Kategorie: Vintage Hifi

Serientest: Acron 110 C, Acron 200 C, Acron 200 C K+T-Modifikation, Acron 500 B


Der Vater der Mini-Boxen

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Die Firma Acron hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens den deutschen Lautsprechermarkt ordentlich aufgemischt. Der Chef und Entwickler setzte dabei neue Maßstäbe in Sachen Miniaturisierung.

Die Faszination für das extrem Kleine im HiFi-Bereich hat in Deutschland einen ganz konkreten Ursprung. Wenn wir heute kleine High-End-Monitore in die Hand nehmen und über deren unglaubliche Massivität staunen, dann halten wir oft unwissentlich das ideelle Erbe eines einzelnen Mannes in den Händen: Franz Petrik. Als ich vor Jahren mein erstes Paar Acron 110 C kaufte, war das ein Aha-Erlebnis. Statt folierte Spanplatte: edel gebürstetes Aluminium – und ein Gewicht, das in keinerlei Verhältnis zu den gerade einmal zwei Litern Volumen stand. Erst zu Hause, angeschlossen an einen kräftigen Verstärker, offenbarte sich tatsächlich auch akustisch eine hohe Qualität: Aus diesen winzigen Kisten kam echte Musik.

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Kein schepperndes Brüllwürfel-Gequäke, sondern ein ernsthaftes, lineares und erstaunlich erwachsenes Klangbild. Nein, tiefe Töne kamen da nicht raus, aber für leises Musikhören mit Loudness reichte es; später wurde es mit einem Subwoofer dann sogar richtig ernst.


Geschichte: Franz Petrik und der Taunus-Sound


Die Geschichte von Acron ist untrennbar mit einem der wichtigsten Kapitel der deutschen HiFi-Historie verbunden. Franz Petrik (1942–2015) war nicht einfach nur ein Entwickler; er war einer der maßgeblichen Akteure bei der Braun AG. Unter seiner Ägide entstanden dort Ende der 1960er Jahre Meilensteine wie die Braun L710 – Lautsprecher, die mit ihrer neutralen, aber detailreichen Abstimmung den sogenannten „Taunus-Sound“ mitprägten. Doch Mitte 1975 traf Petrik eine weitreichende Entscheidung: Er verließ Braun, um wenige Kilometer weiter, in Bad Vilbel, seine eigene Firma zu gründen: die Acron F. Petrik GmbH. Petrik hatte eine klare Vision. Er wollte beweisen, dass echtes HiFi kein großes Volumen benötigt, sofern man bei der Konstruktion und den Materialien keine Kompromisse eingeht. Nur wenige Monate nach der Gründung präsentierte er die Acron 100 C. Sie gilt heute als die erste echte HiFi-Minibox der Welt und versetzte die damalige Fachwelt – und vor allem Petriks ehemaligen Arbeitgeber Braun – in helle Aufregung. Leider hatte Petrik die Mini box wohl auch nachweislich noch als Angestellter der Braun AG entwickelt, sodass er nach einem langen Rechtsstreit schließlich Mitte der 80er Jahre aufgeben und die Firma am Ende schließen musste.  Anders als die BBC-Ingenieure bei der LS3/5a, die auf zugekaufte Chassis von KEF setzten, profitierte Petrik von seinem immensen Know-how in der Chassis-Entwicklung. Die Treiber für die Acron-Lautsprecher wurden nach strengen Vorgaben gefertigt und wiesen für damalige Verhältnisse extreme Parameter auf. Die Tiefmitteltöner der 100 C, ihrer Nachfolgerin 110 C und der etwas größeren 200 C mussten geschickt abgestimmt sein, um in dem winzigen geschlossenen Volumen überhaupt nennenswerten Schalldruck im Grundtonbereich zu erzeugen. Dazu kamen hochwertige Kalottenhochtöner (oft 25 mm), die eine exzellente Rundumabstrahlung und Seidigkeit im Hochton boten, die man eher von großen Studiomonitoren kannte. Während die britischen Monitorhersteller oft auf dünnwandige, mitschwingende Gehäuse aus Sperrholz setzte, ging Franz Petrik den genau entgegengesetzten Weg. Das „C“ in der Modellbezeichnung stand für die Kompakt-Serie mit Aluminiumgehäusen. Das Gehäuse der 100 C und 200 C war ein Meisterwerk der Metallverarbeitung. Dicker, gezogener und gebürsteter Aluminium-Strangguss sorgte für eine unerbittliche Steifigkeit. Resonanzen, die bei Holzgehäusen dieser Größe unweigerlich aufgetreten wären, wurden durch das schiere Gewicht und die Härte des Materials im Keim erstickt. Diese Boxen klangen nicht nach Kiste – sie fügten dem Signal schlichtweg keinen eigenen „Gehäuseklang“ hinzu. Die Front wurde durch ein Metallgitter geschützt, das nicht nur zeitlos wirkte, sondern auch akustisch extrem durchlässig war.


