Kategorie: Tonabnehmer

Serientest: Nagaoka MP-100, Nagaoka MP-110


Mittelklasse-Japaner

Tonabnehmer Nagaoka MP-100, Nagaoka MP-110 im Test , Bild 1
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Brauchen Sie Zubehör, das irgendwie – und sei es noch so entfernt – mit Schallplattenwiedergabe zu tun hat? Dann werden Sie garantiert fündig bei Nagaoka. Man beherrscht dort aber inzwischen auch souverän eine der analogen Kerndisziplinen

Mitspieler

Plattenspieler:

Thorens TD 150 mit ADC Pritchard
Rega RP3
Thorens TD


Phonoverstärker:

Puresound
Quad Twentyfour P


Verstärker:

Colotube
MalValve Preamp Three und Poweramp Three
WLM Sonata Integrated


Lautsprecher:

Tannoy Kensigton
K+T Mini-Monitor TS
Kef Q300


Zubehör:

Netzleiste, -Kabel: PS-Audio, Hms
Phonokabel:Musical Wire, Horn Audiophiles
NF-Kabel: Van den Hul, Horn Audiophiles
Lautsprecherkabel:Silent Wire
Racks, Basen, Unterstellfüße: SSC, Thixar, Audio Exklusiv, bFly Audio


Gegenspieler

Tonabnehmer:

Denon DL103
Shure M97XE
Audio Technica AT440ML

Den Nimbus des reinen Zubehör- Vollsortimenters hat Nagaoka nicht mehr – und auch den Status eines ewigen Geheimtipps haben die Tonabnehmer mit der markant-klotzigen Formgebung schon weit hinter sich gelassen. Die Stars im Portfolio heißen MP-500 und MP-300, die wir vor einem guten Jahr (LP 1/2011) schon für exzellent befunden haben – die beiden Systeme brauchen in ihrer Preisklasse und noch darüber hinaus keinen Vergleich zu scheuen. Inwieweit sich diese Qualitäten auf die „kleineren“ MM-Systeme auswirken, wollen wir in diesem Test überprüfen.

