Kategorie: D/A-Wandler

Einzeltest: Electrocompaniet ECM 1


Streaming-DAC Electrocompaniet ECM 1

D/A-Wandler Electrocompaniet ECM 1 im Test, Bild 1
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Mit der Lifestyle-Serie EC Living hat Electrocompaniet zuletzt seine bekannten Gefilde verlassen. Gelingt nun also die Rückkehr zu echtem High End?

iefes Schwarz, überzogen vom leichten Spiegeln einer dicken, transparenten Abdeckung. Dünne, goldene Linien durchbrechen den dunklen Grund und verbinden sich zu schnörkellosen Buchstaben. Darunter ein großer, ebenfalls goldener Kreis. Die Neugier wächst und man merkt, wie der eigene Arm sich langsam hebt, die Hand zur Faust wird und nur der Zeigefinger, wie eine Motte zum Licht, langsam dem goldenen Schimmer entgegenwandert. Warme haut auf kaltem Metall. Das Überwinden des leichten Widerstandes wird mit einem sanften Klick belohnt, bevor links ein blauer Schein aus dem Dunkel hervortritt und die Ruhe ein Ende findet. Mehr Gold auf der rechten Seite. Eine Berührung hier und das Blau beginnt sich zu verändern. Zahlen erscheinen, steigen in die Höhe.

