Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: Etsuro Urushi Bordeaux / ET-U50


Die feine japanische Art

Tonabnehmer Etsuro Urushi Bordeaux / ET-U50 im Test, Bild 1
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Mit Etsuro Urushi präsentieren wir an dieser Stelle einen weiteren japanischen Hersteller kleiner Schätze für die analoge Wiedergabe, der zumindest bei uns bis dato ein wenig unter dem Radar flog. Was daran liegen mag, dass die unter diesem Namen verkauften Produkte nicht eben für den klassischen Analogeinsteiger gedacht sind: Der kleinste Abtaster im Programm der Japaner, das Etsuro Urushi Cobalt Blue, will mit 4.000 Euro honoriert werden, das Topmodell „Gold“ liegt gar im deutlich fünfstelligen Bereich. Unser Proband, das „Bordeaux“, schlägt mit ebenfalls üppigen 6.700 Euro zu Buche. Dazu gesellt sich der einzige Übertrager im Programm, eine Preziose namens ET-U50 – was im Vergleich zu den Tonabnehmern geradezu profan klingt. Mit 3.650 Euro bewegt sich auch er allerdings im Luxussegment.

Ich gestehe, mir aus dem Tonabnehmerprogramm das mittlere Modell ausgesucht zu haben, weil‘s die gleiche Farbe hat wie die beiden Übertragerkapseln, die oben aus dem Gehäuse des Umspanners ragen. Ich finde, in diesen Sphären darf man einen insgesamt entspannten optischen Gesamteindruck wertschätzen, immerhin geht‘s hier ja nicht um einen – wenn auch weltberühmten – 25-Euro-Tonabnehmer mit froschgrünem Plastik-Nadeleinschub.

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Wer oder was ist denn jetzt Etsuro Urushi? Ein gemeinsames Projekt eines der größten japanischen Tonabnehmerherstellers und einer Vertriebsfirma. Besagter Tonabnehmerhersteller heißt Excel Sound – ein Name, der Ihnen in dieser Ausgabe noch an diversen anderen Stellen begegnet. Die erwähnte Vertriebsfirma heißt Dai-Ichi Shoji und ist ein seit 1952 operierendes In – und Exportunternehmen. Unter anderem zeichnet man für die weltweite Vermarktung der Excel-Tonabnehmer verantwortlich. Etsuro Urushi nun ist die Kooperation zweier sehr langjähriger Geschäftspartner, die die Welt der Schallplattenwiedergabe nach all den Jahren mit ihrer gemeinsamen Vision bereichern wollen. Fürs Technische zeichnet dabei Excel-CEO / CTO Masao Okada verantwortlich, der auf mehr als ein halbes Jahrhundert Erfahrung in der Tonabnehmerentwicklung zurückblicken kann. Und das, was die älteren Herren da gezaubert haben, das ist in der Tat etwas sehr Besonderes.  

Das Bordeaux ist, wie die anderen Tonabnehmermodelle der Marke auch, ein typisches Low-Output-MC. Was in diesem Falle heißt, dass es eine Ausgangsspannung von 0,25 Millivolt bei leider nicht spezifizierter Schnelle liefert. Das ist in jedem Falle nicht sehr viel, sollte aber mit einer guten modernen Phonovorstufe machbar sein – mit Unterstützung eines Übertragers wie dem hauseigenen sowieso. Zur geringen Ausgangsspannung passt der neidrige Generatorinnenwiderstand von lediglich drei Ohm, offenbar wurde hier nur sehr wenig Draht für die Spulen verwendet, um die bewegte Masse gering zu halten. Die Antriebsenergie besorgt, bei ambitionierten Abtastern aus dem Hause Excel offenbar üblich, ein Samarium-Kobalt-Magnet. Die Abmessungen des Generators wurden so gering wie möglich gehalten, um wenig Angriffsfläche für Einstrahlstörungen zu bieten und um die Effizienz des Magnetkreises zu maximieren. Die Technik steckt in einem sehr schlanken Gehäuse aus der besonders harten und steifen Aluminiumlegierung 7075. Das Gehäuse ist rundum weitgehend geschlossen, Öffnungen gibt es lediglich an der Rückseite für die Anschlussplatte und an der Oberseite, wo der Montageflansch angebracht ist. Jener ist in diesem Falle mal kein integrierter Bestandteil des Gehäuses, sondern eine separate, offenbar verklebte Platte. Die milchigweiße Anordnung ist mitnichten, wie in anfangs vermutete, ein schnödes Acrylteil. Vielmehr handelt es sich um eine 2,5 Millimeter starke Platte aus massivem Saphir. Dort sind fein säuberlich metallene Gewindebuchsen zur Befestigung eingelassen. Die Begründung für die Materialwahl an dieser Stelle wird aus der englischen Übersetzung des Produkttextes nicht ganz klar, sie hat jedenfalls mit der Energieübertragung zwischen Tonabnehmer und Tonarm zu tun.  

