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Kategorie: Tonabnehmer

Einzeltest: Miyajima Takumi L


Ein Freund fürs Leben

Tonabnehmer Miyajima Takumi L im Test, Bild 1
20147

Ich habe noch niemanden gefunden, der von den Miyajima-Tonabnehmern nicht mindestens angetan gewesen wäre. Vom Takumi L muss man sogar einfach begeistert sein

Es ist nicht das erste Mal, dass wir einen Miyajima-Tonabnehmer in der LP vorstellen und wenn es nach uns geht, sicher auch nicht das letzte Mal. Die Systeme des Japaners Noriyuki Miyajima sind anders als viele andere, klingen irre gut und haben enorme Langzeithörqualitäten. Woran das liegt? Die meisten Hersteller moderner Tonabnehmer verwalten oder verfeinern bereits bestehende Design-Prinzipien. Nicht so der passionierte Musikliebhaber Miyajima- san. Er entwickelte bereits 1997 ein besonderes Prinzip für Mono-Abtaster, die seine Stereomodelle plötzlich klanglich alt aussehen ließen. Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen, erhöhte die Schlagzahl und erfand das sogenannte „Cross-Ring- Prinzip“, für das er 2003 ein Patent erteilt bekam.

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Er verzichtet dabei auf den üblichen Spanndraht, der bei Moving-Coil Tonabnehmern Nadelträger und Spulen im Lot hält. Verständlicherweise hatte ihn gestört, dass sich die Spannung des Drahts beim Abtastvorgang ständig ändert. Deshalb setzte er harte und relativ große Gummidämpfer vor den Spulenträger, üblicherweise sitzen sie dahinter. Und wo sonst der Spanndraht den Nadelträger fixiert, tut das bei Miyajima eine spitze Stellschraube. Das Ende des Nadelträgers und diese Stellschraube treffen sich exakt im Zentrum der Spulen, wodurch sich die komplette Einheit im Magnetfeld nur noch um ihren Drehpunkt bewegt. Das ermöglicht die direkte Übersetzung jeder Abtastbewegung in elektrische Signale. Auch Miyajimas Spulen sind nicht von der Stange: Er wickelt sie auf einen nichtmetallischen Spulenträger aus Kunstharz nach einem System sich überlappender Ellipsen - der eigentliche Namensgeber seines Cross- Ring-Prinzips. Eigentlich erstaunlich, dass nicht jeder Hersteller einen nichtmagnetischen Spulenträger verwendet. Dadurch werden eindeutig Verzerrungen minimiert, was man deutlich hören kann. Es gibt wenige Systeme, die so ausgeglichen und ruhig durch die Rillen gleiten. Das gilt es aber keinesfalls mit fehlender Dynamik verwechseln, denn das genaue Gegenteil ist der Fall. Im japanischen Fukuoka werden neben den Stereo- übrigens auch jede Menge Mono-Tonabnehmer gebaut. Sie sind das besondere Steckenpferd von Miyajima-san. Ich habe, ohne zu übertreiben, locker 15 Freunde, die ein Miyajima-Mono-System betreiben. Fast alle haben sich für das Modell „Zero“ entschieden und wie das klingt, das wollen Sie gar nicht so genau wissen. Man könnte übrigens fast eine Komplettanlage von Miyajima kaufen, denn in homöopatischen Dosen baut der Mann auch Röhrenverstärker und Hornlautsprecher - Übertrager sowieso. Holz als Gehäusematerial ist Miyajima-san eine Herzensangelegenheit. Bei seinen Tonabnehmern dachte er schon immer eher an Instrumente als an technische Produkte. Er sagte mir, dass nur schwere, also dichte Hölzer in Frage kämen und er über viele Jahre hinweg jedes denkbare Holz ausgiebig getestet hätte. Diesen Aufwand muss man sich einmal vorstellen und vor Allem auch kalkulieren. Haben Sie schon einmal versucht, Ebenholz zu bearbeiten? Falls ja, wissen Sie, wie widerspenstig ein so extremes Hartholz ist. Bei Miyajima wird das von Hand gemacht, insgesamt arbeiten drei Mitarbeiter ein bis zwei Tage an einem einzigen Tonabnehmer. „African Blackwood“ (Grendadill) erschien ihm für das Takumi L ideal, es wird auch für Oboen und Klarinetten verwendet. Dennoch konnte ich keine Präferenzen etwa für klassische Musik heraus hören. Der Unterschied zum Ur-Takumi ist der etwas dickere Nadelträger und der deutlich feiner geschliffene Diamant. Eines Tages, so Miyajima, kam er auf die Idee, einen Line-Contact-Schliff zu verwenden. Die hinzugewonnene Energie und Finesse gefi elen ihm so gut, dass das System in Serie ging. Außerdem soll der Diamant länger halten, was bei seinen ohnehin moderaten Reparaturpreisen ein weiteres echtes Kaufargument ist. Das Takumi L markiert eine neue Phase in der Geschichte der Miyajima-Tonabnehmer. Thomas Schmidt schrieb vor zehn Jahren in der LP, dass ihm drei Gramm Auflagegewicht in Verbindung mit einem scharfen Shibata-Schliff Angst machten - und wurde dann zum Fan: „Ohne Diskussion: Eines der absoluten Topsysteme.