Kategorie: Musikserver

Einzeltest: CAAS DAS


DAS kann man laut sagen!

Musikserver CAAS DAS im Test, Bild 1
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Mit der Bezeichnung Server verbindet man ja eigentlich eher einen wuchtigen Apparat mit vielen Kabeln und Schaltern. Im Audiobereich trifft das nicht immer zu, denn hier gilt oft: Klein, aber fein.

England ist Heimat vieler Hersteller von High-End-Audiogeräten und auch die Firma CAAS entstammt dem royalen Inselstaat. In North Yorkshire beheimatet, entstehen unter der Führung von Neil und Carl Broomfield die Elysian-Reihe, bestehend aus den 100er-Mono-Endstufen und dem Elysian-Musikserver mit Vorstufe, sowie der von uns getestete Digital Audio Server, kurz DAS genannt. Und da ist er dann auch schon wieder, der Name „Server“. Dieser Ausdruck aus der Datenverarbeitung hat sich durch die Digitalisierung der HiFi-Welt auch in die Wohnzimmer geschlichen und die generelle Vernetzung des eigenen Zuhauses hat hoffentlich so ein bisschen die Angst vor solchen Fachbegriffen genommen. Trotzdem klingt das Ganze immer sehr technisch und kompliziert, was aber wirklich nicht sein muss.

