Kategorie: Phono Vorstufen

Einzeltest: Audio Research LP1


Der Spezialist

Phono Vorstufen Audio Research LP1 im Test, Bild 1
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Audio Research? Richtig, schon wieder. Tatsächlich ist kaum ein anderer Hersteller so produktiv, wenn es um die Vorstellung neuer Geräte geht. Und das hier, das ist etwas Besonderes, geht’s doch preismäßig endlich mal nach unten

Mitspieler


Plattenspieler:

 Transrotor Fat Bob / Reed 3p
 Clearaudio Performance DC / Clarify

Vorstufen:

 MalValve preamp four line
 Lindemann 830S

Endverstärker:

 Lindemann 858

Lautsprecher:

 Audio Physic Avantera
 Klang + Ton Nada

Zubehör:

 Netzsynthesizer PS Audio P10
 NF-Kabel von van den Hul und Transparent
 Phonokabel van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudio


Gegenspieler


Phonovorstufen:

 MalValve preamp three phono
 Vitus Audio PR-101 


Phonovorstufen von Audio Research hatten wir reichlich in den letzten Jahren. Ich erinnere mich an mindestens fünf Modelle, mit denen ich mich beschäftigen durfte.

Phono Vorstufen Audio Research LP1 im Test, Bild 2Phono Vorstufen Audio Research LP1 im Test, Bild 3Phono Vorstufen Audio Research LP1 im Test, Bild 4Phono Vorstufen Audio Research LP1 im Test, Bild 5Phono Vorstufen Audio Research LP1 im Test, Bild 6Phono Vorstufen Audio Research LP1 im Test, Bild 7
Das ist mehr, als die meisten Elektronikhersteller während ihrer gesamten Existenz zustande bringen, bei den Amerikanern ist es nur eine Gerätegattung unter vielen, in denen sie mindestens ebenso konsequent modernisieren. Die „LP-1“ allerdings entzieht sich gängigen Audio- Research-Maßstäben, schon deshalb, weil sie viel kleiner ist als die üblichen Neunzehnzöller aus Minnesota. Mit einer Breite von 33 Zentimeter ist das Gerät in etwa um den gleichen Faktor schmaler als die bislang kleinste Phonovorstufe von Audio Research – die PH6 – wie sie auch im Preis niedriger liegt: 2.500 Euro kostet die LP1, 3.850 die PH6. Ich will nicht verhehlen: Bei aller Begeisterung für die Bemühungen des Herstellers, das Programm nach unten sinnvoll zu erweitern – das ist immer noch eine ganze Stange Geld. Und das schmerzt mich deshalb ein bisschen, weil die ausgezeichnete PH5, die ich 2009 testen durfte, ebenfalls 2.500 Euro kostete und weitaus mehr konnte als die LP-1 – zumindest in Sachen Ausstattung. Vergangenem nachzutrauern hilft bekanntermaßen wenig, freuen wir uns stattdessen lieber darüber, dass es auch anno 2013 unverwechselbare Audio-Resarch-Technologie in dieser Preisklasse gibt. Das heißt in diesem Zusammenhang, dass wir es mit einer Hybridkonstruktion zu tun haben, bei der sich Röhren und Halbleiter schiedlich- friedlich den Job teilen; jeder da, wo er denn am besten kann. Im Prinzip ist die LP1 eine reine MM-Vorstufe mit einer fixen Verstärkung von 47 Dezibel und einer ebenso unveränderlichen Eingangsimpedanz von 47 Kiloohm. „Im Prinzip“ deshalb, weil sich durchaus das eine oder andere MC-Tonabnehmerchen finden lässt, das in dieser Umgebung funktioniert, und das auch abseits der ausgewiesenen High- Output-MCs. Der Hersteller empfiehlt Abtatster mit einer Ausgangsspannung von 0,7 bis 7 Millivolt. Da das Gerät ziemlich rauscharm ist, dürfen’s auch noch 100 oder 200 Mikrovolt weniger sein, wenn man bereit ist, den Lautstärkesteller in bisschen weiter aufzudrehen. Wer „so richtig“ mit MC-Abtatstern spielen will, der wird sich jedoch vermutlich nach einer universelleren Vorstufe umsehen, zumal dann höchstwahrscheinlich auch mehr Flexibilität bei der Eingangsimpedanz gegeben ist. Die Domäne der LP1 hingegen sind gute MMs, High-Output-MCs oder MIs mit entsprechender Ausgangsspannung, und unter diesen Abtastern gibt’s wahrlich hervorragende Exemplare, die so manches „dicke“ MC reichlich alt aussehen lassen können. In Sachen Bedienung gibt das Gerät wenig Rätsel auf: Ein kleiner Wippschalter für die Netzspannung ein weiterer fürs Stummschalten des Ausgang – das war’s. Nichts auf der Rückseite, keine Mäuseklaviere im Inneren. Auf der Rückseite gibt’s zwei Paar Cinch-Anschlussbuchen, eine Erdungsklemme und eine Netzeingangsbuchse. Sonst nix. Die Verabeitung stimmt und entspricht weitgehend dem üblichen Audio Research- Standard. Das Gehäuse ist silberfarben lackiert, die Front ist hell eloxiert; das Gerät gibt’s nur so und nicht in Schwarz. Ein Blick unter den geschlitzten Deckel offenbart einen typischen Audio-Research- Aufbau, wenn auch kompakter als üblich. Rund zwei Drittel der flächendeckenden Platine werden von der opulenten Stromversorgung in Anspruch genommen, ein Drittel von der Verstärkerschaltung. Beginnen wir beim Strom: Der wird von einem eigens in New York angefertigten Transformator aufbereitet. Es folgen eine Mange Gleichrichter, Siebelkos und Stabilisierungsschaltungen, um ja jedem Schaltungsteil optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen. Und da finden sich Abnehmer für mindestens fünf verschiedene Betriebsspannungen: von Anoden- und Heizungsversorgung der Röhre über eine doppelte Spannung für die Halbleiter-Eingangsstufe bis hin zu mindestens einer Spannung für die beiden Chips (die wohl nichts mit der Signalverarbeitung zu tun haben). Der Verstärkerzug sitzt rechts im Gehäuse. Eingangsseitig gibt’s rauscharme Transistoren vom Typ „JFet“, teilweise zu Paaren vergossen. Im Entzerrernetzwerk stecken gute Styroflex-Kondensatoren, Koppelkapazitäten sind mit „REL-Caps“ realisiert, auch das ist exzellentes Material. Den obligatorischen Röhrenepart in Gestalt der letzten Verstärkerstufe übernimmt eine Doppeltriode vom Typ 6H30, wobei jeder Kanal ein Triodensystem „zugesprochen“ bekommt. Die eingesetzte Sovtek-Variante dieser potenten Edelröhre gilt als exzellent und darf auch in den ganz dicken Audio- Research-Kalibern ihren Dienst verrichten. Der gesamte Aufbau erfolgt auf einer doppelseitigen Platine, die, auch das ist bei Audio Research Standard, keinen Lötstopplack trägt, nur verzinnte Leiterbahnen. Die sonstige passive Bestückung ist von durch die Bank ausgesucht hochwertiger Art, so dass es von technischer Seite her an der Realisation des Gerätes absolut nichts auszusetzen gibt. Jetzt muss sie nur noch richtig gut spielen, die kleine Audio Research, dann geht auch der Preis irgendwie in Ordnung. Das mit den MCs, das habe ich relativ schnell drangegeben. Auch das Clearaudio Goldfinger, nicht eben leise und erfahrungsgemäß sehr gut 47-Kiloohm-tauglich, bewegt sich pegelmäßig am unteren Ende dessen, was die LP1 sinnvoll bedienen kann. Weit weniger problematisch zeigte sich das Goldring 2500, nach wie vor einer meiner Lieblingstonabnehmer im Irgendwie-noch-bezahlbar-Bereich (um 400 Euro). Der britische Alleskönner warf sein ganzes dynamisches Potenzial in die Waagschale und die LP1 verstand es vortrefflich, diese Meriten auch zu Gehör zu bringen. Die aktuelle Dosis Blues von ZZ Top in Gestalt des Albums „La Futura“ rumpelt so richtig schön kraftvoll-schleppend aus den Lautsprechern, Kari Bremnes jüngster Longplayer tönt energiereich und glockenklar. So richtig viel fehlt da zu einem echten Top-Abtaster nicht. Auch nicht beim Clearaudio Virtuoso V2, der im hauseigenen Laufwerk „Performance DC“ einen anderen, ebenso gefälligen Charakter an den Tag legte: wärmer und satter als das Goldring, einen Hauch farbiger, dynamisch etwas zurückhaltender legte das zweitgrößte der neuen Clearaudio MMs typisch analoge Tugenden an den Tag. Doch natürlich geht da noch mehr: Grados Reference 1 ist das Kaliber, das die LP1 wirklich fordert. Mit einer nominellen Ausgangsspannung von knapp fünf Millivolt und einer Induktivität von 475 Millihenry benimmt es sich exakt wie ein klassisches MM, hat aber dynamisch deutliche Vorteile – die zu bewegende Masse ist sehr viel geringer. Und so ging das 1.600 Euro teure (der Preis könnte überholt sein) System an der LP1 wie die sprichwörtliche Feuerwehr; die kleine Audio Research folgte der beeindruckenden dynamischen Spannweite der 59er-Karajan-Aida genauso souverän wie den Tiefton-Orgien auf Massve Attacks „Heligoland“. Ich kenne das Grado als tonal betont ausgewogenen Tonabnehmer, und diesen Charakter transportiert die LP1 mustergültig: im Bass variabel und tief reichend, in den Stimmen exakt und komplett unverfärbt, oben herum mit Luft, aber ohne künstliche „Silbrigkeit“. Um dem Grado merklich bessere Arbeitsbedingungen zu verschaffen, bedarf es sicherlich erheblich größerer Investitionen als die, die für die LP1 fällig sind.

