Kategorie: Endstufen

Einzeltest: Audio Research Reference 250


Very Big Blocks

Endstufen Audio Research Reference 250 im Test, Bild 1
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Tatsächlich war’s nur eine Frage der Zeit, bis das passiert: Audio Research feiert Geburtstag und beglückt sich und die Fans der Marke mit Leckereien wie dem „Anniversary Reference Preamplifier“. Nunmehr gibt’s die passenden Endstufen in Gestalt der gewaltigen Monos Reference 250. Wir durften weltweit als erstes intensiv damit beschäftigen.

Mitspieler

Plattenspieler:

Transrotor Fat Bob/ Reed 3p/ Clearaudio Goldfinger

69
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Phonovorstufen:

MalValve preamp three phono
Audionet PAM G2/ EPC


Vorstufen:

MalValve preamp four line


Lautsprecher:

Tannoy Kensington
Klang + Ton "Nada"


Zubehör:

Netzversorgung von PS Audio und HMS
NF-Kabel von van den Hul und Transparent
Phonokabel van den Hul
Lautsprecherkabel vn Transparent
Plattenwaschmaschine von Clearaudio


Gegenspieler

Endverstärker:

Accustic Arts Amp2 MK2
Plinius SA-103


Ob ich’s nicht so langsam leid bin, das dicke Audio-Research-Zeug? Nicht im Mindesten. Was in der jüngeren Vergangenheit aus Plymouth, Minnesota den Weg in unseren Hörraum fand, das war immer ganz großer Sport. Besagter Anniversary Reference Preamplifier und die große Phonovorstufe Reference Phono 2 taugen definitiv dazu, absolute Maßstäbe zu setzen. Von daher kann von Sättigungserscheinungen gar keine Rede sein – HiFi auf diesem Niveau schmerzt in erster Linie dann, wenn’s zurück zum Vertrieb muss. Meine Begegnung mit den Reference 250 hinterlässt in zweierlei Hinsicht einen bitteren Nachgeschmack. Erstens: Das Paar kostet 26.000 Euro. Über den dauerhaften Verbleib zu verhandeln, ist auch bei allerbesten Beziehungen zu Vertrieb und Hersteller sinnlos. Zweitens: Das Vergnügen, große Audio-Research-Besteck in Gänze zu hören, war mir nicht vergönnt.