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Schon gar nicht beim DAS. Anstelle eines riesigen Gerätes bekommt man beim Digital Audio Server ein kleines Kästchen, in dem sich die komplette Technik verbirgt. Von außen eher wenig auffällig kommt man nicht sofort auf den Gedanken, dass sich ein Audiocomputer mit DAC in dem dezent gestalteten Metallgehäuse wiederfindet. Lediglich die massive Frontplatte versucht durch ihre dezente Überproportionierung ein wenig Größe vorzugaukeln. Zu komplex sieht das Ganze aber wirklich nicht aus, denn auch an unnötigen Bedienelementen oder wilden LED-Illuminationen am Gehäuse spart der CAAS schönerweise. Sichtbar ist lediglich ein einzelner Knopf, um den Eingang zu wählen. Je nach Wahl leuchtet dann entweder die LED für den Serverbetrieb oder die für den DAC-Modus, der für die Verwendung von Quellgeräten am koaxialen S/PDIF-Eingang an der Rückseite gedacht ist. Außer dem koaxialen Eingang bietet der DAS noch zwei weitere Möglichkeiten, an die eigene Musik zu kommen. Zwei USB-A-Buchsen dienen zur Verbindung von externen Festplatten und Massenspeichersticks. Dabei ist aber darauf zu achten, das kleine Gerät nicht zu überlasten. Externe Festplatten mit 3,5 Zoll, die im Normalfall ja über eine eigene Stromversorgung verfügen, stellen kein Problem dar. Ebenso wenig wie die Verwendung von USB-Sticks. Die in den letzten Jahren immer beliebter gewordenen 2,5-Zoll-Festplatten, die nicht über ein eigenes Netzteil verfügen, könnten jedoch mehr Strom vom USB-Anschluss verlangen, als dort zur Verfügung steht. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, ein LAN-Kabel in den DAS zu stecken und so auf Inhalte zuzugreifen, die auf einem Netzwerkspeicher gelagert sind. Außerdem besteht so im Idealfall natürlich auch eine Verbindung ans Internet, um Zugriff auf Inhalte wie Webradios und Zusatzinformationen zur eigenen Bibliothek erhalten zu können. Generell empfiehlt sich am DAS eher die Verwendung von Festplatten als die Musikübertragung über das Netzwerk, das dann nur zur Steuerung und für die Zusatzinfos nötig ist. Zuletzt ist da noch ein Anschluss, den man nicht unbedingt an einem Audiogerät erwartet: Eine HDMI-Buchse. Diese wird auch tatsächlich mindestens ein Mal zum Einsatz kommen, denn der DAS besitzt ein visuelles Interface, das auf einem passenden Fernseher dargestellt und mit dem das System eingerichtet wird. Dabei handelt es sich um ein Mediaplayer-Programm mit dem Namen XBMC, ein Name der vielen bereits bekannt sein dürfte, denn es ist das favorisierte System für den beliebten Raspberry Pi. Das hat auch einen bestimmten Grund, denn im Innern des DAS steckt tatsächlich einer der winzigen Computer. Keine schlechte Lösung, denn im Computer-Audio- Bereich genießt der Micro-Rechner seit Jahren einen exzellenten Ruf. Da wären wir aber schon wieder auf der technischen Seite der Musikwiedergabe, und die Vorstellung, eine nackte Platine ins Wohnzimmer zu legen, stößt bei vielen auf wenig Gegenliebe. Dieses Problem fällt hier natürlich weg, denn eingesetzt in den DAS kann man nicht über fehlende optische Finesse klagen. Außerdem entfällt natürlich die Installation, die dem geneigten Nutzer doch einiges an Know-how abverlangte. So gibt es hier eine clevere Möglichkeit in den Genuss des Pi zu kommen, auch ohne eine Tastatur anzufassen, denn gesteuert wird der Digital Audio Server mit einem Tablet oder Smartphone. Alternativ ist es möglich den DAS mit der Fernbedienung des Fernsehers zu steuern, solange dieser über CEC-Unterstützung verfügt. Je nach Hersteller kann diese Funktion auch anders heißen, zum Beispiel Bravia bei Sony, oder Vieralink bei Panasonic. Dazu muss der Fernseher jedoch am Gerät angeschlossen bleiben, bei der Tabletsteuerung wird er nur zur ersten Einrichtung gebraucht. Damit lädt man eine XBMC-kompatible App herunter, wobei CAAS für Android-Geräte Yatse empfiehlt, für iOS-Tablets sollte XBMC Remote verwendet werden. So kann man im Fernbedienungsmodus der App entweder durch das Menü auf dem Fernseher navigieren oder den DAS direkt bedienen. Dazu müssen allerdings vorher die Musikspeicher angegeben und eingelesen werden, so dass die Bibliothek über die App nach den richtigen Titeln durchstöbert werden kann. Bei größeren Mengen an Musik sollte man dem kleinen Server allerdings seine Zeit geben, um alles korrekt einzulesen und ihn dabei im besten Fall auch nicht mit weiteren Eingaben stören. Sind dann erst mal alle Informationen in der App hinterlegt, gestaltet sich die Bedienung problemfrei. Übersichtliche Listen dominieren zunächst das Bedienfeld, bevor beim Abspielen auf Wunsch auch das Cover und ein paar nette Zusatzinformationen zu den Alben angezeigt werden können. Auf dem Fernseher präsentiert sich das Ganze sogar noch ein wenig aufwendiger, denn dort inszenieren sich die Bandmitglieder bereits auf den Hintergrundbildern der Menüs, bereit endlich Musik spielen zu lassen. Bei der Verarbeitung der digitalen Musiksammlung gibt sich der CAAS dann auch keine Blöße. Praktisch alle bekannten Musikformate können vom Audiocomputer im Inneren verarbeitet werden. Egal ob die gängigen wie ALAC oder FLAC, Komprimiertes wie MP3s und OGG oder exotische Formate wie APE, der Raspberry Pi kennt keine Gnade. Wer sich damit etwas auskennt, dem mag einfallen, dass der Pi ja eigentlich auch Videos abspielen kann, und da der DAS ja schon mal am Fernseher hängt, könnte man damit vielleicht auch das Heimkino aufpeppen. Das funktioniert jedoch so nicht, denn mit dem DAS beschränkt sich CAAS auf die reinen Audiofähigkeiten. Auch deshalb, weil viel Arbeit in die angepasste I²S-Schnittstelle gesetzt wurde, die die Datenübertragung an den DAC regelt. Besonderes Augenmerk wurde hier auf das Signaltiming und die Pufferung gelegt, um ein möglichst jitterfreies Signal weitergeben zu können. Um diese spezielle Einstellung nicht zu gefährden, sollte die XBMC nicht einfach manuell upgedatet werden, da erst vom Hersteller sichergestellt wird, ob durch ein Softwareupdate nicht eventuell der Klang in Mitleidenschaft gezogen wird. Schließlich soll hier das beste mögliche Audioergebnis aus den Komponenten herausgeholt werden. Das ist löblich, ebenso wie die Entscheidung, sich beim D/A-Wandler für einen Ladder-DAC zu entscheiden, die ja wegen ihrer purisitschen Arbeitsweise und dem neutralen Klang geschätzt werden. Im CAS setzt man auf gleich zwei parallele Burr-Brown-Wandler, die alle Musikdaten in hörbare Signale umsetzen. Musik die von USB oder über LAN ankommt, kann dabei mit Auflösungen bis zu 192 kHz bei 24 Bit vorliegen. Verwendet man den DAS im DAC-Modus, können Signale, die über den koaxialen Input eingehen, mit bis zu 96 kHz bei 16 Bit umgesetzt werden. Daneben gibt es noch eine weitere Möglichkeit, den D/A-Wandler im DAS nutzen zu können: Apple-Geräte mit AirPlay können ihre Musik über das Netzwerk an den Server streamen, um so den Laptop oder ein Smartphone in die HiFi-Anlage einzubinden. Damit ist man dann zusätzlich in der Lage, Internet-Streamingdienste über den CAAS wiedergeben und vom internen DAC verarbeiten zu lassen. Dabei sollte man aber beachten, dass die analogen Anschlüsse des DAS zur Verwendung an einem Vorverstärker gedacht sind, da der Server direkt die Signale des Wandlers ausgibt. Einmal an einen Verstärker angeschlossen, kann er dann endlich zeigen, was er kann. Wie zu erwarten war, reicht der Server alle Signale klaglos und sehr neutral weiter, ohne besondere Betonung von bestimmten Frequenzbereichen. Der Ladder- DAC rechnet um, ohne dabei wirklich Eingriffe in die Klanggestaltung zu machen. Eine Tatsache, die vielleicht nicht jeden glücklich macht, da das Endergebnis dabei nun mal auch in einem gewissen Maße von der Aufnahme abhängig ist. Wer es jedoch zu schätzen weiß, wenn beispielsweise ein Rockstück etwas dreckig klingen soll, oder auch gerade das weiche Spiel von Streichorchestern mag, der hat auf jeden Fall Spaß mit dem DAS. Die Arbeit die sich CAAS beim Anpassen ihres I²S-Protokolls gemacht haben, hat sich gelohnt, denn Jitter sucht man hier vergebens und auch der Dynamikumfang ist ordentlich. Hier wurden die Vorteile, die der Raspberry Pi bietet, genutzt, die Nachteile wurden angegangen und dann wurde alles mit guter Technik und ansprechendem Äußeren ergänzt. Man muss also kein Programmierer mehr sein um mit einem Digital- Audio-Server umzugehen.