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Der Raum füllt sich sowohl mit Licht als auch mit Klängen, die einen langsam von den optischen Erscheinungen lösen und schließlich ganz vereinnahmen. Es sind die ersten Momente, die man mit einem Electrocompaniet ECM 1 hat. Dem neuesten Digitalplayer aus der sogenannten Classic Line des norwegischen Herstellers, deren Aussehen sicher einen beachtlichen Anteil an der Bekanntheit der Marke aus Skandinavien hat. Die Kombination aus Glasfronten, tiefschwarzen Gehäusen, auffälligen goldenen Knöpfen und dem hellen Schein blauer Displays bleibt einem einfach im Gedächtnis. So war es zumindest über viele Jahre hinweg, doch in letzter Zeit stand bei Electrocompaniet ein anderes Thema im Vordergrund. Mit der EC-Living-Serie hielt das Konzept des Lifestyle-Audio Einzug in die Produktpalette des Herstellers. Dabei verzeichneten die neuen Systeme mit kompakten Streamern, Verstärkern und Aktivlautsprechern beachtliche Erfolge bei vielen, die auf der Suche nach einer modernen, eleganten, vielseitigen HiFi-Lösung waren. So verband man in den letzten Monaten den Namen Electrocompaniet mit einer ganz anderen Art von Gerät, die von einer ganzen Reihe Audiofans eher wenig ernst genommen wurde. Vollkommen zu Unrecht, wie die ECLiving- Komponenten auch in unseren Tests bewiesen, denn hier kombinierte Electrocompaniet sein audiophiles Know-how mit einem zeitgemäßen Design. Dennoch fragte man sich, ob die Einführung der erfolgreichen Serie nun das Aus für die „erwachsenen“ Systeme der Marke sein. So mancher sah bereits den Untergang der Traditionsmarke kommen. Aller Schwarzmalerei zum Trotz, gedachte man in Norwegen natürlich der eigenen Wurzeln. So bekommt nun also auch die Classic Line mit dem ECM 1 wieder Zuwachs und macht klar, dass man bei Electrocompaniet weiß, was man tut. So bekommt der neue Netzwerkplayer selbstverständlich auch das bekannte Design in Schwarz und Gold, das Fans seit jeher schätzen. Auch bei den Abmessungen bleibt vom Lifestyle-Gedanken nur wenig übrig, denn mit etwa 46 mal 37 Zentimetern ist der ECM 1 ganz klar für ein echtes HiFi-Rack gedacht. Was keineswegs bedeutet, dass man hier alles, was man von den Wireless-Modus erlauben. Gleichzeitig kombiniert der ECM 1 selbstverständlich den Convenience-Faktor mit den Anschlüssen, die man von einem echten High-End-System erwartet. Digitale Signale können unabhängig vom Streamer über je zwei optische oder koaxiale S/PDIF-Eingänge übertragen werden. Dazu bietet eine USBA- Buchse die Möglichkeit, Stücke auch direkt von einem angeschlossenen Massenspeicher abzuspielen. Auch auf der Seite der Ausgänge wird alles geboten, was das audiophile Herz begehrt. Ein koaxialer Digitalausgang ermöglicht den Anschluss eines externen D/A-Wandlersjedoch schon. Primär ist der ECM 1 als Kombination aus Streamer als Quelle, einem HiRes Digital-Analog-Wandler und einer Lautstärkeregelung für den direkten Anschluss an eine passende Endstufe ausgelegt. Passend dürfte dabei eigentlich jede verfügbare Endstufe sein, denn der ECM 1 verfügt über symmetrische und unsymmetrische Ausgänge gleichermaßen. Unter der soliden Metallabdeckung des schwarzen Gehäuses offenbart sich noch ein weiterer Anschluss, der zuvor unentdeckt blieb. Ein unscheinbares, rotes Kabel führt im Innern zu zwei verschiebbaren Halterungen. Hier kann bei Bedarf eine Festplatte eingesetzt werden, die den ECM 1 vom Streamer zum vollwertigen Musikserver macht. SATA-Platten mit wahlweise 3,5 oder 2,5 Zoll können beide dank der Halterung fest in das Gerät verbaut werden und installieren sich nach dem Anschluss selbst. Bei unserem Testmodell war die Docking-Bucht zwar leer, doch der Blick ins Gehäuse lohnte sich dennoch alle mal. Hier zeigt Electrocompaniet, was Lifestyle und High End unterscheidet. Ein großer Ringkerntransformator sorgt für eine anständige Energiezufuhr der Elektronik. Der eigentliche Streamer sitzt von den Komponenten des D/A-Wandlers und der Ausgangsstufe getrennt in der Mitte und leitet seine Signale über einen Burr-Brown-Sampling-Rate-Converter an die eigentliche Audiosektion. Dort sitzen zwei DAC-Chips von Cirrus Logic, die die eingehenden digitalen Daten wieder zu analogen Musiksignalen verarbeiten. Mit den beiden CS4398 ist es dem Gerät möglich, PCM-Formate bis zu einer Auflösung von 24 Bit und einer Abtastrate von maximal 192 kHz zu verarbeiten. DSD stellt den Wandler vor keine Herausforderung und wird auch mit der doppelten Datenrate von 5,6 MHz noch angenommen. Ebenso wie die DACSektion ist auch die Ausgangsstufe komplett symmetrisch aufgebaut und steht als letztes Glied in der internen Kette des ECM 1. Den Pessimisten zum Trotz ist also weiterhin alles in Ordnung im Hause Electrocompaniet, und die EC-Living-Serie hat die Entwicklung der Classic Line nur positiv beeinflusst. Zumindest auf der Hardwareseite, denn in Sachen Software bedient sich der ECM 1 durchaus am neuen System, das auch die Lifestyle-Serie verwendet. Das ist auch vollkommen richtig so, denn schließlich wird gerade dort Wert auf eine benutzerfreundliche Bedienoberfläche und große Funktionsvielfalt gelegt. So verwendet also auch der ECM 1 die EC-Remote-App, die kostenlos für Android- und iOSMobilgeräte verfügbar ist. Die App ist, ebenso wie das Gerät selbst, stylisch gemacht. Größtenteils graue Buchstaben in einer eher filigranen Schrift, kombiniert mit einem generell dunklen Farbschema tun der Übersicht und der Bedienbarkeit dank großer Schaltflächen keinen Abbruch. Bevor der Streamer tatsächlich lokale Quellen abspielen kann, muss zunächst die Bibliothek eingelesen werden. Hierzu können unterschiedliche Ordner von verschiedenen Netzwerkspeichern ausgewählt werden, die dann in einer einzigen Musiksammlung zusammengefasst sind. Alle notwendigen Daten werden im Cache der App gespeichert, so dass Ladezeiten bei den Alben und ihren Covern letztlich wegfallen. Dafür müssen alle Titel zunächst eingelesen werden. Ein Vorgang, bei dem sich einer der wenigen Kritikpunkte der App offenbart, denn bis gerade bei größeren Musiksammlungen alle Daten vorhanden sind, können schon einige Minuten vergehen. Da man dies aber prinzipiell nur einmal machen muss, fällt dieser Punkt nur unwesentlich ins Gewicht. Gespeicherte Musik kann nach Künstler, Album oder Genre geordnet werden, währen eine Suchfunktion das Finden konkreter Titel vereinfacht. Ein ausgewähltes Album wird umgehend abgespielt. Generell erwies sich die Reaktionszeit des ECM 1 und seiner App als wirklich gut. Auch kleineren Details wurde hier Aufmerksamkeit geschenkt . So wird beim Überspringen eines Titels ein Crossfade eingesetzt, das gerade bei Lautstärkeunterschieden unterschiedlicher Lieder sehr zu begrüßen ist. Neben lokalen Quellen bezieht Electrocompaniet auch drei große Streamingdienste in seine App ein. Während Spotify-Premiumnutzer per Connect den ECM 1 als Ausgabepunkt wählen können, sind die Kataloge der beiden audiophilen Anbieter Tidal und Qobuz direkt in die ECRemote- Anwendung eingebettet. Dabei stehen alle Funktionen wie eigene Playlisten, Tidal Rising oder Qobuz‘ Presse-Auszeichnungen auch hier zur Verfügung. Am oberen Bildschirmrand der App hat man per Schaltfläche stets Zugriff auf den gerade gespielten Titel in der Wiedergabeansicht. Dabei werden Cover und Metadaten angezeigt, ebenso wie Playerfunktionen wie Pause und die Lautstärkeregelung. Dank einem simulierten Drehregler lässt diese sich auch per App recht präzise einstellen. Trotz der gut gemachten App erwischte ich mich immer wieder dabei, für das Lauter- oder Leiserstellen eher zur kompakten Fernbedienung des ECM 1 zu greifen. Das geschah durchaus oft, denn dem ECM 1 hört man gerne bei seiner Arbeit zu. Vor einem wunderbar dunklen Hintergrund baut sich die Bühne, die das Gerät in den Raum stellt, auf. Sehr räumlich und mit einer tollen Tiefenstaffelung stellen sich die Komponenten hier dar, lassen sich gut im Raum einordnen und sorgen für eine sehr breit wirkende Klangkulisse. Das vom ECM 1 verwendete Upsampling auf 192 kHz macht sich, logischerweise, gerade bei Stücken in CD-Qualität bemerkbar. Hier wird das Geschehen etwas entzerrt, wirkt definierter und Details werden noch etwas besser übertragen. Doch auch natives HiRes profitiert durchaus von der erhöhten Abtastrate. Dazu zeigt sich der ECM 1 sehr vielseitig, was seine präferierten Genres angeht. Jazz und vom Gesang getragene Musik behalten ihren Fluss und Charakter, auch durch die gute Feinzeichnung des Spiels. Gleichzeitig lässt der Electrocompaniet es zu, bei Rock und Metal ordentlich Druck aufzubauen. Dabei vermeidet er es, unnötig zu entzerren, so dass die Energie der Stücke erhalten bleibt. Stattdessen grollender Bass und donnernde Gitarrenrifs sehr ehrlich aus den Boxen. Es scheint stets so, als wüsste der ECM 1 genau worauf es beim jeweiligen Stück ankommt. Genau so, wie seine Schöpfer, die mit dem Gerät beweisen, dass sie auch in Sachen High-End-Audio keineswegs etwas verlernt haben.


