Kategorie: D/A-Wandler

Einzeltest: AMC US24192i


Die Gendanken sind frei

D/A-Wandler AMC US24192i im Test, Bild 1
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Die Preisspirale bei High-End-Audioequipment scheint sich immer weiter in ungeahnte Höhen zu schrauben. Man scheint dem Eindruck zu erliegen, dass klangliche Qualität nur mit einem entsprechend großen Geldbeutel zu haben ist. AMC versucht jedoch, auch für weniger Geld guten Sound ins Wohnzimmer zu bringen, denn sich von Trends beeinflussen zu lassen, war noch nie ihre Sache.

Peripherie:


 Accuphase E-600
 Quellen: Integrita Audiophile Music Server Camebridge Audio Stream Magic 6
 Lautsprecher: KLANG+TON Ophelia

Hersteller AMC ist das Projekt eines Mannes namens Amcli Lin. Das Unternehmen mit Sitzen in Kalifornien und Taiwan war, wie sein Gründer, immer etwas anders. Nachdem sie bis etwa Anfang der 90er-Jahre als Erstausrüster für andere Elektronikfirmen tätig waren, wurde entschieden, dass Unterhaltungselektronik unter dem eigenen Firmennamen auf den Markt kommen sollte.

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So kam 1995 der viel beachtete CVT 3030 Verstärker auf den Markt. Vollkommen entgegen dem Trend und den schwindenden Marktanteilen von Röhrenverstärkern zum Trotz, setzte AMC genau auf diese Technologie. Das Konzept ging auf, und der CVT 3030 räumte Mitte der 90er-Jahre einen Testsieg nach dem anderen ab. Man sieht also, dass die unkonventionellen Methoden zum Erfolg führen können, wenn die Soundqualität stimmt. Mit ihrem neuen D/A-Wandler mit integriertem Vorverstärker schwimmt AMC jetzt wieder ein wenig gegen den Trend an. Mit seinem Aussehen zum Beispiel, sticht das US24192i getaufte Gerät mittlerweile fast aus der Masse der high-endigen Geräte heraus. Jedoch nicht wie andere heutige Komponenten wegen seines komplett ausgefallenen, modernen Designs. Anstatt die Front mit wild leuchtenden Displays zu überziehen oder gefräste Edelmetalle aus den entferntesten Ecken der Welt anzubringen, nur um als Blickfang zu dienen, gibt sich dieser DAC fast schon klassisch simpel. Ein mattschwarzes, quaderförmiges Gehäuse ohne großen Schnickschnack beherbergt hier die gesamte Technik. Statt Avantgarde wird die Front, ganz pragmatisch, von verschiedenen Drehreglern dominiert. Einer für die Lautstärkeregelung der integrierten Vorstufe, der daneben für die Wahl einer der acht möglichen Quellen. Diese Einstellungen können auch mit der beigelegten Fernbedienung gemacht werden, deren Design ebenfalls eher unauffällig ist. Weiter gibt es je einen Knopf für die Justierung von Bässen und Höhen, ein Feature, dessen Nutzung in letzter Zeit auch eher abgenommen hat. Dazu kommt die Möglichkeit, mit einem weiteren Regler die Balance einzustellen. Besonders wichtig ist der Schalter, um die interne Vorstufe zu umgehen und den Digital-Analog-Wandler direkt anzusprechen, um ihn im Verbund mit anderen Geräten zu verwenden. Dann wird das gewandelte Signal zum Beispiel direkt an einen Vollverstärker weitergereicht, wobei ein Drehen an der Lautstärkeregelung keine Folgen mehr hat. Der letzte Drehregler bietet die gleiche Funktion für den vorne befindlichen 6,3-mm-Kopfhöreranschluss. Dessen Bedienknopf wird lediglich um eine Mute-Funktion ergänzt. Der US24192i leistet sich genau eine LED, die lediglich dazu dient zu zeigen, ob das Gerät ein- oder ausgeschaltet ist. Features, die einen Designer in heller Freude jubeln lassen, gibt es also keine, stattdessen wird klar eine Linie gefahren, bei der man erkennt, dass es hier um das Abspielen von Musik geht. Nicht die