Kategorie: Vintage Hifi

Klang+Ton Vintage: Technics SB-660 (1974 bis 1977)


Klassisch und laut

Vintage Hifi Technics SB-660 im Test, Bild 1
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In Sachen japanischer 3-Wege-Monitore bin ich ja ein bisschen Yamaha- und Corallastig aufgestellt, ich gebe es zu. Andere Marken waren mir dagegen eher weniger als im Wortsinne bemerkenswerte Hersteller bekannt. Aber manchmal kommt der entscheidende Anstoß von außen.

Und dabei hatte ich sie buchstäblich jahrelang vor der Nase: Bei einem Freund, seines Zeichens ebenfalls leidenschaftlicher Vintage-Sammler, standen sie als fester Bestandteil des Möbel-Ensembles im Wohnzimmer, die Technics SB-660: Groß, ja, aber dennoch ziemlich unscheinbar als schwarze Klötze mit schwarzer Frontbespannung. Wie sie klangen – keine Ahnung, er hatte sie niemals angeschlossen – das Schicksal vieler Sammlergeräte, die zu einem Leben als Ablageplatz für andere Geräte verdammt sind. Und so hätte ich die SB-660 wieder vergessen, wenn da ein weiterer Forenkollege nicht Langeweile gehabt hätte und seine teildefekten Technics-Boxen deswegen mal aufgemacht hat, um die „gegrillten“ Hochtöner zu ersetzen.

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Seinen Unmut über die teilweise recht rudimentäre Weichenschaltung machte er dann im Forum Luft – nach einem Wortwechsel erklärte er sich bereit, mir die Boxen zur Verfügung zu stellen, dass ich mir selbst ein Bild machen könne.  

Leider fehlten den zugesandten Boxen nicht nur die Hochtöner, sondern auch die Aluminium-Fronten, so dass ich zwar eine Story über den Ersatz der Hochtöner hätte machen können, was aufgrund häufiger Ausfälle derselben nicht uninteressant wäre, aber es wäre halt nichts zum Fotografieren da gewesen. Und wieder ruhte die Geschichte, bis ich zufällig in einer Facebook-Gruppe ein Paar gut erhaltene SB-660 zum Verkauf angeboten sah. Ein Hörtest war möglich, also griff ich zu.  

Technik


Nach guter alter Sitte ist auch die SB-660 ein Drei-Wege-Monitor. Gebaut wurde sie wie ihr etwas kleineres Schwestermodell SB-440 Mitte der 70er Jahre und war wohl ein Verkaufserfolg, wie die doch noch immer recht zahlreichen Exemplare auf dem Gebrauchtmarkt und bei Sammlern zeigt. Zu ihrer Zeit muss sie wohl das zweitgrößte Lautsprechermodell von Technics gewesen sein, unter der zentnerschweren Monitorbox SB-1000. Die berühmt-berüchtigten mehrteiligen Technics-Lautsprecher mit dem Flaggschiff SB-10000 kamen erst eine Generation später auf den Markt.  

Im Bass arbeitet bei der SB-660 ein 12-Zoll-Konustreiber mit leichter Papiermembran, der recht unscheinbar daherkommt, es aber faustdick hinter der Schwingspule hat: Satte 95 Dezibel Wirkungsgrad macht das Chassis im Reflexgehäuse und dabei mit nicht mal zu wenig Tiefbass – nicht umsonst trägt die Serie den Beinamen „High Sensitivity“! Um hier mitzuhalten, hat man ein bisschen in die PA-Richtung geschielt und der Box für den Mitteltonbereich einen Treiber samt Gusshorn spendiert, das man als „Zellularhorn“ bezeichnet – nun, das ist leicht übertrieben, handelt es sich hier doch eher um eine Versteifungsmatrix, die erst im letzten Drittel des Hornverlaufs anfängt. Das ordentlich klingelnde Hörnchen habe ich erst einmal mit zwei Streifen Alubutyl von Reckhorn ruhig gestellt – das ist eine schnelle und einfache Maßnahme.  