Die Evolution: Von Alu- Zwergen zu Holz-Klassikern


Mit der Zeit wuchs Acron und mit der Marke auch das Portfolio. Während die C-Serie (100 C, 200 C, 300 C) die Aluminium- Fraktion bediente, führte Petrik auch die B-Serie ein – Lautsprecher mit klassischen Holzgehäusen („B“ für Box/ Holz). Die hier gezeigte Acron 500 B, ein Mittelklassemodell, repräsentiert diesen Schritt in Richtung traditionellerer HiFi-Lautsprecher. Als 3-Wege-Konstruktion bot sie deutlich mehr Volumen und bediente sich eines ausgewachsenen 20-cm-Tieftöners sowie einer großen Mitteltonkalotte. Hier konnte Petrik zeigen, dass er nicht nur Miniaturisierung beherrschte, sondern auch in der „Mittelklasse“ der Regalboxen hervorragende, lineare und dynamische Lautsprecher bauen konnte. Die 500 B behielt die klangliche DNA der kleinen Alu-Zwerge bei – unglaubliche Transparenz und ein straffer, staubtrockener Bass durch die geschlossene Bauweise –, fügte dem Ganzen aber eine Pegelfestigkeit und ein Tieftonfundament hinzu, das große Wohnzimmer mühelos füllte. Andererseits war das in diesem Segment auch nichts Neues – Canton und Braun hatten in dem Format mindestens gleichwertige Angebote. Wie alle Boxen dieser Zeit profitiert die 500 B von einem Hochpasskondensator vor dem Tieftöner – dann wird aus dem Bassbuckel ein linearer Verlauf mit einer noch tieferen unteren Grenzfrequenz.

Upgrade? 


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Der ursprüngliche Anlass dieses Artikels war die Anfrage eines Klang+Ton-Lesers, ob ich mir einmal seine 200 C ansehen könnte. Nach dem Erwerb und Austausch der Sicken war er mit dem Klangbild im Solobetrieb nicht glücklich. Klar: Wenn wir uns mal die Diagramme der 200 C im Original ansehen, passiert da unter 100 Hertz gar nichts – darüber hingegen gibt es durchaus Lebendigkeit im Sinne von ungebremstem Pegel und einen tendenziell sogar noch zu lauten Hochtöner. Nun, so eine Box lässt sich dankenswerterweise recht schnell zerlegen, um eine Weichenmodifikation zu ermöglichen. Die Filtertopologie (zweimal 12dB-Filter plus Vorwiderstand vor dem Hochtöner) habe ich beibehalten – nur im Tieftonzweig ist noch ein Widerstand hinter dem Parallelkondensator hinzugekommen). Die Spule vor dem Tieftöner habe ich von 1mH auf 1,2 mH vergrößert – der 33 µF-Kondensator ist geblieben. Hier habe ich für etwas mehr Dämpfung im Übernahmebereich noch 1,5 Ohm in Reihe geschaltet, was zwar die Membranresonanz wieder etwas prominenter auftauchen lässt, aber insgesamt etwas linearer wirkt. Kaum stärker musste ich beim Hochtöner eingreifen, der einfach einen kleineren Hochpasskondensator bekommen hat und mit einem etwas größeren Vorwiderstand und der originalen Parallelspule im Präsenzbereich deutlich mehr Zurückhaltung zeigt, während er im oberen Hochtonbereich noch mal etwas zulegt. Das Ganze führt zu einer sauberen Summenbildung, bei der die Membranresonanz des Tieftöners noch im Hochtonzweig Einfluss hat – immerhin gibt es dabei aber kein Phasenproblem. Der Gesamtfrequenzgangverlauf ist nun am lautesten im Oberbass- und Grundtonbereich, während der Pegel bis 10 Kilohertz stetig verringert. Erst im Brillanzbereich legt der Hochtöner auf Achse noch ein bisschen zu. Das Rundstrahlverhalten ist im Präsenzbereich etwas ungleichmäßig – geschenkt, das geht mit den scharfen Kanten eben nicht besser. In Sachen Klirr geht das Ganze im nutzbaren Frequenzbereich gut bis 90 Dezibel, darüber wird es dann eng für den kleinen Treiber. Der Impedanzverlauf ist nur höherohmig als vorher – klar. Das Wasserfalldiagramm ist insgesamt sauber, nur die leichten Mitteltonresonanzen wegen der nah am Treiber gelegenen Gehäusewände sind immer noch sichtbar.

Weichenbestückung


L1: 1,2mH Kernspule 1,0mm
L2: 0,68mH Luftspule 0,7mm
C1: 33µF Elko oder MKT
C2: 4,7 µF MKP oder MKT
R1: 1,5 Ohm MOX 10 Watt
R2: 6,8 Ohm MOX 10 Watt