Augen, sondern die Ohren sollen hier bedient werden. Das ist zwar äußerst löblich, ein wenig hübscher hätte der AMC jedoch schon sein können. Allerdings spart ein einfaches Äußeres dem Hersteller einiges an Geld und Entwicklungszeit. Da ist es schön, dass diese Ersparnis an den Kunden weitergereicht wird, denn der Kauf eines US24192i schlägt mit nur etwa 750 Euro zu Buche. Das ist im Vergleich zu anderen Geräten dieser Art gerade zu spottbillig. Wer nun allerdings befürchtet, dass hier an den falschen Ecken gespart wurde, der irrt sich. So mag dieser DAC zwar recht schlicht aussehen, doch die Verarbeitung ist in Ordnung. Viel wichtiger als das Äußere sind hier auch die inneren Werte. Mit wenigen Handgriffen ist die Verkleidung gelöst, und ein Blick in das Innere des Gerätes offenbart erst einmal viel Platz. Das hat den Grund, dass der US24192i wahlweise auch mit einem Vollverstärkermodul ausgestattet werden kann, das dann einen Teil der kahlen Stellen belegt. Bei unserem Modell ohne Endstufe präsentiert sich der AMC jedoch fast etwas überdimensioniert für sein Innenleben. So verhindert man allerdings auch die gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Komponenten. Vorne im Apparat dient eine Platine dazu, die Eingaben, die über die Drehregler gemacht werden, umzusetzen. Links daneben findet man das Netzteil, das einerseits das Gerät selbst mit Strom versorgt und noch ein weiteres Feature aufweisen kann. An der Rückseite des Gerätes findet man zwei Anschlüsse für IEC-Stromkabel, einen männlichen und einen weiblichen. Letzterer dient dazu, ein weiteres Gerät zu betreiben, ohne eine zusätzliche Steckdose zu benötigen. Der US24192i versorgt dann beide Komponenten mit dem Strom aus seiner Leitung. Das kann dabei helfen, das in vielen Haushalten vorherrschende Kabelwirrwar ein wenig zu bekämpfen. Eine nette Idee und wieder ein Zeichen für die etwas andere Denkweise des Herstellers. An der hinteren Wand des Gerätes wird es dann interessant, denn hier sitzen sowohl der Digital-Analog-Wandler als auch der Sample Rate Converter. Diese werden von den acht wählbaren Eingängen mit Signalen versorgt. Dabei hat man die Auswahl aus einer USBB- Schnittstelle oder einem AES/EBU, der eher von Geräten aus dem professionellen Bereich verwendet wird. Auch ganze vier optische S/PDIF-Anschlüsse sind verfügbar, was erst einmal nach etwas viel klingt. Allerdings bleibt so die Möglichkeit, mehrere Geräte aus dem Heimkinobereich als Quelle zu verwenden. Schlussendlich kommen noch zwei koaxiale S/PDIF-Anschlüsse dazu. Optional bietet AMC auch an, einen Netzwerkanschluss oder einen Kartenslot zu verbauen. Digitale Daten oder bereits umgewandelte Musik werden dann über den koaxialen S/PDIF-Ausgang, Cinch oder XLR ausgegeben. Bei unseren Tests stellten wir allerdings fest, dass beim Betrieb mit eingeschalteter Vorstufe die Lautstärke vergleichsweise hoch aufgedreht werden muss, damit am Ende der gleiche Schalldruck erreicht wird wie bei der autonomen Benutzung des DACs. Das ist allerdings nicht weiter schlimm, denn vorrangig ist der US24192i ein D/A-Wandler mit einer Lautstärkeregelung als Zugabe. Bevor es zum Abspielen von Musik kommt, werden alle Signale durch die digitalen Bausteine der Platine geführt. Auch hier möchte ACM sich wohl wieder etwas von der Arbeitsweise anderer Hersteller abgrenzen. Bei den möglichen eingehenden Signalen werden zunächst noch gängige Standards geboten. Abtastraten bis 192 kHz mit 24 Bit werden unterstützt. So wurde die Samplingrate auch als namensgebendes Element gewählt, was allerdings noch einen weiteren