Kategorie: D/A-Wandler

Einzeltest: MySound PreCube


Dreifaltigkeit

D/A-Wandler MySound PreCube im Test, Bild 1
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Spezialitäten sind immer gern gesehen, egal ob beim Essen oder bei der Musikwiedergabe. Die Firma MySound baut darum HiFi-Systeme für Leute, denen normal zu langweilig ist.

Gerade im High-End-HiFi- Bereich geht es ja immer um das Besondere. Schließlich lassen sich praktisch alle Premiumgeräte theoretisch auch durch günstige Systeme aus dem Massenmarkt ersetzen. Im digitalen Bereich hält sich sogar unter Audiophilen das Vorurteil, dass digitales Audio immer gleich klingen muss. Es sind ja schließlich nur Einsen und Nullen. Von der Ignoranz solcher Aussagen abgesehen enthalten sie zumindest einen wahren Kern, denn ein DAC wandelt eben digitale in analoge Signale um. Ein Wandler für 100 Euro ebenso wie einer für 100.000. Doch nur weil die Funktionalität die gleiche ist, sind die Geräte nicht zwingend vergleichbar. Ein Dacia ist kein Mercedes-Benz und eine Casio-Armbanduhr eben keine Breitling.

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Manchmal geht es um deutlich mehr als um reinen Nutzen. Hin und wieder möchte man etwas Besonderes haben. Egal ob es um Design, Verarbeitung, Technik oder Klang geht: HiFi hat hier viele Ansatzpunkte zu bieten, mit denen man sich von der Masse absetzen kann. Gutes Beispiel dafür ist da zum Beispiel der MySound PreCube. Die polnische Firma MySound hat sich genau dem Ziel verschrieben, keine Allerweltsgeräte zu produzieren. Lieber möchte man etwas Außergewöhnliches schaffen. Dinge mit dem gewissen Etwas und einer Unvergleichbarkeit mit den Produkten anderer Hersteller. Das wird schon bei einem Blick auf den PreCube deutlich, der sich eher ausgefallen gibt. Ein lang gezogenes quaderförmiges Gehäuse beherbergt die inneren Komponenten. Während Oberfläche, Front und Rückseite durch schwarzes Metall abgedeckt werden, ziert an den Längsseiten ein hochglänzendes Kirschholzfurnier die Gehäusewände. Eher klassisch wirkt das Äußere also, was vom Display des Gerätes ein wenig kontrastiert wird. Eine helle und kontrastreiche OLED-Anzeige informiert den Nutzer über die wichtigen Parameter des PreCube. Hauptsächlich geht es dabei um die Lautstärkeanzeige der Vorstufe, die mit großen Zahlen dargestellt wird, die sich auch von der Couch aus wunderbar lesen lassen. Deutlich kleiner werden daneben die Quelle und die genutzte Abtastrate gezeigt. Eingerahmt wird das Display von zwei Drehreglern, die für das Auswählen von Quelle und Schalldruck zuständig sind. Bei der Betätigung wird jede gemachte Einstellung von einem angenehmen mechanischen Klicken begleitet, was gerade bei der Lautstärke ein wunderbares Retrol air versprüht. Man fühlt sich durch das akustische Feedback einfach mehr mit einem solchen Gerät verbunden, als wenn sich leblos die Zahlen auf dem Bildschirm ändern. Sehr sympathisch. Trotz der prinzipiell passenden Gerätegröße verzichtete man auf einen Kopfhöreranschluss, so dass alle wichtigen Verbindungen an der Rückseite des schlanken PreCube zu finden sind. Die DAC-Vorstufe setzt dabei auf eine Kombination aus digitalen und analogen Anschlüssen und stellt so für beide Lager der Audiowiedergabe einen guten Partner dar. Phonovorstufen und CD-Player nutzen die beiden Sätze Cinch-Buchsen, während Streamer, Musikserver und Laptops wahlweise den koaxialen S/PDIF-Eingang oder den USB-B-Port nutzen können. Als Ausgang stehen wiederum zwei Sätze Cinch-Anschlüsse zur Verfügung. Genügend Flexibilität ist also gegeben. Somit ist der PreCube eigentlich bereits voll ausgestattet und nutzbar. Unser Testgerät jedoch verfügte über eine optionale Erweiterung. In einem zweiten Gerät mit nahezu identischen Abmessungen wie der PreCube befindet sich eine zusätzliche Röhrenstufe mit dem passenden Namen PreCube Tube. Über zwei fünfpolige Steckverbindungen am PreCube und am Röhrenteil können die Geräte miteinander verbunden werden. Klare Kennzeichnungen mit A und B sorgen für ein unkompliziertes Einbinden des PreCube Tube in die Abspielkette. Optisch ebenfalls mit der Kombination aus schwarzem Metall und Holzfurnier, bietet das Röhrenteil keinerlei sonstige Anzeigen oder Tasten. Bedient wird alles weiterhin vom PreCube aus. Im PreCube Tube sorgen dann zwei paar Röhren für einen deutlich anderen Sound. Zwei ECC82 und zwei