlich seine letzten Härten, spielt flüssig, frei und offen, beeindruckt wie eh und je mit luxuriöser Raumdarstellung und überzeugt auf ganzer Linie. Seinem sündteuren Bruder jedoch kann es in keiner Disziplin wirklich das Wasser reichen. Trotzdem: Der einzeln für 1100 Euro erhältliche Abtaster und ein potenterer Entzerrer – das ist eine Macht im analogen Oberhaus.

Genug der Experimente, wenden wir uns wieder dem Spitzengespann zu. Ja, ich kann Situationen schaffen, die in Einzeldisziplinen an diese unglaubliche Darbietung heranreichen. Ein großes Lyra spielt definitiv ähnlich farbig und temperamentvoll wie das große DS Audio. Diese Übersicht, den brutalen Live-Charakter, den schaffe ich damit jedoch nicht. Ein unerrreichbarer Traum? Sicherlich. Aber einer, der ein paar Hoffnungsschimmer hinterlässt.

Fazit

Keine andere analoge Abtasterlösung spielt so sauber, dynamisch, frei und durchsichtig wie die elektrooptische Großtat von DS Audio.

Preis: um 55000 Euro

Tonabnehmer

DS Audio Grand Master


04/2021 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb High Fidelity Studio, Augsburg 
Telefon 0821 32750 
Internet high-fidelity-studio.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
B x H x T Entzerrer / Netzteil 452 x 1151 x 486 mm 
Gewicht (in g) ca. 25 / 30 kg 
Unterm Strich... Keine andere analoge Abtasterlösung spielt so sauber, dynamisch, frei und durchsichtig wie die elektrooptische Großtat von DS Audio. 
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Autor Holger Barske
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Datum 30.04.2021, 10:03 Uhr
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