Grund hat. Der verwendete Samplingrate Converter ist ein Burr-Brown 4292 I. Ein beliebter Chip, doch einfach ein vorgefertigtes Bauteil aus der Palette eines Zulieferers zu übernehmen, war anscheinend etwas zu langweilig für AMC. Ihrem Motto der unkonventionellen Konstruktion treu bleibend, wurde der Sampling Rate Converter noch einmal extra an die Bedürfnisse der Firma angepasst. Jedes ankommende Signal wird also auf die besagten 192 kHz hochgerechnet, wobei die eigenständigen Verbesserungen hier wirklich einen Mehrwert liefern. Durch das Upsampling soll natürlich immer auch etwas niedriger aufgelöste Musik toll klingen, doch was der US24192i hier bewerkstelligt, ist phänomenal. Beim Hören von Songs, die mit 44,1 kHz eher am unteren Ende der HiFi-Qualitäts-Skala angesiedelt sind, wird eine Masse an vorher ungeahnten Details deutlich. Diese erscheint für eine hochgerechnete CD fast schon unnatürlich gut. Zuvor unhörbar scheinende Feinheiten sind plötzlich klar und deutlich wahrnehmbar, wenn sie den Umwandlungsprozess des Chips hinter sich haben. Von einem Gerät dieser Preisklasse war das nicht zu erwarten, aber die herstellereigene Anpassung des Converters war ein echter Geniestreich. Auch Alben, die bereits von vornherein mit der maximal möglichen Abtastrate vorliegen, kommen detailgenau aus den Boxen. Nach dem Hören verschiedener Alben fiel uns auch der ziemlich neutrale Klang des US24192i auf. Musik wird hier, sehr geradlinig, so ausgegeben, wie sie vorliegt. Dabei vermeidet der DAC, das Klangbild der Songs in irgendeiner Form zu beeinflussen. Besonderes Augenmerk legten die Ingenieure von AMC außerdem auf die Vermeidung von Jitter. Auch hier wird durch das Zusammenspiel von Clock und dem vorgenommenen Upsampling eine wunderbar störungsfreie Übertragung erreicht. Beim US24192i scheint also in erster Linie die Präzision im Vordergrund zu stehen. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und es mag Leute geben, die sich an diesem als sehr digital empfundenen Eindruck stören. Doch auch Hörer mit Vorliebe für etwas wärmeren, analogen Klang müssen klar eingestehen, dass hier technisch auf hohem Niveau gespielt wird. Die etwas andere Denkweise von AMC und ihrem Firmengründer Amcli Lin ist eine schöne Abwechslung. Wie man sieht, kann man auch qualitativ gute Geräte bauen, wenn man sich nicht jedem Trend der Branche beugt. AMC bietet hier ein Gerät an, das mit seinem Klang und seinem Preis durchaus überzeugen kann. Jeder, der bei seinem HiFi-Equipment auf das klangliche Endergebnis achtet und bereit ist, auf Spielereien und ausgefallenes Design ein wenig zu verzichten, der kommt nicht umhin, sich den US24192i zu merken.

Fazit

Die DAC-Vorverstärker-Kombinaion US24192i punktet mit toller Detailtreue und kann mit ihrem Preis auch sparsame Hörer begeistern.

Preis: um 750 Euro

D/A-Wandler

AMC US24192i


10/2014 - Philipp Schneckenburger

 
Ausstattung & technische Daten 
Preis: 750 
Vertrieb: Audium, Berlin 
Telefon: 030 6134740 
Internet www.audium.com 
Abmessungen (B x H x T in mm) 430/82/300 
Eingänge 1 x USB-B, 
- 4 x S/PDIF optisch, 
- 2 x S/PDIF koaxial, 1 x AES/EBU 
Unterstützte Abtastraten: Bis 192 kHz, 24 Bit 
Ausgänge: 1 x RCA, 1 x XLR, 
- 1 x S/PDIF koaxial, 
- 6,3-mm-Klinke (vorne) 
checksum „Die DAC-Vorverstärker-Kombinaion US24192i punktet mit toller Detailtreue und kann mit ihrem Preis auch sparsame Hörer begeistern.“ 
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Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 19.10.2014, 14:57 Uhr
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