Endstufen Audio Research Reference 250 im Test, Bild 2Endstufen Audio Research Reference 250 im Test, Bild 3Endstufen Audio Research Reference 250 im Test, Bild 4Endstufen Audio Research Reference 250 im Test, Bild 5Endstufen Audio Research Reference 250 im Test, Bild 6Endstufen Audio Research Reference 250 im Test, Bild 7
Ich muss gestehen, dass ich mich auch gar nicht getraut habe, alle drei Geräte beim Vertrieb anzufragen. Die Reference 250 sind die Nachfolger der Reference 210. Darüber gibt’s auch noch was in Gestalt der schon etwas betagteren Reference 610T. Die scheinen nun noch mal ein anderes Kaliber zu sein, sorgen dort doch gleich 16 Pentoden vom Typ 6550 für Leistung bis zum Abwinken. Die neue Reference 250 unterscheidet sich rein optisch deutlich von den beiden anderen erwähnten Modellen und stellt scheinbar einen Rückschritt dar: Keine grünen Floureszenz-Displays mehr, sondern ein herrlich archaisches Zeigerinstrument mitten auf der Front. Ich will nicht verhehlen, dass dieses Detail nicht zuletzt dafür verantwortlich war, dass ich auf die Endstufen sofort angesprungen bin. Die Audio-Research-Leute haben optisch mal wieder alles richtig gemacht: keine riesigen Angeber-Instrumente, kein rundes Nostalgie-Bullauge. Das hier, das ist ein pragmatisches Messgerät. Eines, das mit einer (abschaltbaren) dezent-weißen Beleuchtung versehen ist und das einfach unaufgeregt- stimmig wirkt. Hey, das hier ist HiFi der allerhöchsten Güteklasse, da sind solche technisch und klanglich weitgehend unwichtigen, emotional aber kritischen Dinge entscheidend. Wie die Typenbezeichnung schon andeutet, sind die Reference 250 für eine Leistungsabgabe von 250 Watt konzipiert. Das können wir messtechnisch so bestätigen. Dafür gibt’s rückseitig Übertragerabgriffe für 4-, 8- und 16-Ohm-Lautsprecher. Gute Terminals übrigens im nickelfrei-matten Gold-Trimm. Eingangsseitig gibt’s ausschließlich eine XLR-Buchse, unsymmetrische Signale müssen draußen bleiben. Das ist konsequent, schränkt die Auswahl der möglichen Zuspieler aber natürlich ein. Die fünf Taster auf der Front dienen dem Ein- und Ausschalten, der Ruhestromkontrolle und -justage (in Verbindung mit dem Zeigerinstrument), der Geschwindigkeitswahl des eingebauten Lüfters und dem Abschalten des Zeigerinstrumentes (das im Normalbetrieb die Ausgangsleistung anzeigt) und seiner Beleuchtung. Die Ruhestromjustage geht einfach und komfortabel vonstatten, der Hersteller empfiehlt eine Kontrolle einmal pro Monat. Wessen Ruhestrom da überhaupt überwacht werden soll? Der von acht Pentoden des Typs KT120, die die Leistungsstufe dieses Großkalibers bilden. Die KT120 ist das neueste Mitglied der 6550/KT88/KT90-Familie und das leistungsfähigste: Die Röhre verkraftet eine Anodenverlustleistung von 60 Watt, mit einem Paar kann man angeblich bereits eine 150-Watt-Endstufe bauen. Audio Research reizt das nicht ganz aus, bei einer Ruheleistungsaufnahme von 320 Watt pro Monoblock darf man allerdings schon davon ausgehen, dass hier reichlich Ruhestrom im Spiel ist. Die Verstärkerschaltung belegt das linke Drittel des nicht eben schmächtigen Gehäuses. Neben dem Endröhrenoktett gibt’s eine 6H30 als Treiber. Den „vorderen“ Teil der Signalverarbeitung erledigen Halbleiter, wie bei AR üblich. Rechts im Gehäuse und nicht minder aufwendig steckt die Stromversorgung. Neben einer Vielzahl von Halbleiter-Regel- und Stabilisierungsstufen findet sich auch hier das aktuelle Prunkstück der AR-Stromversorgungstechnik: ein Röhrenregler mit einer 6550 als „Stellelement“, angesteuert von einer 6H30. Dieses offensichtlich exzellent funktionierende Stück Schaltungstechnik kennen wir schon aus den zwei eingangs erwähnten Vorstufen. Zwei dicke, schwarze, mittig im Gerät angeordnete Klötze machen die Endstufe komplett: Einer ist der Netztrafo, einer der Ausgangsübertrager. Was sich mir nicht ganz erschlossen hat, ist die korrekte Einstellung der Lüfterdrehzahl. Ich hoffe, dass die kleinere Drehzahl beim Betrieb in unseren Breitengraden ausreicht, der „Turbo- Modus“ nämlich produziert auch in unserem recht gut bedämpften Hörraum soviele Geräusche, dass ich damit nicht Musik hören möchte. Bei geringer Drehzahl hingegen herrscht praktisch Ruhe. Die Auswahl des geeigneten Lautsprecheranschlusses erwies sich wieder einmal als einfach: Der Acht-Ohm-Abgriff ist fast immer der Richtige – er war’s auf alle Fälle bei allem, was wir an die Monos gestöpselt haben. Tom Jones. Das 2010er-Album „Praise & Blame“. Der erste Titel „What Good