E88CC sitzen hier frei zugänglich in CMC-Sockeln und unterstützen die Vorstufe bei ihrer Arbeit. Normalerweise bedeutet ein zusätzliches Gerät auch ein zusätzliches Netzteil mit einem zusätzlichen Stecker. Normal interessiert MySound aber bekanntlich wenig, also wurde unser Testgerät mit dem ebenfalls optionalen Netzteil ausgestattet. Somit kommt eine weitere Komponente zu den beiden Sektionen der Vorstufe, denn anstelle eines schnöden Steckeradapters gibt es hier eine ausgewachsene lineare Stromversorgung. Auch sie kommt in einem recht massiven Metallgehäuse unter, das ebenfalls Holzapplikationen aufweist. Über zwei hochwertige Kabelverbindungen werden PreCube und Röhrenteil mit Energie versorgt. Da die Vorstufe selbst mit einer niedrigeren Spannung arbeitet als die Röhrenstufe, besitzen die anschraubbaren Steckverbinder unterschiedliche Pin-Konfigurationen. Ein falsches Anschließen der Sektionen ist so unmöglich. Optisch und konzeptionell sind die drei Komponenten des MySound-Systems also schon einmal deutlich anders, als man es normalerweise kennt. Doch auch technisch geht der polnische Hersteller in eine besondere Richtung. So arbeitet die DAC-Sektion des PreCube nicht mit den üblichen Chip-DACs. Stattdessen setzt man bei MySound auf einen hochwertigen R2R-Wandler. Diese Form von Digital-Analog- Wandlern wird oft auch Ladder-DAC genannt, da die zur Umsetzung der Daten genutzten Widerstände hier so angeordnet sind, dass sie wie die Sprossen einer Leiter aussehen. Für jedes Bit muss ein eigener genormter Widerstand eingesetzt werden, was die Konstruktion eines solchen DACs sehr aufwendig und teuer macht. Eine recht exklusive Technik also, die nur in High-End-Wandlern eingesetzt wird. Mit seinem R2R-Netzwerk ist der PreCube in der Lage, Abtastraten mit bis zu 384 kHz zu verarbeiten. Bei der maximal möglichen Bittiefe ist der Wandler für 24 Bit ausgelegt. Aufgrund der Konstruktionsweise ist ein Ladder-DAC zwar nicht in der Lage DSD nativ zu verarbeiten, doch MySound nutzt dafür einen hochwertigen Amanero Konverter, um Bitstreams mit maximal 5,6 MHz umsetzen zu können. Auch bei den restlichen Bauteilen wählte MySound mit viel Bedacht aus und nutzt hochwertige Teile bekannter Zulieferer wie Mundorf und Vishay. Bei der Nutzung mag der Aufwand im Innern zwar unsichtbar sein, doch MySound generiert mit dem PreCube einen einzigartigen Sound. Nach dem Einschalten genehmigt sich die Vorstufe zunächst 30 Sekunden Zeit, um die Röhren vorzuwärmen. Danach legt der MyCube mit einer Frische los, die man nur von einem Ladder-DAC kennt. Wunderbar offen und frei spielt die Vorstufe auf. Dabei positionieren sich die Komponenten schön auf der großen Bühne, die der MyCube in den Hörraum projiziert. Die gut gelungene Tiefenstaffelung tut ihr Übriges, um das Spiel des Wandlers sehr dreidimensional wirken zu lassen. Anschläge von Saiten oder leises Nachschwingen eines Glockenspiels setzt der DAC sehr detailliert um. Dazu kommt eine gute Portion Grob- und Feindynamik, die das bereits offene Spiel mit einer gewissen Lebendigkeit füllt. Die Röhrensektion ihren Teil dazu bei, dass die detaillierte Arbeit des Wandlers mit einem Schuss angenehmer Wärme versehen wird. Erfreulicherweise vermeidet es der MyCube Tube, das Signal zu sehr in eine Decke zu hüllen. Stattdessen führt der Einsatz der Röhren eher zu einem gewissen Fluss, der dem Spiel des Gerätes sehr gut zu Gesicht steht. Härten werden etwas herausgenommen und insgesamt wirkt das Spiel dadurch ein wenig musikalischer. Eine einzigartige Kombination aus dem enorm freien R2RWandler und den klassischen Vorzügen einer Röhrenstufe. Zwei Welten, die gut miteinander harmonieren. MySound hat mit dem PreCube und seinem PreCube Tube ein einzigartiges Stück HiFi geschaffen, das alle Punkte auf der High-End-Checkliste erfüllt. Ausgefallenes Design, hochwertige Bauteile, aufwendige Technik und etwas exzentrische Individualität kommen hier zusammen. Auch der Preis ist klar im High-End-Bereich angesiedelt, doch genau wie bei Autos und Armbanduhren ist auch HiFi etwas, bei dem man bereit sein kann, sich das Besondere etwas kosten zu lassen. Die kleinen Eigenheiten des PreCube werden kaum für jeden etwas sein, doch wer auf der Suche nach einem ausgefallenen System ist, das das gewisse Etwas hat und dazu noch ausnehmend gut klingt, der sollte sich die MySound-Triologie mal anschauen.