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Klang


Und wie klingt das heute? Tatsächlich verblüffend modern. Die kleine 110 C und die 200 C brauchen zwingend eine wandnahe Aufstellung oder besser noch ein Bücherregal, um im Bassbereich unterstützt zu werden (der sogenannte Room-Gain). Stehen sie dort, zaubern sie eine absolut holografische Bühne in den Raum. Stimmen lösen sich perfekt von den kleinen Aluminium-Gehäusen. Der Hochton ist präsent, aber – typisch für die guten Gewebekalotten der damaligen Zeit – niemals übermäßig nervig oder spitz. Ein ganz anderes Kaliber ist die 200 C nach der Modifikation: Immer noch kein Bassmonster, aber für alle Musikrichtungen, die nicht auf heftigen elektronischen Bässen basieren, durchaus kompetent und voll klingend, während die Qualitäten in Sachen Abbildung und Präzision geblieben sind. Der gesamte Eindruck ist aber jetzt deutlich entspannter und ausgewogen. Die deutlich größere 500 B hingegen agiert natürlich souveräner. Sie braucht keine Wand im Rücken und liefert einen kontrollierten, konturierten Tiefton, den man bei heutigen Bassreflex-Konstruktionen oft schmerzlich vermisst. Sie ist eine Box zum entspannten, stundenlangen Musikhören, ein echter Allrounder, der die Tugenden des Taunus-Sounds (Klarheit und Präsenz) mit einer warmen Grundtonfülle verbindet.

Der Markt


Die gute Nachricht: Im Gegensatz zur LS3/5a sind Acron-Lautsprecher noch immer echte Geheimtipps und für vergleichsweise kleines Geld zu haben. Ein Paar 100/110 C oder 200 C wechselt oft schon für um die 100 Euro den Besitzer; eine gut erhaltene 500 B liegt zwischen 100 und 200 Euro. Die schlechte Nachricht: Die Ersatzteillage ist schwierig. Wenn ein Hochtöner defekt ist oder die Gummisicken der kleinen Langhub-Tieftöner nach fast 50 Jahren verhärtet sind, wird es eng. Wer sich auf dem Gebrauchtmarkt umschaut, sollte vor allem auf eingedrückte Frontgitter bei den C-Modellen und den Zustand der Mitteltöner bei der 500 B achten.

Fazit

Gibt es heute kompaktere Boxen mit mehr Bass? Dank DSPs und moderner Treiber-Technik: Ja. Aber es gibt kaum Lautsprecher, die diese faszinierende Kombination aus haptischer Qualität, Historie und ehrlichem, ungeschminktem HiFi-Klang bieten. Franz Petrik hat mit Acron ein Stück deutsche HiFi-Geschichte geschrieben, das man sich auch heute noch bedenkenlos ins heimische Regal stellen kann.

Den Test finden Sie in der Klang&Ton 4/2026. Das Heft ist in unserem Shop als e-paper oder als Print-Ausgabe erhältlich
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Kategorie: Vintage Hifi

Produkt: Acron 110 C

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Produkt: Acron 200 C

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Produkt: Acron 200 C K+T-Modifikation

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Kategorie: Vintage Hifi

Produkt: Acron 500 B

7/2026
Ausstattung & technische Daten: Acron 110 C
Technische Daten
Abmessungen (B x H x T in mm) ca. 110 x 170 x 110 
Gewicht ca. 2,2 kg 
Gehäuse Aluminium-Strangguss 
Prinzip 2-Wege geschlossen 
Bestückung Langhub-Tiefmitteltöner (10 cm), Gewebekalotte (25 mm) 
Wirkungsgrad (2,83V 1m) 87 dB 
Preis (gebraucht) ab ca. 50 – 100 Euro 
Ausstattung & technische Daten: Acron 200 C
Technische Daten
Abmessungen (B x H x T in mm) ca. 140 x 220 x 130 
Gewicht ca. 3,5 kg 
Gehäuse Aluminium-Strangguss 
Prinzip 2-Wege geschlossen 
Bestückung Langhub-Tiefmitteltöner (13 cm), Gewebekalotte (25 mm) 
Wirkungsgrad (2,83V 1m) 89 dB 
Preis (gebraucht) ab ca. 70 – 130 Euro 
Ausstattung & technische Daten: Acron 200 C K+T-Modifikation
Technische Daten
Abmessungen (B x H x T in mm) ca. 140 x 220 x 130 
Gewicht ca. 3,5 kg 
Gehäuse Aluminium-Strangguss 
Prinzip 2-Wege geschlossen 
Bestückung Langhub-Tiefmitteltöner (13 cm), Gewebekalotte (25 mm) 
Wirkungsgrad (2,83V 1m) 89 dB 
Preis (gebraucht) ab ca. 70 – 130 Euro + 50 Euro Weichenbauteile 
Ausstattung & technische Daten: Acron 500 B
Technische Daten
Abmessungen (B x H x T in mm) ca. 250 x 400 x 220 
Gewicht ca. 8,5 kg 
Gehäuse Holz (furniert oder foliert) 
Prinzip 3-Wege geschlossen 
Bestückung Tieftöner (ca. 20 cm), Mitteltonkalotte ( 50 mm), Hochtonkalotte (25 mm) 
Wirkungsgrad (2,83V 1m) 91dB 
Preis (gebraucht) ab ca. 100 – 200 Euro 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 07.07.2026, 12:15 Uhr
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Die große Reduktion

Man nehme einen Breitbänder, ein Gehäuse und lasse im Grunde alles weitere weg. Heraus kommt wahrscheinlich ein Lautsprecher, der nicht besonders gut klingt. Es sei denn, man weiß, was man tut.

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