Am I“ ist ein immer wieder gerne genommener Maßstab für die Variabilität einer Komponente. Die Reference 250 tun da ein paar Dinge, die absolut atemberaubend sind: Die Schlagzeugarbeit bei dem Stück ist leise, absolut staubtrocken und nuanciert. Es klingt – nun ja, ich weiß, das sind große Schuhe – fast echt. „Fast“, weil die Produktion das Geschehen etwas arg breit über die Stereobasis verteilt hat. Tonal und dynamisch aber ist die Illusion der Trommelfelle ist so überzeugend, dass bereits nach ein paar Sekunden Gänsehaut unvermeidlich ist. Jones‘ Stimme hingegen ist eine komplett andere klangliche Welt: warm, sonor, hoch emotional und ausdrucksstark. Die Audio Research werfen das mit größter Selbstverständlichkeit in den Raum; so, als ob wirklich zwei komplett unterschiedliche Schallereignisse gleichzeitig stattfinden würden. Großartig. Als Nächstes wandert das hervorragende MFSL-Reissue des Dead-Can-Dance-Klassikers „Into The Labyrinth“ auf den Teller. Ach ja, richtig: Das war’s, wofür man 250 Röhrenwatt braucht. Was die Amerikanerinnen hier aus einem nur 18 Zentimeter durchmessenden Tieftönerchen mit anhängigen 25 Liter Volumen zaubern, scheint praktisch unmöglich: echten, überzeugenden, tief reichenden und souveränen Bass. Mit Schwärze, Druck und Autorität. Was es hingegen nicht gibt: lokalisierbare Lautsprecher. Mir ist schon länger klar, dass unser kleines Klang+Ton-Prestigeprojekt „Nada“ eine wirklich ausgezeichnete Box ist, aber was sie hier zeigt, das toppt die bisherigen Erfahrungen nochmals merklich: Augen zu, und nichts erinnert mehr an zwei Kompaktboxen. Es spielt total frei, losgelöst und ohne „Kistensound“. Raumabbildung? Die Frage stellt sich irgendwie nicht so recht: Es ist Musik im Raum – und zwar überall. Mit besagtem Dead-Can-Dance-Album sogar noch an Stellen, wo man eher sonst nichts hört – die zahlreichen Q-Sound-Spielereien auf der Platte reproduziert das Gespann nämlich geradezu ausufernd. Nun darf man vor dem Begriff „spektakuläres Klangbild“ durchaus Respekt haben, denn das kann nach hinten losgehen. Die dicken Amis liefern ein spektakuläres Klangbild. Allerdings eins, das nicht grundsätzlich durch Effekthascherei glänzt, sondern dadurch, dass es das Wesentliche der jeweiligen Aufnahme transportiert und mit ungeheurem Nachdruck präsentiert. Der Eindruck setzt sich bei der gebürtigen Brasilianerin „Dillon“ fort, deren feines halbelektronisches Album „This Silence Kills“ bei mir derzeit rauf und runter läuft. Die reichlich brachialen synthetischen Tieftonorgien lassen die 250er völlig ungerührt, hier erhebt sich die Stimme der Sängerin auch räumlich völlig überzeugend über die synthetische Grundlage. Das Klangbild wackelt auch bei hohen Pegeln kein bisschen, es glänzt abermals mit fantastischer Differenzierung und der verblüffenden Fähigkeit, Heftiges und Zartes vollkommen selbstverständlich gleichzeitig darzustellen. Einen merklichen Erkenntnisgewinn schafft dann auch Nina Simones Konzert in der Carnegie Hall nicht mehr, bestätigt die gewonnenen Eindrücke aber nachdrücklich: Die Reference 250 schaffen es auch hier, das Geschehen erschreckend realistisch erscheinen zu lassen. Hier springt die Stimme dem Zuhörer förmlich entgegen, die Instrumentierung gruppiert sich in gehöriger Entfernung davon und lässt Nina machen. Vermutlich soll dieses Album genau so klingen. Ich jedenfalls find’s authentisch, wenn ich auch nur eine sehr theoretische Vorstellung von der Situation bei den Geschehnissen an jenem 12. Mai 1963 habe. Wichtig ist das aber auch nicht. Viel entscheidender ist der Umstand, dass ich mit diesen Verstärkern komplett abschalten und mich absolut überzeugend in die Welt entführen lassen kann, die in der jeweiligen schwarzen Rille steckt. Mehr kann ein Verstärker nicht leisten – ich ziehe den Hut.

Fazit

Unterm Strich Spektakulär? Und wie. Nervig? Niemals. Überzeugend? Immer. Hinter dem Begriff HiFi verbirgt sich der Versuch, die Schönheit von Musik technisch zu transportieren. Selten war eine Komponente derart überzeugend wie diese Röhrenmonos in der Lage, eben das zu tun.

Preis: um 26000 Euro

Endstufen

Audio Research Reference 250


06/2012 - Holger Braske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio Reference, Hamburg 
Telefon 040 53320359 
Internet www.audio-reference.de 
Garantie 2 Jahre 
Neu im Shop

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Autor Holger Braske
Kontakt E-Mail
Datum 12.06.2012, 11:27 Uhr
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