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Kategorie: Lautsprecher Stereo

Einzeltest: Spendor Classic 2/3 - Seite 2 / 3


Die goldene Mitte

Die Front ist außerdem an zwei Stellen zusätzlich versteift, was Materialbeugungen effektiv unterbinden soll. MDF wird dabei seit einiger Zeit dem traditionellen Multiplex vorgezogen, weil es homogener aufgebaut ist und daher viel kontrollierter schwingt. Da Spendor für diverse Konkurrenten aus Großbritannien die Gehäuse baut, ist ihre Expertise auf diesem Gebiet sozusagen gesetzt. Das Herz der 2/3 bleibt der hauseigene Tiefmitteltöner, der allerdings für das aktuelle Modelljahr komplett neu ent wickelt wurde. Sein steifes, selbstdämpfendes Membranmaterial und ein Gusskorb aus Magnesium standen dabei im Zentrum. Der Treiber hat fast Breitbänderqualitäten, läuft bis etwa 10 kHz schön linear und wird bei etwa 3,6 kHz aus dem Spiel genommen – die Weiche arbeitet klassisch mit Autotrafos. Da das komplette Chassis bei Spendor in Sussex produziert wird, kann man eine optimale Serienkonstanz sichern. Integraler Bestandteil dieses Treibers ist der Phase-Plug, der vor allem der besseren Schallverteilung dient und die Wiedergabe homogenisiert. Swift legt größten Wert auf möglichst homogene Treiber, die er nicht mit einer steilen Weiche zwangsverheiraten muss, was ich gut nachvollziehen kann. Wie beim Kochen kann man in der Lautsprecherentwicklung aus schlechten Zutaten nur schwer ein tolles Ergebnis zaubern.

Der Hochtöner ist schon aus anderen Modellen bekannt und wird bei Seas für Spendor gefertigt. Zur Abstimmung dienen neben intensiver Messtechnik vor allem sehr lange Hör- und Tuningsessions. Am Ende entscheiden sich Swift und seine Mitarbeiter immer für die klanglich bessere Lösung, denn entscheidende Unterschiede im Klang spiegelten sich nicht zwingend in Messwerten wider. Und genau das kann man sofort hören. „Bandes originales du journal de SPIROU“ ist eine höchst spannende Vertonung verschiedener Comicabenteuer mit sehr unterschiedlichen Musikstilen. „Chaminou et la Krompire“ von Tony Coe ist eine wunderbar arrangierte „Filmmusik“ mit freieren Phasen. Hier kommt es darauf an, was eine Box kann: Strengt mich die Musik an oder höre ich ihr gespannt zu? Kann der Lautsprecher die komplexen Strukturen aufl ösen, ohne dabei den Zusammenhang aus dem Fokus zu verlieren? Die Spendor kann, und wie. Auf „Nuit blanches pour les gorilles“ donnert mir John Zorns böse, noiseartige Musik entgegen, eine Art speedmetalliger Free Jazz, gleich wieder abgelöst von einem „harmlosen“ kammermusikalischen Stück mit Klarinetten und Streichern, garniert mit Männer- und Frauenstimmen.

Preis: um 3990 Euro

Spendor Classic 2/3


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Autor Hans Heid
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Datum 02.08.2018, 15:03 Uhr