Saphir als Material taucht noch ein weiteres Mal beim Bordeuax auf, nämlich als Material für den Nadelträger. Ein 0,4 Millimeter starkes Röhrchen aus dem harten Mineral bildet die Aufnahme für einen sehr kleinen Diamanten mit Microline- Schliff. Saphir ist übrigens im Grunde das Gleiche wie Rubin – so heißt das Material nur, wenn es rot ist. Beim Etsuro Urushi strahlt der Nadelträger hellweiß. Der Abtastnadel attestiert der Hersteller eine besonders gute Höhenabtastung, geringen Verschleiß und weniger Verzerrungen als bei elliptischen oder konventionellen Line-Contact-Diamanten. Wie bei japanischen Tonabnehmern nicht unüblich, ist die Oberflächenvergütung Bestandteil des technischen Konzeptes. Beim Bourdeaux wurde die namensgebende aufwändige Urushi-„Behandlung“ in die Hände eines spezialisierten traditionsreichen Dienstleisters gelegt, der ein Gehäuse mit sehr harter Oberfläche zurückliefert, die auch klangliche Relevanz haben soll. Optisch ist das leicht changierende Dunkelrot jedenfalls eine ausgesprochen edle Angelegenheit. Ein kleines ungewöhnliches Detail offenbart sich bei den Anschlusspins des Bordeaux: Die sind nämlich auf der ersten Hälfte konisch angeschliffen. Das erleichtert das Aufstecken der Anschlusskäbelchen, verbessert deren Halt aber nicht unbedingt, hier braucht es relativ stramm sitzende Exemplare. Der Abtaster wiegt erstaunlich geringe 8,1 Gramm und will mit einer Auflagekraft von 20 Millinewton beaufschlagt werden. Einen Abschlusswiderstand empfiehlt der Hersteller nicht.  

Der Übertrager ET-U50 passt optisch wie elektrisch bestens zum Bordeaux. Die Trafos stecken in zylindrischen Türmchen, die oben aus dem Gehäuse ragen. Jene sind mit der gleichen luxuriösen Oberflächenbehandlung versehen worden wie das Gehäuse des Abtasters. Die Transformatoren spannen Eingangssignale um 26 Dezibel hoch, das entspricht einer Verstärkung von 20-fach. Das passt bestens zu den 0,25 Millivolt Ausgangsspannung des Bordeaux und sollte fünf Millivolt an den Eingang der Phonovorstufe liefern. Die Trafos sind auf Kerne aus „EX“-Material gewickelt, die zu 78 Prozent aus dem besonders hochpermeablen Material Permalloy bestehen. Die zylindrischen Gehäuse bestehen aus dem gleichen Material, hier ist die Abschirmwirkung optimal. Die Kapseln sind mit dem hochdämpfenden Material Sorbothan mechanisch vom Unterbaugehäuse entkoppelt. Auch das Aluminiumdruckgussgehäuse wurde von den Urushi-Spezialisten fein säuberlich lackiert, hier allerdings mit transparentem Lack. Die guten Anschlussbuchsen und die Erdungsklemme sitzen hier mal hinten auf der Gehäuseoberseite.  

Der erste Hörtest erfolgte mit dem Übertrager solo – der durfte sich nämlich dem elektrisch sehr ähnlichen Ortofon ST-80 SE messen, der noch mit der Anlage verbunden war. Die Unterschiede zwischen beiden stellten sich als sehr gering heraus, der ET-U50 liefert ein minimal kräftigeres Bassfundament als der Ortofon, aber da muss man schon genau hinhören. Ich würde ihn insgesamt ebenfalls auf der sehr linearen und detailreichen Seite einordnen. Das Bordeaux durfte zunächst in mittlerweile bewährter Manier an den Eingängen der Linneberg-Phono zeigen, was es kann. Es qualifiziert sich bereits mit den ersten Tönen als Abtaster der allerhöchsten Güteklasse. Es verfügt über einen etwas anderen Charakter als das famose Ortofon Verismo, klingt aber nicht weniger faszinierend. Beim Abschlusswiderstand bin ich ein weiteres Mal bei 100 Ohm gelandet, hier gefällt mir die Balance zwischen Substanz und Transparenz am besten. Das Bordeaux ähnelt in seiner farbigen und explosiven Art an das Hana Umami Red, was bei der Herkunft auch nicht weiter verwundert. Ein ganz besonders gelungener „Match“ ist die Stimme von Nina Simone. Das Maß an Ausdruck, den das Bordeaux aus der Stimme auf „Nina At The Village Gate“ holt, gehört zweifellos zum Feinsten. Mit dem Übertrager an meiner Röhrenphonovorstufe gibt‘s tatsächlich noch etwas mehr Überschwang und Emotionalität, was bei der durchaus problematischen Aufnahme sehr erstaunlich ist.  

Ob das auch mit so etwas Profanem wie Pink Floyd funktioniert? Aber ja! Die japanische Kombi präsentiert „Shine On You Crazy Diamond“ mit erhabener Schönheit, das Intro ist toll im Raum gestaffelt, sogar in der Höhe gibt es echte Differenzierung, es klingt voll, inbrünstig und bombastisch – genau so hätte ich das gerne. Auch hier ziehe ich den Übertragerbetrieb vor, damit stellt sich einfach noch mehr Atmosphäre ein, es klingt voller und satter. Klar, der Preis dieser Kombi ist prohibitiv. Sollten Sie jedoch mal die Chance bekommen, sich so etwas anzuhören, rate ich unbedingt dazu – Plattenabtastung auf diesem Niveau gibt‘s nur sehr selten.

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Fazit

»Japanische Tonabnehmerkunst auf allerhöchstem Niveau: farbstark, ausufernd, emotional, weiträumig und episch. Mit dem Übertrager und einer passenden Phonovorstufe geht‘s tatsächlich noch etwas überzeugender.

Preis: um 10350 Euro

Tonabnehmer

Etsuro Urushi Bordeaux / ET-U50


01/2022 - Holger Barske

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Autor Holger Barske
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Datum 06.01.2022, 09:59 Uhr
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