 Peripherie:
– Quelle: Audiodata Musikserver MS2 Qobuz
– Netzwerkkabel: Inakustik – Cinch-Kabel: Silent Wire Serie 12 Mk II
– Verstärker: NAD C356BEE
– Endstufe: PS Audio Stellar S300 AVM A30
– Lautsprecherkabel: Silent WIre Serie 12 Mk II
– Lautsprecher: KLANG+TON „Nada“


Gehörtes:
– Vijay Iyer Trio Break Stuff (FLAC, 96 kHz, 24 Bit)
– Kvelertak Kvelertak (FLAC, 44,1 kHz, 16 Bit)
– Hoff Ensemble Quiet Winter Night (FLAC, 192 kHz, 24 Bit)
– Queens of the Stone Age Villains (FLAC, 96 kHz, 24 Bit)
– Fettes Brot Fettes/ Brot (Qobuz, 44,1 kHz, 16 Bit)
– Youn Sun Nah She Moves On (FLAC, 96 kHz, 24 Bit)

Fazit

„Der ECM 1 ist ein würdiger Neuzugang für die beliebte Classic Line von Electrocompaniet. Der Netzwerkplayer vereint Bedienung und Flexibilität eines modernen Systems mit dem vollen Know-how in Sachen Audiotechnik, das die Norweger besitzen.“

Preis: um 3000 Euro

D/A-Wandler

Electrocompaniet ECM 1


03/2018 - Philipp Schneckenburger

 
Ausstattung & technische Daten 
Preis: um 3.000 Euro 
Vertrieb: Electrocompaniet Europe, Bonn 
Telefon: 0228 92394291 
Internet www.electrocompaniet.de 
Abmessungen (B x H x T in mm) 465/78/371 
Eingänge WLAN, 1 x Ethernet, 1 x USB-A 
Unterstützte Formate: MP3, OGG, AAC, APE, FLAC, ALAC, AIFF, WMA, WAV, MQA, DSD 
Unterstützte Abtastraten: PCM bis 192 kHz, 24 Bit DSD bis DSD128, 5,6 MHz, 1 Bit 
Ausgänge: 1 x XLR Stereo 
checksum Der ECM 1 ist ein würdiger Neuzugang für die beliebte Classic Line von Electrocompaniet. Der Netzwerkplayer vereint Bedienung und Flexibilität eines modernen Systems mit dem vollen Know-how in Sachen Audiotechnik, das die Norweger besitzen 
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Philipp Schneckenburger
Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 16.03.2018, 10:00 Uhr
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