Der Treiber selbst macht im Einsatzbereich eindrucksvolle 115 Dezibel, hat zwischen 1000 und 4000 Hertz einen linearen Verlauf, um dann sanft abzufallen. Bis dahin wäre das eine schöne Geschichte, aber das Horn feiert im weiteren Verlauf ein Comeback und erreicht bei rund 10 Kilohertz noch einmal einen Peak, der fast so laut ist wie der Präsenzbereich. Der Hochtöner ist typisch für die damalige Zeit erst sehr weit oben eingekoppelt – Technics gibt einen Einsatz ab 7 Kilohertz an. Es handelt sich hier um eine kleine Metallkalotte in einem recht tiefen Waveguide, die ebenfalls recht laut spielen kann, wenn auch nicht auf dem Niveau des Mitteltöners.  

Gehäuse


Die Treiber sind in ein für die damalige Zeit typisches Gehäuse im Monitor-Stil eingebaut, also etwas breiter als tief. Optische Besonderheit sind hier klar die demontierbaren Metall-Zierblenden, die alle Trivialitäten kaschieren: Der Blechkorb und die Papiermembran des Tieftöners verschwinden hinter einem Gitter, ebenso das Reflexrohr aus Pappe. Für den Mittel- und den Hochtöner gibt es zwei Pegelsteller. Im Inneren ist das Gehäuse mit ein paar Streben versteift – alles recht solide.  

Frequenzweiche


Nicht so solide ist die Weiche. Während Tieftöner und Hochtöner je ein Filter zweiter Ordnung bekommen haben, muss das arme Mitteltonhorn mit einem Vorwiderstand und einem einsamen Hochpasskondensator auskommen. Dieser schützt den Treiber zwar ein bisschen vor zu tiefen Frequenzen, dennoch liegt der Übergang zum Tieftöner eher bei 1000 als bei 1500 Hertz. Was aber den oben erwähnten Forenkollegen so erzürnt hat, ist die Tatsache, dass der bis weit in den Hochton reichende Frequenzgang des Horns ab Werk überhaupt nicht korrigiert wurde, was zu wirklich unschönen Interferenzen mit dem Hochtöner führt. Hier besteht Handlungsbedarf, aber mit Augenmaß, um den Originalcharakter der an sich gut klingenden Box nicht übermäßig abzuändern. Den einfachen Hochpassfilter habe ich belassen, dahinter aber eine 0,82mH-Spule in Reihe und einen kleinen 1,5µF-Kondensator parallel zum Treiber geschaltet, das heißt: Noch vor dem Pegelsteller.

Vintage Hifi Technics SB-660 im Test, Bild 9
Textdiagramm: Mitteltonfilter
Wir sehen, dass sich mit der einfachen 12-dB-Schaltung das Aufbäumen des Treibers im Hochton egalisieren lässt. Vielleicht hätte man mit einem forcierten Überschwinger noch den fehlenden Bereich zwischen 5 und 7 Kilohertz etwas auffüllen können, aber das ist unsauber und hätte zu neuen Interferenzen geführt. Die Modifikation lässt sich mit ein bisschen Geschick sogar auf dem originalen Weichenbrettchen, das mit dem Terminal verschraubt ist, realisieren, so dass das Ganze immer noch durch den Ausschnitt in der Rückwand passt. Was man übrigens auch machen kann: Die winzige Tiefpassspule für den Tieftöner durch eine Luftspule mit größeren Drahtquerschnitt ersetzen – nicht unbedingt notwendig, aber vielleicht für das bessere Gefühl.   

Messwerte


Die originale SB-660 zeigt einen beeindruckenden Wirkungsgrad im Bass- Mitteltonbereich, während der Hochton in Neutralstellung der Regler etwas leiser bleibt. Zwei Dinge fallen besonders auf: Die ausgeprägte Senke zwischen Mittel- und Hochtöner und vor allem die gewaltigen Kammfilter-Effekte im Hochtonbereich durch die beiden parallel laufenden Treiber. Dieser Effekt ist mit der modifizierten Weiche nicht ganz verschwunden, wobei hier nicht nur die Überlagerung der beiden Chassis eine Rolle spielt, sondern auch die Schallführung vor dem Hochtöner. Auf jeden Fall ist das Ganze deutlich besser.