Fazit

Der MySound PreCube ist einfach etwas Besonderes. Der hochwertige Ladder- DAC, kombiniert mit einer externen Röhrenstufe führt zu einem außergewöhnlichen Sound, den man als Musikfreund einfach faszinierend finden muss.

Preis: um 3800 Euro

D/A-Wandler

MySound PreCube


09/2018 - Philipp Schneckenburger

Ausstattung & technische Daten 
Preis: ab 3.800 Euro, Testgerät um 11.800 Euro 
Vertrieb: Len-HiFi, Duisburg 
Telefon: 02065 544139 
Internet: www.lenhifi.de 
B x H x T: 205 x 127 x 280 mm (PreCube), 207 x 127 x 280 mm (PreCube Tube) 
Eingänge: 1 x USB-B, 1 x /S/PIDF koaxial, 2 x RCA Stereo 
Unterstützte Abtastraten: PCM bis 384 kHz, 24 Bit und DSD bis DSD128, 5,6 MHz, 1 Bit 
Ausgänge: 2 x RCA Stereo 
checksum: Der MySound PreCube ist einfach etwas Besonderes. Der hochwertige Ladder- DAC, kombiniert mit einer externen Röhrenstufe führt zu einem außergewöhnlichen Sound, den man als Musikfreund einfach faszinierend finden muss. 
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Philipp Schneckenburger
Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 30.09.2018, 15:00 Uhr
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