“ Das Takumi L braucht nur noch 2,3 Gramm, trotz seines durchaus vergleichbaren Line- Contact-Schliffes. Die Ausgangsspannung liegt mit 0,21 Millivolt noch etwas niedriger als beim Shilabe, aber auch das ist zum Beispiel für die Allnic H-1202 Phono nicht das geringste Problem. Ihre Gain- Reserven sind schier unbegrenzt. Die meiste Zeit habe ich das Takumi L mit meiner Vorstufe Air Tight ATC-1 (High Gain) und dem Consolidated-Audio-Übertrager betrieben. Damit klingt es frei, breit, offen, wunderbar. Gesagt aheb ich es schon oft, vielleicht aber noch nicht geschrieben: Der Consolidated Audio ist neben seinen vielen anderen Meriten unter anderem der Übertrager schlechthin für Leute mit Vorurteilen gegenüber dieser Technologie. Er ist so transparent, so durchlässig, dass man ihn einfach nicht wahrnimmt – von der reinen Verstärkung abgesehen. Ich habe das Takumi L auf dem Pear- Audio-Tonarm Cornet 1 montiert. Weil das extrem gut funktioniert hat, durfte es gleich dort bleiben, eingespielt war es bereits. Sofort stellt sich eine intime Form von Dynamik ein, die niemals vordergründig ist. Eine perlende Lässigkeit und durchscheinende Auflösung - es ist, als ob man in einen Zen Garten schaute und Ruhe, Zufriedenheit und Balance in einem wachsen. Ich weiß, ich rede mich um Kopf und Kragen - oder besser: um mein Geld - aber ich habe den Eindruck, dass neben meinem Jan Allaerts ein weiterer famoser Allround-Abtaster ganz laut „hier!“ ruft, „nimm mich!“. Und dieser wunderschöne, farbige Bass, dazu eine fast schon gespenstische Stille in den Rillen. Ich bin echt begeistert. War das Modell „Waza“ noch ein besseres Ortofon SPU, ist das Takumi L ein ganz anderes Kaliber. Die Oscar-Peterson-Live-LP geht los wie die oft zitierte Feuerwehr. Offen gestanden habe ich meinen Pear Audio so noch nie gehört, fast habe ich den Eindruck, sein Riemen- wäre einem Reibradantrieb gewichen. Er pumpt Bassimpulse von enormer Tiefe und Schnelligkeit in den Raum. Die Klavierattacken von Peterson erreichen eine Dynamik, die selbst für seine Verhältnisse unerhört sind. Ungerührt, extrem ruhig gleitet das Takumi L durch die Rillen und freut sich mit mir auf die nächsten Aufgaben. Iggy Pop scheint mit seinen 72 Jahren noch mehr Freiheiten als je zuvor zu haben, genau das zu tun, wozu er wirklich Lust hat. Und genau das macht er auf „Free“, seinem 18. Studioalbum. Schon auf der unfassbar guten Jazz-Trio-Scheibe „Loneliness Road“ von Jamie Saft hat er mit „Everday“ so einen modernen Instant- Klassiker aus dem Ärmel geschüttelt, wie er das jetzt mit „James Bond“ wieder tut. Das spielt so staubtrocken, so unglaublich sonor und funky, dass ich das Stück sofort noch einmal anhören muss. Auch Esther Philips geniales Album “From a whisper to a scream“ zwingt mich dank des Takumi L zum Zuhören. Das macht System wie wenige andere, die ich kenne. Platte um Platte lege ich auf und muss mich disziplinieren, meine Notitzen nicht zu vergessen. Preisklassenunabhängig ist das eines der allerbesten Tonabnehmersysteme, die ich je hören durfte.

Fazit

Möchte man sich ein sehr hochwertiges MCSystem leisten, muss man sich das Miyajima Takumi L einfach anhören. Es hat nur Stärken und macht Musikhören zu einem reinen Vergnügen.

Preis: um 3000 Euro

Tonabnehmer

Miyajima Takumi L


12/2020 - Christian Bayer

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb WOD Audio 
Telefon 06187 / 900077 
Internet www.wodaudio.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Material African Blackwood 
Nadelschliff Line Contact 
Gewicht (in g) 8,9 Gramm 
Unterm Strich... » Möchte man sich ein sehr hochwertiges MCSystem leisten, muss man sich das Miyajima Takumi L einfach anhören. Es hat nur Stärken und macht Musikhören zu einem reinen Vergnügen. 
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Autor Christian Bayer
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Datum 03.12.2020, 10:01 Uhr
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