Fazit

Sparen Sie nicht beim Tonabnehmer, und Sie werden belohnt: Einen ausreichend lauten und 47k-tauglichen Spitzenabtaster vorausgesetzt, verwöhnt die LP1 mit rasanter Dynamik, massig Transparenz und tonaler Akkuratesse. Eine echte Klasse-Phonovorstufe für besondere Anwendungsfälle.

Preis: um 2500 Euro

Phono Vorstufen

Audio Research LP1


05/2013 - Holger Barske

 
Ausstattung & technische Daten 
Vertrieb Audio Reference, Hamburg 
Telefon 040 53320359 
Internet www.audio-reference.de 
Garantie (in Jahren)
B x H x T (in mm) 330/114/218 
Gewicht (in Kg)
Unterm Strich... » Sparen Sie nicht beim Tonabnehmer, und Sie werden belohnt: Einen ausreichend lauten und 47k-tauglichen Spitzenabtaster vorausgesetzt, verwöhnt die LP1 mit rasanter Dynamik, massig Transparenz und tonaler Akkuratesse. Eine echte Klasse-Phonovorstufe für besondere Anwendungsfälle. 
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Holger Barske
Autor Holger Barske
Kontakt E-Mail
Datum 14.05.2013, 10:02 Uhr
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Topthema: DIE MUSIKTRUHE IST ZURÜCK
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