Fazit

„Mit dem CAAS Digital Audio Server schaffen auch Einsteiger den Sprung Richtung Computer-Audio. Hauptsächlich weil das Stichwort Computer eher klein, Audio dafür aber umso größer geschrieben wird.“

Preis: um 3700 Euro

Musikserver

CAAS DAS


03/2015 - Philipp Schneckenburger

Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Hörgenuss für Audiophile, Frankfurt 
Telefon 069 40326292 
Internet www.hgfa.de 
Abmessungen (B x H x T in mm) 220/65/260 
Eingänge: 1 x Ethernet 
- 1 x S/PDIF koaxial 
- 2 x USB-A 
Unterstützte Formate: Alle gängigen PCM-Formate inkl. ALAC, WAV, FLAC, AIFF, WMA ... 
Unterstützte Abtastraten: Ethernet/ USB: bis 192 kHz, 24 Bit S/PDIF: bis 96 kHz, 16 Bit 
Ausgänge: 1 x RCA Stereo 
- 1 x HDMI 
checksum „Mit dem CAAS Digital Audio Server schaffen auch Einsteiger den Sprung Richtung Computer-Audio. Hauptsächlich weil das Stichwort Computer eher klein, Audio dafür aber umso größer geschrieben wird.“ 
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Autor Philipp Schneckenburger
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Datum 03.03.2015, 10:00 Uhr
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