Vintage Hifi Technics SB-660 im Test, Bild 10
Textdiagramm: unmod. Mod
Das Wasserfalldiagramm ist – sagen wir: okay. Es gibt zwei Bereiche mit Resonanzen, die aber noch zügig abklingen – für eine Box dieser Ära sieht es im Großen und Ganzen gut aus. Die Klirrmessungen zeigen, dass man den Mitteltöner wirklich besser bei 1500 Hertz aus dem Rennen genommen hätte, den bei 1000 Hertz gibt es bei 95 Dezibel eine Klirrspitze. Ansonsten sind Verzerrungen kein Thema, vor allem der Bass schlägt sich vorzüglich. Der Impedanzverlauf liegt bei beiden Versionen komplett über 5 Ohm.  

Klang


Wie gesagt: Schon im Originalzustand klingt die SB-660 eigentlich recht angenehm – dazu trägt mit Sicherheit die Senke im Präsenzbereich ebenso bei wie der zurückgenommene Hochtonpegel. Nur, wenn man genauer hinhört, dann ist da so eine leichte Unsauberkeit, als ob jemand an einem frühen Heimkino- Receiver den Knopf für den künstlichen Surround-Effekt betätigt hätte: Der aufgebaute Raum ist übergroß und etwas diffus – nicht unangenehm, aber definitiv nicht sauber. Insofern ist die Box mit der Originalweiche erst einmal etwas ernüchternd: „Ach, so räumlich ist die Aufnahme gar nicht?“ Nach einiger Zeit des Hörens offenbart sich aber, dass die saubere Filterung auch den langzeittauglicheren Klang mit sich bringt: Unangestrengt und hoch dynamisch – kein Wunder bei 95dB Wirkungsgrad spielt die SB-660 auf, mit federndem Bass und kraftvollem Mitteltonbereich und einem Hochtonbereich, der sich je nach Einstellung der Potis zwischen sanft und neutral bewegt. Ganz klar ein Klassiker, der auch heute noch aktuell ist!  Kaufberatung Durch die weite Verbreitung ist die SB- 660 auch heute noch recht günstig zu bekommen: Ab 300 Euro geht es los, gute Paare können auch mal jenseits der 500 Euro liegen. Zwei Schwachstellen gilt es zu beachten: Die Hochtöner sind oftmals trotz ihrer hohen Einsatzfrequenz überlastet worden und defekt – aufgrund der breitbandigen Hörner muss es nicht einmal Bösartigkeit des Verkäufers sein, wenn er das nicht erwähnt – es ist ihm schlicht und ergreifend nicht aufgefallen! Also: Ein Test vor Ort ist dringend anzuraten. Zum anderen oxidieren die Drahtwendel der Pegelsteller ganz gerne – hier ist eine Reinigung oder Tausch angesagt. Jenseits der Weichenmodifikation kann man die Frequenzweiche auch noch einmal komplett neu aufbauen und vor allem die erwähnte Spule vor dem Tieftöner durch eine entsprechende Luftspule ersetzen.

Fazit

Mit der gezeigten Modifikation wird mit wenig Aufwand aus der Technics SB-660 ein richtig guter Lautsprecher.

Kategorie: Vintage Hifi

Produkt: Technics SB-660

Preis: um 300 Euro

4/2023

Mit der gezeigten Modifikation wird mit wenig Aufwand aus der Technics SB-660 ein richtig guter Lautsprecher.

Technics SB-660

4/2023

Technics SB-660
PREIS-TIPP
Ausstattung & technische Daten 
Technische Daten:
Hersteller: Technics 
Internet: www.technics.com/de 
Konstruktion: Technics 
Modifikation: Thomas Schmidt 
Funktionsprinzip: Bassreflex 
Bestückung: 1x Technics 12-Zoll-Konus / 1x Technics Mitteltonhorn / 1x Waveguide-Hochtöner 
Nennimpedanz: 6 Ohm 
Kennschalldruckpegel 2,83V/1m: 95dB / 2,83V / 1m 
Abmessungen (HxBxT): 66 x 40 x 31,7 cm 
Kosten: ab 300 Euro (Paar) 
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Autor Thomas Schmidt
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Datum 26.04.2023, 09:56 Uhr
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Mit diesen Chassis wollte ich schon immer mal etwas bauen. Dass ich sie allerdings jemals zusammen in einer Box haben würde, hätte ich dann doch wieder nicht erwartet – dass das Ganze so gut werden würde, dann schon eher.

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