Tonabnehmer Nagaoka MP-100, Nagaoka MP-110 im Test , Bild 2Tonabnehmer Nagaoka MP-100, Nagaoka MP-110 im Test , Bild 3Tonabnehmer Nagaoka MP-100, Nagaoka MP-110 im Test , Bild 4Tonabnehmer Nagaoka MP-100, Nagaoka MP-110 im Test , Bild 5Tonabnehmer Nagaoka MP-100, Nagaoka MP-110 im Test , Bild 6Tonabnehmer Nagaoka MP-100, Nagaoka MP-110 im Test , Bild 7
Ganz bewusst sind wir dabei sozusagen zwei Preisklassen nach unten gegangen und haben uns die beiden günstigsten Tonabnehmer der „100er-Serie“ bestellt – namentlich das MP-100 und das MP-110. Die beiden Systeme sind die Nachfolger des MP-10 und MP-11 aus der inzwischen ausgelaufenen ersten MM-Serie Nagaokas, denen wir vor fünf Jahren eine mehr als ordentliche Klangqualität bescheinigen konnten. Vor allem als Ersatzbestückung an klassischen Plattenspielern mit etwas schwereren Armen machen das MP-10 und das MP-11 bei mir nach wie vor eine gute Figur. Preislich liegen MP-100 und MP-110 nicht über den älteren Modellen; mit etwa 70 beziehungsweise 90 Euro sind sie inflationsbereinigt sogar billiger geworden – in dieser Ära explodierender HiFi-Preise allemal eine Erwähnung wert. Trotz fast identischer Abmessungen finde ich die „100er“ optisch etwas dezenter als die Vorgänger – geblieben ist natürlich die grundsätzliche Bauform mit einer dicken Grundplatte aus Kunststoff und offenen Laschen für die Schrauben. Einerseits ist das ärgerlich, wenn man an das lästige Gefrickel mit Schrauben und Muttern denkt, die am Headshell in der Regel alles tun, nur nicht an ihrem Platz bleiben. Andererseits behält man auf diese Art und Weise die größte Flexibilität bei der Montage, denn einen Tonabnehmer mit von oben eingefrästem Gewinde kann man schlicht und ergreifend nicht von unten montieren – und das ist gerade bei vielen älteren Plattenspielern nicht anders möglich. Man denke nur an die vielen alten Thorens-Tonarme mit den silbernen Gitterheadshells, die zudem noch ein anderes Gewindemaß haben. Eingebettet in die etwa einen halben Zentimeter starke Kunststoffbasis – und deutlich schmaler als diese – sitzt das eigentliche Gehäuse mit dem Herzstück der beiden Systeme, dem sogenannten Moving-Permalloy- Generator. Prinzipiell ist dies das Gleiche wie bei einem Moving-Iron-System, nur das verwendete Material unterscheidet sich offensichtlich. Wie auch immer: In den Nagaoka-Systemen gibt es eine feste Anordnung von Spulen und Magneten, in deren Mitte sich ein am Nadelträger befestigtes Stück Mu-Metall bewegt und angeregt durch die Bewegung des Diamanten in der Rille eine Spannung in den Spulen generiert, die der von Moving-Magnet-Systemen in nichts nachsteht. Im Vergleich zur alten 10er-Serie hat man an die Generator- Anordnung und die Aufhängung der Nadeleinschübe so weit überarbeitet, dass man optimal mit den heute so weit verbreiteten mittelschweren Tonarmen arbeiten kann – sprich: Die Compliance ist etwas höher geworden. Im Gegenzug hat man am Korpus etwas Gewicht einsparen können, ohne die beeindruckende Grundstabilität anzutasten. Wie auch immer geartete Einschränkungen an meinen alten Plattenspielern und Tonarmen habe ich aber im Verlauf des Tests nicht feststellen können. Apropos alte Plattenspieler: Es gibt bei Nagaoka Nadeleinschübe für alte Mono- und Schellackplatten mit jeder nur erdenklichen Nadelverrundung. Das MP-100 wird sogar teilweise im Set mit zwei unterschiedlichen Einschüben – das normale für Stereo und eine Mono-Nadel je nach Bedarf – verkauft. Die beiden „kleinen“ Nagaokas besitzen übrigens im Unterschied zu den nackten Diamanten der weiter oben angesiedelten Modelle nur gefasste Diamantspitzen. Aluminium ist hier das Material der Nadelträger, während das steifere Bor erst ab dem MP-200 verwendet wird. Die Justage der Systeme ist denkbar einfach: Ein Nagaoka-System gibt seit jeher genügend gerade Linien vor, um sich daran zu orientieren. Ein Extralob gibt es für die stets akkurate Ausrichtung von Einschub und Nadelträger zum Generator – hier haben wir schon bei wesentlich teureren Systemen Schlimmeres gesehen. Schon das MP-100 schlägt sich extrem wacker. Gegenüber dem inzwischen ausgelaufenen MM 312 BE – zugegebenermaßen ein Einsteigersystem, aber eines mit Ambitionen – kann es mit einer größeren Pointiertheit an den Rändern des Frequenzgangspektrums punkten. Oder etwas weniger verquast: Die Bässe wirken tiefer und präziser, die Höhen noch etwas feiner aufgelöst. Subjektiv erscheint dadurch auch die Bandbreite etwas größer. In Sachen Räumlichkeit gilt das Gleiche: Man hat bei dem 70-Euro-System zwar noch nicht das Gefühl, die letzten architektonischen Details eines Aufnahmeraums herauszuhören, die Integration des Gespielten/Gesungenen in die abgebildete Raumakustik gelingt aber sehr homogen. Wenn es die Aufnahme hergibt: Das MP-100 ist bei aller Gutmütigkeit durchaus in der Lage, aus einer überproduzierten Nummer den Unterschied zwischen natürlichem und künstlichem Nachhall herauszuarbeiten. Insgesamt kann man klanglich durchaus von einem MM-Äquivalent zum Altmeister Denon DL103 sprechen. Was das legendäre MC in Sachen Dynamik und Ausdruck in den Mitten voraus hat, macht das Nagaoka in Sachen Ausgewogenheit locker wett – eine angesichts des Preises höchst erfreuliche Patt-Situation. In Sachen Auflösung und Subtilität kann das MP-110 noch einen draufsetzen: Der etwas schärfere Nadelschliff kommt dem Fahnden nach kleinen Details in der Rille entgegen – das klingt jetzt schon nach richtig ernstem HiFi. Ein nicht zu unterschätzender Nebenaspekt ist das Abspielen von stark gebrauchten Platten: Je nach Nadelschliff des Vorgängers kann eine leichte Variation der Eintauchtiefe Wunder in Sachen Nebengeräuschfreiheit bewirken. Sprich: Eine mit einem Rundnadel-System komplett heruntergenudelte Schallplatte kann mit einem elliptischen Diamanten wieder ganz manierlich klingen. Anders herum funktioniert das übrigens auch. Aber zurück zum MP-110, das in der Summe das deutlich erwachsenere System ist, das wir gerade für das Abtasten feinsinnigerer Musik wärmstens empfehlen möchten, bietet es doch durch sein besseres Auflösungsvermögen quasi als Nebeneffekt eine noch einmal präzisere Räumlichkeit, die schon fast nichts mehr vermissen lässt. Wohlgemerkt fast: Gegen das MP-300, das ja nach Katalogangabe auch „nur“ einen elliptischen Schliff hat, macht es doch keinen Stich. Es unterliegt jedoch auf eine sympathische Art und Weise, zeigt es doch, dass es den beim japanischen Hersteller eingeschlagenen Weg der Neutralität und Sauberkeit der Wiedergabe angesichts des Preises doch ein ganz schön weites Stück mitgehen kann.

Fazit

Die beiden günstigsten MM-Systeme von Nagaoka zeigen beide die extrem hohe Kompetenz des japanischen Herstellers in Sachen präziser analoger Wiedergabe - in ihrer Preisklasse markieren sie beide zurzeit den Stand des Machbaren.

Preis: um 70 Euro

Tonabnehmer

Nagaoka MP-100


07/2012 - Thomas Schmidt

Preis: um 90 Euro

Tonabnehmer

Nagaoka MP-110


07/2012 - Thomas Schmidt

Ausstattung & technische Daten: Nagaoka MP-100
Vertrieb: Phono Zubehör Vertrieb, Falkensee 
Telefon: 033222 039155 
Internet: www.tonnadel.de 
Ausgangsspannung (in mV) 5 mv 
Gewicht (in g) 0.065 
Nadelschliff sphärisch 
Abschlussimpedanz (in Kiloohm) 47000 
Auflagekraft (in Gramm) 1,8 bis 2,3 Gramm 
Ausstattung & technische Daten: Nagaoka MP-110
Vertrieb: Phono Zubehör Vertrieb, Falkensee 
Telefon: 033222 039155 
Internet: www.tonnadel.de 
Ausgangsspannung (in mV) 5 mv 
Gewicht (in g) 0.065 
Nadelschliff elliptisch 
Abschlussimpedanz (in Kiloohm) 47000 
Auflagekraft (in Gramm) 1,5 bis 2,0 Gramm 
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Thomas Schmidt
Autor Thomas Schmidt
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Datum 16.07.2012, 23:13 Uhr
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